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meine jungs sind nicht ehrlich zu mir!was tun???

Dieses Thema im Forum "Eltern und Kinder" wurde erstellt von andrea3010, 1 Juli 2004.

  1. GreenTara

    GreenTara Active Member

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    Liebe Andrea :)

    erst einmal, ich habe zwar nur ein "Kinder" - und ein ähnliches Problem. Ich hatte Schuldgefühle, weil ich selbst mit meinem Leben nicht klar kam, zuviel arbeitete und oft genug auch mit mir selbst beschäftigt war. Ich konnte keine Grenzen setzen - verwechselte es damit, daß ich das meinem Kind doch nicht zumuten dürfe. Es dauerte, bis ich sehen konnte, daß ich damit eigentlich gegen meine Erziehung opponierte.

    Mein Sohn geriet wie ich in eine Abhängigkeit. Er log, er stahl usw.

    Und trotzdem mache ich mir keine Vorwürfe mehr. Ich mache auch meinen Eltern keine mehr.

    Wir alle handeln so gut, wie wir können, so gut, wie es unsere Situation gerade hergibt. Aus der Distanz betrachtet oder im Rückblick hätte man natürlich vieles anders machen können. Ob das immer besser ist / wäre, sei dahingestellt.

    Das Verhältnis zu meinen Sohn und auch sein Verhalten begannen sich zu verändern, als ich begann, konsequent an mir zu arbeiten. Ich fühle mich nicht mehr schlecht, wenn er Mist baut. Und er lernt, nicht gleich abzuhauen, wenn ich ihm sage, was ich von seinem "Mist" halte.

    Das habe ich in der Therapie gelernt. Und das neue Verhalten möchte ich ausbauen, in dem ich regelmäßig eine Selbsthilfegruppe besuche - auch so eine Gruppe ist ein sehr gutes Lernfeld. Mein Sohn macht Ähnliches für sich. Das heißt, wir lernen beide, für uns selbst immer mehr Verantwortung zu übernehmen. So eine Verhaltensveränderung ist ein langwieriger Prozeß für beide Seiten und mal geht es leichter und besser, mal gibt es "Rückfälle" in die alten Verhaltensweisen.

    Ich kann nicht jeden Tag gleich konsequent sein - und ich erwarte das auch nicht mehr von mir in einer privaten Beziehung.

    Wichtig ist es aus meiner Sicht, einen Weg aus der problematischen Situation herauszufinden, der so beschaffen ist, daß es für dich erträglich ist. Es hilt dir und deine Söhnen nicht, wenn du nun wie auf Kommando super konsequent bist, darunter aber genauso leidest wie unter der jetzigen Situation.

    Es wäre gut, wenn du dir Hilfe suchst, wie bereits mehrfach angeraten.

    Alles Gute für dich
    Rita
     
  2. Kvatar

    Kvatar Well-Known Member

    ich glaub ich spinne


    Die Kinder suchen sich ihre Eltern genauso aus, wie die Eltern sich die Kinder aussuchen. Nämlich gar nicht.

    In der Einrichtung, in der ich tätig bin, ist ein Junge dabei: 14 Jahre alt, Erpressung, Diebstahl, Drogenhandel, Körperverletzung, besondere Brutalität.

    Der Knabe ist als Kleinkind vom Vater zB an den Füssen festgehalten und gegen die Wand gedroschen worden. Seine Mutter floh irgendwann mit ihm zu Bekannten, dessen Haus der Vater ansteckte. Ein anderer Junge kam dabei ums Leben.


    ERZÄHLT MIR DOCH NICHT, DER JUNGE HÄTTE SICH DIESEN VATER AUSGESUCHT WEIL ER IHN "GENAUSO" BRAUCHT !!! :wut2:


    Der arme Kerl hat für sein ganzes Leben die Arschkarte gezogen - er wird die Misshandlungen niemals mehr überwinden, und es KOTZT MICH AN, wenn ich dann lese, dass jeder die Eltern hat die er braucht.

    :wut2::wut2::wut2:
     
  3. Kvatar

    Kvatar Well-Known Member

    @Juppi:

    Vielleicht hast Du bei Deiner Arbeit auch die Erfahrung gemacht, das Klarheit und Konsequenz von einigen Kollegen besonders lückenlos praktiziert werden, während derweil andere Kollegen diese Strenge hintenherum aufweichen, um sich dadurch bei den Jugendlichen "beliebt" zu machen: ich tu' euch nix, ihr tut mir nix ist das Motto. Ich hatte solche Fälle, bei denen die Kollegen selber Angst vor den Jugendlichen hatten oder einfach nur "beliebt" sein wollten und sich so bei den Jugendlichen einschleimten: Vergünstigung hier, Strafe erlassen dort... natürlich immer im Verborgenen, heimlich. So, dass es keiner mitbekommt. :rolleyes:


    Die Suppe auslöffeln tun - mal wieder - die Jugendlichen, weil der Erziehungsauftrag so erneut scheitert. Haben die Jugendlichen doch wieder mal eine Möglichkeit gefunden, die Regeln "hintenrum" zu umgehen.
    "Negatives Verhalten hat keine Konsequenzen" ist die Lehre, die sie daraus ziehen.


    @Andrea:
    Ich fürchte, hier liegt weiteres Gefahrenpotential für Dich.
    Wenn Du die Entscheidungen vom Jugendamt mit diversen Tricks etc aushebelst, um Deinen Kindern Deine "Liebe" und den "Löwenmut einer Mutter" zu beweisen reisst Du sie noch weiter rein !


    Und weil hier ja von Jake das Thema "Gewalt" angesprochen wurde:
    Kinder verwahrlosen zu lassen ist noch viel brutaler, als sie den Kirchenboden wischen zu lassen.

    Das eine tut immer weh, das andere nur einmal.



    GreenTara hat einen hervorragenden Beitrag verfasst, wie ich finde.
    Was sie beschreibt ist klug und umsichtig, gleichzeitig einfühlsam und aufrichtig.
    Menschen, die ihr Leben so organisiert bekommen zolle ich höchsten Respekt !
     
  4. Gedanke

    Gedanke Active Member

    Heftige Sache.
    Ich denke auch, daß daran die Pubertät schuld ist und auch mit ziemlicher Sicherheit die falschen Freunde !
    Aber mit dem Alter kommt die Einsicht und dann tuts dem Älteren sicher Leid.

    Und ich denke auch, daß mit einem Vater im Hause einiges anders gelaufen wäre. So war das auch bei uns. Nicht bei mir. Aber mein Bruder ist deinem 14jährigem Sohn sehr ähnlich.
    Und er behandelt unsere Mutter auch ohne Respekt.
    Fehlt eben der Vater. Viel mir des öfteren auf.

    Ich hoffe du bekommst das in den Griff.

    mfg
     
  5. Mara

    Mara Guest

    ob es dich ankotzt oder nicht ... es ist wie es ist ... und es ist die einzige möglichkeit damit vernünftig umzugehen...

    der junge hat den packen seines vaters übernommen, der hat es von seinem vater und der hat es was weiß ich woher ... jeder nimmt was raus und tut was neues rein ...

    so ist das mit den generationen und dem -vertrag, den wir haben... und es ist egal woran du glaubst. es ist sichtbar ...

    ob er die misshandlungen überwindet oder nicht, liegt nicht an seinen eltern, sondern an ihm selbst. sein vater hat es nicht geschafft, aber seine mutter ... sie war stark und auch das hat er übernommen.

    jetzt ist es an ihm, das päckchen einfach nur weiterzutragen oder die stärke seiner mutter zu nutzen und etwas an SEINEM leben zu verändern ...
    natürlich ist es schwer, aber wenn du solchen kindern auch noch einredest, der vater sei SCHULD, dann haben sie gar keine chance etwas zu verändern, es sei denn sie erkennen selbst, das das nur in noch tiefere verstrickungen führt.

    lg
    mara
     
  6. Kvatar

    Kvatar Well-Known Member

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    Wenn Du es so meinst, dann sag es auch so. :rolleyes:
    Ich finde es ein starkes Stück, sich hinzustellen und diesem Jungen zu sagen: "Jawoll - Dein Vater ist genau richtig für Dich! Genau so einen hast Du gebraucht .. kannst echt froh sein .. und dein Schädelbruch .. und die Verbrennungen .. und die seelischen Narben ... naja ...".
    Es ist nach meinem Empfinden pervers und geradezu widerlich!

    Vielleicht sehe ich das auch falsch, mag sein. Aber ich finde es unfair, jemandem sowas ins Gesicht zu klatschen. Das ist nach meinem Empfinden wahre Brutalität ! :(


    Einreden kann man dem Jungen nichts.
    Aber man kann ihm klare Erfahrungen ermöglichen.
    Darauf beschränken wir uns.
    Der Rest ist in Gottes Hand. :)
     
  7. Mara

    Mara Guest

    mein lieber kvatar ...

    das käme mir auf die jeweilige situation an. ich bin so ein typ, der wenn es dringend wird, auch pervers oder widerlich werden kann. der sinn heiligt die mittel, oder wie heißt das ...
    aber wem erzähl ich das ... :D

    solche worte allerdings, wie du sie mir in den mund legst, würde ich niemals wählen ... denn so ist es nicht. es heißt nicht: "du hast sie gebraucht ...", sondern "du hast dich freiwillig dazu entschieden, diese erfahrung mit diesen eltern zu machen."

    und noch ein aspekt ist doch wichtig, den man damit vermitteln kann, nämlich: "da du dir das selbst ausgesucht hast, hast du auch alles mitbekommen, was du brauchst, um damit umzugehen. um es zu schaffen" ...

    wir schweifen vom thema ab, aber für andrea ist es vielleicht auch wertvoll zu wissen, das jeder von uns auch immer alle mittel hat, nicht nur in sich selbst, sondern auch in form von begegnungen, freunden, umständen ... die er/sie braucht, um jede situation in seinem leben zu meistern ...

    mara :)

    ps: und zum leben gehört alles dazu, kvatar. die klaren erfahrungen ebenso, wie die unklaren und inkonsequenten. denn was im endeffekt hilft, was uns weiterbringt, entscheiden wir jeweils selbst. wir lernen aus allem, was ist ... und oft ist die vorstellung wie etwas zu sein hat, nicht das, was wir WIRKLICH brauchen ... mehr vertrauen ins leben bitte, meister ... :D
    mara :)
     
  8. jake

    jake Well-Known Member

    Kvatar, ich bin ausgebildeter Pädagoge (Fachhochschule), ich war vier Jahre lang als Obmann einer Freien Grundschule mit teils sehr "anspruchsvollen" Kindern engagiert, habe selbst zwei pubertierende Teenager... und bin irgendwie ganz gut zurechtgekommen ohne das Instrumentarium der schwarzen Pädagogik.

    Was meinst du denn mit "solchen Kindern"? Wieviel Abwertung steckt allein schon in dieser Verallgemeinerung!? Oder steckst du Andreas Jungs in eine Reihe mit Delinquenten, die Straftaten wie die von dir aufgezählten begangen haben? Was sind "solche Kinder"?
    Na sicher nehm ich es persönlich, wie denn sonst? Wenn du mir unterstellst, "Heilsverkünder und Weltretter wie ich" hätten "solche Kinder" versaut? Was belegt deine Unterstellung, ich wäre ein Heilsverkünder oder Weltretter? Erhebst du diesen Vorwurf auch gegen Jean Piaget, Maria Montessori, Rebecca und Mauricio Wild, Alice Miller und wie sie alle heißen, die die Welt der Pädagogik ganz entschieden verbessert haben? Vermutlich, denn wozu sollte man(n) sich lange mit Pädagogik beschäftigen, wenn man einfach hart wie Kruppstahl und zäh wie Leder sein kann!?
    Das hängt immer sehr vom Kontext ab. Die Napola war auch erfolgreich in ihrem Kontext ... ist sie damit qualifiziert?
    Siehe oben. Und was meine an Andrea gerichteten Worte betrifft, der Umstand, dass ich sie kenne.

    @andrea: zum glück hat rita (green tara) viel unaufgeregter als ich das wesentliche niedergeschrieben. ich denke, aus dem ganzen thread hier ist das vermutlich das, was dir am ehesten weiterhelfen kann... als mittel gegen die verwirrung und, um es auch daheim zu haben, empfehle ich dir, es einfach abzuschreiben und immer wieder mal anzusehen. darum geht es, nur darum :)

    alles liebe, jake
     
  9. Mara

    Mara Guest

    hallo jake ...

    ob ich nun das kind beim namen nenne oder eine nette umschreibung wähle, sollte aber nicht DEN unterschied machen ...

    ich finde es schade, ich mußte den post von greentara noch mal lesen, weil ich beim wort "therapie" immer gleich dicht mache ... bitte versteh mich nicht falsch, es gibt ganz sicher dinge, die man nur noch mit einer therapie in den griff bekommt. das sehe ich ebenso ...

    aber es gibt eben auch viele, viele - gerade kinder - die einfach übertherapiert werden und ich halte das für psychologisch - und hier speziell bei andreas beispiel - für zweifelhaft. so wird a) den eltern die verantwortung abgenommen und b) den kindern NOCH mehr suggeriert, das sie nicht in ordnung sind ...

    ich gebe aber zu, das das meine subjektive meinung ist. die einzige erfahrung die ich gemacht habe, war mit ergotherapeuten ... eine mode-erscheinung,die jetzt jedem kind, das nicht in die tabelle passt übergestülpt wird ... mMn reine geldmacherei, ohne nachzudenken, was es für ein kleines kind bedeutet, nicht "richtig" zu sein, wie es ist ...

    ich halte die von andrea beschriebenen aussetzer der jungs für "relativ" normal. ich habe auch eine bewegte kindheit hinter mir und viel zeit mit gangs und auch teilweise kriminellen verbracht. es waren durchweg anständige menschen dahinter, die sich später auch zum größten teil vollkommen normal in ihr leben eingefunden haben. ich hatte zum glück eine mutter, die auf dem standpunkt stand: "ich vertraue dir erst einmal und du darfst jeden mit nach hause bringen, damit ich sehe, mit wem du umgehst." und auch kleine geschichten haben an dieser einstellung nichts ändern können ...

    ich weiß nicht, wieweit schon nur alleine das den jungs damals geholfen hat. ein sich angenommen fühlen und mal jemand, der sie nicht behandelt hat, als wären sie "anders" "falsch" "kriminell" ...

    wenn andrea allerdings selbst das gefühl hat, das sie der situation nicht mehr gewachsen ist und zwar nachhaltig, dann ist es natürlich zeit sich professionelle hilfe zu holen ... - keine frage -

    :) mara
     
  10. jake

    jake Well-Known Member

    hi mara!
    therapie ist ein reizwort, ja. leider heißt heutzutage vieles - wohl auch aus marketing-gründen - therapie, was einfach eine gute begleitung auf einem stückverwirten lebensweges ist. alles, was eltern die verantwortung abnimmt, ist sicherlich keine therapie, weder im engeren noch im weiteren sinn ... und was den kindern suggeriert, sie wären nicht in ordnung, ist ebenfalls schlimm. das heißt nun aber nicht gleich, dass wir jede begleitung gleich in bausch und bogen ablehnen müssen, hm?
    ja, richtig übel ... als mein sohn 4 war, bereiste eine arbeitslose logotherapeutin die kindergärten und suchte opfer. sie meinte, bei meinem junior einen S-fehler entdeckt zu haben, und wollte mir um jeden preis logotherapeutische betreuung einreden ... ihr pech war, dass ich selber in die richtung ausgebildet war und wusste, dass 4-jährige praktisch nie perfekt artikulieren können. eine sauerei, das eltern verkaufen zu wollen ... und ich wette, es gibt nicht so wenige, die "perfekte kinder" wollen und sich dazu überreden lassen...
    küssen könnt ich dich für diese schilderung... :kiss4:

    alles liebe, jake
     
  11. Kvatar

    Kvatar Well-Known Member

    @Jake:

    Ich habe an dem Punkt aufgehört zu lesen.
    Herzlich willkommen auf meiner Ignorier-Liste. ;)
     
  12. Diana

    Diana Well-Known Member


    Grundsätzlich ist es so, dass nicht ein Anderer jemand Anderen versauen kann, wie Du es wohl in diesen Kreisen gelehrt wurdest auszudrücken, Kvatar!

    Grundsätzlich ist es so, dass ein Jedes für sein Leben grundsätzlich selbst verantwortlich ist und das erntet was er sät- auch ein Kind, welches zwar ein Schutzbefohlenes sein mag aber dennoch über einen freien Willen verfügt wie jedes menschliche Wesen - also sehr wohl über sein Leben auch selbst bestimmt- sehr wohl das erfährt, was es erfahren mag- immer nur den Eltern und den Erwachsenen die Schuld in die Schuhe zu schieben gilt nicht- maßgeblich für das eigene Leben bestimmt das Wesen selbst, wenn`s sich es dessen auch unbewußt sein mag so wird es das lernen.

    Es ist einfach mit den Fingern nur auf Andere zu zeigen, sehr einfach.

    Sie haben zu lernen eigenverantwortlichst für Alles zu sein was geschieht und dazu ist`s halt *gut*

    Liebe Grüße von Diana
     
  13. Kvatar

    Kvatar Well-Known Member

    Ich leiste mir den Luxus einer eigenen Meinung.
    Aber danke für Dein Mitgefühl. ;)


    @Mara: :D ;)
     
  14. Diana

    Diana Well-Known Member

    Du magst Dir gerne den Luxus einer eigenen Meinung leisten und magst Andere *versaut* betrachten- es ist Dein Recht auf freie Meinungsäußerung und ich kann unsere unterschiedlichen Meinungen ruhig nebeneinanderstehenlassen, Kvatar.

    Säue wälzen sich gerne im Puhl, Schlamm - Schafe quicken um Hilfe wenn sie in den Graben gefallen sind- das ist ein kleiner feiner Unterschied ;-)


    Diana
     
  15. Juppi

    Juppi Guest


    Und Esel sagen immer JA Ja Ja

    Juppi :)
     

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