schlechtes Gewissen

Traeumerin

New Member
Guten Abend an alle :)

das ist mein erster Beitrag hier und ich bin gespannt, was ihr so antworten werdet.

Ich weiß nicht genau, in welche Rubrik ich das Thema "schlechtes Gewissen" posten soll..

es geht um Folgendes: Ich bin ein Mensch, der sich häufig nach anderen richtet und der lieber jemand Anderem einen Gefallen tun möchte, als auf sich selbst zu hören. Da kommt es dann z.B. vor, dass ich zu meinem Freund fahre, weil er mir so süß gesagt hat, dass er mich vermisst oder gerne dies und das mit mir unternehmen würde. Obwohl ich in diesem Moment viel lieber allein bin, mich mit jemand Anderem verabredet habe oder lernen muss, sage ich zu.

Der Grund wieso ich das so mache, ist, dass ich wahnsinnige Schuldgefühle bekomme, wenn ich mich anderen (meinem Freund.. auch nur für einen Tag/ Stunde) verweigere bzw. sage, dass ich gerade nicht weg kann.
Dabei wäre in diesem Moment mein Gefühl, dass es sinnvoll in meiner Welt wäre, auf mich zu hören und mir in diesem Moment die größte Bedeutung zukommen zu lassen. Ich kann das nur schwer. Die Male, als ich auf mich hörte, gingen für mich schief und ich quälte mich wegen meines selbst eingeredetem "Fehlverhaltens". Ich möchte einfach, dass es anderen gut geht und niemanden enttäuschen.

Meiner Meinung nach sind diese Konditionierungen: "Du bist Schuld, wenn es anderen schlecht geht, du hast die Verantwortung für das, was du (angeblich) anderen, durch deine Meinung antust, du wirst irgendwann alles ausbaden müssen, was du durch deine Natürlichkeit angestellt hast, ..." früh in meiner Kindheit entstanden, da ich als Älteste von 3 Geschwistern sofort auf den Deckel von meinem Vater bekommen habe, wenn was schief lief. Von meiner Mutter und Oma dagegen bekam ich in solchen Fällen -falls sie denn da waren- Trost. Von ihnen bekam ich Anerkennung, wenn ich toll aufgeräumt oder meine Geschwister ins Bett gebracht hatte. Daher mein unendlich großer Durst nach Anerkennung, die ich meine, nur dann zu bekommen, wenn ich helfe, nicht, wenn ich etwas für mich tue.

Nun denke ich, dass hängt mit meinem Selbstwertgefühl zusammen. Bei mir läuten in diesen Momenten die Alarmglocken, die in schrillenden Tönen "Du wirst nicht mehr gemocht, wenn du seinen/ ihren Erwartungen nicht gerecht wirst" ertönen.

Was haltet ihr von meiner Interpretation und was könnte eurer Meinung nach machen, dass sich dieses schlechte Gewissen und die Angst unwertvoll sein zu können nach und nach in ein gesundes Selbstwertgefühl verändert?

Schon mal Danke für eure Bemühungen! :)
 
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harmony

Well-Known Member
AW: schlechtes Gewissen

Hallo Träumerin!

Ich denke, dass du mit deiner Interpretation den Nagel auf den Kopf getroffen hast. Es hört sich stark danach an, dass dieses Verhalten in die konditioniert wurde. D.h. du musst es "umkonditionieren" damit du dich anders verhalten kannst, d.h. üben öfters nein zu sagen und auch die Einstellung zu dir selbst zu ändern.

Ich hatte früher dasselbe Problem, nur mittlerweile denke ich, dass es ja nichts bringt sich für andere "aufzuopfern", wenn es dir dabei schlecht geht. da nimm dir lieber mehr Zeit für dich, sodass es dir gut geht, was sich dann auch wieder positiv auf die Beziehungen zu anderen auswirkt.

Ich versuche mittlerweile abzuwiegen warum andere Personen mich gerade brauchen oder frage einfach ob es wichtig ist. wenn es meinen Freunden schlecht geht, würde ich natürlich sofort hin gehen und für sie da sein, auch wenn ich in dem Moment lieber alleine wäre. Wenn es jetzt aber nur ne Einladung zu einer unwichtigeren Party ist, sage ich schon auch mal nein, wenn ich keine Lust habe und erkläre warum das so ist. In guten Beziehungen sollte man ein gewisses Verständnis für andere haben.

Aber wie gesagt, das dauert auch ein bisschen es zu entwickeln. Ich hatte zu Beginn auch immer ein schlechtes Gewissen, doch je öfters ich es probiert habe, desto besser ging es mir dann dabei.

Alles Liebe,
Stephanie
 

Wirbelwind

Well-Known Member
AW: schlechtes Gewissen

Menschen welche so sind wie du, werden sehr sehr oft ausgenutzt. Meist merkt ihr es nicht sofort, sondern erst viel zu spät.

Ich persönlich halte nichts davon, alles auf die Kindheit zu schieben. Klar es wird sogar von Psychologen sehr gern als Antwort genommen und von vielen Menschen auch als Entschuldigung. Wenn man eine Erklärung für etwas hat, kann man es so schön darauf schieben, muss nicht wirklich bei sich selbst gucken/ändern.

Ich denke wie ein Mensch drauf ist, hängt sehr viel von seinem eigenem (angeboren , via Sternzeichen usw.... ) Charakter ab.

Bei dir denke ich hat man sehr schnell erkannt, bzw. du hast dich laut deinem Charakter dafür geeignet,.... dass du eben gelobt wurdest wenn du fleißig gearbeitet hattes... auf deine Geschwister aufgepasst hast usw.

Ich bin auch die älteste von 4 Kindern. Normalerweise sollte ich auch auf die kleinen aufpassen und das gleiche tun wie du.

Aber ich habe es einfach nicht getan, egal obs Lob oder Tadel gab. Ich hatte schon als Kind (weils einfach meinem Charakter entspricht) dafür keinen Bock.

Das haben auch alle schnell gemerkt und ich wurde in Ruhe gelassen.

Meine Jüngste Schwester hat diese Rolle übernommen. Sie ist aber von ihrer Art auch der Typ, sich um andere zu sorgen, zu putzen, Lob zu empfangen. Obwohl sie damit inzwischen auch überfordert und nicht wirklich glücklich ist.



Was haltet ihr von meiner Interpretation und was könnte eurer Meinung nach machen, dass sich dieses schlechte Gewissen und die Angst unwertvoll sein zu können nach und nach in ein gesundes Selbstwertgefühl verändert?

Als erstes, werde dir im Inneren klar, dass kein Anderer an deiner Art und deinem Handeln Schuld ist.

Also nichts auf Entwicklung aus der Kindheit schieben.

Aber gebe dir auch keine Schuld . SONDERN akzeptieren, dass es deine ganz persönlicher Charakter ist. Wenn dir dieser nicht gefällt, kannst du ja versuchen es abzuändern. Dabei frei von Schuldanklage gegen Andere. Ansonsten funktioniert es nicht.

In deinem Beitrag habe ich sehr viel Schuldanklage gegen deine Eltern und Oma raus gelesen.
 

Hortensie

Well-Known Member
AW: schlechtes Gewissen

Was haltet ihr von meiner Interpretation und was könnte eurer Meinung nach machen, dass sich dieses schlechte Gewissen und die Angst unwertvoll sein zu können nach und nach in ein gesundes Selbstwertgefühl verändert?
Ich kenne das, ich bin vom gleichen Typ.
Als erstes müsstest du versuchen dir das schlechte Gewissen abzugewöhnen. In kleinen Schritten. Klar wird deine Umwelt erstaunt sein, weil du anders handelst als gewöhnlich. Manche werden es gut finden, andere nicht.
Versuche öfter (fange bei Kleinigkeiten an) das was du möchtest zu machen!
 
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Esofrau

Member
AW: schlechtes Gewissen

Hallo Träumerin,

ich finde deine eigene Interpretation super! So kannst du im nächsten Schritt die Lösung vollziehen.

Kennst du ein Inneres Kind schon? Wenn nicht, möchtest du es vielleicht kennenlernen? Das wäre sehr hilfreich, denn dann könntest du dir das geben, was du damals als Kind vermisst hast bzw. du kannst dir das nehmen, was nicht deins war.
Die damaligen Reaktionen deines Vaters und deiner Mutter und Großmutter lassen dich heute immer noch so reagieren, wie du es früher tatest. D.h. du "lebst" eigentlich immer noch in der Vergangenheit und reagierst so, wie du damals reagiertest. In dem Moment, wo du für andere da bist, bist du für dich selbst nicht da. D.h. heißt symbolisch: Du gibst deinem Inneren Kind einen Korb - und fühlst dich damit genauso wie damals... Und ich bin mir sicher, du hättest damals auch viel lieber etwas anderes gemacht, als "die Große" sein zu müssen und "dich um die Kinder zu kümmern". Du solltest dir selbst ein Update machen, nämlich indem du beispielsweise deinem Inneren Kind erlaubst, NEIN sagen zu DÜRFEN! Diese Erlaubnis hast du als Kind nicht erhalten. Daran festzuhalten und in der Vergangenheit stecken zu bleiben, ist nicht die Lösung - das weißt du aber auch. Die Lösung ist, dir selbst das zu geben, was du als Kind nicht erhalten hast. Damit löst du gleichzeitig die Angst vor Liebesverlust. Du bist heute groß und nicht mehr davon abhängig, geliebt zu werden. Als Kind braucht man die Zuwendung und Fürsorge der Eltern, deshalb tun wir als Kind alles, um sie zu erhalten bzw. nicht zu verlieren. HEUTE ist das anders: Heute bist du nicht darauf angewiesen! Du kannst heute selbst für dich sorgen - du beschaffst dir selbst dein Essen, deine Unterkunft ... alles - und eben auch Liebe! Selbstliebe! Wenn du das schaffst, anzuerkennen, bist du auf einem guten Weg! :)

LG
Esofrau
 
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