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Mütter und Kinder

Dieses Thema im Forum "Eltern und Kinder" wurde erstellt von Strandläufer, 12 Juni 2006.

  1. Strandläufer

    Strandläufer Well-Known Member

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    Immer wieder lese ich hier, dass es zwischen Müttern und Kindern bis ins hohe Alter hinein extreme Schwierigkeiten geben kann. Die Gefühle der Kinder gehen bis zum Haß, die Gefühle der Mütter meist mehr Richtung Hilflosigkeit.
    Ich bin nun beides Mutter, Tochter, Schwiegermutter, Schwiegertochter und jede Position hat so ihre Tücken.
    Jahrelang habe ich geflucht, dass mir meine Mutter, bzw. Eltern so ein schwieriges Erbe hinterlassen haben. Jahrzehntelang habe ich einen Schuldigen gebracuht, bevor ich in der Lage war mein Leben selber zu bestimmen und es nicht mehr anderen zu überlassen.
    Wir Mütter sind die Töchter von Müttern, die ebenso Mütter hatten. Was die Mutter ihrem Kind mitgibt nimmt das Kind als Erbe in sein Elterndasein. Kinder, die sich heute über die Mütter beschweren, dass sie nicht gut genug waren (stimmt sicher) werden selber einmal Mütter sein. Zwangsläufig werden sie, sofern sie sich nicht in intensive therapeutische Betreuung begeben haben, den gleichen Mist an ihre Kinder weitergeben, auch wenn sie es jahrelang nicht merken, weil sie es ja besser machen wollenn.

    JEDE Mutter sagt diesen Satz: "Ich will es besser machen" und die Kinder dieser Mütter beschweren sich trotzdem über die Fehler dieser Mütter.

    Ist es nicht absoluter Unsinn, die Verantwortung an die Mütter zu geben. Müssen wir nicht selber gucken dass wir unser Leben so gestalten wie wir es als schön und brauchbar empfinden. Müssen wir nicht selber Wege suchen?

    Können wir nicht unsere Mütter so lassen wie sie sind und ihnen nicht ständig vorwerfen sie seinen nicht OK? Verurteilen wir uns damit nicht lgeich selber, da wir ja das Erbgut in uns tragen?
    Liebe Grüße
    Elke
     
  2. Ulla405

    Ulla405 Well-Known Member

    Hallo Elke
    Das kannst du nicht ganz so sehen, jedenfalls nicht bei mir - da war es eher umgekehrt.
    Mein erstes Kind hab ich so erzogen (bis zum 3. LJ), wie ich erzogen worden bin (Zucht und Ordnung)
    Ich nahm zu dem Zeitpunkt an, es wäre richtig so.
    Dann bekam ich mein zweites Kind und alles war von Anfang an anders.
    Ich empfand Muttergefühle, die mir beim ersten fehlten usw.
    Also erzog ich es völlig anders - freier, für das Kind.
    (P.S.bin froh, das mein erster keinen Schaden genommen hat)
    Hab heut erst ein Video von vor 12 Jahren angesehen und mich wieder geschämt, wie ich doch damals mit dem Ersten "umgegangen" bin - dafür hasse ich mich...
    Als der 2. ein halbes Jahr alt war , begannen meine psych. Probleme - ich wußte nie, warum.
    Aber, es war deswegen.
    Dadurch, das ich nicht mehr gleich handelte, wie meine Mutter (mit mir) wurde mir unbewußt bewußt, wie falsch ich behandelt wurde.
    (Nee, eigentlich erst 4 Jahre später, als ich endlich begriff, das meine Beschwerden psychische Ursachen hatten - Ursachen aus meiner Kindheit!)

    Okay, ich hatte jahrelange Therapie, aber ich hab VORHER
    schon anders gehandelt.

    Im Endeffekt bringt es allerdings zum Verhältnis zu meiner Erzeugerin nix.
    Aber meine 4 Kinder sind zufrieden und das ist mir das Wichtigste.

    Liebe Grüße Alex
     
  3. Strandläufer

    Strandläufer Well-Known Member

    Ich für meinen Teil glaube, dass ein wirlicher Rückblick erst stattfinden kann, wenn die Kids erwachsen sind. Und meine Überzeugung ist, dass wir ALLE unbewusst schädliche Programme in unseren Kindern schaffen.
    Meist beginnen wir eine Therapie, wenn wir mit unserem Leben nicht mehr zurecht kommen und das ist oft der Anfang von einer gravierenden Veränderung. Trotzdem wird es vermutlich später zu Vorwürfen kommen, dass dies oder das nicht richtig gelaufen ist und meist sind es Dinge, die ich als Mutter so garnicht wahrgenommen habe. Ich habe mir z.B. um Situtaionen Gedanken gemacht, die meinen Kindern nicht negativ aufgefallen sind, dafür hatten sie Erlebnisse, an die ich mich garnicht mehr erinnern kann, weil ich sie nicht als schädlich empfunden habe.
    Ich bin überzeugt dass Mütter alles tun, damit es ihren Kindern gut geht, aber oft wissen sie nicht wie es geht, haben keinen Zugang zu sich selber.

    Ich bin nicht verpflichtet meine Mutter zu lieben, ebenso wenig müssen meine Kinder mich lieben. Das meine ich auch nicht. Aber ich bin der Meinung wir könnten uns die Mühe machen sie zu verstehen und den Zorn nicht zu bewahren sondern zu erlösen, ihn loszulassen.
    LG
    Elke
     
  4. Ulla405

    Ulla405 Well-Known Member

    ...ich hab keinen Zorn auf sie, sie ist mir egal...

    Ich hab mir viel Mühe gegeben, sie zu "erreichen", aber es hat nix gebracht - und wird auch nie was bringen.
    Sinnlose Zeit- und Nervenverschwendung
    Soll sie glücklich werden - ich werds auch versuchen...

    Bitte Elke geht nicht gegen dich und deine Meinung:kuss1:
    Liebe Grüße Alex
     
  5. mikulasek claud

    mikulasek claud Well-Known Member

    ein interessantes thema!
    ich war auch einmal stolz nicht die fehler meiner mutter zu wiederholen, bis ich darauf gekommen bin - meine eigenen zu machen!!! das wird mir meine tochter danken :stickout2
    wir haben alle unsere pinkerln zu tragen. wenn man es ganz streng sieht, dann haben eltern die pflicht uns zu ernähren und uns ein dach über den kopf zu geben. das haben sie getan und der rest sind wünsche.......wir werden vollgepflastert mit märchen,geschichten und filmen die unsere phantasie anregen, WIE schön es sein könnte wenn.....
    mit der muttter einiges zu klären, endet oft in entschuldigen und erklärungen die einiges noch verschlimmern können, weil sie es nicht ungeschehen machen können und wir entschuldigungen nicht annehmen....
    ich habe festgestellt es gab soviel schönes mit meiner mutter und wenn ich darauf schaue und das ausbaue, dann hab ich mehr davon!! das erlebe ich auch beruflich immer wieder!!! wenn wir versöhnlich zu uns sind, können wir es auch zu anderen sein und das hat nichts damit zu tun, dinge unter den teppich zu kehren, oder positiv denken - das geht tiefer......
    lg claudia
     
  6. Strandläufer

    Strandläufer Well-Known Member

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    Ähnlich wie dir geht es mir auch. Ich habe mehr das Gefühl ihr verpflichtet zu sein, weil sie langsam alt wird, aber richtig an ihr hängen tue ich nicht. Wir kommen gut miteinander aus, die alten Fehden sind vorbei. Das was ich noch an Resten an Kindsein ihr gegenüber mit mir rumschleppe ist meine Angelegenheit, das kann sie nicht mehr für mich regeln. Ich sehe sie heute einfach als Frau, die teilweise mir ähnlich ist oder umgekehrt ich ihr und in anderen Teilen wieder nicht. Endlich kann ich sie so sein lassen, nach vielen Jahren Versuch sie zu verbiegen.
    Liebe Grüße
    Elke
     
  7. Strandläufer

    Strandläufer Well-Known Member

    Es ist ganz klar sinnlos ja. Allerdings unterhalten wir uns heute ab und zu mal über die Vergangenheit ohne Anklage einfach so als Erlebnisbericht. Das tut sie genauso wie ich und da wird eben deutlich wie unterschiedlich wir so manchen Situation erlebt haben.
    LG
    Elke
     
  8. Ulla405

    Ulla405 Well-Known Member

    Damit hast du wohl recht.
    Rückgängig zu machen ist eh nichts und wahrscheinlich haben diese Mütter auch nur in der Annahme gehandelt, alles richtig zu machen.
    Meine Psycholgin hat oft den Satz gesagt:
    Sie sind ihrer Mutter keine Rechenschaft schuldig, sie haben jetzt ihr eigenes Leben.

    liebe Grüße Alex
     
  9. Rucola

    Rucola Guest

    Hallo Alle,

    ja, das ist ein interessantes und auch sehr schwieriges Thema.
    Auch ich habe meine Eltern lange Zeit abgelehnt, verurteilt, ihnen innerlich (und teilweise auch direkt) Vorwürfe gemacht.
    Dann bin ich selbst Mutter geworden und wie das nun mal so ist, sehe ich seitdem so einiges anders. Ich habe vieles anderes gemacht aber auch vieles wiederholt - und das obwohl ich es nicht WOLLTE!
    Und ........ich habe mich für manches "Fehlverhalten" verurteilt, so wie ich es an meiner Mutter verurteilt hatte. Aber dadurch kam das Verständnis dafür, dass sie auch nicht anders konnte, dass ich das "nehmen" muss was ich bekommen habe und es eine Anmaßung ist mehr zu verlangen.
    Und je mehr ich beide nehmen kann wie sie sind/waren, desto "voller" werde ich (vorher habe ich mich innerlich immer leer und hohl gefühlt),
    desto mehr komme ich in die Selbstachtung. Denn wenn man seine Wurzeln ablehnt, verachtet man auch diese Teile in sich selbst.
    Will heissen, ich habe heute zwar kein inniges liebevolles Verhältnis zu meiner Mutter, aber ich respektiere sie, habe kaum noch den Drang sie verändern zu wollen oder etwas zu fordern, was mir nach meiner Vorstellung "zusteht".
    Und interessanterweise "lässt" auch sie mich - keine Vorwürfe, keine Bevormundungen mehr - als sei sie mir der Spiegel in meinem Umgang mit ihr gewesen.
    Und dazu war es gar nicht nötig das mit ihr im Aussen zu klären,
    es hat genügt in mir selbst zunehmend meinen Frieden mit ihr zu machen
    - dadurch kam der äussere Friede von ganz alleine.

    @Alex

    zu deinem Satz, dass du deiner Mutter keine Rechenschaft mehr schuldig bist kam mir ganz spontan in den Sinn.......
    - unsere Mütter sind aber auch uns keine Rechenschaft für ihr Verhalten schuldig (auch nicht für das aus der Vergangenheit).

    Viele Grüsse
    Rucola
     
  10. Ulla405

    Ulla405 Well-Known Member

    FRAGE:
    warum beschäftigt uns dann das Thema?
     
  11. Strandläufer

    Strandläufer Well-Known Member

    Ganz ähnlich empfinde ich es auch.
    Ich habe vor ein paar Jahren wieder meinen Mädchennamen angenommen. Das war der Zeitpunkt, an dem ich mich mit meinen Wurzeln ausgesöhnt hatte mich zu ihnen bekennen konnte.
    Ich habe heute noch Schwierigkeiten mich meiner Mutter gegenüber abzugrenzen, mir das Recht zu nehmen etwas anderes zu wollen als sie, aber ich lerne sie und ihr Handeln zu verstehen.
     
  12. Strandläufer

    Strandläufer Well-Known Member

    Das ist ein Thema, was mich persönlich gerade jetzt beschäftigt. Meine Mutter ist 73 Jahre und hat offensichtlich Angst, dass wenn sie mal hilflos ist, dass dann keine da ist. Sie versucht mich auf den Ernstfall zu trainieren, indem sie einen auf hilflos macht, selbst wenn das noch nicht der Fall ist.
    Früher hätte ich ihr unterstellt mir mein Glück, meine Freiheit nicht zu gönnen. Heute weiss ich dass sie Angst hat. Ich kann sie mit ihren Ängsten annehmen, will aber mein Leben weiterleben. Das ist für mich eine emotionale Gradwanderung.
    Ausserdem habe ich drei erwachsene Söhne, aus deren heutigen Schwierigkeiten und Erfolgen kann ich einigermaßen ablesen wo es gut geklappt aber auch wo die Schwächen in meiner "Erziehung" gelegen haben. Lange haben mich Albträume verfolgt, in denen Schuld, Schuldzuweisung und horror Panik vorkamen. Ich habe damals, als sie noch bei mir lebten, immer geglaubt alles richtig zu machen, weil ich sie ja so abgöttisch liebte. Mir ist mehr und mehr bewusst geworden, dass sie vielleicht irgendwann, vielleicht auch schon jetzt (unbemerkt von mir) die gleiche innere Haltung zu mir einnehmen, die ich meinen Eltern gegenüber eingenommen habe. Ich liebe meine Kinder sehr und trotzdem habe ich ihnen hier und da geschadet. Ich möchte sie nicht verlieren, innerlich meine ich. Das ist und war schon immer meine größte Angst.

    So kann ich eben die Situtaion meiner Mutter verstehen, aber auch die meiner Kinder.
     
  13. Ulla405

    Ulla405 Well-Known Member

    Hallo Elke,
    das kann ich schon nachvollziehen - mir bei meiner Mutter aber überhaupt nicht vorstellen (momentan jedenfalls nicht.)
    Sie interessiert sich nicht für meine Familie, also ist mir ihre auch Wurscht.
    Klingt jetzt sicherlich kindisch, ist aber tief in mir vergraben.
    Ich könnte mir nicht vorstellen, sie pflegen zu müssen.

    Allerdings ist das Verhältnis zu meinen Kindern anders.
    Einer ist ja auch schon aus dem Haus, 3 sind noch daheim (zum Glück)

    An den Tag, wo mal kein Kind mehr zu Hause ist mag ich garnicht denken.

    Wenn es biologisch ginge, würde ich, mal grob gesagt, "bis der Deckel zufällt" mit Kinderkriegen weiter machen, einfach nur, damit ich immer eins (oder mehrere) zu Hause hab.

    Bei meiner Therapie wurden schon Verlustängste festgestellt.

    Wenn es irgentwann mal soweit sein sollte, brauch ich bestimmt wieder eine Therapie, oder, ich lerne selbst, damit umzugehen.

    Liebe Grüße Alex
     
  14. Strandläufer

    Strandläufer Well-Known Member

    Ach Alex,
    was soll ich sagen.
    Meine drei sind schon ziemlich weit weg. Einer lebt in Bonn, einer in Linz und der Jüngste zieht bald nach Leipzig. Ich brauche nicht den täglichen Kontakt, fühle mich sehr wohl ohne Kids im Haus, aber ich hätte Angst dass sie die liebevolle innere Verbindung irgendwann nicht mehr haben. Aber selbst damit müsste ich leben lernen.
    Das Leben ohne die tägliche Verantwortung für meine Kinder ist sehr frei und es macht mir ganz viel Spaß.
    Ich kann aber sehr gut nachvollziehen wie es dir mit dem Gedanken geht, dass sie aus dem Haus gehen. Es ist schon eine große Umstellung sein Leben auf etwas anderes auszurichten, eben nicht mehr erstrangig Mutter zu sein, aber es bietet viel. :liebe1:
     
  15. Strandläufer

    Strandläufer Well-Known Member

    Vielleicht hat sie Angst überfordert zu werden?
    Ich habe ja keine Ahnung welches Leben deine Mutter geführt hat, wie sie mit ihrem Muttersein klar kam. Wenn jetzt Enkel da sind, mag sein dass sie einfach keine Lust mehr hat fürsorglich zu sein?
    Ich bin überzeugt, dass so einem kompletten Nichtinteresse irgend eine Angst zu Grunde liegt.
     

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