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Am Ende angekommen

Dieses Thema im Forum "Einsamkeit" wurde erstellt von HamburgerJung, 15 Mai 2010.

  1. HamburgerJung

    HamburgerJung New Member

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    Hallo zusammen.

    Ich bin 29 Jahre alt und bin nun an einen Lebenspunkt angelangt, wo ich die Anonymität des Internets nutzen möchte und mir die Last aus meiner Seele schreiben möchte, da ich sonst niemanden zum reden habe.

    Ich möchte mit einer Einführung beginnen, die ich in 2 Punkten aufteile.

    Einführung Punkt 1.

    Ich war 12 Jahre alt gewesen als bei meiner Mutter Brustkrebs festegestellt wurde.
    Mein Vater hat mich damals zur Seite genommen und hat mir in einem 4 Augen Gespräch gesagt, dass meine Mutter nur noch ca 4 Wochen zu leben hätte. ( Info hatte er vom Hausarzt bekommen )

    Ich war also ein 12 Jähriger Junge und musste mich mit dem Tot auseinander setzen.
    Ich hatte damals auch keine seelische Hilfe gehabt. Ich war vollkommen auf mich alleine gestellt, habe in meinem Zimmer gesessen und mir die Augen ausm Kopf geheult.
    Ich habe dann die Tage gezählt, als die 4 Wochen rum waren habe ich täglich mit dem tot gerechnet.
    Bin morgens schon immer mit der Angst aufgestanden, ob meine Mutter nun noch leben würde oder tot im Bett liegen würde.
    Ich wusste einfach nicht mit der Situation umzugehen.
    Wie sollte ich auch, ich war ein Kind gewesen!

    Es vergingen also Monate und Jahre und nach erfolgreicher Bestrahlungstherapie, später dann Chemotherapien, hat man wieder etwas Hoffnung geschöpft und da dran geglaubt, dass die eigene Mutter vielleicht doch wieder gesund wird.
    Doch der Krebs kam wieder.

    Am Ende waren es 6 Jahre gewesen, die meine Mutter gegen den Krebs gekämpft hat.
    Die ersten 2-3 Jahre hat sie gut weg gesteckt und dem Krebs die Stirn geboten.
    Die letzten 2-3 Jahre wurden aber zur Qual für meine Mutter.
    Die Chemotherapien setzen ihr körperlich und auch seelisch sehr zu, der Krebs breitete sich im Körper aus, die Knochen wurden brüchig, das Gehirn wurde am Ende sogar zerfressen.

    Ich wurde 18 Jahre alt, 2 Monate später verstarb meine Mutter.

    Ich vergleiche meine Mutter immer mit einer Löwin, die ein Junges hat.
    Sie hat für ihr Junges 6 Jahre gekämpft und hat alles über sich ergehen lassen, nur um ihr Junges nicht alleine zurück zu lassen.
    Als ihr Junges dann Volljährig war, also selbst für sich Verantwortlich war, hat sie sich den Krebs ergeben und ist beruhigt eingeschlafen.
    ( Ich merke wieder, wie schwer es mir fällt darüber zu schreiben )

    Ich möchte anmerken, dass mein Vater so gut wie nie mit mir über meine Mutter gesprochen hat.
    Er hat sehr viel einfach verdrängt und war für mich, in meiner Kindheit, nie eine große seelische Hilfe gewesen.


    Einführung Punkt 2.

    Die Zeit nach dem tot meiner Mutter.

    Mein Vater und ich haben uns hier auch wenig über den tot meiner Mutter unterhalten.
    Wir haben im Wohnzimmer eine kleine Ecke mit Fotos, von meiner Mutter, aufgestellt und haben jeden Tag eine Kerze für sie angezündet.

    Ungefähr 3-4 Monate nach dem tot meiner Mutter kam mein Vater dann mit einer neuen Frau an, wo ich sehr geschockt war.
    Mein Vater hat diese Frau sofort in mein Elterhaus einziehen lassen.
    Am Anfang wusste ich nicht, wie ich mit der Situation umgehen sollte aber später habe ich versucht diese Frau zu akzeptieren.
    Leider hat diese Frau dann angefangen meinen Vater gegen mich aufzubringen.
    Es gab oft Streit zwischen mir und meinem Vater weil diese Frau ihr Spielchen trieb.
    Ich bin dann überhaupt nicht mehr an meinem Vater ran gekommen und er hat auch kein Interesse gezeigt, dass er mir neben seiner neuen Frau eine Chance einräumt.

    Am Ende war es dann so gewesen, dass ich Abends nach Hause gekommen bin und beide mir schon im Wohnzimmer aufgelauert haben, um mich dann wegen Kleinigkeiten eine Szene zu machen.
    Mal hatte ich vergessen meine Wäsche aus der Waschmaschine zu holen, mal habe ich die Klobrille nicht wieder runter gemacht und mal habe ich einen Teller nicht abgewaschen gehabt.
    Das ist kein Witz, genau solche Dinge haben zu großen Problemen geführt!
    Diese Frau hat jede Kleinigkeit genutzt, um mir zu schaden.

    Wir hatten ein Haus gehabt, ich habe oben im Haus mein Reich gehabt.
    Diese Frau wollte wohl alles für sich haben, ich habe ihr Verhalten jedenfalls nie verstanden.

    Irgendwann wurde dann das Schloss ausgewechselt und ich bin nicht mehr ins Haus gekommen.
    Mein Vater hatte das Schloss ausgetauscht gehabt.
    Die Frau hatte sich zu sehr belästigt gefühlt, da ich manchmal spät am Abend, ca 22 Uhr, nach Hause kam und durch das Türschloss aufschliessen ist sie dann wohl jedes Mal wach geworden.
    Am Ende hat sie dann mein Vater dazu gebracht, dass er das Schloss austauscht und ich somit mal wieder einen seelischen Faustschlag bekomme.

    Das Ende vom Lied war gewesen, dass mein Vater sogar meine Zimmer im Haus aufgebrochen hat, meine gesamte Einrichtung und alle meine Sachen in den Vordergarten gestellt hat.
    Er hat mich also auf die Strasse gesetzt.
    Ich bin dann bei meinen Großeltern untergekommen, die Eltern meiner Mutter.
    Ich habe dann also über 1 Jahr bei meinen Großeltern gewohnt und habe mit meinem Vater einen Rechtsstreit geführt, da mir immerhin 25% vom Haus gehörten.
    Diese 25% habe ich dann später abgetreten bzw musste ich abtreten.

    Hier gab es dann auch ein dickes Ende.
    Am Ende hat mein Vater das Haus still und heimlich verkauft und ist mit seiner neuen Frau ins Ausland ausgewandert.
    Hier konnte ich mir auch denken, wer hier diese Idee hatte.

    Ich habe also nicht nur meine Mutter verloren, sondern auch in kurzer Zeit meinen Vater.
    Es tat besonders weh weil mein Vater mich eigentlich auch immer auf Händen getragen hat und dann, auf einmal , sind alle väterlichen Gefühle wohl erloschen.


    Das war die Einführung.



    Diese zwei Einführungspunkte sind vielleicht ein Grund dafür, warum mein Leben inzwischen so im Ar…. Ist.


    Ich habe mit 22 Jahren die Liebe meines Lebens gefunden gehabt.
    Wir waren auch über 3 Jahre zusammen aber am Ende haben wir uns auseinander gelebt.
    Ich wurde arbeitslos und habe mich immer mehr ins Schneckenhaus zurückgezogen.
    Meine damalige Freundin hatte mir einige Warnschüsse gegeben, dass ich was ändern muss, aber ich habe alle Warnschüsse ignoriert. Warum weiss ich selbst nicht.
    Ich wollte die Beziehung um jeden Preis retten aber habe am Ende keinen Finger krumm für diese Beziehung krumm gemacht.
    Ich habe meine damalige Freundin als selbstverständlich angesehen, habe sie zum Teil auch mit meiner Eifersucht erdrückt.
    Meine Fehler kannte ich alle aber abgestellt habe ich sie nie und das Schlimmste da dran ist, ich weiss nicht warum ich nicht reagiert habe.

    Die Beziehung wurde also von ihr beendet, was ich auch verstehen konnte.
    Sie hatte auch schnell einen neuen Freund gehabt, was mir dann doch etwas mehr zugesetzt hatte.

    Ich wohnte dann also das erste mal in meinem Leben, mit 25 Jahren, alleine.
    Am Anfang war es ein gutes Gefühl, die erste eigene Wohnung.

    Ich merkte aber schnell, dass es zu einem Fluch werden sollte.
    Mein bester Freund wohnte inzwischen mit seiner Frau in einer anderen Stadt, da er dort Arbeit gefunden hatte.

    Zeitgleich ist mein Cousin, mit dem ich groß geworden bin, auch mit seiner Frau in eine andere Stadt gezogen weil er dort Stationiert war/ist. Er hatte sich bei der Bundeswehr für viele Jahre verpflichten lassen.


    Der Kontakt zu beiden ist irgendwann eingeschlafen bzw wurde beendet.

    Das der Kontakt zu meinem Cousin weg ist, tut mir am meissten weh.
    Wir sind seit dem Windelalter zusammen. Wir sind praktisch wie Brüder gewesen.
    Ich würde für ihn sterben.
    Ich muss aber zugeben, dass ich viel Schuld trage.

    Ich habe mich, u.a durch meine Einsamkeit, äußerlich sehr zum negativen entwickelt.
    Ich fühle mich in meiner Haut einfach unwohl.
    Wenn ich in den Spiegel schaue, sehe ich einen fremden Menschen.
    Ich gehe so gut wie überhaupt nicht mehr vor die Tür weil ich mich schäme.
    Dieser dicke Kerl im Spiegel, das bin nicht ich und so möchte ich mich auch nicht zeigen.
    Ich weiss, dass nur ich alleine etwas verändern kann aber mir fehlt die Motivation.
    Ich will ja eigentlich mein Leben wieder zum Guten verändern aber etwas in mir hält mich fest und ich weiss nicht was es ist.

    Ich fühle mich leer, ausgebrannt, lustlos und völlig überflüssig.
    Ich habe kein Ziel mehr vor Augen, wo es sich lohnt für zu kämpfen.
    Ich habe mich praktisch schon vor vielen Jahren aufgegeben.

    Meine schulische Ausbildung lässt auch zu wünschen übrig.
    Habe zwar damals 2 Versuche unternommen, an einer Abendschule einen höheren Abschluss zu machen aber durch den ganzen privaten Stress immer wieder damit abgebrochen.
    Eine Ausbildung habe ich auch nie gemacht.

    Das ich so gut wie keine berufliche Grundbasis aufbauen kann, um eine eigene Familie gründen zu können, zerfrisst mich auch von innen.
    Ich komme schwer damit klar, dass ich wohl nie eine Familie ernähren könnte und somit nie eine Familie haben werde.

    In psychologischer Behandlung war ich auch schon gewesen.
    Ich habe mich selbst um so eine Behandlung bemüht gehabt weil ich nicht mehr weiter wusste und ich mit jemanden über meine seelischen Probleme reden musste.
    Leider empfand ich diese Betreuung aber nicht als hilfreich und beendete sie nach ca.10 Sitzungen wieder.

    Inzwischen kommen auch noch einige Altschulden zu tragen.
    Vor einigen Tagen hatte ich einen Brief im Briefkasten gehabt. Ich soll nun die eidesstattliche Versicherung abgeben.
    Eine alte Handyrechnung wird mir nun zum Verhängnis.
    Mit der eidesstattlichen Versicherung verliere ich nun also noch die letzte menschliche Würde in mir.

    Mir wird alles zuviel im Leben und ich habe niemanden mit dem ich reden könnte.

    Ich werde seit längerer Zeit auch ziemlich schnell aggressiv bzw. sehe in allen Dingen nur noch die negativen Aspekte und werde dann ziemlich schnell sauer.

    Der Mensch, der ich heute bin, bin nicht ich.

    Verändern will ich so einiges ( zumindest ist dieser Gedanke in mir vorhanden) , um wieder der alte zu werden, aber etwas in mir hält mich fest und will mich nicht freigeben.

    Einige Dinge wiederum, die ich verändern will, kann ich auch gar nicht mehr verändern weil ich die Vorraussetzungen nicht erfülle bzw ich ein Leben ohne berufliche Sicherheiten hinnehmen MUSS.

    Ich weiss nicht wie ich das beschreiben soll aber mein Punkt ist nun erreicht, wo ich den Schlüssel umdrehe, regungslos sitzen bleibe und ins leere starre.
     
  2. HamburgerJung

    HamburgerJung New Member

    AW: Am Ende angekommen

    Achso und das beste zum Schluss.
    Mein Vater stand nun vor 1 Jahr bei mir vor der Tür.
    Ich stand unter Schock, habe sogar Tränen vor Freude vergossen.
    Er hat über meine Großeltern meine neue Adresse rausbekommen gehabt.
    Er lebt nun wieder in Deutschland mit seiner Frau.

    Er war letzte Jahr einige male bei mir gewesen und dann kam wieder einmal das Schicksal dazwischen.
    Mein Vater erlitt einen Herzinfarkt.
    Nach einer Kur und einer intensiven Behandlung geht es ihm aber inzwischen wieder besser.

    Der Witz an der Sache ist, dass der Kontakt nun wieder abgebrochen ist.
    Er war etwas enttäuscht von mir gewesen, da ich mich so zum negativen verändert habe und er schon mit Enkelkindern gerechnet hat.

    Was soll ich dazu noch sagen!?!?

    Das Leben schreibt sein eigenes Drehbuch!


    P.S... vergessen zu erwähnen habe ich auch, dass mein Vater ziemlich schnell diese Frau geheiratet hat.
     
  3. Hortensie

    Hortensie Well-Known Member

    AW: Am Ende angekommen

    Hallo HamburgerJung!
    Starker Tobak. Du hast mein Mitgefühl.
    Suche dir einen neuen Therapeuten, der dir helfen kann. Es ist wichtig für dich. Du bist zu jung um zu verzweifeln.
    Das wäre mein Rat an dich.
    Manchmal braucht man länger, um den richtigen Therapeuten zu finden. Vielleicht findest du auch einen, der systemische Familienaufstellungen macht. Das wäre in deiner Situation ganz hilfreich.
    Mehr kann ich dir leider nicht raten.
    Ich wünsche dir, das für dich wieder alles in "normalen" Bahnen verlaufen wird.
    Eberesche
     
  4. mujer

    mujer Active Member

    AW: Am Ende angekommen

    hallo!

    genauso sehe ich das auch!!!!

    Irgendwie kann ich dich gut verstehen - ich bin als Schülerin furchtbar gemobbt worden, meine Mutter war absolut keine Stütze und mein Vater weg -

    aber: ich hab immer wieder an die Zukunft gedacht, daran, dass "eines Tages" alles besser wird!

    Und es ist besser geworden!

    Ich bin in eine andere Stadt gezogen, hab den Ozean überquert und eine neue Heimat gefunden.

    Das wünsche ich dir auch!!

    alles Gute!

    liebe Grüße!
     
  5. Reinfriede

    Reinfriede Well-Known Member

    AW: Am Ende angekommen

    Lieber HamburgerJunge!

    Ich sehe das ähnlich wie Eberesche:

    Möglicherweise hängst Du noch an Deiner Mutter fest, hast Ihren Fortgang nicht verkraftet - in einer Therapie könntest Du die Verantwortung für Dein Leben wieder übernehmen. Und zwar gerne, das ist das Stichwort.

    Liebe Grüße
    Reinfriede
     
  6. Hortensie

    Hortensie Well-Known Member

    AW: Am Ende angekommen

    Gar nichts sollst du dazu sagen. Das finde ich schlichtweg eine Frechheit von deinem Vater. Wer hat denn hier wohl wen enttäuscht?
    Das ist sein Problem. Er hat vieles dazu beigetragen, dass es nicht so gekommen ist. Er soll sich an seine eigene Nase fassen!
    Bitte suche dir unbedingst nochmals Hilfe. In Flensburg (ich weiß ja nicht, wo du wohnst) gibt es eine tolle Aufstellerin, sie heißt Brunhilde Leseberg. Du brauchst dort auch gar nichts zu erzählen. Vielleicht findest du ja mal den Weg dorthin. Allerdings würde ich psychologische Betreuung parallel dazu unbedingt empfehlen, alleine steht man das fast nicht durch.
    Alles Gute dir.
    Eberesche
     

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