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Mutter lässt nicht los

Dieses Thema im Forum "Eltern und Kinder" wurde erstellt von Anke R., 8 September 2013.

  1. Anke R.

    Anke R. Member

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    Hallo, Forum!
    Ich schreibe aus einer gewissen Verzweiflung heraus, denn ich bin schon seit über 4 Jahren mit einem Mann zusammen mit dem ich mir anfangs eine gemeinsame Zukunft gut vorstellen konnte. Wir sind beide mittlerweile fast 30, das Problem ist daß ich das Gefühl bekomme gegen eine Wand zu fahren.

    Er hat mich schon in den ersten Wochen unserer Beziehung vor seiner Familie gewarnt, und hat nicht übertrieben. Je länger ich mit ihm zusammen bin desto mehr erkenne ich das Problem - seine Familie akzeptiert es nicht, daß er sich eine eigene Existenz aufbaut. Seine Mutter und seine ältere Schwester, die erst vor einem Jahr in eine eigene Wohnung gezogen ist und immernoch ein sehr enges Verhältnis zur Mutter hat, üben Psychoterror aus. Ich habe das Gefühl daß sie uns unser Glück nicht gönnen, da sich der Vater kurz nach der Geburt meines Lebensgefährten aus dem Staub gemacht hat und die Mutter nie wieder einen anderen Mann an sich heranließ, auch die Schwester hat starke Bindungsängste. Der Vater hat immernoch sporadischen Kontakt zur familie und versteht sich mit der erstgeborenen besser als mit seinem Sohn, da sie in den Augen der Familie immer die "brave" war.
    Die Mutter und die Schwester legte, nachdem sie von mir erfuhr wurden ein seltsames Verhalten an den Tag. Sobald er nicht sofort auf Anrufe oder sms antwortete war die Hölle los, sie konnten einfach nicht akzeptieren daß er ein eigenes Leben lebt. Sie begann die gesamte Verwandtschaft in Aufruhr zu versetzen, sie sollen sich doch bei ihm Melden. Obwohl er seit er den Schulabschluss hat finanziell auf eigenen Beinen steht versucht sie mit aller Gewalt Kontrolle über ihn auszuüben. Auf seine schrittweise Distanzierung (er war selber überrascht, sie so zu sehen) reagierte sie mit noch mehr Verzweiflung. Gruselig wurde es, als sie begann etwa beim Essen oder beim Sex anzurufen oder sms zu schreiben. Er war im grunde sehr geduldig mit ihr, aber bei solchen Vorfällen platzte ihm manchmal einfach der Kragen. Irgendwann wurde es noch schlimmer. Bei Anrufen bei denen sich niemand meldete oder die sonnst irgendwie eigenartig waren kam uns plötzlich als erstes seine Familie im sinn. Auch als plötzlich zwei wildfremde an der Türe läuteten (2. Stock, wenig frequentierte Nebenstraße) und mich um hilfe Baten, denn ihre Mutter hätte 2 Häuserecken weiter einen Unfall gehabt), wurden wir sehr Misstrauisch. Solche Vorfälle waren zwar generell nicht allzu oft aber trotzdem belastend.
    Was ich sicher weiß ist, daß seine Mutter ohne seine Zustimmung meine Adresse herausgesucht hat um eine Runde um den Häuserblock zu fahren, das hat sie ihm erzählt. Seitdem habe ich ständig ein ungutes Gefühl. Wer weiß was ihr noch alles einfällt? Sie wollte bei unserem gespräch seltsame Details von mir wissen. Wann und wie ich aufstehe, ob ich Rituale hätte, etc... Ich dachte mir damals schon daß es komisch wäre daß sie so genau fragt.
    Für meinen Freund war die Situation ebenso belastend, da er auf den Kontakt zu seiner Mutter oder Schwester wie allergisch reagierte. Er war tagelang gereizt, trank, rauchte, ging kaum hinaus und hatte schwierigkeiten sich auf seine Arbeit zu konzentrieren. Er hat schon einmal seinen Job verloren weil ihn die Familie so fertig machte und es schein ein Genuss für die beiden zu sein, daß sie diese Macht über ihn haben.
    Mittlerweile hat er den Schritt gewagt und mit einer Anzeige wegen Stalking gedroht, seitdem ist zumindest dem Anschein nach Ruhe aber er denkt trotzdem sehr oft (zu oft) an seine Familie. Durch unser Verhalten sind wir ins Spotlight der gesamten Sippschaft gerückt und ich habe Angst daß er das Psychisch nicht mehr schafft. Das sind denkbar schlechteste Voraussetzungen eine gemeinsame Zukunft aufzubauen, aber ich versuche zu ihm zu stehen.

    Danke an jeden der sich diesen Text durchgelesen hat, es ist ein bisschen länger geworden, ich musste mir das von der Seele schreiben denn es sieht momentan alles sehr düster aus.
    Ich bin froh über jede ernstgemeinte Antwort. Hat vielleicht jemand eine Ähnliche Situation durchgemacht und Tipps für mich? Kennt jemand einen Verein oder eine Stelle die in solchen Fällen Hilfe anbietet? Mein Freund ist schon seit längerer Zeit in Psychotherapie weil es immer wieder diese Schwierigkeiten mit der Familie gibt. Wir wollen einfach nur unseren Frieden haben, eine Gerichtsverhandlung wäre sehr aufreibend, und es bleibt die Frage ob es sich lohnt, denn wenn er danach wieder im Job probleme bekommt ist die gemeinsame Zukunft ja ohnehin wieder gestört. Ich wollte nie etwas von diesem Krieg wissen, und habe keine Ahnung ob sich das je bessern wird und bitte um Hilfe!
    Danke für jede (ernstgemeinte) Antwort.
     
  2. Johanne

    Johanne Well-Known Member

    Hallo Michelle S.

    Wenn die Mutter und die Schwester sein Leben so massiv beeinträchtigen, dass sogar seine Arbeit darunter leidet, dann wäre eine Möglichkeit für deinen Freund über einen Kotaktabbruch mit seiner Mutter und Schwester nach zu denken. Die Telefonnummer zu wechseln und die zwei Frauen nicht mehr an seinem Leben Teil haben zu lassen. Das bedeutet, ihnen auch keine Informationen mehr zu geben darüber was er macht oder tut oder wie es ihm geht.

    Wie steht dein Freund zu dieser Möglichkeit des Kontaktabbruchs? Hat er schon mal darüber nachgedacht?

    Liebe Grüße,

    Johanne
     
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  3. Clara Clayton

    Clara Clayton Well-Known Member

    Hallo Michelle,

    als ich meinen Mann vor vielen Jahren kennenlernte, machte er mich sehr schnell mit seiner Familie bekannt. Es war von Anfang an ein schwieriges Verhältnis.

    1. mochten mich seine Eltern nicht(wie alle Freunde und Freundinnen ihrer Kinder, wie ich später erfuhr) und 2. stammte ich aus einer Familie, die sie einfach nicht leiden konnten.

    Mein Mann hatte keinen leichten Stand bei seinen Eltern und ich natürlich erst recht nicht.

    Für uns war es einfach die beste Lösung, dass wir so nach und nach den Kontakt abbrachen.

    Ich weigerte mich irgendwann mit zu seinen Eltern zu kommen.

    Als unsere Tochter geboren wurde, hielt mein Mann den Kontakt noch aufrecht. Er besuchte sie mit unserer Kleinen sporadisch. Er merkte jedoch sehr schnell, dass sie kaum - bis gar kein Interesse - an ihrer Enkelin hatten.

    Inzwischen hat er den Kontakt zu seiner Familie komplett abgebrochen. Ich war dagegen, dass er das macht. Er hat sich nach einigen schweren Enttäuschungen, die er mit seiner Mutter(mein Schwiegervater ist inzwischen verstorben)und seinen Geschwistern erlebt hat, dazu entschieden.

    Er hatte einfach keine Lust das ständige Intrigenspiel, und die vielen Lügereien, die in seiner Familie üblich sind, mitzumachen.

    Ich habe mich damals, was die Familie meines Mannes betraf, sehr zurückgehalten. Er hat seine Entscheidung alleine getroffen - und er scheint gut damit zu fahren.

    Das, was die Mutter und die Schwester deines Freundes da veranstalten, klingt wirklich sehr nach Stalking - und ja irgendwie auch nach Mafia.

    Darf ich dich fragen, welcher Nationalität,bzw. Abstammung, dein Freund ist? Ich frage das, weil z. B. in osteuropäischen Familien das Verhältnis zwischen Müttern und ihren Söhnen ein ganz anderes ist als hierzulande.

    Wir haben türkischstämmige Freunde. Deren Eltern sind ganz anders in das Familienleben ihrer Kids involviert, als ich das je zulassen - geschweige denn - gutfinden würde.
     
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  4. Anke R.

    Anke R. Member

    Danke für eure Antworten!

    Ja, es ist wohl eine Konsequenz die aus der Drohung mit einer Anzeige folgt, daß er sie am Handy/E-Mail/etc meidet. Aber er leidet darunter, sie sind in seinem Kopf! Das Problem ist daß er fürchtet durch die Abgrenzung erst recht ins Rampenlicht gerückt zu werden.
    Die Mutter hat ja schon zuvor die Verwandtschaft in aufruhr versetzt die (und da sind wir schon beim nächsten Posting) streng gläubig (katholisch) ist.

    Wir sind beide Menschen und erfreuen uns an einem urbanen Lebensstil. Es gibt jetzt keinen kulturellen Unterschied, wir haben keine Scheinehe, falls du das meinst. In dem fall wären sogar Vereine da die uns auch unterstützen könnten.
    Mein Freund hat aufgrund des Konfliktes mit der Mutter lange Zeit die Kirche gemieden und sich politisch engagiert, bis er gemerkt hat daß er damit das Problem in seinem Leben nicht in den Griff bekommt. Er ist mittlerweile sogar soweit emanzipiert daß er erkannt hat daß nicht alle christen so sind wie seine Mutter und die Kirche durchaus gute seiten hat.
    Aber die Familie versucht mit allen mitteln in einer Gratwanderung zwischen rechtskonform und ein paar kleinen Kavaliersdelikten, die man nicht oder nur schwer nachweisen kann ihre soziale Kontrolle auszuüben! Das ist pures Gift für die Beziehung, ja pures Gift für ihn.
    Ich habe mich wie gesagt lange zurückgehalten, aber momentan ist der Konflikt da und sehr belastend für mich, weil ich sehe daß es ihm zunehmend schlechter geht. Es sind mittlerweile schon Wochen Vergangen in denen seine Grenzen im großen und ganzen respektiert werden (ich kann nicht nachweisen, ob sie nachts vor dem Fenster stehen, oder ob die Polizei "anonym" alarmiert wurde, oder eine Kleinkonklave für uns betet, und will garnicht beginnen darüber nachzudenken), und darüber bin ich auch froh, aber es schlägt sich einfach aufs gemüt. Wir haben bereits einen stationären Aufenthalt in der Psychiatrie oder eben alle Möglichkeiten die es bei Gericht gibt diskutiert, und ich habe Angst vor den Umständen die solche Eingriffe mit sich bringen.
    Von Kindern ist derzeit garkeine Rede. Wenn ich das so schildere geht es mir schon besser, eigentlich ist es lächerlich sich so fertig zu machen aber wenn man mittendrin ist sieht das alles sehr bedrohlich aus und das einzige was wir tun können ist zu beten/hoffen.

    Danke für eure Hilfe, wie gesagt es hilft schon darüber zu schreiben.
     
  5. Clara Clayton

    Clara Clayton Well-Known Member

    Nein, es ging mir bei meiner Frage nicht um die Erkundigung nach einer Scheinehe.

    Auch liegt mir jegliche Fremdenfeindlichkeit fern! Ich erläuterte bereits den Grund meiner Frage in meinem Post.

    Ich wünsche euch alles Gute und hoffe, ihr bekommt eure Probleme in den Griff.
     
  6. Johanne

    Johanne Well-Known Member

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    Hallo Clara.

    Ich finde es gut, dass dein Mann so konsequent diesen Schritt gegangen ist.
    Mein Mann hat auch seit einiger Zeit keinen Kontakt mehr zu seinen Eltern.
    Mit meiner Familie haben ich den Kontakt auf ein Minimum reduziert.
    In manchen Ehen halten die Ehepartner noch lange nicht so stark zusammen, so dass sie sich nach Außen hin gegen Angriffe verteidigen können.

    Ich danke dir für deinen Bericht Clara.

    Ich würde auch gerne berichten was bei uns läuft, doch das klingt so unglaublich, so dass ich hier einen ganzen Roman schreiben müsste, damit man einigermaßen nach vollziehen kann das so etwas überhaupt möglich ist. Vielleicht mache ich das mal irgendwann. Obwohl ich merke, dass wenn ich mich näher damit beschäftige mir das gar nicht gut tut.

    Um uns zu schützen, bleibt uns nichts anderes übrig als den Kontakt ab zu brechen.
    Allein schon nach dem letzte Besuch bei unserer Familie waren mein Mann und ich 3 Wochen zu nichts zu gebrauchen.

    Wenn ich nicht meinen mir überaus geliebten Beruf hätte, wo jeden Tag Menschen auf mich warten, ich würde Deprssionen bekommen.

    Uns machen leider unsere Eltern krank. Jeder Kontakt führt dazu, vor allem in letzter Zeit, dass es uns beiden sowohl emotional als auch körperlich einfach nur schlecht geht.

    Wir haben beide versucht unsere Eltern zu lieben, die Misshandlungen körperliche wie emotionale zu vergeben und zu heilen. Das Zusammensein mit ihnen schön zu gestalten, ihnen eine Freude zu machen, ihre guten Seiten hervor zu heben...... und dennoch funktioniert es nicht. Die Verletzungen und die Attacken welche sich von Mal zu Mal steigern und immer heftiger werden machen jedes kleine Bisschen kaputt wo für uns beide unsere Eltern uns noch etwas bedeutet haben.

    Ich habe ebenso wie du Clara auch nicht auf einen Kontaktabbruch zwischen meinem Mann und seine Eltern gedrängt. Es war seine eigene Entscheidung. Ich unterstütze meinen Mann dabei und wir halten zusammen.

    Ich würde eher sagen, dass die Versuche Seitens unserer Familien uns außeinander zu bringen uns sogar noch mehr zusammengeschweißt haben.

    Was du Clara über osteuropäische Familien schreibst, kann ich nur bestätigen. Diese Grenzüberschreitungen in diesen Familien kommen nicht von Ungefähr, sie haben eine Geschichte und einen Hintergrund. Es sind zT sehr agraische Länder, sehr verbunden mit dem Boden und die Blutsverbindungen haben eine sehr starke Bedeutung. Es ist nachvollziehbar und auch verständlich. Aber irgendwann - alleine um überleben zu können - muss man sich notfalls auch mit harten Bandagen befreien.

    Liebe Grüße,

    Johanne
     
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  7. Johanne

    Johanne Well-Known Member

    Wie darf man das verstehen Michelle?
    Hat dein Freund etwas getan womit seine Familie ihn erpresst?

    Wieso hat die Verwandschaft so viel Einfluss auf deinen Freund?

    Aus unserer Erfahrung kann ich sagen, dass es sehr hilfreich ist, wenn man gemeinsam eigene Ziele vor Augen hat und sich gemeinsam etwas auf baut. Das sind Ziele für die man gemeinsam kämpft und welche man gemeinsam verteidigt. Das ist sehr hilfreich wenn man sich von der Familie nach außen hin angrenzt, denn man baut sich eine eigene Familie auf. Damit verlieren die Eltern an Einfluss und Macht.

    Meinem Mann und mir uns fällt es deshalb leichter, weil wir eine eigne Familie sind und sehr hart dafür arbeiten und kämpfen müssen. Wenn meine Mutter oder meine Schwiegermutter das attackieren, stehen wir gemeinsam wie eine Mauer. Und letztendlich tuen sich diese im Grunde nur selbst weh, wenn sie versuchen dagegen an zu treten.

    Ich denke, eine solche gemeinsame Haltung könnte euch beiden helfen.

    Wenn dein Freund dazu nicht die Kraft hat, dann tust du sehr gut daran die Zukunft der Beziehung zu überdenken. Und mir scheint, dass du das aus dem Grund auch tust.

    Liebe Grüße,

    Johanne
     
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  8. Clara Clayton

    Clara Clayton Well-Known Member

    Liebe Johanne,

    vielen Dank für deinen ausführlichen Post, der mich - einmal mehr- sehr bewegt hat.

    Du und dein Mann, ihr beide, ihr habt da sehr viel mitgemacht. Ich bewundere euch für eure Haltung und eure Einstellung.

    Und ich freue mich sehr, dass ich wieder einmal von dir lesen darf.

    Unsere Freunde, die wie ich schrieb, aus der Türkei stammen, haben ein ganz anderes Gefühl für Familienzusammengehörigkeit, als mein Mann und ich z. B.

    Während ich mir stets jegliche Einmischung durch meine Mutter verbeten habe, was meinen Mann, meine Tochter und mich anging, kommt bei unseren Freunden stets der ganze Familienclan bei größeren Entscheidungen zusammen und bestimmt mit. Das nervt unsere Freunde oft. Jedoch akzeptieren sie es, weil es halt so üblich ist in bei ihnen.

    Mir ist das völlig fremd.

    Da ich kein besonders gutes Verhältnis zu meiner Mutter hatte(mein Vater ist ja schon sehr früh gestorben), sind mir enge Familienbande ohnehin eher suspekt.

    Mein Mann sah das lange Zeit anders. Er wünschte sich stets eine große, glückliche Familie und kam gar nicht damit klar, dass seine Eltern dermaßen gleichgültig waren. Sie interessierten sich einfach nicht für ihre Kinder - und schon gar nicht für ihre Enkelkinder.

    Manchmal müssen wir einfach zu unserem Selbstschutz eine Grenze ziehen und einsehen, dass wir eine heile Welt nicht herbeizaubern können. Auch wenn wir es noch sehr gerne wünschen. So ist das einfach.

    Das hat mein Mann für sich kapiert. Ich habe diesen radikalen Schnitt nicht unterstützt, doch ich verstehe ihn.

    Ich laß dir eine Umarmung da, liebe Johanne!
     
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  9. Ritter Omlett

    Ritter Omlett Well-Known Member

    @Serwus Michelle

    Probleme dieser Art kannte ich früher mal, so ca. 25 Jahre zurück, gleich zu Beginn meiner Ehe.

    Es war zwar bei mir nicht ganz so extrem, doch einigermaßen in diese Richtung. Auf alle Fälle wollten, also meinem Fall die Eltern, eine Art Kontrollzwang ausüben, wie mein Leben gelebt wird und ob meine Frau alles richtig macht. Einen Sonntag nicht abheben, weil ich unterwegs war, abendlicher Anruf, um Gottes Willen wo warst du, wir riefen schon 10 mal an. Die Bespiele dazu wären umfassend, doch nun zu deinem (eurem Problem)

    Zur Frage ob es jemals wird, ja eindeutig.
    Der Kernpunkt zu der Besserung war, ein kurzfristiger Kontaktabbruch. Es blieb auch keine andere Wahl.

    Zum positivem Teil so einer Geschichte. Beide Teile müssen jetzt nicht unbedingt loslassen, doch sie müssen hart an der Geschichte arbeiten. Vorweg, dein Mann ist sicher ein netter Mann, zu nett? In meinem Fall lernte ich genau meine Grenzen kennen, hier her geht es, darüber nicht mehr. Ein Verfügen über mein Leben ist nicht möglich.

    Der andere Teil lernte während des Kontaktabbruches vor allen Dingen mein Leben zu respektieren. Der Hauptgrund einer solchen Situation, die Mutter und die Schwester respektieren sein Leben nicht und haben auch keinerlei Respekt vor ihm. Also rein aus Erfahrung heraus kann ich nur sagen, dieser Kontaktabbruch, ich weiss nicht mehr genau wie lange, waren ca. 2 Wochen, brachte eine klare Besserung, nachher waren meine Eltern wie verwandelt.

    Die Mutter und die Schwester hätten gerne die alte Situation zurück, du bist der Feind der das zerstört hat. Nach einem Kontaktabbruch und nur dieser war in meinem Fall der Beste, könnte sich die Situation verbessern.
    Mutter und Schwester taktieren genau und werden auch versuchen, euch gegenseitig auszuspielen, sei auf der Hut.

    Nach dem Kontaktabbruch:
    Wir hatten danach Vereinbarungen, so genau weiss ich die nicht mehr, ich denke 2x die Woche rufen wir uns gegenseitig an und am Sonntag Abend melde ich mich, dass alles ok war. Daueranrufe wo ich bin und was ich warum so mache gibt es nicht, hebe ich nicht ab.

    Also zusammenfassend:

    In meinem Fall half ein Kontaktabbruch von ca. 2 Wochen, ob das jetzt natürlich überall zutrifft weiss ich nicht. In meiner Situation brachte es mir den nötigen Respekt ein, der dazu führte, dass wir dann unser Leben ungestört gestalten konnten und dennoch guten, ausreichenden und auch liebevollen Kontakt hatten.

    Man wird nicht mehr angegriffen, nachdem man sich ausreichend seine Grenzen gesetzt hat und diese beschützt, dazu gehören auch die Grenzen der Familie.





    LG
    Ritter Omlett
     
    Zuletzt bearbeitet: 8 September 2013
  10. Anke R.

    Anke R. Member

    Naja, im prinzip geht deine Überlegung schon in die richtige Richtung - getan hat er im prinzip nichts, er ist halt aufgrund der schwierigen Situation früh von zuhause weg, was ihm auf seinem Lebensweg schon recht oft einige Probleme bereitet hat. Vielleicht macht ihm das jetzt ein schlechtes Gewissen, hinzu kommt noch das schlechte Grundvertrauen und Schuldgefühle die einem oft unterkommen bei Scheidungskindern, das wird dir jedes Psychologieforum bestätigen. Als ich ihn kennengelernt habe habe ich schnell bemerkt daß er sehr misstrauisch und eben vorsichtig war.

    Vielen Dank, genau das ist es. Ich würde mich ehrlich freuen auch deine Geschichte zu hören.

    Weißt du, ich bin froh daß es noch solche Menschen gibt, die sich umeinander kümmern.
    Das problem war daß es ihm scheinbar noch nicht so ganz klar gewesen ist daß seine Mutter tatsächlich auch solche schlechten Seiten hat. Er hatte vielleicht nur eine Ahnung, aber sie hat sie immer perfekt vor ihm versteckt, was da wirklich vorging wurde erst langsam immer klarer.
    Vielen Dank für eure Antworten nochmal, das ist sehr hilfreich
     
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  11. Johanne

    Johanne Well-Known Member

    Hallo Clara, lieben Dank für deine Antwort, ja, ich war länger hier nicht aktiv. Habe jedoch gelegentlich still mitgelesen, auch in abendsonnes thread und die Daumen gedrückt. Hatte jedoch nicht die Kraft etwas zu schreiben....

    Das was du schreibst kann ich sehr gut nachvollziehen. Diesen Wunsch hatten wir nach wie vor auch, wir haben auch sehr hart daran gearbeitet. Viel Therapie gemacht und daran gearbeitet die Eltern zu verstehen und sie annehmen zu können, auch darin sich ihnen gegenüber zu öffnen. Bei allen Bemühungen ist es als würden diese Schritte ins Leere laufen. Für meinen Mann ist es zudem noch viel schlimmer, dass er sich um so mehr er sich seinen Eltner gegegnüber emotional geöffnet hat, was er auch mit seiner Therapeutin erarbeitet hat, gerade das von seiner Adoptivmutter gegen ihn als Schwäche ausgespielt wurde. Als Bestätigung dafür, dass er zu schwach sei und ihre von Gewalt und Missbrauch geprägten Erziehung ihre Berechtigung hatte. Das macht wiederum alles kaputt. Für meinen Mann sind diese Schritte emotional sehr radikal, da er adoptiert wurde. Es ist so eine Sache im Leben zu stehen ohne zu wissen wo man verwurzelt ist. Wenn ich mit meiner Mutter breche, dann weiß ich immernoch wo ich her komme, wer mein Großeltern und meine Vorfahren waren, ich kann mich noch auf etwas berufen was mir einen Halt im Sinne einer familiären Linie gibt. Mein Mann hingegen steht in einem luftleeren Raum ohne eine solche Vergangnheit welche auch zur persönlichen Identität beiträgt. Diese hat er nicht. Umso mehr ich darüber nachdenke, umso trauriger werde ich. Mein Mann ist ein Mensch welcher für jeden sein letztes Hemd hergeben würde und für jeden springt welcher Hilfe braucht. Er ist der letzte Mensch welcher so ein Schicksal vedient hätte. Ich denke ich höre an dieser Stelle am besten auf.....

    Danke für deine Umarmung liebe Clara.

    Johanne
     
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  12. Johanne

    Johanne Well-Known Member

    Hallo Ritter Omlett, ich denke du hast das sehr gut und konsequent gemeisterst. Und es freut mich sehr für dich, dass deine Familie deine Abgrenzung realisiert und verinnerlicht hat.

    Liebe Grüße,

    Johanne
     
  13. Johanne

    Johanne Well-Known Member

    Hallo Michelle,

    ich denke es richtig, dass dein Freund realisiert, dass seine Eltern nicht nur gute sondern auch schlechte Seite haben. Es ist jedoch seine persönliche Aufgabe das zu realisieren und als Hürde in seinem Leben an zu nehmen und sein Leben mit diesem Wissen und Vergangenheit zu meistern.

    Der Impuls, das bewältigen zu wollen und die Hürden zu nehmen, dieser Impuls muss von ihm kommen.
    Ein schlechtes Gewissen gegenüber seiner Familie braucht er nicht zu haben, sondern nur ein schlechtes Gewissen gegenüber sich selbst und seiner Selbstverantwortung gegenüber seinem eigenenen Leben, dem Lebensskript, dass ein jeder Mensch sich selbst schreiben und gestalten muss. Doch auch das muss er selbst einsehen und realisieren.

    Zu meiner Geschichte möchte ich jetzt nicht so ins Detail gehen, weil ich merke, dass er mir nicht gut tut.
    Ich kann nur so viel sagen, dass ich vieleicht fast 20 Jahre gekämpft habe um meinen eigenen Weg, mein eigenes Leben zu leben, meine eigenen Maßstäbe und Wertvorstellungen zu entwickeln und mir meine eigenen persönlichen Ziele zu stecken und dafür zu arbeiten. Ich habe davon schon sehr viel realisiert, schwer darum gekämpft und bin sehr glücklich mit dem was ich erreicht habe. Dinge, vor allem mit meinem Mann und auch beruflich, wo meine Familie mich dafür verachtet. Ich bin keine Akademikerin geworden und mein Mann ist kein Intelektueller in ihrem Sinne. Doch wenn ich darauf zurück blicke was ich alles geschafft habe, dann bin ich sehr zufrieden und glücklich. Ich könnte traurig darüber sein, dass meine Mutter mich nicht wertschätzt, ich versuche es nicht zu sein.........

    Liebe Grüße,

    Johanne
     
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  14. Clara Clayton

    Clara Clayton Well-Known Member

    Ja liebe Johanne, das muss eine schlimme Situation für deinen Mann sein. Sich emotional zurechtzufinden, in seiner Familie und doch seine richtigen Wurzeln nicht zu kennen; das muss heftig sein. Da verliert man irgendwie den Halt.

    Wusste dein Mann schon immer, dass er adoptiert ist? Das allein ist ja schon eine Nachricht, mit der man umgehen muss...

    In Vielem, was ihr erlebt habt, erkenne ich meinen Mann und mich wieder. Was wir in Kindheit und Jugend erleben mussten, war wirklich kein Zuckerschlecken. Es war alles nicht o.k.

    Dass wir heute dennoch ein gutes, glückliches Leben führen, haben wir uns hart erarbeitet. - Und wir leben es trotz unser Eltern - nicht weil!

    Ich umarme dich ganz herzlich und wuerde mich freuen wieder öfter von dir zu lesen.
     
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  15. Anke R.

    Anke R. Member

    Danke noch einmal für eure Antworten!
    Wir machen gerade eine sehr schwere und intensive Zeit durch und sind Zeitweise ziemlich zermürbt. Da geht es nichtmehr um Wurzeln, Weltanschauung oder Geld, das macht es vielleicht nur noch schlimmer. Es ist wirklich ein Psycho-krieg.

    Sein Problem ist, daß er seit einem Unfall mit darauffolgendem Krankenhaus-aufenthalt letztes Jahr mehr als zuvor von seiner Mutter und seiner Schwester vereinnahmt wird. Sie meint sie müsste ihn schützen aber manchmal denke ich sie erträgt es einfach nicht daß eine (so lächerlich es klingt) "andere Frau" im spiel ist.

    Und es ist nicht einfach nur "die Mutter" oder "die Eltern", es ist die Kombination aus Mutter und älterer Schwester (die bis vor kurzem noch zusammen gewohnt haben, und eigentlich nichts außer sich gegenseitig haben). Die Schwester frisst schon ihr Leben lang die Eifersucht auf ihn auf, weil er ein Junge war und sie ein Mädchen, und sie Mobilisiert die ganze Familie gegen ihn.


    Anfangs habe ich ihn ausgelacht wenn er die Sache so ernst sah, aber je mehr wir darüber reden desto mehr verstehe ich ihn. Er hat mir erzählt daß die Mutter schon mit vielen zugeheirateten Frauen in der Familie ihr Spiel gespielt hat, es gingen Ehen jämmerlich in die Brüche, manche begannen zu trinken und erlagen ihrer Sucht - die haben alle irgendwie "mitgespielt" und sich auf einen Machtkampf mit ihr eingelassen, aber bei uns stellt sich echt die Frage was passiert wenn man einfach nicht mitspielt, also mit Mutter und Schwester bricht
     

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