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ich kann nicht verzeihen

Dieses Thema im Forum "Freundschaft, Freunde finden,Probleme mit Freunden" wurde erstellt von mynos, 25 Januar 2012.

  1. mynos

    mynos New Member

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    Hallo an alle, die das lesen.
    Ich habe ein großes Problem, was mich sehr bedrückt und innerlich vergiftet.
    Ich hatte einen sehr lieben und guten Arbeitskollegen und Freund, für den ich immer da war, wenn er Probleme hatte.
    Im letzten Jahr stand ich beruflich so dermaßen unter Druck, dass ich mich kaum noch halten konnte und was passierte? Der *gute Freund und Kollege* war nicht nur verschwunden, er hat auch noch selbst auf mich *eingeschlagen*. Selten hat mich etwas so sehr verletzt. Ich habe mich von ihm zurückgezogen und wir wechselten über viele Monate kein einziges Wort mehr miteinander. Vor einigen Monaten bat er mich um ein Gespräch und hat mir seine Wahrnehmung geschildert, die für mich noch mal ein Schlag ins Gesicht war. Ich habe seine Ansicht akzeptiert, aber irgendwie halt nicht und jetzt komm ich zu dem eigentlichen Problem: meine Wut, meine Enttäuschung und meine Verletzung ist geblieben; wahrscheinlich auch, weil wir uns jeden Tag begegnen. Ich kann ihm nicht verzeihen.Bin ich freundlich, geht er mir nicht mehr von der Seite, benimmt sich, als sei nichts geschehen. Für mich ist es dann so, als würde ich meine Seele dem Teufel verkaufen; ich hoffe sehr, dass das jemand verstehen kann.
    Bin ich reserviert und distanziert, entspricht das gar nicht meinem Naturell und ich habe das Gefühl, mich durch mein Auftreten ihm gegenüber selbst zu vergiften.
    Dieser Mann hat sich noch nicht mal entschuldigt.
    Ich hoffe, dass jemand von euch diese dumme Situation aus einem anderen Blickwinkel betrachten und mir einen Tip geben kann, mit dieser Situation besser klar zu kommen.
    Danke im voraus und viele Grüße
     
  2. Reinfriede

    Reinfriede Well-Known Member

    Hallo Mynos!

    Hattest Du bei dem Gespräch Gelegenheit, auch DEINE Wahrnehmung zu artikulieren? Konntest Du das alles sagen, was Du empfunden hast?

    Liebe Grüße
    Reinfriede
     
  3. mynos

    mynos New Member

    Hallo Reinfriede
    Oh ja das habe ich. Ich habe ihm erzählt, wie ich mich dabei gefühlt habe, als ich mich durch ihn im Stich gelassen gefühlt habe. Wie respekt-u. anstandslos sein Verhalten war. Es tut immer noch so weh, dass es mir heute noch die Tränen in die Augen treibt. Auf meine Wahrnehmung hat er nichts erwidert. Auf die Frage, warum er mir so weh tun musste, sagte er, er wüßte es nicht. Ich leide sehr darunter, nicht verzeihen zu können, weil es mich belastet und wie gesagt, auch vergiftet. So zu tun, als sei nichts gewesen, ist dann der Freifahrtschein für ihn, mich bei der nächst besten Gelegenheit wieder verletzen oder im Stich lassen zu können und ich könnte mich nicht mehr im Spiegel anschauen.
    Danke , dass du so schnell zurückgeschrieben hast
    Viele Grüße, mynos
     
  4. Reinfriede

    Reinfriede Well-Known Member

    Hallo Mynos!

    Es scheint, als würdest Du Dich ungehört fühlen. Wenn das nicht geklärt ist, hat es nicht viel Sinn, so zu tun, als wäre nichts geschehen.

    Ich würde vorschlagen, Du bittest den Kollegen um ein weiteres Gespräch und Ihr diskutiert das wirklich aus, sodass keine Fragen offen bleiben.

    Das wäre sicher die beste Basis für ein neues Vertrauen.

    Liebe Grüße
    Reinfriede
     
    Clara Clayton gefällt das.
  5. Clara Clayton

    Clara Clayton Well-Known Member

    Liebe Mynos,

    so wie Reinfriede, sehe ich das auch.

    Aus meiner Sicht wird sich bei ihm nichts ändern, er wird so weitermachen, wenn du ihn läßt. Das lebt er dir ja schon vor. Für ihn scheint alles o. k. zu sein, wenn du freundlich mit ihm umgehst.

    Ich würde auch ein nochmaliges, klärendes Gespräch mit ihm anstreben, in dem du deinen Standpunkt nachhaltig erklärst.

    Wenn du nicht über die schwere Kränkung, die er dir zugefügt hast hinweg kommst, dann mache lieber einen Schnitt. Das ist eine bessere Lösung, als so zu tun, als wäre alles in Ordnung.

    Ich wünsche dir alles Gute!
     
    Reinfriede gefällt das.
  6. Innere_Freiheit

    Innere_Freiheit Well-Known Member

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    Hallo Mynos,

    ich denke, es wäre sicherlich gut, nochmals mit ihm über die Sache zu reden.....
    Allerdings hast du kein Rechtsanspruch darauf, dass er die Angelegenheit so sieht wie du!

    Also, wenn ich unter einer Handlung von mir selbst leiden würde, dann würde ich halt damit aufhören.

    Meiner Ansicht nach brauchst du ja nicht so zu tun, als ob nichts gewesen wäre.... und du brauchst auch nicht weiterhin Freundschaft mit ihm pflegen, wenn es nicht passt. - Aber all das ist doch kein Grund zu grollen und dich selbst zu vergiften.....

    -- -- --

    Das was ich schreibe ist kein Aufruf dazu, sich selbst zu verbiegen - oder so zu tun als-ob.
    Das was ich schreibe ist nur ein Aufruf dazu, sich in solch einer Situation nicht auch noch zusätzlich selbst zu schädigen!
    Erforderlich ist hierfür allerdings die Bereitschaft, aufzuhören von dem Andern eine Änderung zu erwarten. (Andere Menschen ändern sich sowieso nur sehr sehr selten, so wie man es braucht. - Eigentlich NIE!)
    Erforderlich wäre also stattdessen die Bereitschaft zu schauen, was da in mir selbst abläuft, dass mich das so verletzt.
    Erforderlich ist die Bereitschaft, auch zu schauen, ob man das was da passiert nicht vielleicht schon sein ganzes Leben immer wieder erlebt.
    Erforderlich ist die Bereitschaft, das Gefühl (die Verletzung) bewusst zuzulassen, bewusst zu fühlen, bewusst immer wieder zu fühlen bis sie 'zu Ende gefühlt' ist.
    Das ist Heilung.
    (Und das Ganze ist ein Prozess der seine Zeit braucht.)

    Natürlich braucht man mit dem Anderen keinen Kontakt mehr zu pflegen, wenn er sich destruktiv verhält.
    Aber in manchen Fällen hat man nach der Heilung mit dem Verhalten des anderen keine Probleme mehr.

    Einen lieben Gruß

    Innere Freiheit
     
    Hortensie gefällt das.
  7. mynos

    mynos New Member

    Erst mal möchte ich euch danken, dass ihr an meinem Problem teilhabt; es war eine Entscheidung meines Herzens mich hier anzumelden.
    Es geht nicht darum, mit diesem Menschen ins Reine zu kommen, sondern mit mir selbst. Genau darin liegt ja das Problem, mich innerlich vergiftet oder bitter zu fühlen, weil ich in dieser Situation nicht ich selbst bin und das führt zu diesem großen Konflikt.
    Das große Bedürfnis, mit ihm noch mal reden zu wollen ist groß, aber sinnlos. Im Oktober letzten Jahres musste ich schmerzhaft akzeptieren, dass er wirklich eine andere Wahrnehmung hat. Das tat zwar weh, aber an dieser Offensichtlichkeit kam ich nicht mehr vorbei. Nach einer 10monatigen Funkstille bat er mich um ein Gespräch. Mich hat es sehr gefreut. Als dieses Gespräch dann stattfand, sagte er mir, er hätte vor zu kündigen und es ihm wichtig sei, dass ich es als 1. erfahren sollte. Mir war nach es nach dieser Funkstille so etwas von egal, ob ich die 1. die 10. oder die Allerletzte sein sollte, aber ihm nicht. Kein Wort über die letzten Monate, keine Antworten auf meine Fragen, warum er mich im Stich gelassen hat, nur große Augen. Dieses *Gespräch* tat weh, wurde sehr beweint, aber anschließend war ich mit mir im Reinen.
    Immer, wenn ich mit mir im Reinen bin, verändert sich natürlich auch meine Ausstrahlung. Ich erlebe dann mit Mitmenschen wundervolle Erfahrungen, aber das holt auch die *Parasiten* aus ihren Löchern, die auch etwas von mir abhaben möchten und genau davor kann ich mich nicht schützen. Ich verpasse quasi den Zeitpunkt mich zu schützen. Wenn ich mit mir im Reinen bin, werde ich ihn nicht los. Das sind dann die Momente, in denen er aufblüht und ich spüre, wie gut es ihm dann geht.
    Irgendwann meldet sich dann mein Ego und sagt, dass er mich schon wieder ausnutzt, weil er seinen emotionalen Müll bei mir abladen kann und wenn es mir dann mal schlecht geht, haut er ab. Dann werde ich hart, dann baue ich mir einen Schutzwall auf, denn eines der noch großen Geheimnisse meines Selbstes ist dieser ausgeprägte Gerechtigkeitssinn. Ich finde es so ungerecht. Ich sehe mich dann selbst als kleines Mädchen mit verweinten Augen und verschränkten Armen sitzen, aber nach so vielen Jahren bin ich immer noch nicht auf diese Situation gestoßen, wo mit dem Gerechtigkeitssinn alles begann, bzw. wo das falsche Glaubensmuster verborgen liegt.
    Ich glaube, er hat in solchen Momenten Angst etwas Falsches zu sagen oder zu tun. Gestern erzählte mir eine Arbeitskollegin, dass ich, wenn ich an ihm vorbeigehe, eine "Eiseskälte" verströme und so bin ich gar nicht. Ich kann allen auch schlimmen Erfahrungen immer etwas Gutes abgewinnen; nur bei ihm schaffe ich es nicht.
    Ist es eigentlich falsch, eine Erwartungshaltung zu haben? Ist es falsch zu erwarten, dass Menschen, für die man immer da ist, auch mal für einen selbst da sein sollten? Liegt das nicht in der Natur der Sache, dass man Füreinander da ist? Und wie kann ich mit Menschen umgehen, die mich ausnutzen? Leistung nur noch durch Gegenleistung? Manchmal fühle ich nur noch meine Hülle, ich fühle mich ausgesaugt.
    Viele Grüße, mynos
     
  8. abetterway

    abetterway Well-Known Member

    Liebe Mynos,

    Ich habe mir deinen Bericht druchgelesen, ich war einmal in einer ähnlichen Situation. Ich habe es geschafft das ich mich dagegen stelle und für mich im Reinen war, allerdings hat das auch seine Zeit gedauert ich glaube der ganze Prozess über ein Jahr oder so.

    Es gibt solche Menschen die einem die Energie rauben, es ist nur wichtig das du es früh genug erkennst und dich dann davon abewendest. Denn diese Leute leben von deiner Energie und können dich dadurch fertig machen.

    Zu deinen Fragen, also meiner Meinung nach ist es nicht falsch eine Erwartungshaltung zu haben. Aber ich finde man sollte nur das von seinem gegenüber erwarten was man auch von sich selbst erwarten würde. Was man selbst ist bereit zu geben. Was man selbst geben kann. Den wieso sollte ich von anderen mehr erwarten als von mir selbst.
    Von Menschen die dich ausnutzen kannst du dich distanzieren, versuche ihnen keine Aufmerksamkeit zu schenken, nicht einmal in deinen Gedanken, ja klingt zwar komisch aber ich weiß aus eigener Erfahrung das die das irgendwie spüren auch wen du mit ihnen nicht mehr redest das du dich noch immer mit ihnen beschäftigst.

    Alles Liebe
    abetterway
     
  9. Ritter Omlett

    Ritter Omlett Well-Known Member

    @hallo Mynos!
    Warum sollte man krampfhaft versuchen, etwas zu verzeihen, wenn man nicht kann? Man kann damit gut leben ohne etwas verzeihen zu können.

    Ich kann von meiner eigenen Erfahrung schreiben, es ist einfach und besser dazu zu stehen, es muss nicht alles verziehen sein. Man setzt sich selber damit noch mehr unter Druck etwas zu glauben, verzeihen zu müssen, weil sonst kein innerer Friede ist.
    Verzeihe nicht und es ist auch Frieden. Wenn du noch einmal eine Aussprache hast, sage einfach direkt was du von ihm hältst, egal wie du dich ausdrückst.

    Du bist einfach ohne wenn und aber Mensch. Die Natur hat uns nicht nur die Fähigkeit mitgegeben zu lieben, mit etwas im Einklang zu sein, sondern auch Wut, Hass.

    Kämpfe nicht dagegen an, lasse es sein als etwas was zu deinem Leben gehört, dann geht es am ehesten irgendwann vorbei. Es wird dich so nicht weiter vergiften.

    Ich selber lebe auch gut und es gibt auch Menschen, denen ich dies und jenes nicht verzeihe. Ich setzte mich selber nicht unter Druck damit, da muss ich jetzt Frieden schliessen, wenn das Verhalten eines anderen mich verletzt und sch... war, dann ist es dann auch so und habe den Kontakt abgebrochen.

    Ich muss nicht mit jedem(r) können und muss nicht jedem(r) alles verzeihen und umgekehrt verlange ich das auch von niemanden, wenn wer sagt, du hast dies und jenes mich verletzt und das verzeih ich dir nicht, ist es ok, dann nicht...

    lg
     
    bschmiddi75 gefällt das.
  10. Innere_Freiheit

    Innere_Freiheit Well-Known Member

    Hallo Mynos!
    Es spricht nichts dagegen, Erwartungshaltungen zu haben.
    Problematisch wird's dann, wenn du dich innerlich abhängig davon machst, dass der Andere sich nach deinen Erwartungen richtet, er das allerdings nicht tut.
    In solchen Fällen finde ich es nützlicher, mich in den Einklang mit der Realität zu begeben..... und die Realität ist nun mal, dass der Andere sich nach seinen eigenen Vorstellungen richtet.... und nicht nach meinen.

    Schmerzhaft ist nie das, was der Andere tut - schmerzhaft sind die durch den Anderen in uns hervorgerufenen Gefühle, sofern wir sie nicht Fühlen wollen!

    Meiner Ansicht nach gibt es immer drei Möglichkeiten:
    1. Den Anderen Verändern: Meinst lässt sich der Andern nicht verändern, aber falls es klappt, dann hat man seine Ruhe. (Natürlich hat man das Problem dann nicht geheilt, und irgendwann wird wieder ein Mensch auftauchen, der genau dieselben Gefühle wieder in mir hervorruft.)
    2. Den Kontakt zum Andern abbrechen: Wenn dies möglich ist, hat man das Problem erst mal gelöst. (Aber auch hier hat man das Problem dann nicht geheilt, und irgendwann kann wieder ein Mensch auftauchen, der genau dieselben Gefühle wieder in mir hervorruft.)
    3. Die Bereitschaft nicht in Abwehr, Enge und Tunnelblick zu gehen, weil ich mich dadurch ja dann noch zusätzlich selbst verletze. Stattdessen das Thema anschauen, die eigenen Gefühle bearbeiten - Schicht für Schicht, wie bei einer Zwiebel (angefangen bei der Wut, dann die Hilflosigkeit, Verletzung, ...). - Dieser Weg bietet keine kurzfristige Lösung..... führt jedoch langfristig zu Heilung.....
    Einen lieben Gruß

    Innere Freiheit
     

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