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Jugendliche klaut permanent - ADHS oder andere Problematik?

Dieses Thema im Forum "Eltern und Kinder" wurde erstellt von shiwaa, 27 Juli 2012.

  1. shiwaa

    shiwaa New Member

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    Hallo,

    nun melde ich mich nun auch zu Wort, denn ich habe Euch durch Zufall gefunden.

    Vielleicht kann hier jemand helfen, denn mein Latein ist am Ende. Unsere jugendliche Tochter mit 16 Jahren bedient sich regelmäßig am Geldbeutel und knackt selbst die Spardose des kleinen Bruders, der dort sein Weihnacht- und Geburtstagsgeld hortet. Auch meine 50 Euro Weihnachtgeld der Eltern ist fort ... .

    Ich war 10 Jahre alleinerziehend, habe nun seit 6 Jahren ein Partner, der ihr wohl nicht gefällt, denn "Mama" sollte besser allein bleiben. Nun haben wir eine Patchwork - Situation, unsere Tochter hat Kontakt zum Papa und besucht ihn auch regelmäßig (und ein Bruder ist seit knapp 4 Jahren vorhanden) . Trotz Nebenjob von rund 300 Euro monatlich bedient sie sich konsequent an jeglichem Geld, das im Haushalt erreichbar ist. Mal fehlen 5 Euro aus meinem Geldbeutel - dann 10 Euro und ich stehe nackt im Laden da, da ich blank bin. Bestimmt hat sie rund 400 Euro zum Teil zur Verfügung - und gibt dies auch aus.

    Lügen und Intrigen sind an der Tagesordnung und im Notfall wird die Jugend-Telefonseelsorge angerufen, da wir angeblich handgreiflich werden und "Freiheitsentzug" androhen (= kein Weggehen, wenn all das vorgefallen ist).

    Die Erziehungsberatung hat uns mitgeteilt, dass keinerlei Hilfe (Übernahme der Kosten für eine Wohngruppe) zu erwarten sei, da wir nie aktenkundig wurden. Dennoch schlafen wir inzwischen auf allem, was uns lieb ist - Ehrlichkeit ist inzwischen ein Fremdwort und im Notfall nimmt "Madame" sich alles, oder ruft beim Amt an, um zu verkünden, dass sie der Straftat der "Freiheitsberaubung" unterliegt.

    Letztendlich sind wir "zu Gast im eigenen Haus" und wenn ich widerspreche, wurde ich auch ohne weiteres schon aus dem Weg gerammt. Danke - ich weiß nicht, was schief lief. Inzwischen wird sie auch handgreiflich, wenn es "notwendig" ist.

    Ich könnte noch tausend Beispiele mehr nennen - übrigens wohl auch ein ADHS Kind - ohne Medikamente. Sozial auch auffällig, da jeder, der nicht in den Kram passt, gehen kann. Narzismus pur - nur wir sind hier 4 Leute ... und 3 Leute leiden darunter und gewinnen kein Land - trotz Konsequenzen.

    Klar, war ich 10 Jahre alleinerziehend - habe mich dennoch sehr um meine Tochter bemüht ( im möglichen Rahmen) und treffe heute eihe Jugendliche an, die immer im Mittelpunkt stehen mag. Selbst der kleine Bruder mit 4 Jahren ist "Stein des Anstosses", obwohl sie auch immer geliebt wurde und wird. Klar, braucht der kleine Bruder mehr "Aufmerksamkeit" mit 4 Jahren - aber das ist nicht akzeptabel.

    Wir waren bereits bei der Erziehungsberatung und bei der Jugendpsycholgin - auch dort ist unsere Tochter resistent. Keine Annäherung und angeblich jegliche Bodenhaftung verloren ... .



    Hat jemand eine Idee?

    Danke *****

    Tamara
     
  2. Reinfriede

    Reinfriede Well-Known Member

    Liebe Tamara!

    Du schreibst, sie hätte jegliche Bodenhaftung verloren. Sie ist 16 und hat einen Nebenjob - ist sie noch Schülerin?

    Wenn ja, finde ich schon, dass sie eine gewaltige Portion Bodenhaftung hat, es ist nicht jeder in dem Alter bereit, sich neben der Schule auch noch das Geld selbst zu verdienen.

    Ihr Benehmen würde ich in vorderster Front als pubertär einordnen, d.h. heisst nicht, dass es in Ordnung ist, aber es hilft, die Sache etwas gelassener zu sehen. In diesem Alter fahren die Hormone Achterbahn und die Kids verhalten sich anders als früher - das legt sich im Normalfall wieder, soferne die Situation nicht zur Eskalation (z.B. Rauswurf etc.) gebracht wurde.

    Reden, reden reden. Versuchen zu klären, was dahintersteckt, wie sie sich fühlt, was ihr fehlt, dass sie sich Ersatz holen muss.

    Kinder, die in dem Alter meinen, sich alles nehmen zu dürfen, glauben, das Recht dazu zu haben, weil sie sich zurückgesetzt fühlen in irgendeinem Bereich. Das könnte man in Gesprächen klären, soferne man die nötige Geduld hat.

    Das Verhalten von ihr ist nicht erwachsen, sondern kleinkindhaft, dieses Ich-will-und-ich-nehme-eben. Aber sie ist eben noch nicht erwachsen.

    Welche Konsequenzen hat sie zu erwarten, wenn sie Geld geklaut hat?

    Eine gute Methode ist es, wenn die Konsequenzen mit der Tat zusammenhängen. D.h. nicht Hausarrest, sondern Rückzahlung.

    Ich weiss, dass in der Pubertät alles verfahren sein kann, aber irgendwann gibt sich das wieder und aus den stacheligen Kids werden wieder ernstzunehmende Ansprechpartner - da muss man durch, es hilft nichts.

    Gespräch suchen, Momente abwarten in denen sie "normal" ist und immer wieder die Dinge klären.

    Eine Tochter von mir, die in dem Alter auch ziemliche Ellbogen hatte, erklärte mir in einem "normalen" Moment das einmal sehr gut. Sie meinte, Mama da kommt plötzlich so eine Wut in mir hoch, dass ich mich gar nicht auskenne und ich tue und sage dann Dinge, die ich gar nicht so meine - und wenn die Wut plötzlich weg ist, weiss ich nicht mehr, warum ich so war.

    Die Hormone fahren Achterbahn und setzen den Kids in dem Alter oft ganz schön zu. Zusätzlich beginnt die innere Ablösung von den Eltern und das Elternbild fängt an zu schwanken, das ganze Weltbild muss neu geordnet werden. Es ist auch für die Kinder keineswegs leicht, diese Phase.

    Nimmst Du sie oft in den Arm, sagst Du ihr oft, dass Du stolz bist auf sie? Wird sie gelobt? Sagst und zeigst Du ihr, dass Du sie liebst?

    Liebe Grüße
    Reinfriede
     
  3. Lucille

    Lucille Well-Known Member

    Liebe Tamara,

    meine persönliche Einschätzung tendiert dahin, dass die Familienkonstellation
    für sie sehr frustrierend ist. Das rechtfertigt das ausufernde Verhalten natürlich nicht.

    In ihren (!) Augen fühlt sie sich möglicherweise in ihren Bedürfnissen übergangen
    und missachtet. Denn gezwungenermaßen muss sie ihr Leben, ihren Alltag, mit einem
    Menschen teilen, den sie nicht mag ... sie fühlt sich der Situation ausgeliefert, was sie
    mit ihrer Rebellion zum Ausdruck bringt.

    Ich bin mir dessen bewusst, dass die Meinungen bezüglich das Recht, dass ein
    Elternteil sein Leben frei gestalten "darf", sehr kontrovers sind. Selbst sehe ich mich
    auf der Seite der Kinder - und hätte niemals eine Lebensform gewählt, die gegen
    deren Empfinden ist.

    Deine Situation ist, wie sie ist, Deine Tochter wird sich weiterhin damit arrangieren
    müssen. Und ich denke, dass ihre Resistenz bei Erziehungsberatung und Psychologen
    anhalten wird, denn ihr Grundproblem bleibt bestehen.

    Diese "Diagnose" wird leider oft sehr leichtfertig und vorallem unfundiert
    gestellt. Viele Auffälligkeiten werden AD(H)S mit dessen weitem Spektrum zugeschrieben
    und liefern so vermeintliche Erklärungen.
    Hier wäre ich äußerst vorsichtig.

    Einen wirklichen Rat für Dich habe ich leider nicht, denn, wie gesagt, für
    mich stellt sich das Grundproblem auf einer für Dich unveränderbaren Ebene dar.

    LG
    Lucille
     
  4. Martin44

    Martin44 Well-Known Member

    @shiwaa

    Nun, dem Beitrag von Reinfriede ist kaum entgegen zu argumentieren.

    Das was Du schreibst, kannst Du aus der Sicht der/des Jugendlichen auf Sites lesen, wo sie ihre Probleme mit den Eltern abladen.
    Da steht schon mal ".... ich hasse meinen Vater" oder "... ich hasse meine Mutter, weil..."
    Und da werden dann Dinge aufgezählt, die für den Erwachsenen kaum zu verstehn sind.
    Und alles haben sie gemeinsam, - sie sind in der Pubertät.
    Und solche Behauptungen, wie "ich werde geschlagen" oder wenn du noch einmal aufreibst, sehn wir uns bei Gericht" kenne ich ich.
    Meine Nichte kann das auch. Oder richtigerweise konnte das mit 16 auch. Heute hat sie ein tolles partnerschaftliches Verhältnis
    zur Mutter.
    Und jetzt etwas völlig Pragmatisches.
    Diese Pubertät dauert weit weniger Jahre als jene Zeit, die Du Dir stiehlst wenn Du Dein Leben (kein Partner) ohne Lebenspartner lebst.
    Letzteres gilt natürlich nur wenn diese Partnerschaft Rückhalt und Stütze ist.

    Viel Erfolg und Geduld

    lg martin44
     
  5. shiwaa

    shiwaa New Member

    Hallo ihr Lieben,

    nun ja, es tröstet ein wenig darüber hinweg, dass wohl auch andere derartige Schwierigkeiten haben. Es ist wirklich die härteste Zeit und ich verstehe heute die Aussage "Kleine Kinder - kleine Sorgen; große Kinder - große Sorgen."

    Tatsächlich geht es in meinem Fall nicht um EINEN (also speziell meinen jetzigen) Partner, denn wenn ich sie frage, so ist sie sehr klar und definiert für sich, dass es in den 10 Jahren allein am Besten war, da sie im Mittelpunkt stand und sie das auch gerne fortwährend weiter gehabt hätte.

    Tatsächlich gebe ich Dir Lucille - weitgehend Recht - das Wohlergehen des Kindes steht im Vordergrund. Was aber tun, wenn das Kind darauf beharrt, dass man alleine bleibt? Ich persönlich widerspreche nun und denke, dass eine Vielzahl der Menschen nicht fürs "Alleinsein" bestimmt sind und gerne jemanden an ihrer Seite hätten (ganz davon ab, benötigen die Kinder auch männliche und weibliche Vorbilder). Kein Partner also wegen des Wunsches des Kindes oder doch ein Partner? Es ist schwierig und ich denke für mich - und meine Kinder stehen sehr weit vorne - dass auch ich ein Recht darauf habe. Hatte mir die Wahl ja bei 10 Jahren der Abstinenz nie leicht gemacht - das kann ich behaupten.

    @Reinfriede: still bin ich für einen Moment geworden, denn Du hast in vielen Aspekten absolut Recht! Übrigens gibt es hier Konsequenzen mit "logischem Bezug". Rückzahlung des Geldes - dafür ist dann das Weihnachtsgeld oder die Spardose vom Bruder weg etc. . Ich rede viel und versuche "Kontakt" zu knüpfen. Tatsächlich ist das aber fast nie möglich, denn verbale Beschimpfungen sind die Tagesordnung und "Halt die Fresse" ist noch harmlos, was mir täglich entgegen fliegt. Handgreiflichkeiten sind nun der nächste Aspekt - und nicht von mir.

    Ja, ich drücke mein Töchterlein im Moment kaum mehr und verkünde auch nicht mehr meinen Stolz, denn es wird nun emotional schwierig für mich. Liebe absolut, gepaart mit tiefer Enttäuschung, denn die Worte die hier auftauchen, sind so schrecklich, dass mir manchmal mein Herz stehen bleibt. Tatsächlich hatten wir temporär ein besseres Verhältnis, nachdem wir in der Beratung einen Vertrag geschlossen haben, dass ich Zeit mehr aufbringe (arbeite "nebenher selbständig und Vollzeit - neben Familie und Kleinkind") und mein Kind im Gegenzug die verbalen Beschimpfungen stoppt. Das war Reha pur für alle und wir sind shoppen gegangen, haben kurzfristig wieder Hobbys geteilt, bis die selbe Story hier nach 10 Tagen wieder los ging (ich hatte meine "Vereinbarungen" eingehalten - mein Kind fiel zurück, obwohl ich gerne weiter gemacht hätte). Beschimpfungen und Ausraster erneut - trotz meines Bemühens. Die Psychologin hat für sie "ohnehin einen an der Klatsche" und "labert nur Scheiße" - um es mal nett zu formulieren.

    Übrigens sind die Ausraster nicht nur hier der Fall, sondern auch bei den Großeltern, die über all die Jahre immer "der Fels in der Brandung" für sie waren und sich aufopfern - danke an Euch, liebe Eltern. Selbst meine Eltern sind derart am Filter, dass ein Tag Übernachtung seitens meiner Tochter reicht, um 3 Tage Ruhe zu brauchen.

    In der Schule (Ausbildung) sind Regeln und Autoritäten ohnehin zum Teil hinfällig. Da werden Hausaufgaben oder Lernziele nicht gemacht, da die Lehrerin "eh scheiße ist" oder es wird sich gestritten, bis aufs Blut. Klar sind alle zutiefst erfreut, denn der Unterricht hat nun einen anderen Aspekt - Konfliktbewältigung ( mal sarkastisch geschrieben).

    Ein wirklich positiver Aspekt: ja, unsere Tochter hat einen Nebenjob. Dort erfährt sie Anerkennung, verdient all das Geld, das sie gerne hat und ist prima. Auch die praktische Beurteilung in einer antroposophischen Einrichtung ist eine glatte eins - wow! Da bin ich wirklich stolz und habe ihr das auch gesagt. Das macht mich sprachlos und freut mich riesig ... .

    Apropos ADHS: nein, ich habe es nicht leichtfertig hingenommen, sondern bin selber vom Fach. Tatsächlich haben wir den klassischen Schulalptraum ohne Diagnose (bis vor 3 Jahren) hinter uns. 4 Stunden Hausaufgabenzeit, wo andere Kinder 30 Minuten brauchen, war unser Einstieg in die Schullaufbahn. 9 Jahre Zeugnisse mit Konzetrationsschwächen und Impulsivität im Klassenverband und Co im Vermerk - unsere Vita. Kein Arzt oder Lehrer hat uns die Diagnose nahe gelegt, sondern stets eckten wir mir "temperamentvollem" und "unkonzentriertem" Verhalten an - was für ein Witz ... . Ich saß ständig bei Lehrerkonferenzen und bat für Verständnis und Nachsicht, dass wir nach Stunden der Hausaufgaben "Schluss" machen müssen.

    Irgendwann der Gang zum Jugenspsycholgen, unzählige Tests mit dem Ergebniss, dass ein durchaus hoher IQ Faktor da ist, reicht für Realschule oder Gymnasium - geschafft haben wir den Quali - mit Hängen und Würgen. Intelligenz ist da - mehr als das und ich habe so gehofft, aber nun ist auch die wirklich leichte Schule "gerade so geschafft".

    Ja, und zurück zum Thema: familiär eine Katastrophe seit geraumer Zeit. Tatsächlich stehe ich am Rande dem Vater das Sorgerecht zu übetragen, wenn hier keine friedliche Lösung in Sicht ist. Tatsächlich sitzt der Vater im Lande der "Queen", hat immer Kontakt gepflegt und ein gutes Verhältnis gehabt und findet auch keinen Zugang mehr - denn auch er wird verbal beschimpft. Dennoch würde er Töchterchen nehmen, wobei mir das Herz blutet - ich wollte sie immer bei mir haben ... kapituliere aber nun. Sie weiß übrigens auch von dieser möglichen Konsequenz - ist aber "scheiß egal", denn es meint eh keiner erst - ... ohne zu erahnen, dass ich kurz davor bin.

    Liebe Grüße
    Tamara
     
  6. Reinfriede

    Reinfriede Well-Known Member

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    Liebe Tamara!

    Ich weiss, dass das eine schwierige Zeit ist, für alle. Sowohl für Dich als auch für Deine Tochter.

    Ich weiss nicht, wie es Dir in der Pubertät ergangen ist, aber ich kann mich noch sehr genau an meine erinnern:

    Alles war Eskalation, ich hatte kein Gefühl für Geduld, sondern dachte immer, der heutige Tag ist die Welt, sogar der jetzige Moment ist die Welt - morgen gabs einfach nicht und meine Gefühle müssten JETZT gelebt werden.

    Egal, vor welchem Problem ich stand, es kam mir unlösbar vor. Und in meiner Hilflosigkeit wurde ich wütend.

    Es kann sein, dass es Deiner Tochter ähnlich geht - sie blickt nicht mehr durch, der Wust an ungelösten Problemen für sie ist einfach zu groß.

    Sie jetzt zum Vater zu schicken, wäre zwar momentan eine Erleichterung für Dich, aber für sie könnte es die Botschaft sein: "Ich will Dich nicht".

    Dabei liebst Du sie doch, oder?

    Zeig es ihr.

    Mach es Dir zur Gewohnheit, ihr einmal täglich zu sagen, warum Du stolz auf sie bist. Kleinigkeiten, egal. Sei es die Tatsache, dass sie die Zahnpastatube nach Benützung wieder geschlossen hat, sei es, weil sie pünktlich zum Essen erschienen ist, Du weisst schon, was ich meine.

    Erinnere sie und Dich selbst damit an ihre liebenswerten Seiten und sie werden sich verstärken. Wenn sie wieder provoziert, lass Dich nicht irritieren, sei beharrlich in Deinem Ich-schätze-Dich-Gefühl.

    Gib ihr das Gefühl, dass sie Dir wichtig ist, dass Du sie SIEHST, dass Du sie liebst.

    Weisst, es ist so schade, kurz vor dem Ziel schlappzumachen. Ihr habt die Pubertät schon fast überstanden, es dauert nicht mehr lang und es zahlt sich hundertmal aus, Geduld zu haben.

    Bei meinen Kindern dauerte die schwierigste Phase jeweils drei Jahre. Jahre, in denen wir nicht diese Innigkeit hatten, in denen wir fast prinzipiell aneinander vorbeiredeten. Dazu kam, dass aufgrund des geringen Altersunterschiedes meiner drei Mädels alle irgendwie gleichzeitig in der Pubertät waren.

    Die Pubertät ist eine sehr intensive und nervenraubende Zeit, aber sie ist auch wichtig, um besser loslassen zu können. Sowohl das Loslassen von Dir als auch das Loslassen von ihr. Stell Dir vor, die Kids blieben ihr Leben lang so, wie sie als Kleinkinder waren - ich hätte meine Kinder NIE gehen lassen können.;)

    Ich kenne einen Spruch, den ich mir in der Pubertätszeit immer wieder vor Augen gehalten hatte, er war für mich so stimmig:

    "Die Eltern sind der Knochen, an denen sich die Kinder die Zähne fürs Leben schärfen".

    Sie beginnt jetzt, sie MUSS beginnen, sich gegenüber der Umwelt zu behaupten, sie wird erwachsen. Und das ist schwer, denn es bedeutet, Probleme nicht mehr zu ignorieren ("Mama macht alles richtig"), sondern sich selbst damit auseinanderzusetzen.

    Einen eigenen Standpunkt finden, ihn vertreten - das ist nicht leicht und mit vielen Aufs und Abs verbunden - da kann es schon leicht sein, dass man das Gefühl hat, die Welt bricht zusammen, ist feindlich, man ist überfordert und muss das rausbrüllen.

    Je gelassener Du das mitmachst, abwartest, bis die Wogen sich wieder geglättet haben und DANN mit ihr redest, desto eher wird diese Zeit zu bewältigen sein.

    Ich war auch vom Vater meiner Kinder getrennt und hatte einen neuen LG. Allerdings hatten wir vereinbart, dass ich trotzdem "alleinerziehend" bleibe, das heisst, mein LG war absolut kein Vaterersatz, sondern hielt sich komplett raus - genauso wie ich bei seinen Kindern.

    Ich weiss, dass diese Zeit viel Kraft kostet - aber sie kostet auch Deiner Tochter viel Kraft - und jetzt kommen die Probleme auf den Tisch, die von ihr lange unterdrückt bzw. weggeschoben wurden. Und ich weiss auch, dass es zeitweise ein Riesenspagat sein kann, alle Bedürfnisse und Ansprüche unter einen Hut zu bekommen - aber es zahlt sich aus.

    Deine Tochter wird wahrscheinlich mehrere Baustellen haben, die sie im Moment nicht mehr bewältigen kann.

    Da ist der Stiefvater, den sie nicht besonders schätzt, der jüngere Bruder, der aufgrund der Konstellation (Stichwort Nesthäkchen) und der Tatsache, dass er das "richtige" Kind von diesem Mann ist, sicher zu einem Gefühl führt, dass sie zurückgesetzt ist, dann die beginnende teilweise Unabhängigkeit in Form vom Nebenjob, Schulprobleme, vielleicht Probleme im Freundeskreis und und und....das wäre für niemanden leicht, schon gar nicht für jemanden, der bis jetzt Kind war und nun erwachsen werden muss.

    Sie hats nicht leicht derzeit - vielleicht hilft es Dir, Dir das immer wieder vor Augen zu halten. Sie ist nicht Feind, sondern verzweifelt, wenn sie auszuckt, auch wenn das so gar nicht danach aussieht.

    Liebe Grüße
    Reinfriede
     
  7. esomax

    esomax Active Member

    Hallo Tamara
    Ich bin Lebensberater und arbeite auf einer Telefonline - komme also öfters auch mit solchen Themen in Berührung. Mädchen in der Pubertät haben eine besondere Energie - das Kind geht und die Frau entwickelt sich. Da kann es zu allerhand Turbulenzen kommen.

    Damit lässt sich aber das Verhalten deiner Tochter wohl nicht erklären. Ich weiß nicht ob es dir vielleicht möglich ist, dich in sie hinein zu fühlen - was spürst du da?
    Da kocht ein Vulkan. Aber wer hat dieses "Feuer" entfacht - oder einfacher ausgedrückt: Auf welches Erlebnis deiner Tochter ist ihr Verhalten zurück zu führen? Welche partnerschaftliche Situation herrschte an diesem Zeitpunkt vor?

    Die Tochter trägt auf jeden Fall eine Energie in sich, die nicht zu ihr gehört - kurz gesagt, sie ist manipuliert worden. Es hat auch was mit dem Verhältnis zwischen dir und dem leiblichen Vater von ihr zu tun. Lässt sich aber alles auflösen.

    Wünsche dir alles Liebe!
    lg esomax
     
  8. Reinfriede

    Reinfriede Well-Known Member

    Lieber Esomax!

    Du schreibst, Du arbeitest auf einer Telefonhotline? Und machst Ferndiagnosen aufgrund eines Threads in einem Forum? WER sollte das auflösen, Du? Kostenpflichtig?

    Wie kommst Du zu der Annahme, dass Tamaras Tochter "manipuliert" wurde und eine "Fremdenergieanhaftung" hätte? Ich finde das mehr als verwegen, ehrlich.

    Meine Töchter waren auch in der Pubertät und wir hatten - wie fast jeder in dieser Phase - auch unsere Auseinandersetzungen. Wenn MIR jemand damit gekommen wäre, dass sie eine "fremde Energie in sich tragen und manipuliert worden sei", hätte ich denjenigen höchstpersönlich mit meinem durchaus gefährlichen Hexenbesen verjagt.:cool:

    In der Pubertät kann man vieles brauchen, aber sicher kein Esogesülze.

    Liebe Grüße
    Reinfriede
     
    Spätzin und Clara Clayton gefällt das.
  9. Clara Clayton

    Clara Clayton Well-Known Member

    Lieber esomax,

    wir hatten ja schon über die Freiheit des Glaubens gesprochen.

    Erinnerst du dich noch daran, daß ich schrieb, jeder möge glauben an was er mag - solange er damit niemanden schädigt?

    Hier gehst du jedoch eindeutig zu weit! Bitte suche dir deine Kunden woanders und nicht in diesem Forum!
     
  10. esomax

    esomax Active Member

    Liebe Reinfriede und liebe Clara
    Danke für eure ehrliche Meinung.
    Es gab Zeiten, wo behauptet wurde, die Erde sei eine Scheibe. Wer sich dieser These widersetzt hat, musste um sein Leben fürchten. Es gab Zeiten, wo bekannt wurde dass es noch kleinere Lebenwesen gibt, als die, welches unser Auge sehen konnte. Wir haben Mittel gefunden um dies sichtbar zu machen. Und es gab Zeiten, wo das Atom als kleinsten Bauteil des Universums betrachtet wurde, auch das war eine falsche Annahme. Wir mussten lernen, dass es keinen festen Stoff gibt, sondern alles aus Schwingungen besteht. Wir werden weiter lernen müssen und es werden noch einige Überraschungen auf uns warten. Eines Tages wird auch diese für verschlossene unsichtbare Welt greifbar sein.

    Seit der Jahrtausendwende ist eine neue Zeit angebrochen und die wird sich vor allem bei unseren Kindern auswirken. Sie werden nicht mehr klein bei geben, wie es noch in meiner Generation war. Sie werden das was sie sehen (und nicht für alle Menschen sichtbar ist) auch glauben und danach handeln.
    Zur Auflösung des geschilderten Problems bedarf es bestimmt nicht meiner Hilfe. Das kann auch ein guter Therapeut. Ich denke es ist angebracht Shiwaa auf Möglichkeiten hinzuweisen, welche sie bis jetzt nicht in Betracht gezogen hat. Sie leidet ja sehr unter diesem Zustand und so ein tiefes Zerwürfnis zwischen Mutter und Tochter ist ja sehr belastend (auch für die Tochter und für die Familie)

    Ich vermisse hier die sprüchwörtliche "Wiener Melange" von Toleranz und Verständnis und Weltoffenheit. Ein Sigmund Freud hat unter euch gewirkt und hat der Menschheit neuer Erkenntnisse über die Psyche gebracht. Aber alles ist in Bewegung und erfordert von uns verschiedene Dinge neu zu betrachten.
    Ich habe meinen beruflichen Stand bewusst offen gelegt, nicht um für mich zu werben, sondern weil ich mich zum Makel dieses Berufstandes bekenne. Ich habe nichts zu verbergen und verantworte das was ich schreibe.

    Wünsche euch alles Liebe!
    Liebe Grüße
    esomax
     
  11. Clara Clayton

    Clara Clayton Well-Known Member

    Lieber esomax,

    nie würde ich dich beleidigen wollen. Das läge mir fern.

    Ja tatsächlich. Früher GLAUBTEN die Menschen, die Erde sei eine Scheibe. Heute WISSEN wir - sie ist eine Kugel.

    Bemerkst du den Unterschied?

    Du glaubst an Dinge, die du nicht belegen kannst. Du behauptest, daß sie wahr sind. Ich bin nicht deiner Meinung. Das ist alles.

    Du hast von deiner Telefonberatung geschrieben. Das klingt sehr geschäftsmäßig.

    Die Toleranz, die du in Anspruch nehmen willst, die erwarte ich von dir.
     
    Spätzin, pisces und Reinfriede gefällt das.

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