Die Mutter durchfüttern

Dieses Thema im Forum 'Alt werden, alt sein' wurde von Martin44 gestartet, 22 März 2011.

  1. abendsonne Well-Known Member

    würdest du, liebe eberesche, würde irgendjemand, von dir/von sich selber abverlangen, für den vater/für die mutter da zu sein im pflegefall, wenn man vorher den kontakt abgebrochen hat, in bezug auf eine situation, wie reinfriede sie beschrieb? zitat: Auch wenn Versöhnung sicher ein erstrebenswerter Zuständ wäre - manchmal ist es heilsamer, nur auf Abstand zu gehen, weil die Wunden zu groß sind
    oder bliebt man vermeintlich "hart" und bei der getroffenen entscheidung, keinen kontakt mehr zu haben.

    für viele gibts ja ein "egal was war, wenn ich gebraucht werde von den eltern bin ich da".
    echt groß, so eine ansicht
    .

    lg
  2. Reinfriede Well-Known Member

    Liebe Abendsonne!

    Ich glaube, ein Patentrezept gibt es nicht. Eltern-Kind-Beziehungen können auf so viele verschiedene Arten verlaufen, dass man da nicht sagen kann so oder so "sollte" es im Alter sein.

    Wichtig ist, so glaube ich, dass man hinter seinen Handlungen stehen kann.

    Was Eberesche gemeint hatte, wenn ich das richtig interpretiert habe, war eher das, dass die Tochter bei der Mutter genau das verurteilte, was sie selbst (inzwischen) tat. Um den berühmte Balken im eigenen Auge, den man nicht sieht, aber den Span im Auge des Gegenübers wahrnimmt.

    Liebe Grüße
    Reinfriede
    Eberesche gefällt dies.
  3. abendsonne Well-Known Member

    ja, und es stimmt so, dass man DANN auch nicht gerade wirklich besser ist als der "verursacher" selber.

    aber...............

    es ist ja oft nur ein "zurückschlagen".

    die tochter für sich wäre ja vielleicht nicht so, aber sie wird halt ein ventil brauchen, wo sie einfach mal dampf ablassen kann nach den erlebnissen, die ihr widerfahren. da möchte sie nur jemanden, der ihr vielleicht gerade in dieser situation ein gefühl des verstanden-seins entgegen bringt, mehr nicht.

    wenns dann noch dazu zu einer situation kommt, wo man den "verursacher" eben selber kennenlernt, dann - genau in DIESER situation wäre ein "JETZT versteh ichs aber" wirklich besser als noch eins draufzusetzen.

    die lebensgefährtin meines vaters hat auch überall geschimpft über mich, was ich für eine tochter wäre, melde mich nicht beim vater etc.etc. . ich dachte mir, gerade SIE müsste doch sehen, warum das so ist. er ist ja zu ihr auch nicht gut bzw. ignoriert sie. sie wollte damals wahrscheinlich nur aufzeigen, was sie alles vollbringt, und dass sie anders ist. der vater hat wenigstens nie gelästert über mich ,so nehm ich an. ich denk mir öfter, es war vielleicht förderlich, dass ich verurteilt wurde, "was sie denn für eine tochter ist", dass ich noch viel mehr zu meinem verhalten stand = mich nicht zu melden bzw. nur in ausnahmesituationen mich zu melden.
    wie mein vater dann halb zum pflegen wurde, da ist die lebensgefährtin abgehauen. steht ihr auch zu, wie gesagt, er war nicht wirklich gut zu ihr, warum sollte sie ihren letzten lebensabschnitt mit pflegen eines menschen verbringen, der sie verbal runtergemacht hat etc.etc. . ihre toleranzgrenze war halt sehr hoch, und sie hat sich alles gefallen lassen und ihn auch noch gelobt, er wäre so ein guter mensch, denn "es kommen ihm oft die tränen". verletztend war er aber dennoch, oder ignorant oder sonst was. wie gesagt, ich weiß auch nur wörter gegen mich von "nichtsnutz", "taugenichts" "trampel" etc.etc. . kein nettes wort, an das ich mich erinnern kann, warum sollte er bei ihr anders sein?

    das skurille ist aber, dass sie JETZT wo sie gegangen ist, plötzlich gemeint hat, sie versteht MICH :) :). um für ihr verhalten eine rechtfertigung zu finden.

    wenn ich jetzt was gegen sie sage, gegen die lebensgefährtin, dann ist das eben die ANTWORT auf ihr verhalten. zuerst hat sie mich benützt um ihre gönnerhaftigkeit zum ausdruck zu bringen, und dann versteht sie mich plötzlich, weils ihr gelegen kommt.
    und jetzt sagt sie wieder, wie schlimm, er hat kinder und die sind nicht oder nur begrenzt da.
    weil sie erklären will, SIE hat ja nichts zu tun damit, es sind kinder da, die sich gefälligst kümmern sollen. um ihr weggehen zu ... verharmlosen??? vielleicht.

    mir wär viel lieber, sie hätte öfter gesagt, DU, ich versteh dich, dass du da nicht mehr hinfährst, er ignoriert dich oder sagt was verletzendes, ..... . oder sie hätte einfach gar nichts gesagt. dann wär ich vielleicht noch gekommen.

    es geht oft wirklich nur darum, das eigene verhalten nicht angeprangert zu wissen, (du hast ja super beschrieben, warum) , mehr brauchts gar nicht.

    wenn man in einer eh schon hilflosen situation noch der böse ist, dann ists echt nicht leicht.
    deshalb meine ich, die frau damals, die wird das echt nicht noch gebraucht haben, gesagt zu bekommen, dass sie auch nicht anders ist.

    lg
  4. Clara Clayton Well-Known Member

    Hallo,

    mit meinem Posting wollte ich weder um Verständnis für die Tochter werben - noch um ihre Verurteilung. Ich war lediglich über ihr Benehmen sehr bestürzt. Das habe ich ja auch der Tochter gesagt(siehe Posting).

    Grundsätzlich sind die beiden Frauen sich in ihrem Benehmen sehr ähnlich gewesen.

    Da ich aus eigener Erfahrung weiß wie schwer es ist eine schwerst kranke Mutter zu pflegen, weiß ich natürlich mit welchem Kraftaufwand(selisch und körperlich)das verbunden ist.

    Meine Mutter war eine sehr schwierige Person(in gesunden- wie in ihren kranken Zeiten). Sie hat meinen Geschwistern und mir keine schöne Kindheit gegönnt. Unser Alltag war geprägt von Schimpfen über die viele Arbeit, die sie mit uns hatte und die Trauer um ihre verlorene Jugend, was sie mir zu verdanken hatte(ich bin die Älteste). Zwar sind wir nie körperlich mißhandelt worden bei uns zu Hause, doch auch psychische Gewalt ist Mißhandlung.

    Erst als meine Mutter zum wiederholten Maße an Krebs erkrankte, gelang es mir Frieden mit ihr zu schließen. Bei meinen Geschwistern war das anders. Sie hatten sich irgendwann mit der Lieblosigkeit und Härte unserer Mutter arangiert und kamen schon in ihrer Jugenzeit ganz gut mit ihr klar. Das lag wahrscheinlich auch an den frühen Tod unseres Vaters.

    Als meine Mutter im Sterben lag, zogen sich meine Geschwister immer mehr zurück. Sie konnten damit nicht umgehen und wollten ihren nahenden Tod nicht akzeptieren. Es war manchmal haarsträubend wie blind sie waren, selbst als die Ärzte uns eröffneten, daß sie nicht mehr lange leben würde.

    Mein Mann und ich hatten vermutlich den nötigen Abstand zu meiner Mutter um sie auf ihren letzten Weg zu begleiten. Mit uns sprach sie auch über ihre Ängste vor dem Sterben. Mit meinen Geschwistern sprach sie, als würde alles wieder in Ordnung kommen. Wir sind uns sehr nahe gekommen in der Zeit. Mein Verhältnis zu meinen Geschwistern war immer gut. So ist es bis heute.

    Es war eine schwere Zeit - die ich aber auch in guter Erinnerung habe. Meine Mutter und ich haben uns nie ausgesprochen. Sie blockte alle Gespräche ab. Aber ich versöhnte mich mit ihr. Das hilft mir heute bei meinem weiteren Lebensweg.

    Wir Menschen sind lernfähig. Nur weil meine Mutter ein unzufriedendes Leben geführt hat und das an ihre Kinder ausgelassen hat, muß ich es mit unserer Tochter nicht genauso machen. Ich wollte nie so werden wie meine Mutter. Aber ich merke oft, daß ich nicht nur so aussehe wie sie, sondern auch viele Charaktereigenschaften von ihr geerbt habe. Heute macht mir das nichts mehr aus. Früher fand ich das nicht so prall, wenn die Leute sagten "ganz die Mama".
    bluemerant, Martin44 und Eberesche gefällt dies.

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