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Koerper hier, Herz woanders

Dieses Thema im Forum "Allgemeine Lebensfragen" wurde erstellt von cloudlight, 20 April 2011.

  1. cloudlight

    cloudlight Well-Known Member

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    Liebes Forum,

    ich fuehle mich zerissen zwischen der Sehnsucht nach meinem Zuhause und der Tatsache, dass ich in Kanada wohne, es mir hier nicht gefaellt, aber mein Mann Kanadier ist.

    Ich brauche Hilfe dabei meine Vergangenheit in Deutschland loslassen zu koennen um mich hier heimisch zu fuehlen. Geht das oder mache ich mir was vor?

    Vielen herzlichen Dank und liebe Gruesse,
    cloudlight
     
  2. Reinfriede

    Reinfriede Well-Known Member

    Liebe Cloudlight!

    Daheim ist man dort, wo man gerne ist und man Freunde hat.

    Hast Du Freunde?

    Wie lange bist Du nun schon in Kanada?

    Eine Freundin von mir hat einen Kanadier kennengelernt, da war es umgekehrt, er ist ihr zuliebe nach Österreich gezogen, ist nun schon über 20 Jahre hier. Ich denke mal, es ist nicht einfach, sein "daheim" aufzugeben, es geht nur, wenn man ein neues "daheim" auch spüren kann.

    Ich bin - allerdings innerhalb Österreichs - bereits 12 x übersiedelt.

    Und jede neue Ortschaft wurde meine Heimat, Wurzeln bekomme ich schnell. Aber ich schließe auch schnell Freundschaften und fühl mich sehr schnell wo aufgenommen.

    Wie sieht es damit bei Dir aus? Fühlst Du Dich geborgen und aufgenommen? Du schreibst, es gefällt Dir nicht in Kanada - könntest Du das genauer schreiben, was Dir nicht gefällt? Die Landschaft, der Ort, die Menschen, die Sprache?

    Liebe Grüße
    Reinfriede
     
    abendsonne und cloudlight gefällt das.
  3. cloudlight

    cloudlight Well-Known Member

    Liebe Reinfriede,

    Ich habe Freunde, mein Problem ist eher kulturell. Vieles, das hier eben *ganz normal* ist, finde ich total doof.

    Der Mann einer meiner Freundinnen hier hatte eine Psychose, sie haben zwei Kinder zu Hause und jetzt leider ploetzlich kein Geld, weil weder der Arbeitgeber noch die Krankenkasse was bezahlt. Fuer die Menschen hier, voellig normal. Fuer mich total abartig. Ich denk dann: Hier sollen mal meine Kinder leben?

    Ein Mann ist krank und fuer die Familie bedeutet das Gefahr fuer die Lebensgrundlage, das macht mich echt fertig.

    Ich bin jetzt seit fast 3 Jahren hier, mein Freundeskreis vergroessert sich, aber ich fuehle mich einfach nicht wohl. Nein, ich fuehle mich nicht geborgen und schon allein die Tatsache, dass ich in meinem Haus die Waende nicht streichen darf und somit in ewiger Eierschale lebe, macht mich wahnsinnig.

    Mein Mann kann leider kein deutsch und da mein englisch akzentfrei ist, war es nur logisch, dass ich nach Kanada komme und nicht er nach Deutschland. Es waere allerdings wahrscheinlich die bessere Alternative. Ich glaube aber nicht, dass mein Mann das jetzt so toll findet, denn er ist mittlerweile beruflich sehr erfolgreich und hat sich hier auch einen Namen gemacht.

    Ich habe einfach das Gefuehl, dass mich total viel in Deutschland haellt und ich irgendwie die Nabelschnur kappen muss. Ich weiss nur leider nicht wie. Die Tatsache, dass meine Familie bei jeder Gelegenheit erwaehnt, wie sehr ich allen fehle hilft natuerlich auch nicht.

    Ich fuehle mich sehr zwischen den Stuehlen.

    Vielen Dank und liebe Gruesse!
    cloudlight
     
  4. Ellisa

    Ellisa Well-Known Member

    Ich glaube das man Zeit braucht sich von alten gewohnheiten zu lössen , das kommt jetzt auf die Umstände drauf an, die Eingewöhnungsphase tritt dann ein wen man Freunde gefunden hat ,und sich von der Umgebung und der Nachbarschaft angenommen fühlt .VIEL GLÜCK ellisa
     
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  5. Reinfriede

    Reinfriede Well-Known Member

    Liebe Cloudlight!

    Das wäre für mich auch befremdlich. Wie sieht das Dein Mann, kann er Dir Deine Ängste nehmen?
    Hast Du mit den Menschen gesprochen, wie sie Zukunftsängsten begegnen? Vielleicht gibt es eine Art Rezept, das so zu sehen, dass man damit leben kann, z.B. die Vorteile so eines Systems (muss es doch auch geben).

    Wieso darfst Du die Wände nicht streichen?

    Das ist sicher ein Argument - aber sein Glück hat mindestens denselben Wert wie Deines.

    Was sagt Dein Mann dazu, dass Du Dich nicht wohlfühlst?

    Liebe Cloudlight, ich sehe das so: Eine Nabelschnur muss man nicht kappen, sondern sie fällt ab, wenn man sie nicht mehr braucht. Sie abzuschneiden, wäre ein Gewaltakt, der eine Verletzung zurücklässt.

    Liebe Grüße
    Reinfriede
     
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  6. vittella

    vittella Guest

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    Ich denke nicht, dass Du Deutschland loslassen musst, eher ins Herz einlassen, denn ist es dort, dann spielt es keine Rolle wo Du wohnst in der Welt.....damit will ich sagen, dass ich denke, es ist weniger das Deutschland was Dich zieht, als das Kananda was Dich wegstosst und das hängt mit Dir wie Du Dich in Dir fühlst zusammen, bist Du mit Dir gerne zusammen dann spoielt es keine Rolle wo Du bist, hast Du Probleme mit Dir allein zu sein, dann wirds schwierig sobald Du die gewoohnte vertraute Gegend verlässt...

    Mir ging es dazumal ganz ähnlich als ich das erste mal ins Ausland zog, diese Zerrissenheit war kaum auszuhalten...ich habe es mit einer Kinesiologin angesehen und erlöst, es waren tief sitzende Dinge an die man selber allein kaum rankommt....auf jeden Fall lohnt es sich, wäre schade in so einem schönen Land zu wohnen ohne es geniessen zu können...ich hab übrigens Cousin und Cousine dort, die sind schon sehr lange ausgewandert, ist wunderschön dort, ich war zwar nie, hab nur die Fotos gesehen...:)
    Endlich neue smilies...schön...:cool:
     
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  7. cloudlight

    cloudlight Well-Known Member

    Meinem Mann gefaellt das nicht, aber seine Einstellung ist: Ist halt so, er ist ja jetzt zu Hause, da kann seine Frau ja arbeiten gehen und er uebernimmt die Kinderbetreuung fuer eine Weile.

    Mieter duerfen hier allgemein nicht streichen.

    Er sagt, es sei logisch, dass ich mich nicht wohl fuehle, denn da wo ich wohnte waere es wunderschoen und hier eben nicht. Meine Familie sei ein grosser Teil meines Lebens, der mir hier logischerweise auch fehle nicht zu reden von meinem Freundeskreis und meinem Haupthobby Reiten. Dann schlaegt er mir vor, dass ich doch eine Weile "nach Hause" gehen soll.

    Das hoert sich sehr vernuenftig an. ;) Ich hab halt irgendwie Angst, dass die Abnabelung ausbleibt und ich da ewig haengen und unzufrieden bleibe.
     
  8. cloudlight

    cloudlight Well-Known Member

    Da sprichst Du viel wahres aus. Kanada ist ein ganz wunderschoenes Land. Die Menschen sind unglaublich nett und hilfsbereit.

    Momentan bin ich wohl sehr rundum unzufrieden und meckere deshalb ueber Kanada, weil ich aktuell nur meckern im Kopf und im Herzen habe. Und schon ist alles erklaert.

    Es ist immer wieder komisch, wie man von aussen betrachtet so viele Situationen wunderbar beurteilen kann und wenn man selber drin sitzt, dann sieht man nullnix.
     
  9. Martin44

    Martin44 Well-Known Member

    @cloudlight

    Tja, ausser Dir selbst oder vielleicht auch Dein Mann kann hier helfen. Ob das je Psychologen schaffen wuerden, weiß ich nicht. Ich weiss aus Erfahrung, dass der Grossteil der Frauen unter einem Ortswechsel ( groesserem Ortswechsel) erheblich laenger leiden als Maenner. Ich hab ein riesiges Verstaednis dafuer, obwohl ich selber sofort ueberall daheim bin.

    Zu den Verhaeltnissen bezueglich sozialer Absicherung, weiss meine Schwiegertochter ein Lied zu singen. Sie stammt aus Ohio und wundert sich staendig über Leistungen die in Europa (vorw. deutschsprachigem Raum) voellig kostenlos sind. Klar, das Meiste auf Grund einer Versicherung - aber auch so ist die Absicherung im Vergleich grandios.

    Fuer andre Leser: Umlaute oder scharfe "s" kommen über den Teich nicht wie gewuenscht an, daher sieht einiges meines Beitrags nach Rechtschreibfehlern aus.

    Liebe cloudlight sieh diese Welt als eine kleine Kugel an
    in diesem Sinne alles Glueck der Welt.

    Martin
     
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  10. Reinfriede

    Reinfriede Well-Known Member

    Liebe Cloudlight!

    Wie geht es Dir bei diesem Gedanken?

    Wäre es eine Möglichkeit, das durchzuführen, um mehr Klarheit zu bekommen?

    Liebe Grüße
    Reinfriede
     
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  11. cloudlight

    cloudlight Well-Known Member

    @ Martin,

    vielen herzlichen Dank fuer Deine netten Worte. Frueher hatte ich kein grosses Problem mit Ortswechseln, mit 17 bin ich fuer ein Jahr in die USA und hab mich da pudelwohl gefuehlt. Ich weiss, dass ich ueberall und zu jedem Zeitpunkt neu anfangen kann und mein Leben *umgestalten*. Es liegt wohl wirklich eher daran, dass ich mich momentan zerschlagen fuehle und sehr viele Dinge, die ich das letzte Jahr *mitgemacht* habe verarbeiten. Ich weiss auch nicht. Irgendwie fuehle ich mich im Chaos und gleichzeitig fuehlt es sich so an als wuerde ich auf einem Plateau sitzen...

    Ich war letztes Jahr im Maerz und April 6 Wochen in D und im August dann nochmal 10 Tage.

    Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass das hilft, denn, ja klar, ich vermisse D wohl, aber ich will mich hier wohler fuehlen, nicht nach D "abhauen". Ich hab das in Auswandererforen beobachtet, die Menschen denken, dass sie im Ausland gluecklicher sein werden, weil der Urlaub dort ja immer so schoen ist. Die Probleme, die sie aber mit sich tragen, bleiben die gleichen. Ich kann mir schwer vorstellen, dass sich dabei fuer mich ein Knoten loest, denn nach Hause zu meinem Mann will ich ja auf jeden Fall wieder kommen.

    Ich glaube nicht, dass ich dadurch Klarheit bekomme. Je mehr ich darueber nachdenke, desto mehr wird mir klar, dass ich in vielerlei Hinsicht mein Leben *angehalten* habe, als ich hierher gekommen bin. Meinem liebsten Hobby gehe ich nicht mehr nach. Das geht einfach auf Dauer nicht.

    Teilweise fuehle ich mich auch festgehalten von meiner Familie in D. Meine Mutter schmiert mir das immer ganz gerne aufs Brot, dass es in D ja besser ist, dass in D die Versorgung viel besser ist, dass ich hin D total schnell einen tollen Job haette und in was fuer einem Land ich eigentlich lebe. Meine Schwaegerin erzaehlt mir, dass sie erst die letzten Tage in ihrer Therapie darueber gesprochen hat, wie sehr ich ihr fehle. Als ich ihr erzaehlt habe, dass mein Mann und ich eine schwierige Phase hinter uns gebracht haben, sagt sie zu mir, ich soll das lieber nicht meiner Mutter erzaehlen, sonst macht sie sich noch Hoffnungen, dass ich doch wieder komme.

    Wunderbarerweise beziehe ich das natuerlich alles sofort auf mich, mich, mich. Ich bin der Ausloeser, der Mittelpunkt, das Zentrum. *kopfschuettel* Ich bin "schuld". Damit werde ich mich wohl auch noch wirklich auseinandersetzen muessen. Der Tatsache, dass ich sofort bei allem denke, ich bin der Ausloeser.

    Vielen Dank Euch,
    love and kindness!
    Cloudlight
     
  12. cloudlight

    cloudlight Well-Known Member

    P.S.: Martin, scharf s und auch ü und so kommt hier an! ;)
     
  13. Reinfriede

    Reinfriede Well-Known Member

    Liebe Cloudlight!

    Ich kann nun nur schreiben, wie Deine Zeilen jetzt auf mich wirken: Dein Lebensmittelpunkt ist prinzipiell und mit dem Herzen Kanada. Es fehlt Dir dort jedoch vieles, das Du in Deutschland gehabt hattest.

    Ich dachte erst, es wäre von der Gefühlsgewichtung her gesehen umgekehrt, verzeih. Es ist gut, dass Du das geschrieben hast, jetzt klärt sich das Bild für mich ein wenig mehr.

    Ich bin ein Fan davon, Umstände, die man nicht ändern kann (neue Farbe an den Wänden als Beispiel) "passend" zu machen. In dem Fall würde ich zumindest schöne Bilder aufhängen, nein eine ganze Bildergalerie.:)

    Es geht dabei jetzt nicht um Bilder, sondern um die Symbolik.

    Gibt es Möglichkeiten, Dir auch die Umstände, die Dir am Herzen liegen, "passender" zu machen?

    Vielleicht könntest Du Dir z.B. aufschreiben, was Dir so fehlt in Kanada. Und für jeden Begriff etwas suchen, das zumindest ansatzweise als Ersatz fungieren könnte.

    Z.B. Reiten nicht möglich - einen süßen Hund kaufen und mit ihm durch die Landschaft streifen. Ich weiss, das ist nicht dasselbe, aber zumindest ein wenig Gefühl von Freiheit und Natur wäre für mich dabei, das ist etwas, das das Reiten auch bietet.

    Und so vielleicht auf Möglichkeiten stoßen, wie Du Dir Kanada "passender" machen könntest.

    Liebe Grüße
    Reinfriede
     
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  14. ElliB

    ElliB Well-Known Member

    Liebe Cloudlight,

    Reinfriede hat Dir - glaube ich - etliche sehr gute Ratschläge gegeben, die Dir wirklich helfen könnten. Auf diese Art und Weise könntest Du für jedes Problem eine Lösung finden - vielleicht keine perfekte, aber doch einen Schritt in die richtige Richtung tun. Ich könnte mir vorstellen, dass schon die Überlegungen Dein Leben für Dich freudiger gestalten werden.

    Was Du schreibst, klingt so, als ob Du in Deiner Ehe und mit Deinem Mann glücklich wärst und dass Du bei ihm bleiben möchtest.

    Mir kommt eher vor, dass nicht Du das Problem hast, sondern Deine Familie, die Dich nicht loslassen kann und möchte. Deshalb versuchen Deine Verwandten (natürlich unbewusst!!!), Dir ein schlechtes Gewissen zu machen. Die Aussage, dass Du in der heutigen Zeit in Deutschland sofort und auf der Stelle einen Superjob finden würdest, halte ich z.B. für äußerst schön gefärbt. Diese Zeiten sind vorbei! Und es ist hier im guten alten Europa sicher nicht aller besser als "drüben".

    Wenn Du genau weißt, dass Du Deinen Mann liebst und dass Du bei ihm bleiben möchtest, dann tu das! Es gibt keinen Grund, irgendjemandem gegenüber ein schlechtes Gewissen zu haben. Das ist Dein Leben, das Du leben musst. Die Welt ist heutzutage ja nicht mehr so groß wie früher - Du kannst in wenigen Stunden bei Deiner Familie sein, Du kannst intensiven Kontakt mit Deinen Lieben pflegen, auch ohne, dass Du daneben am Sofa sitzt.

    Liebe Grüße,
    ElliB
     
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