Altersdemenz ?

Dieses Thema im Forum 'Alt werden, alt sein' wurde von Silence gestartet, 2 Juli 2011.

  1. Soraya Guest

    Hört sich hart an aber ihr kennt sie nicht sie ist sehr dominant mischt sich immernoch in mein leben ein obwohl ich es ganz gut selber schaffe usw Ach ist auch ein anderes Thema gell
  2. Martin44 Active Member

    Zunächst mal Silence bist Du, nach all Deinen Schilderungen hier eine sehr, sehr gute Tochter. Und schon dafür würde ich Dich gerne an mich nehmen und Dich trösten und Mut zusprechen.
    Von dementen Menschen anzunehmen, sie würden ihr negatives Handeln grundsätzlich und anhaltend einsehn, ist leider nicht möglich. Für sie ist es ein stetes auf und ab. Und zwar in nahezu regelmäßiger Folge. Gleich aufbrausend und dann wieder lammfromm. Und so wie beim Alkoholisierten der eine ganz ruhig wird, wird der andere aggressiv. Unsere Pflegerinnen wissen da ein Lied davon zu singen und nicht nur einmal kommt die eine oder andere mit einem blauen Auge nach Hause. Und dabei gibt es keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern. Ganz traurig ist das für jene Menschen die einander bisher sehr geliebt haben. In der Regel die Ehefrau und die Töchter oder Söhne. Die Reihenfolge wird wohl so stimmen.

    Nachdem der Zustand nicht veränderbar ist (sofern es sich tatsächlich um Demenz handelt) ist es wichtig zu wissen, dass nur ihr euch umstellen und verändern könnt um mit der Situation fertig zu werden und nicht daran kaputt zu gehen. Dazu ist mal der Zusammenhalt der restlichen, nahen Familieangehörigen unbedingt notwendig. Absprachen zu jeder nur denkbaren Situation und den dementen Vater immer wieder „irritieren“. Nun, wie ist das gemeint. Sprecht ihn unvermittelt über Dinge an, die lange her sind und damals die ganze Familie erheiterte. Lernt es andererseits, dem Vater so wenig als möglich zu widersprechen oder ihn gar anzuschrein. So komisch es klingt, Güte kann man lernen. Krankenhäuser und Seniorenheime bieten Kurse dazu an. Setz Dich mit Deiner Mutter dort hin und hör mit beiden Ohren zu, - es zahlt sich aus und ist i.d.R. völlig kostenlos.
    Aus einem dieser Kurse mag ich Dir ein Beispiel nennen.

    Eine demente Dame (ich nenn sie mal Frau Maier) behauptet gegenüber der anwesenden Pflegerin, sie habe ihr die Geldbörse gestohlen.
    Nun. Denk jetzt mal nach, - was würde im täglichen Leben genau jetzt passieren?
    Und das was Du jetzt denkst drehe einfach um. Vergiss all Deine üblichen Reaktionen.

    Und weiter.
    Die Pflegerin nimmt die Dame unterm Arm und sagt: „Kommen sie Frau Maier, wir suchen die Börse gemeinsam“.

    Hier erfolgt nicht nur augenblicklich eine Irritation sondern die Situation wird sofort der Aggressivität entzogen. Also deeskaliert.

    Auf den Fall des Vaters umgelegt: Du hast es in der Hand gehabt, die Lage zu steuern und nicht er. Er kann das nicht.

    Und nochmals zu der Dame und der Pflegerin: Beide entgehen absolut einer, - mehr oder weniger heftigen Konfrontation. Und die Dame vergißt vielleicht schon wieder darauf oder ihre Aufgeregheit mindert sich erheblich. Und ganz wichtig nach dem Vorfall ist das Besprechen des selben mit den Pflegerinnen bzw. in Deinem Fall mit der Mutter unheimlich wichtig.
    Würde dieses Ventil des nachher Besprechens fehlen, wird das zum psychischen Dilemma für jenen der sich zur Güte zwingt.
    Du entschuldigst, ich hab alles ein wenig gekürzt dargestellt, es ist aber doch ein wenig lang geworden. Aber ich bin solchen Menschen einfach nahe und kenne vor allem viele Sorgen der betroffenen Angehörigen.

    Alles Gute Dir und allen die jetze viel Mut zu dieser Situation brauchen.
    Martin
    *SALU* und Silence gefällt dies.
  3. Lucille Well-Known Member

    Liebe Silence,

    lass' Dich vor allem nicht verunsichern, also arrangiere Dich im Vorfeld nicht schon mit "Demenz".
    Es gibt noch keine Diagnose, vergiss das nicht, und so kann auch etwas weit weniger Drastisches hinter dem
    Verhalten von Deinem Vater stecken.

    Alles Liebe,
    Lucille
  4. Martin44 Active Member

    Genau!!! Das was Lucille schreibt ist vollends zu unterstreichen. Zu allererst ist die Abklärung wichtig.
    Im Vorfeld (wenn der Vater partout nicht zum Arzt zu bringen ist), das hat es auch Lucille schon geschrieben: Das penible notieren der Vorfälle und dies jeweils mit der Uhrzeit.
    Mein Beitrag oben bezieht sich vor allem auf Eure Umstellung, wenn sich herausstellen sollte, dass es sich tatsächlich um Demenz handelt.

    lg Martin
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  5. Silence Well-Known Member

    Lieber Martin,

    vielen Dank , für Deine Antwort !
    Das hat mir einen völlig neuen Blickwinkel gezeigt.
    Vor allem, daß ich mich nun in die Lage derer hineinversetzten kann, die das tagtäglich " aushalten" und mit viel Geduld und fachlichem Einfühlungsvermögen reagieren.

    Was meinen Vater betrifft, er hat mich gestern Abend in die Arme genommen, so als wenn nichts gewesen wäre.....:) !
    Ich werde ihn auch diesbezüglich nicht mehr ansprechen, weil ich in seinem Blick erkannt habe, daß ich ihm wichtig bin und daß es ihm leidgetan hat !

    Falls nochmal so eine Situation kommen sollte, werde ich nun , mit meinem dazu gewonnen Wissen, ruhiger und besonnener reagieren.
    Das war sehr wahrscheinlich alles garnicht gegen mich gerichtet , er ist sensibler geworden und kann vom nervlichen her , nicht mehr soviel ertragen, wie früher.
    Und das werde ich nun berücksichtigen !

    Nochmals ein großes und herzliches Danke an Dich und viele Grüße von der,

    Silence


  6. Silence Well-Known Member

    Liebe Lucille,

    ein herzliches Dankeschön von mir an Dich.
    Im Grunde genommen ist die Diagnose ja wirklich nciht so wichtig, was nützen mir die ganzen Kriterien, wenn das Verhalten unseres Vaters uns gegenüber so verändert ist.
    Wir als seine Familie wissen, wie er sich damit fühlt und werden das nun auch berücksichtigen.

    Ich denke, ich werde mit meinen Geschwistern darüber sprechen und wenn jetzt Ferien sind mich zeitlich mehr um ihn kümmern und schauen, daß meine Mutter da entlastet wird.

    Noch drei Wochen und dann sind Ferien.

    Dann ticken die Uhren wieder gemächlicher und vieles entspannt sich von selbst !

    Mit den besten Wünschen für Dich und noch eine schöne Woche,

    Silence
  7. MarionBaccarra1 Active Member

    Liebe Silence.

    Ich habe es vor einigen Jahren bei meinem Vater so erlebt. Er war immer sehr hart fast lieblos, aber je älter er wurde, um so aggresiver wurde er. Jede noch so kleine Kleinigkeit brachte ihn auf die Palme und wir, die Familie sahen uns nur ratlos an. Wir bemerkten, das er vieles vergaß und halfen ihm bei absolut allem. Und dennoch war er innerlich immer auf 180!

    Bei einem Gespräch über eine Kleinigkeit rastete er völlig aus, und schrie: "Wenn du mal so alt bist wie ich, und deine Sachen nicht mehr alleine regeln kannst, wirst du sehen, wie beschi..das ist."

    Hier lag also das Problem. Er selbst kam nicht mehr damit klar, das er vieles nicht mehr alleine erledigen konnte.
    Ich sprach mit seinem Arzt, wie ich mich am besten verhalten sollte, weil ich meinen Vater ja rund um die Uhr pflegte. Sein Arzt meinte ich solle noch liebevoller mit ihm umgehen, denn seine Wut galt nicht mir, sondern dem älter werden und dem nicht mehr alleine zurechtkommen.

    Liebe Gedanken an dich

    Marion:))
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  8. Hortensie Well-Known Member

    Das hört sich nicht nur so an, dass ist es auch für meine Augen/Ohren. Warum läßt du zu, dass sie sich einmischt? Doch letztendlich wird sie das ernten, was sie gesät hat ;).
  9. Silence Well-Known Member

    Liebe Marion,

    sorry, daß ich erst jetzt antworte, habe Deinen Beitrag erst jetzt gelesen.

    Das was Du erzählst, erinnert mich sehr an meinen Vater.

    Zur Zeit merken wir es wieder alle, daß er sich rapide verändert. Er verwechselt und vergißt Dinge und ist auch wieder sehr aggressiv.

    Meine Eltern sind dabei ihre Wohnung zu renovieren und er merkt ganz stark, daß er das nicht mehr so kann, daß er einfach nciht mehr die Nerven dafür hat, keine Geduld, wie auch immer.
    Wir geben ihm , denke ich, das Gefühl, daß es völlig okay ist, wenn er das alles langsamer macht, dazwischen Ruhepausen einlegt oder auch mal eine Runde länger schläft.
    Aber gerade dann, wenn wir verständnisvoll reagieren, wird er wütend !

    Das bekommt dann meine Mutter zeimlich ab und das tut mir entsetzlich leid.

    ES macht sie ziemlich fertig und ich habe ihr geraten, deswegen mal mit unserem Hausarzt zu reden .

    Ohmann, ich merke wieder, wieviel Baustellen ich habe.................

    Hat sich Dein Vater denn dadurch wieder zum positiven verändert ?

    Viele liebe Grüße und nochmals Danke,

    Silence
    MarionBaccarra1 gefällt dies.
  10. MarionBaccarra1 Active Member

    Liebe Silence .

    Das scheint der Knackpunkt zu sein..das er von der Familie selber noch einmal hört, das er nicht mehr so kann..oder fast gar nichts mehr kann...das er extra Pausen machen soll...und unterm Strich eher störend und überflüssig ist.
    Ich sage das man so ganz direkt und knallhart. (Bitte nicht erschrecken.)

    Im Endeffekt will er nicht länger schlafen als die anderen, er will genauso früh aufstehen wie die anderen, und so wie früher sein bestes geben. Er möchte gelobt werden für eine besondere Arbeit oder seine Ausdauer. Seine Ruhepausen, die er ja wirklich braucht, muss er sich ganz alleine holen.

    Das hat mein Vater mir einmal erzählt, als es völlig erschöpft bei einer Gartenarbeit seine Zigarettenpause machte. Da er Raucher war, nahm er dies als Anlass eine Pause zu machen.

    Nicht er hat sich verändert, sondern ich habe meine Einstellung verändert. Ich war diejenige, die sonst immer alles abbekommen hat von seiner Wut. Jetzt weiß ich, das seine Wut sich gegen das Altern und sich selbst gerichtet hat.

    Ich habe ganz langsam Schritt für Schritt die Arbeiten für ihn geändert. Mein Vater (gelernter Maurer) packte nicht mehr mit an, sondern war nur noch der , der kontrollierte ob alles richtig gemacht wurde..(das habe ich mit der Familie so abgesprochen)...Mein Vater wurde mein wichtigster Mann, denn er brachte mir auf meinen Wunsch hin jeden Tag ein kleines Brot von seinem Spaziergang mit (ich sagte ihm das ich es immer vergesse) usw.

    Vielleicht könnte dein Vater mittags die Kartoffeln regelmäßig schälen..(weil...deine Mutter vielleicht Probleme mit den Fingern hat..Schmerzen..oder so) Mein Vater war der Broteinkäufer und zwar jeden Tag, das hat er mit Freude gemacht. Vielleicht geht das auch bei euch..

    Seine Arbeiten, oder Aufträge, die ich mir Stück für Stück für ihn erdachte begannen auch erst ab 11 Uhr morgens...

    Liebe Grüße an dich

    Marion:))
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  11. Silence Well-Known Member

    Liebe Marion,

    in meinem Vater ist noch soviele Energie das alles selber zu machen, was ich auch auf der einen Seite schön finde.

    Aber er ist unvernünftig , wie ein kleines Kind, er weiß genau, daß er sich nicht mehr bücken soll, weil das für seinen hohen Blutdruck nicht geeignet ist .
    Er weiß selbst, daß er dann Kopfschmerzen bekommt doch was macht er, nimmt sich seine Gartenhacke und zupft das lockergewordenen Unkraut raus. Wir haben in der Woche 2 Gartentage, an dem wir das gemiensam machen, er lockert auf, ich rupfe alles raus, was nicht dahingehört.

    An einem Tag, kam mir ein Termin dazwischen, da war er grantig und meinte dann , er müßte es alleine machen, obwohl er weiß, welche Auswirkungen das hat.
    Was meinst Du, was ich wohl wieder für ein schlechtes Gewissen habe.....
    Ich bin auch nicht sauerr, aber es bringt mich oft auf die Palme...

    Das mit den Kartoffelschälen ist ohnehin sein Job, das macht keiner so gut wie er :) !

    Seine Arbeiten verändern, sowas kann nur meine Mutter, das würde ich auch nicht tun, als seine Tochter !

    Wir versuche es auch , nicht soooo offensichtilich zu machen, aber schauen halt, daß er sich die Auszeiten nimmt, die er sich ansonsten nicht nehmen würde, man könnte ja was verpassen :D.

    Ich muß sagen, es fällt mir schwer , das zu akzeptieren, daß er oft so kindisch ist, es ist, als würde er sich zurück entwickeln und das tut mir weh für ihn !
    Er war immer ein gestandener Mann, mit viel Energie, immer für uns da !

    Es freut mich, daß Dein Vater und Du so schön miteinander umgehen.

    Viele liebe Grüße,

    Silence
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  12. MarionBaccarra1 Active Member

    Liebe Silence.

    Eins brauchst du wirklich nicht zu haben: Ein schlechtes Gewissen.

    Dein Vater ist erwachsen, und weiß selber ganz genau, wann er über seine Grenzen geht.
    Stell dir mal vor du würdest aus irgendeinem Grund in eine anderen Stadt umziehen und dein eigenes Leben leben. Ihr wärd vielleicht 500 KM voneinander entfernt, so das die beiden Gartentage ganz wegfallen würden.

    Dein Vater würde diese Arbeit wahrscheinlich selber machen. Aber nur bis zu einem bestimmten Zeitpunkt..nämlich dann, wenn er durch seinen hohen Blutdruck echte Probleme bekäme. Es müßte eine Neuregelung getroffen werden, was die Gartenarbeit betrifft. Und diese Neuregelung wird er zähneknirschend selber treffen müssen.

    Ich weiß was du durchlebst, ich kenne das, wenn man selber mal nicht sofort stand by zur Stelle ist..ich habe Anklagen und bitterböse Attaken gehört, die mich richtig fertiggemacht haben. Erst als ich wußte das sich sein Zorn nicht gegen mich richtete konnte ich meine eigenen Gefühle neu sortieren.

    Vielleicht kannst du auch ein bisschen locker lassen...vielleicht wäre es ganz gut...nicht immer parat zu sein.

    Du hast ja auch ein Leben..Freunde, vielleicht Familie , Kinder..

    Ich habe unendlich viele Jahre gebraucht um eins zu verstehe:

    Ich habe auch ein Leben das gelebt werden will....

    Ich habe viele Jahre meinen Vater, und weit über 20 Jahre meine Mutter gepflegt.

    Liebe Grüße in deinen Abend wünscht dir

    Marion:))
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  13. Lucille Well-Known Member

    chapeau, liebe Marion!

    LG
    Lucille
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  14. Silence Well-Known Member

    Liebe Marion,

    ich habe mehr und mehr das Gefühl, kein eigenes Leben mehr zu haben.

    Wenn ich das damals gewußt hätte, was ich heute weiß, wäre ich nicht in das Haus meiner Eltern gezogen.

    Es hat nichts mit den zwei Gartentagen zu tun, oder daß die Eltern alles, aber wirklich alles mitbekommen und es hat auch nichts damit zu tun, daß ich meine Eltern nicht liebe.

    Aber Privatsphäre habe ich seitdem nicht mehr !

    Es ist auch außerdem das Gefühl, der ständigen Präsenz hier, es wird gerade renoviert und ich habe Urlaub, da kann ich hier oben ja nicht sitzen, während sich meine Eltern da unten abrackern !

    Sie begründen das unter dem Aspekt, daß dies alles für mich , meine Schwester und mein Sohn sei, wenn sie nicht mehr leben werden.
    Ich bin auf der einen Seite auch sehr dankbar, aber............
    Dabei war mein ursprünglicher Plan , das Haus zu verkaufen , mit meiner Schwester zusammen und wieder in die Stadt zu ziehen.

    Eben darum, weil ich nur ein Leben habe, dort viel mehr los ist und dort alles vor Ort ist !
    Ich denke ja auch weiter, wie es gesundheitlich weiter geht und daß ich in einer Stadt mehr Möglichkeiten hätte, auch mal unter die Leute zu kommen.

    Es sind so viele Kleinigkeiten, die mir gerade sehr gegen den Strich gehen, aber ich leider nichts ändern kann.

    Ich weiß nicht, ob mich da irgendjemand verstehen kann, aber ich habe das Gefühl, in einem goldenen Käfig zu sitzen.

    Sorry, bin heute nicht gut drauf, trotzdem vielen lieben Dank für Deine tröstenden Wort.

    Du hast es auch nicht einfach gehabt, wenn Du Deine Eltern so lange umsorgt hast !

    Viele liebe Grüße,

    Silence
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  15. MarionBaccarra1 Active Member

    Liebe Silence.

    Willkommen im Club. Auch ich bin damals in das Haus meiner Eltern gezogen, habe dort meine Familie gegründet und keinerlei Privatsphäre mehr gehabt. Meine Eltern haben alles mitbekommen...mir zur Kindererziehung nicht nur gute Ratschläge gegeben, sondern sich massiv in unser Leben eingemischt. Sie haben sich unsere Freunde genau angesehen, und so lange mich Fragen gelöchert, das diese kaum noch uns uns zu Besuch kamen. Wir hatten keinerlei finanzielle Vorteile. Wir mußten genauso die Miete zahlen und die Nebenkosten. Zum Shoppen muss ich eine ganz schöne Strecke fahren. Die kleinen Geschäftchen hier im Ort sind nur dafür da, wenn man mal ein Teil vergessen hat.

    Für meine Eltern war es sehr schön ihren Enkel so nahe bei sich zu haben. Sie haben ihn auch sehr vereinnahmt und manchmal fragte ich mich, ob sie, oder ob mein Mann und ich die Eltern sind.

    Ich fühlte mich so unselbstständig. Meine Mutter stand schon zum Frühstück bei mir in der Küche, damit das Enkelchen auch was zu essen bekam! Mittags sagte sie mir, was ich meinem Mann zu kochen habe, damit der nicht von der Kraft käme!

    Silence, ich sag dir ich hab Sachen erlebt, darüber könnte man ein Buch schreiben.

    Über lange Jahre habe ich geschwiegen. Dann sprach ich mit meinem Mann und dann mit meiner Mutter. Es gab einen riesen großen Krach. Meine Eltern sprachen mehrere Wochen lang nicht mit mir...dann ging ich zu ihnen und entschuldigte mich dafür, das ich mein eigenes Leben leben wollte.

    Silence, mach dir keinen Kopf. Fühl dich nicht verantwortlich. Zieh dich ein ganz kleines Stückchen zurück....und pass gut auf dich auf.

    Liebe Grüße an dich

    Marion:))
  16. Silence Well-Known Member

    Liebe Marion,

    Owei, das hört sich auch richtig dramatisch an !

    Wie war das denn für Deinen Mann ? Macht ein Partner das überhaupt mit, sowas ?

    Das ist das große Problem mit diesen Ansprechen. Die Eltern kommen damit nicht klar, wenn man das so offen sagt.
    Sie würden sehr wahrscheinlich denken, daß ich egosistisch bin oder undankbar. Ich habe schon öfters versucht, ganz vorsichtig, meine Grenze zu verdeutlichen. Doch für sie bin und bleibe ich das jüngste ihrer drei Kinder, welches besondere Fürsorge braucht.

    Das ich die garnicht mehr haben will, merken sie nicht oder wollen sie nicht merken.
    Ich will ihnen auch nciht wehtun, aber ich frage mich oft, wie ich hier herrauskomme ? !

    Es ist , als würde einem die Luft zum atmen fehlen....

    Ich versuche , so gut ,, wie es eben geht, mich zurück zuziehen....ist im Moment schwer .

    Viele Grüße,

    Silence

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