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Belogen und Betrogen, über 10 Jahre lang...

Dieses Thema im Forum "Trennung, Scheidung, Verlassen werden" wurde erstellt von Allegra, 18 September 2011.

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  1. Allegra

    Allegra New Member

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    Darf ich euch meine Geschichte erzählen?
    Vor 2 Wochen musste ich mich – nach fast 25 Jahren – Knall auf Fall von meinem Mann trennen – ich habe ihn vor die Türe gesetzt! Ich bekam – 1 Tag nach meinen 46.Geburtstag - einen (eingeschriebenen!) Brief seiner Freundin, mit der er mich seit über 10 Jahren betrügt. Mir zog es den Boden unter den Füssen weg. Die Frau wohnt in einem Nachbarort – ist mir flüchtig bekannt.
    Ich hätte nie gedacht, dass mir das passiert! Ich habe meinem Mann jahrelang den Rücken frei gehalten bei seinen stressigen Jobs, Sa/Arbeit und nächtliche Arbeit akzeptiert.
    Oft brachte er Arbeit mit heim und ich habe ihm geholfen, stunden- und nächtelang, wo ich nur konnte. Habe ihn immer wieder aufgebaut, wenn es ihm im Job nicht gut ging. Habe unseren Alltag organisiert, die Buchhaltung gemacht, den Haushalt geschmissen, unser soziales Umfeld gepflegt, den Sohn (oft) alleine erzogen und immer auch ausserhalb gearbeitet – und ihn lieb gehabt.
    Da ich keine Frau bin, die klammert, habe ich ihm immer mal wieder ein freies Weekend, einen freien Abend, und seine Töfftouren gegönnt, weil ich dachte, dass dies für ihn gut war, zum Abschalten, Durchatmen... Ich Doofe....
    Wir hatten in letzter Zeit eine schwierige Zeit, er sprach von Aufbruch in ein anderes Leben, er sei ja jetzt 50 und er wolle schauen, was noch alles kommt, er sprach auch von einer möglichen Trennung - zog das aber ganz schnell wieder zurück, weil er wahrscheinlich über sich erschrocken war - und auch über meine Reaktion. Wir wollten ernsthaft gemeinsam an diesem Thema arbeiten.
    Natürlich frage ich, zermartere ich mir das Hirn, wie konnte ich all die Jahre nichts merken! Ich habe all seine Ueberstunden geglaubt und dass er ab und zu abends mal "ein Bier trinken" ging fand ich voll in Ordnung - ich habe blind vertraut und geglaubt! Wir waren 22 Jahre lang verheiratet, davor lebten wir 4 Jahre zusammen - ich meinte, meinen Mann zu kennen.
    Und nun das - mir hat es den Boden unter den Füssen weggezogen und ich merke nun, dass ich das nicht alleine tragen kann, es ist zu schwer, diese Bürde.
    Ich bin zur Zeit krank geschrieben und hatte bereits 3 Termine bei einer Therapeutin. Mein Hausarzt hat mich mit verträglichen Schlafmitteln ausgestattet, auch habe ich was zum "Dämpfen" tagsüber, weil ich die Situation einfach nicht aushalte.
    Ich muss auch stark sein für meinen Sohn, der am Boden zerstört ist, der nicht verstehen kann - wie wir alle nicht - wie mein Mann so etwas tun konnte, über so lange Zeit. Wir fühlen uns verraten und - ich - so gedemütigt und missbraucht, dass ich es kaum in Worte fassen kann!
    Ich habe meine Eltern, meine Familie, ich habe ein paar Freundinnen, die es gut mit mir meinen, aber momentan eher hilflos und traurig re-agieren, das macht es für mich schwierig, trotz aller Liebe, die ich spüre.
    Sehr belastend ist für mich, dass ich mich noch immer mit meinem Mann treffen „muss“, um Organisatorisches zu klären (erst mal Trennungsvereinbarung, Unterhaltsberechnungen, Auflösen Wohnung, etc.). Jedes Mal wenn ich ihn sehen muss, ist es wie ein Messer in meiner Brust. Für ihn ist es auch schwierig, er hat wohl vor einiger Zeit das Verhältnis mit dieser Frau aufgelöst, sie hat das nicht akzeptiert und deshalb mir den Brief geschrieben.
    Das Schräge ist jedoch: ich kann doch nach so langer nicht einfach meine Gefühle abdrehen – obwohl er mir so weh getan hat und tut. Er beteuert mir, dass er mich liebt und immer geliebt hat und die Andere nur für Sex da war – er würde am liebsten zurück kommen und ich fühle mich so gefangen in meiner Gefühlswelt.
    Ich komme mir vor wie ein Tierchen, das im Labor geboren wurde und mit der plötzlichen „Freiheit“ nicht zurecht kommt und wieder zurück ins Labor flüchten möchte…
    Ich bin für eure Unterstützung und Rückmeldung sehr dankbar!
     
  2. Clara Clayton

    Clara Clayton Well-Known Member

    Liebe Allegra,

    herzlich willkommen hier bei uns!

    Da machst du z. Z. ja ganz schön was mit, gell?!

    Tja, was soll ich sagen? Die vielen Freiheiten, die du deinem Mann eingeräumt hast, waren dann doch wohl etwas ZU viel.

    Klar, daß du deine Gefühle nicht abschalten kannst. Das mußt du doch auch gar nicht. Vielleicht habt ihr ja auch noch eine Chance zusammen.

    Wenn du jetzt aber sofort wieder die Segel streichst und wieder mit deinem Mann zusammengehst, wird alles so weitergehen wie bisher. Er hat zwar Schluß mit seiner langjährigen Geliebten(meine Güte, eine 10jährige Zweitbeziehung ist ja schon wie ein Doppelleben), aber die nächsten Verhältnisse warten schon irgendwo, glaub´mir.

    Eine gute Beziehung will gepflegt sein. Das heißt für mich nicht(nur), daß einer den anderen stets sämtliche Unterstützung zukommen läßt und ihm die Freiheit sich zu entfalten gibt, es muß doch auch etwas zurückkommen.

    So wie du schreibst, scheint dein Mann ja nicht gerade oft zu Hause gewesen zu sein. Und wenn er da war, hat er anscheinend viel alleine unternommen. Was habt ihr beiden eigentlich gemeinsam? Habt ihr euch zusammen wohl gefühlt? Oder fühltest du dich eigentlich ganz gut, wenn dein Mann so oft außer Haus war?

    Habt ihr eigentlich schon einmal an eine Eheberatung - an eine Partnertherapie - gedacht? Das könnte doch jetzt ein möglicher Schritt sein.

    Ich wünsche dir alles Gute!
     
  3. Lucille

    Lucille Well-Known Member

    Liebe Allegra,

    ich stimme Clara Clayton inhaltlich voll zu - bis auf die Eheberatung. Ich persönlich denke, die wäre erst dann sinnvoll, wenn Ihr Eure eigenen Möglichkeiten der Aufarbeitung erschöpft habt. Eine Art begleitendes Coaching, um Deine Gedanken zu sortieren, also Deine Therapie, finde ich hingegen zum jetzigen Zeitpunkt sinnvoll. Das Gleiche gilt natürlich auch für Deinen Mann, so er denn bereit dazu ist.

    Ich finde es sehr mutig und vorallem konsequent von Dir, dass Du Deinen Mann in seine Schranken bzw. aus Eurem Wohnbereich gewiesen hast. Damit hast Du ein wirksames Zeichen gesetzt, dass Deine Grenzen eindeutig überschritten wurden.

    Dass Deine verletzten Gefühle sich dem Verstand nicht unterordnen können, ist nur allzu nachvollziehbar. Betrug als solches ist schlimm genug, doch 10 Jahre Zweigleisigkeit sind noch einmal eine andere Kategorie.

    Kannst Du mit dem Sohn in der Wohnung (im Haus?) bleiben?
    Wie alt ist Euer Sohn?
    Habt Ihr gemeinsames Eigentum?
    Klärt Ihr die organisatorischen und finanziellen Fragen ledglich unter Euch - oder habt Ihr einen Anwalt eingebunden?

    LG
    Lucille
     
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  4. Hortensie

    Hortensie Well-Known Member

    Willkommen Allegra,
    ich kann mir vorstellen, wie du dich fühlst. Ich habe das auch schon einmal mitgemacht.
    Ich hätte meinen Mann auch die ersten Monate wieder zurückgenommen......
    Zum Glück habe ich das nicht, aber das wurde mir erst später klar. So habe ich eine Chance für etwas Neues bekommen und das war gut so.
    Es waren Dinge dabei, die hätte ich sonst nicht erfahren und das wäre schade.
    Behandelt man jemanden so, den man liebt?
    Eine Paartherapie ist sicherlich sinnvoll, aber ihr solltet erst einmal Abstand voneinander bekommen um klar zu werden.
    Wahrscheinlich ist es die Gewohnheit, die dich so fühlen läßt. Es braucht Zeit um darüber hinwegzukommen. Er hätte sich das vorher überlegen sollen,
    was passieren wird, wenn du es erfährst. Für ihn wäre es sicher angenehmer gewesen, er hätte das Verhältnis beendet und du hättest nie etwas davon erfahren...
    ...und sie lebten glücklich und zufrieden bis....;)
    Jetzt hast du eine Chance, ob du möchtest oder nicht --> es liegt an dir, ob du sie nutzen möchtest.
    Du kannst dich auch fragen, was hattest du davon, dass er 10 Jahre lang ein Verhältnis hatte...wie Clara schon andeutete...
    Eberesche
     
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  5. Reinfriede

    Reinfriede Well-Known Member

    Liebe Allegra!

    Ein herzliches Willkommen hier im Forum - auch wenn der Anlass ein trauriger ist.

    Dass Dir diese Geschichte erstmal den Boden unter den Füßen weggezogen hat, ist klar, ich denke, das wäre jedem Menschen genauso gegangen.

    Und es ist auch klar, dass Du jetzt völlig orientierungslos bist und erstmal zur Ruhe kommen musst - therapeutische Begleitung ist sicher die beste Idee für diese Zeit.

    Wenn Du wirklich noch Gefühle für diesen Mann haben solltest, dann wäre es meiner Meinung nach total wichtig, trotzdem auf Abstand zu bleiben.

    Paartherapie, wenn beide es wirklich wollen - aber mit getrennten Wohnungen in dieser Zeit - um Dir selbst Zeit zu geben für eine freie Entscheidung. Es ist wahrscheinlich, dass sich die Ausmaße dieses Schocks erst nach und nach zeigen werden, mit unvorhersehbaren Konsequenzen auf Deine Gefühlsebene ihm gegenüber. D.h. es lässt sich derzeit nicht abschätzen, wie Du in ein paar Monaten ihm gegenüber FÜHLEN wirst.

    Mag sein, dass Du jetzt im Moment noch Liebe für ihn empfinden kannst, Du weisst nicht, wie es sich anfühlen wird, wenn der erste Schock überwunden ist und die Zeit Klarheit bringen wird. Dann ist es sicher von Vorteil, wenn Du frei entscheiden kannst.

    Die Aussage, dass die "Rivalin" Dir diesen Brief nur geschrieben hatte, weil er sich von ihr lösen wollte und es bereits "eh aus" ist, würde ich mit Vorsicht genießen. Wenn er bis zu dem Zeitpunkt tatsächlich so ein perfekter Lügner war, wird er jetzt sicher auch nicht davor zurückschrecken.

    Ich wünsche Dir viel Kraft, diese erste schmerzhafte Zeit zu überstehen, danach wird es aufwärts gehen, die Zeit arbeitet für Dich!

    Liebe Grüße
    Reinfriede
     
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  6. SANDY

    SANDY Well-Known Member

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    Liebe Allegra,

    ein herzliches Willkommen auch von mir.

    Das, was Dir widerfahren ist, ist wohl der Supergau in einer Ehe und was den Vorschlag eine Therapie anbelangt, schwimme ich hier etwas gegen den Strom.
    Ich würde keine machen. Ehekrisen können vorkommen, auch mal ein Seitensprung. Aber ein 10 Jahre dauerndes Verhältnis ist kein Seitensprung mehr, dass ist beinahe ein Doppelleben mit einer Zweitfrau.
    Eine fürs Bett, eine für die Arbeit....jaja, das wünschen sich vielleicht viele Männer ;), aber so einen lang anhaltenden Vertrauensbruch würde ich meiner Selbstachtung willen nicht verzeihen wollen.

    Im übrigen, wie auch Reinfriede schon schrieb, kann man nach so langer Zeit voller Lügen ja nie mehr wieder Vertrauen haben in das, was er sagt. Selbst wenn man es glauben möchte, im Hinterkopf spukt der Zweifel immer herum, da kann man gar nichts dagegen machen.

    So ein Leben macht nie wieder wirklich glücklich und froh.

    Zieh einen Schlußstrich - auch wenns jetzt fürchterlich weh tut - Du hast Dir wahrlich was besseres verdient.

    Alles Liebe Dir und viel Kraft
    Sandy
     
  7. Allegra

    Allegra New Member

    Ihr Lieben

    Herzlichen Dank für eure wohltuenden Worte - Balsam für meine weinende Seele! Leider ist die Geschichte noch nicht ganz zu Ende erzählt: der Grund, weshalb diese Frau mir diesen Brief geschrieben hat, war jener (Rache!), dass mein Mann mit ihr Schluss gemacht hat, weil er eine andere Frau kennengelernt hat! Frau/Man muss sich das erst einmal vorstellen - eindeutig ein "zu schlechter Film"!

    Ja, es wird wohl sein, dass ich "meinem Mann" zuviele Freiheiten eingeräumt habe - ich bin keine "Klammerfrau" und wollte ihm - nebst seinem stressigen Job (ha!) - einfach auch seine Freizeit gönnen, um den Kopf auszulüften.

    Wenn ich eure Antworten so durchsehe, fällt mir schon auf, dass ich mich in den letzten Ehejahren einsam gefühlt habe, auch wenn er da war. Ich war immer das "Familienzugpferd", habe gemacht und getan...

    Mein Sohn wird nächste Woche 18 Jahre alt, ein Geburtstagsfest war geplant, er freute sich auf die 1.Fahrstunden mit seinem Vater - jetzt will er ihn einfach nicht mehr sehen. Das Ganze nimmt ihn - wen wunderts - sehr mit und es wird wohl lange dauern, bis er sich wieder (ich hoffe es für die beiden) seinem Vater zuwenden kann.

    Nein, eine Ehetherapie - sorry - kommt für mich nach diesem ungeheuerlichen Vertrauensbruch (ich habe Angst, dass er mein Ur-Vertrauen so zerstört hat, dass ich nie wieder einem anderen Mann trauen kann) nicht mehr in Frage. Es ist wohl schon so, dass ich jetzt auf einer Gefühlts-Achterbahn bin und mich erst mal sortieren muss. Ich hatte bereits ein paar Therapie-Sitzungen, bin aber nicht ganz sicher, ob die Therapeutin und ich "auf einer Wellenlänge" sind.

    Ich werde mit meinem Sohn aus der Mietwohnung ausziehen müssen, weil wir uns dies finanziell nicht leisten können. Mein Mann hat sich übrigens in unserem Wohnquartier bereits eine neue Wohnung besorgt - unfassbar!

    Wir beide haben uns bereits anwaltlich beraten lassen und werden - nun da die "Zahlen" vorliegen - wohl weiter ohne die teuren Anwälte einigen können, wenigstens das.

    In 1 Woche war geplant gewesen, dass ich und mein Mann 2 Wochen Ferien in USA verbringen - ich fliege trotzdem und nehme meinen Sohn mit! Es war/ist ein organisatorischer und auch finanzieller Kraftakt, aber wir treffen dort auf Familienmitglieder und hoffen einfach, dass uns diese Zeit etwas hilft, unsere weinenden Seelen zu trösten. Wenn wir zurück kommen, holt uns der Alltag eh' wieder ein.

    Danke für eure Rückmeldung und euer Mittragen - auch wenn es hier anonym ist.
     
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  8. Hortensie

    Hortensie Well-Known Member

    Hinter dem Hintergrund hat sich das mit der Paartherapie ja erledigt. Aber wie passt das, warum hast du das nicht schon vorher geschrieben?
    Es hörte sich hier für mich noch etwas anders an *leichtverwirrtausderwäscheschau*
     
  9. Clara Clayton

    Clara Clayton Well-Known Member

    Hi,

    ja, frage mich auch, warum du das nicht gleich geschrieben hast. Da komme ich mir doch ziemlich blöd vor, dir noch zu einer Paartherapie geraten zu haben.

    Außerdem klingt deine Geschichte mit dem 2. Posting, als wäre bei dir schon eigentlich alles ganz gut geregelt.

    Ich wünsche dir alles Gute!
     
  10. Allegra

    Allegra New Member

    Ihr Lieben

    Herzlichen Dank für eure Rückmeldung. Es war nicht meine Absicht, hier Verwirrung zu stiften, für mich war klar, dass es für eine Paartherapie zu spät ist, er würde mich immer wieder belügen und betrügen. Offenbar ist halt das Heimliche besonders prickelnd... Nun sind für ihn die Heimlichkeiten vorbei und ich frage mich, ob es für nun noch immer so prickelnd ist? Aber - who cares!

    Ja, gut, einen klitze-kleinen Moment dachte ich, ihm noch eine (wieviele noch) Chance zu geben, als wir kürzlich ein emotionales Gespräch hatten, aber ich bin zu verletzt und zu zerstört - ich könnte ihm nie wieder vertrauen!

    @Clara: "ganz gut geregelt": in welcher Hinsicht? Natürlich, ich muss mir eine neue Wohnung suchen, zusammen mit meinem Sohn, von der gewohnten Umgebung wegziehen - das ist sehr belastend und nur "organisatorisch" wohl gut zu regeln.

    Meine Seele ist alles andere als "gut geregelt"! Wenn ich nur daran denke, dass ich jedes Jahr zu meinem Geburtstag (dann kam eben jener Brief) an diese schmerzlichen Ereignisse erinnert werde, weiss ich nicht, wie ich dieses Datum "besetzen" soll. Vielleicht gelingt es mir später einmal, dieses Datum als Neubeginn zu sehen, davon bin ich jedoch z.Z. meilenweit entfernt.
     
  11. Clara Clayton

    Clara Clayton Well-Known Member

    Mit "gut geregelt" meine ich das Organisatorische.

    Gefühle und Seelenschmerzen lassen sich wohl kaum regeln.

    Natürlich steckst du jetzt in einem Gefühlschaos. Das kann ich gut verstehen, zumal ich das hier gerade im Bekanntenkreis miterlebe. Dort sind allerdings drei kleine Kinder(2, 4 und 7)involviert. Ein Haus wurde vor ein paar Jahren gebaut - und das alles fern der Heimat. Da ist jetzt zur Zeit die Verzweiflung ein ständiger "Gast".
     
  12. Allegra

    Allegra New Member

    Ihr Lieben
    Nach ein paar Wochen "trauern" melde ich mich hier wieder - vielleicht interessiert es die/den eine/n unter euch, wie meine Geschichte weiter gegangen ist, resp. noch immer weiter geht.
    Mittlerweile habe ich - nach ein paar Wochen arbeitsunfähigkeit - meine Arbeit wieder aufgenommen. Ich war zwar mit meinem Sohn in den USA - geplant waren die Ferien ja mit meinem Mann. Jedoch rückwirkend würde ich in einer solch "akuten Phase" nicht mehr reisen, ich habe den ganzen emotionalen Rucksack quer durch Kalifornien geschleppt und erst dort gemerkt - ohne Medikamente! - dass ich inmitten einer Depression bin.
    Wie gesagt, mittlerweile arbeite ich wieder. Die Tagesstruktur hilft etwas "vergessen". Noch immer bin ich jedoch in therapeutischer Behandlung, nehme Antidepressiva (schlaf-anstossend) und je nach Bedarf etwas zum Beruhigen tagsüber. Nie und nimmer hätte ich gedacht, dass mir vermeintlich starke Frau, eine solche Lebenssituation widerfährt und mir dermassen den Boden unter den Füssen wegziehen wird. Noch immer werde ich tagsüber von "Traurigkeitsanfällen" heimgesucht.
    Ich werde in 2 Monaten mit meinem Sohn in einem Nachbarort eine neue Wohnung beziehen und versuchen, einen Neuanfang - mit 46 - zu wagen. Es wird wohl einige Zeit dauern, bis sich die neue Wohnung auch als "Daheim" anfühlen wird - wir werden sehen. Vieles müssen wir aufgeben, eine tolle Wohnung in einer schönen Umgebung, in der ich über 20 Jahre gelebt habe, Nachbarn, liebgewonnenes Umfeld.
    Ich tröste mich etwas mit dem Satz einer Kollegin "wo anders kann es auch schön sein/werden" - ich hoffe fest darauf.
    Mein Mann und ich haben eine einvernehmliche Trennungsvereinbarung unterzeichnet, finanziell komme ich - zusammen mit meinem Teilzeitgehalt - für die nächsten 2 Jahre über die Runden - was danach ist, wird sich zeigen. Momentan bin ich nicht in der Verfassung, mir eine Vollzeitstelle zu suchen - kann mich schlecht einem HR-Menschen "verkaufen".
    Noch immer bin ich fassungslos, was mein Mann jahrelang gemacht hat - fühle mich regelrecht "missbraucht". Er ist nach wie vor der Ansicht, dass er mich - da er mich immer liebte und noch immer liebt (sagt er zumindest) - nicht betrogen habe, er habe lediglich seinen "Sexualtrieb" (was für ein Wort!) ausgelebt.
    Noch immer fühle ich mich so gedemütigt von ihm und doch graut mir vor der Zukunft - waren wir doch 26 Jahre zusammen - und nun - stehe ich plötzlich "alleine" da - auch damit muss ich erst mal klar kommen. Plötzlich "Single-Frau" zu sein, inmitten lauter (Freundes-/Familien)-Paaren - für mich ganz schön schwer. Hat jemand von euch ähnliche Erfahrungen gemacht und kann mir Tipps geben?
    Grauslich sind halt nun auch die ganzen administrativ-logistischen Auseinandersetzungen (Bank, Versicherungen, Wohnungsvertrag, Auto, etc.) - das wird sich wohl noch etwas hinziehen.
    Danke für euer Mittragen!
     
  13. Kinny

    Kinny Well-Known Member

    Liebe Allegra,

    das kann ich gut nachfühlen, wie es dir geht... und möchte dir gerne sagen, bitte es liegt nicht an dir oder deiner vermeintlichen "Nicht-Stärke". Was dir widerfahren ist, IST so geartet, daß es Frau den Boden unter den Füßen wegzieht. Ich weiß aus der virtuellen Selbsthilfegruppe, in der ich nach meiner Trennung aus einer Mißbrauchs-Erfahrung war, daß es nicht nur bei mir, sondern auch bei anderen gute zwei Jahre gebraucht hat, um zu verarbeiten. Was du erlebst, ist also vollkommen "normal" - auch wenn es sich furchtbar anfühlt... aber ich kann dir sagen, es wird wieder gut. Frau wird wieder stark.

    Ich finde es sehr gut, daß du therapeutisch betreut bist. Meine Therapeutin hat damals mit mir echt schrittweise den Alltag geplant - ich war so durch den Wind, daß ich wirklich neu anfangen mußte, bloß mal den Alltag zu managen... und hat mir immer wieder versichert, nein, Frau Kinnaree, es ist nmicht abnormal, daß es ihnen so geht - abnormal ist höchstens, daß Sie sich selbst auch noch dafür verdammen, daß es Ihnen so schlecht geht - damit dürfen Sie aufhören :)

    Ich wünsche dir alles Gute und einen Schritt nach dem anderen zurück auf festen Boden. Du wirst sehen, mit dem ZuHause wird schon vieles besser.

    Achja, meinen Freundeskreis hatte ich damals auch fast vollständig los. Obwohl ich nicht weggezogen bin. Inzwischen entstand ein neuer - der mir nun wirklich gut tut... auch das wird werden.

    *Mutmach*
    Kinny
     
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  14. althea

    althea Well-Known Member

    Hallo Allegra, es kann ja auch sein, dass dein Mann dir nicht weh tun wollte, indem er seine sexuellen Gelüste lieber heimlich woanders auslebte. Das hört sich paradox an, aber ich glaube schon, dass die Liebe zu dir eine andere Ebene war als die mit der Geliebten- das siehst du ja auch daran, dass er sie wieder verliess für ein neues Abenteuer. Die Tiefe empfand er wahrscheinlich eher bei dir. Leider sind einige Menschen so gepolt, dass die das Fremdgehen als nicht so schlimm empfinden. Für dich gehörte alles zusammen-als eine Einheit- er konnte das gut trennen-wie viele Männer.

    Ich wünsche dir weiterhin viel Kraft für dein eigenständiges Leben!
    Althea
     
  15. NurIch

    NurIch Active Member

    Also tut mir leid, diese Einstellung "vielleicht wollte er dir ja nur nicht weh tun..." kann ich gar nicht teilen.
    Es sieht mir eher so aus, als hätte er den für sich einfachsten Weg genommen, ohne Rücksicht auf irgendjemanden zu nehmen.
    Und jetzt merkt er, dass ihm sein Rückhalt abhanden gekommen ist und nennt das "Liebe".
    Ganz schwach...
    Ein Mann ist ja schließlich kein Tier, was (ich füge hier mal ganz vorsichtig ein "nur" ein :D ) triebgesteuert durch die Gegend läuft.
    Es geht ja nicht um einen Seitensprung oder zwei oder drei, oder um ein Aha-Erlebnis wie: "Mist, ich habe mich einige Wochen mit einer anderen getroffen und da war ein Reiz und irgendwie.... habe ich riesig Mist gemacht."
    Zehn Jahre sind eine unfassbar lange Zeit. So lange halten manche Ehen nicht.
    Und hier von "tiefer Bindung" zu sprechen, wo eigentlich NUR gelogen wurde, halte ich für unangebracht.

    Tut mir echt leid, ich kann gut verstehen, dass du dir Sorgen machst, dass du nie wieder jemandem vertrauen kannst, das kann ich sehr gut nachvollziehen.
    Aber vielleicht hilft es dir, wenn du dir vor Augen hältst, dass in eurer Beziehung eigentlich du diejenige warst, die alles am laufen gehalten hat.
    Eigentlich ist er eine arme Wurst.
    Er kann nicht ehrlich sein, er kann keine Entscheidung treffen, er steht nicht zu dem, was er sagt, er kann nur eines: Es sich einfach machen.
    Das hört sich erstmal hart an, aber was hat ER denn großartig geleistet?
    Er hat gelogen. Mehr nicht. Er hat dir vorgelogen, dass er einen ach so stressigen Job hat (und sich wahrscheinlich in seinen "Überstunden" mit seiner anderen getroffen), während du ECHTEN Stress hattest.
    Du hast den Haushalt geschmissen, hast dich um euren Sohn gekümmert, hast SEINE Arbeit mitgemacht, eure Freundschaften aufrecht erhalten.
    Und das, OBWOHL du dir einsam vorgekommen bist.
    Und hast ihm darüber hinaus noch seine Freiheiten gegönnt, einfach so.
    Obwohl DU die niemals hattest und sie zu seinen Gunsten auch nicht eingefordert hast.
    Ich finde das nicht naiv, auch finde ich nicht, dass man sagen sollte, du hast ihm zuviele Freiheiten gelassen.
    Das solltest du dir auch nicht vorwerfen, das ist weder dumm noch naiv, sondern eigentlich hat ER das ausgenutzt, weil es einfach für ihn war.
    Sein Fehlverhalten, nicht deines.
    Ruf dir das mal ins Bewusstsein, DU hast das gemacht.
    Du wirst definitiv besser klar kommen ohne ihn, als er ohne dich.
    Er kann bis heute nur jammern, dass er dich aber doch so liebt und das auch immer hat, nicht mal jetzt ist er ehrlich....
    Arme Wurst.
    Aber nicht alle sind so.
    Konzentrier dich besser auf deine Stärken, von denen du sicher genügend hast, als darauf, was du vielleicht hättest anders machen können und was du hättest sehen können/müssen/sollen.
    Das ist für dich eher destruktiv und für ihn lohnt es sich nicht.
    Dann hättest du das nur früher gesehen. Geändert hätte das auch nichts.
     
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