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@Stephan

Dieses Thema im Forum "Unter uns..." wurde erstellt von SAMUZ, 21 November 2005.

Status des Themas:
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  1. SAMUZ

    SAMUZ Well-Known Member

    Werbung:
    Lieber Stephan

    Du trägst mir nach, dass ich eine Vaterrolle einnehme...usw. Ich frage mich, ob ein Lehrer gleich zur ersten Stunde seine Schüler vor eine Prüfung stellt, bevor er sie kennen gelernt hat und mit ihnen einen Stoff durchgemacht und er weiss auf welchem Wissensstand seine Schüler sind.

    Du trägst mir nach, dass alles was ich tue eine Projektion meines Lebens und meiner SELBST ist. Dies alles könnte ich dir auch vorwerfen.

    Du musst einen Korb voller Wissen und Materie orgesetzt bekommen, dass du dann sorgfältig analysieren und alleine bewältigen kannst. Du nimmst es dann an oder nicht. Ich möchte jedoch ein Miteinander und Füreinander schaffen und das Gegenüber und sein Umfeld selber kennen lernen, bevor ich über diese Person ein Urteil fälle.

    Der Angriff auf mich projieziert deine eigene Frage: Was hält Silent von meinem Beitrag. Du erhälst keine Rückmeldung von ihr. Deshalb bin ich genau der richtige für dich als Sündenbock da zu stehen und 'Agressions'-Filter zu dienen.

    Bis anhin, habe ich von dir nur Rückmeldungen bekommen, dass du mit mir per pn und Nachrichten kommunizierst. Per pn ist mir von dir mitgeteilt worden, du findest keine Zeit um zu antworten. In den eigentlichen threads füllst du aber Bücher mit Stellungsnahmen und Rückantworten an mich. Mir soll's recht sein. Hauptsache, ich diene Stress-Filter.

    Um es nicht allgemein auszudrücken, spreche ich von mir: Ich halte mich nicht gern für einen Durchschnittsmenschen. Als klischeehaftes - abgestempelt zu werden, wie ein Musterstück in einem Museumsschaukasten - ist glaube ich jedem Menschen zuwider. Ich kann dem Etikett allein, das du mir umhängst, meiner differenzierten Persönlichkeit, nicht gerecht werden.
    Du klassifizierst deine 'Mistreiter' genau gleich, wie dir dies zuwider ist. Mit einer derartigen Klassifizierung wird eine rasche Charakteranalyse erstellt, eine Charakterkartei des Gegenübers. Für dich ist dann eine Person genau so - nichts mehr oder nicht weniger. Das vereinfacht dir, mit deiner Person selbst und den Mitmenschen auszukommen oder auch nicht.

    Doch Menschen kann man nicht wie ein Buch oder eine Diplomarbeit behandeln - das individuelle Wesen der Persönlichkeit und des menschlichen erhaltens lässt das nicht zu. Denn die Menschen sind oft nicht so, wie sie auf den ersten, zweiten oder Dritten Blick erscheinen. Es gibt viele Aspekte zu berücksichtigen, wenn man Einblick in die schwer fassbare, veränderliche Eigenschaft, die man Persönlichkeit nennt gewinnen will. Der Grund, warum Persönlichkeit so schwer festzuhalten ist, liegt auf der Hand: Du und ICH sind verschieden.

    Mit einer kurzen Typisierung lassen sich die Persönlichkeiten der Menschen, scheinbar zutreffend beschreiben. Menschen lassen sich aber nicht ohne weiteres in Kategorien. In der Wirklichkeit ist das Verhalten der Menschen voller Widersprüche. Ein Felix Muster kann gleichzeitig warmherzig oder boshaft sein. Deshalb finde ich deine Analayse an Silent auch gut! Aber du trittst genau so für Pisces ein, wie ich es bei Silent tue. Das nennt man Vertrauen und Wertschätzung dieser Person gegenüber. Diese Begriffe haben aber nichts mit dem Alter oder dem Geschlecht zu tun. Das Vertrauen und die Wertschätzung besteht einfach. Punkt!
    Deshalb brauchst du dich auch nicht zu wehren und jemanden in eine Schublade einordnen. Du blockst dich gegen meine positive Sichtweise für dich völlig ab. Je mehr du dies tust, desto unsachlicher und konfliktreicher reagieren wir aufeinander.

    Dieses Thema wird dich jetzt vielleicht selber überschlagen, weil es direkt an dich gerichtet ist: Dich trifft! Einen solchen Beitrag an jemand anderen oder von jemand anderen wirst du anders aufnehmen ganz klar. Aber es betrifft meine subjektive Meinung über dich und meine Lebenserfahrung.

    Bei solch einem langen Thema kommen jetzt Kontra-Argumente oder Pro-Argumente, die ich wiederum rechtfertigen oder annehmen kann.

    Du gehst wohl auch nicht auf die Strasse und wenn jemand dich fragt wie es dir geht dann trägst du einen Vortrag über dein Befinden oder umgekehrt über sein Befinden und deine Sichtweise über ihn vor?

    Jetzt kommt dann gleich wieder das Gegen-Argument, wir sind nicht auf der Strasse! Aber du gehst auch nicht in eine Kneipe - zwei Personen (Mann und Frau) unterhalten sich über eine Drittperson - du gehst dort auch nicht auf einen Tisch und hälst einen Vortrag über das Befinden dieser Personen.
    Ich bin sichert, wenn du dich dort am Gespräch beteiligen willst, fragst du zuerst, ob es erwünscht ist und lernst sie näher kennen?

    Mit besten Grüssen

    SAMUZ
     
  2. SAMUZ

    SAMUZ Well-Known Member

    --------------------------------------------------------------------------------
    Korrektur:

    Lieber Stephan

    Du trägst mir nach, dass ich eine Vaterrolle einnehme...usw. Ich frage mich, ob ein Lehrer gleich zur ersten Stunde seine Schüler vor eine Prüfung stellt, bevor er sie kennen gelernt hat und mit ihnen einen Stoff durchgemacht und er weiss auf welchem Wissensstand seine Schüler sind.

    Du trägst mir nach, dass alles was ich tue eine Projektion meines Lebens und meiner SELBST ist. Dies alles könnte ich dir auch vorwerfen.

    Du musst einen Korb voller Wissen und Materie orgesetzt bekommen, dass du dann sorgfältig analysieren und alleine bewältigen kannst. Du nimmst es dann an oder nicht. Ich möchte jedoch ein Miteinander und Füreinander schaffen und das Gegenüber und sein Umfeld selber kennen lernen, bevor ich über diese Person ein Urteil fälle.

    Der Angriff auf mich projieziert deine eigene Frage: Was hält Silent von meinem Beitrag. Du erhälst keine Rückmeldung von ihr. Deshalb bin ich genau der richtige für dich als Sündenbock da zu stehen und 'Agressions'-Filter zu dienen.

    Bis anhin, habe ich von dir nur Rückmeldungen bekommen, dass du mit mir per pn und Nachrichten kommunizierst. Per pn ist mir von dir mitgeteilt worden, du findest keine Zeit um zu antworten. In den eigentlichen threads füllst du aber Bücher mit Stellungsnahmen und Rückantworten an mich. Mir soll's recht sein. Hauptsache, ich diene als Stress-Filter.

    Um es nicht allgemein auszudrücken, spreche ich von mir: Ich halte mich nicht gern für einen Durchschnittsmenschen. Als klischeehaftes - abgestempelt zu werden, wie ein Musterstück in einem Museumsschaukasten - ist glaube ich jedem Menschen zuwider. Ich kann dem Etikett allein, das du mir umhängst, meiner differenzierten Persönlichkeit, nicht gerecht werden.
    Du klassifizierst deine 'Mistreiter' genau gleich, wie dir dies zuwider ist. Mit einer derartigen Klassifizierung wird eine rasche Charakteranalyse erstellt, eine Charakterkartei des Gegenübers. Für dich ist dann eine Person genau so - nichts mehr oder nicht weniger. Das vereinfacht dir, mit deiner Person selbst und den Mitmenschen auszukommen oder auch nicht.

    Doch Menschen kann man nicht wie ein Buch oder eine Diplomarbeit behandeln - das individuelle Wesen der Persönlichkeit und des menschlichen erhaltens lässt das nicht zu. Denn die Menschen sind oft nicht so, wie sie auf den ersten, zweiten oder Dritten Blick erscheinen. Es gibt viele Aspekte zu berücksichtigen, wenn man Einblick in die schwer fassbare, veränderliche Eigenschaft, die man Persönlichkeit nennt gewinnen will. Der Grund, warum Persönlichkeit so schwer festzuhalten ist, liegt auf der Hand: Du und ICH sind verschieden.

    Mit einer kurzen Typisierung lassen sich die Persönlichkeiten der Menschen, scheinbar zutreffend beschreiben. Menschen lassen sich aber nicht ohne weiteres in Kategorien einordnen. In der Wirklichkeit ist das Verhalten der Menschen voller Widersprüche. Ein Felix Muster kann gleichzeitig warmherzig oder boshaft sein. Deshalb finde ich deine Analayse an Silent auch gut! Aber du trittst genau so für Pisces ein, wie ich es bei Silent tue. Das nennt man Vertrauen und Wertschätzung dieser Person gegenüber. Diese Begriffe haben aber nichts mit der Sachlage, dem Alter oder dem Geschlecht zu tun. Das Vertrauen und die Wertschätzung besteht einfach. Punkt!
    Deshalb brauchst du dich auch nicht zu wehren und jemanden in eine Schublade einordnen. Du blockst dich gegen meine positive Sichtweise für dich völlig ab. Je mehr du dies tust, desto unsachlicher und konfliktreicher reagieren wir aufeinander.

    Dieses Thema wird dich jetzt vielleicht selber überschlagen, weil es direkt an dich gerichtet ist: Dich trifft! Einen solchen Beitrag an jemand anderen oder von jemand anderen wirst du anders aufnehmen ganz klar. Aber es betrifft meine subjektive Meinung über dich und meiner Lebenserfahrung.

    Bei solch einem langen Thema kommen jetzt Kontra-Argumente oder Pro-Argumente, die ich wiederum rechtfertigen oder annehmen kann.

    Du gehst wohl auch nicht auf die Strasse und wenn jemand dich fragt wie es dir geht dann trägst du einen Vortrag über dein Befinden oder umgekehrt über sein Befinden und deine Sichtweise über ihn vor?

    Jetzt kommt dann gleich wieder das Gegen-Argument, wir sind nicht auf der Strasse! Aber du gehst auch nicht in eine Kneipe - zwei Personen (Mann und Frau) unterhalten sich über eine Drittperson - du gehst dort auch nicht auf einen Tisch und hälst einen Vortrag über das Befinden dieser Personen.
    Ich bin sichert, wenn du dich dort am Gespräch beteiligen willst, fragst du zuerst, ob es erwünscht ist und lernst sie näher kennen?

    Mit besten Grüssen

    SAMUZ

    PS In Jugendforen sind die Problembeschreibungen und die Rückmeldungen auch nur in kurzen Sätzen und Stellungsnahmen beschrieben. Ich bin der Meinung, dass eine Palette einer Verhaltens-Analyse einen Jugendlichen überfordert.
     
  3. Stephan

    Stephan Well-Known Member

    Hallo Samuz,

    das wird eine längere Antwort hier von mir, aber du hast hier soviel implizite und explizite behauptungen und Unterstellungen gegen mich ins Feld geführt, daß ich einfach auch entsprechend ausführlich reagieren muß.

    zunächst mal:
    erstens, habe ich dich nicht angegriffen. wo denn bitte? womit?

    zweitens: ich erwarte gar keine rückmeldung von ihr! ich billige ihr zu, daß sie selber entscheidet, ob und wie sie auf meinen beitrag reagiert, ob im forum oder per PN oder ob gar nicht. es ist keine persönliche angelegenheit von mir, sondern von ihr, daher würde es mich nicht im mindesten treffen, wenn sie's ignoriert, oder als überflüssig empfindet oder als nicht passend.

    kannst du dasselbe von deinen beiträgen ihr gegenüber sagen?

    was du da zu "Sündenbock" und Aggressionsfilter schreibst, ist eine reine Projektion von dir und eine böswillige Unterstellung mir ggü., die ich entschieden zurückweise!
    Laß' das bitte!

    Der einzige, im Forum, der m.E. übrigens ständig nach Rückmeldungen von silent_wings geradezu süchtig giert, bist du! Muß ichs zitieren, oder kannst du's anhand deiner eigenen beiträge selbst nachlesen im silent_wings-thread?

    die Länge meiner beiträge ist meine sache. du mußt sie nicht lesen, wenn du sie als zu lang empfindest. meine antworten an dich direkt sind in der regel kurz und m.E. sachlich und meist auch sehr zurückhaltend.

    dann: "daß ich keine zeit finden würde" für eine diskussion mit dir, ist eine grobe verfälschung meiner aussage!
    ich zitiere Pns sonst nicht, aber in dem fall muß ich's, um deine behauptung zu widerlegen:
    das war vor nicht mal 48 stunden.

    dann habe ich deine beiden beiträge im silent_wings-thread bemerkt, in denen du mich ja direkt und indirekt angesprochen hattest.
    ich habe knapp und sachlich geantwortet und wollte mir für den rest noch überlegen, was davon und wie ich es mit dir diskutiere.
    und sah dann diesen thread hier, der wieder alles über den haufen wirft; d.h.ich werde jetzt mehr öffentklich mit dir diskutieren davon, als ich's ursprünglich vorhatte.
    erstens, ich trage dir gar nichts nach! ich sagte nur, es scheint mir so.
    Und daß dir eine solche Role nicht zustünde. worin du mir übrigens zustimmtest.
    zweitens, erläutere mir bitte was der erste satz mit dem zweiten zu tun hat/haben soll. das ist mir nicht klar.
    zeige mir bitte, wo ich hier etwas auf andere projeziert habe. mit zitat bitte!

    noch mal zur Begriffsklärung "Projektion":
    als -weiteres- beispiel, wo für mich einfach projektionen deinerseits drinstecken:
    Das, lieber samuz, sind Projektionen! Du empfindest es persönlich (an ihrer statt!), daß es sie überfordern könnte.
    Und schreibst es als Feststellung/Unterstellung in bezug auf sie.

    Wieso schließt du von dir auf sie? Mal abgesehen davon, daß Mädchen und junge Frauen im Schnitt meist sowieso 2-3 jahre "weiter" sind als gleichaltrige Jungs/Männer, ist es doch absurd, von deinem Verhalten mit 18 auszugehen und das auf sie zu übertragen, wo du sie doch gar nicht näher kennst, nicht näher kennen kannst??!

    Ich hingegen schrieb sinngemäß,

    daß ich sie als vollwertigen, verantwortlichen menschen sehe und ihr deshalb zubillige, mit meinem text eigenverantwortlich umgehen zu können.

    Der Unterschied zwischen unseren beiden "Einschätzungen" ist folgender;
    Du gehst von deinen persönlichen Erfahrungen ("mit 18 fühlte ich mich so und so") aus, und überträgst das mal eben auf sie.

    ich hingegen gehe von einer Position der Achtung und des Respekts ggü. silent_wings aus und mute ihr zu, selbst zu wissen und zu denken.

    Kann natürlich sein, daß es sie im Moment überfordert. Kann auch sein, daß nicht. Nur:
    Es steht weder dir noch mir ein Urteil darüber zu!
    Was du da formulierst, ist anmaßend, verletztend ihr gegenüber!

    wobei du's ihr ja nicht mal direkt gesagt hast, sondern wie wenn zwei Mütter sich über ihre anwesenden kleinen Kinderchen unterhalten!

    Schreibe es silent wings doch mal in gedanken direkt 'hallo silent_wings, ich denke, das überfordert dich maßlos!" und frage dich mal, wie das auf dich wirkt und was es in dir auslöst, wenn du es ihr direkt so sagst.
    und dann versuch' dich mal in ihre lage hineinzuversetzen und dir vorzustellen, wie es auf dich mit 16, 17, 18, 19 gewirkt hat/hätte oder heute noch wirkt, wenn dir jemand fremdes bescheinigt: du seiest überfordert, einen bestimmten text zu verstehen, den dir jemand anderes geschrieben hat!

    ich habe nirgendwo geurteilt, ganz im gegenteil!
    kannst du dasselbe von dir sagen? bewertest, beurteilst und urteilst du nicht ständig - ggü. silent, ggü. pisces, ggü. mir...?

    welches etikett habe ich dir wo umgehängt??
    wovon redest du eigentlich??

    erstens, trete ich nicht für pisces ein, zumal ich eurer beider diskussion nur teilweise überhaupt mitbekommen habe.

    ich habe einmal versucht, eine situation zu entspannen, in der es mir schien, daß sie sich einfach hochgeschaukelt hatte.

    ich habe dann heute im silent-thread nicht für pisces gesprochen. sondern ich habe dich kritisiert, daß du deine auseinandersetzung mit pisces wieder im silent-wings-Thread thematisiert hast und das auf eine billige attackierende weise.

    zweitens: du suggerierst hier, du würdest für silent eintreten - und "wir anderen" nicht.
    das ist nun wirklich grober unfug, samuz! und erneut eine böswillige unterstellung!

    wir haben lediglich unterschiedliche sichtweisen darauf, wie silent-wings am besten zu helfen ist.

    und was wertschätzung angeht: wertschätzung ist ein leeres wort ohne respekt und achtung vor dem anderen.
    wie respektvoll und mit wieviel (oder wie wenig) Achtung begegnest du silent_wings denn wirklich? mal ganz ehrlich!

    Samuz, ich selbst wehre mich jetzt und hier erst zum zweiten Mal gegen dich. Und wo bitte war ich unsachlich dir gegenüber, bisher?

    Du machst nach meiner Wahrnehmung aus allen möglichen Diskussionen und Siuationen im handumdrehen persönliche Angelegenheiten und Konflikte, die es aber tatsächlich so gut wie nie sind, die dich oft eigentlich überhaupt nicht persönlich betreffen! Sie werden meist erst dazu, weil du sie dazu machst!

    Ich wehre mich hier eigentlich auch in erster Linie dagegen, daß du aus unseren gesprächen eine persönliche Auseinandersetzung machst, indem du ständig irgendwelche angriffe auf dich konstruierst, die es von meiner seite gar nicht gibt.

    ich verstehe nicht, was du mit diesen Absätzen sagen willst, Samuz.

    Um sich an einem gespräch zu beteiligen, das bereits läuft, ist m.E. eine frage, ob es erwünscht ist von Seiten der anderen meistens schon erforderlich. für ein öffentliches www-forum gilt das freilich nur bedingt. da klinkt man sich im normalfall in threads ein und aus, ohne ständig zu fragen.
    Ein vertrauensverhältnis oder eine nähere bekanntschaft muß aber keineswegs schon bestehen. und muß daraus auch nicht erwachsen.

    liebe Grüße
    Stephan
     
  4. SAMUZ

    SAMUZ Well-Known Member

    Lieber Stephan

    Ich hab's geahnt! Es bringt keine weitere Antwort, denn du wirst dann wiederum so ellenlang zurückschreiben und dich angegriffen fühlen.
    Ich habe keine Lust und keine Zeit, mich zu rechtfertigen oder mich in Widersprüche zu verwickeln.
    Es bringt einfach nichts!
    SAMUZ
     
  5. Stephan

    Stephan Well-Known Member

    Hallo Samuz,

    es zwingt dich niemand, hier im Forum Beiträge zu lesen, die du nicht lesen willst.
    Du mußt dich auch nicht mit Themen und meinungen auseinandersetzen, mit denen du dich nicht auseinandersetzen möchtest.
    Erwarte aber nicht, daß ich einen an mich per extra thread adressierten ellenlangen Beitrag voller Unterstellungen und tatsachenwidriger behauptungen einfach so stehen lasse, ohne meine Sicht dagegenzustellen.

    Ich habe nicht gegen dich geschrieben, sondern ich habe versucht, mögliche Mißverständnisse aufzulösen und dir Punkte zum eigenen nachdenken aufzuzeigen.

    Du hast ganze 4 Minuten gebraucht, um meinen text zu erfassen und für dich zu entscheiden, daß "es nichts bringt, mit mir zu diskutieren" und eine entsprechende antwort zu verfassen.

    ich respektiere deine Entscheidung.

    ich erspare es dir und mir, dann noch in endlosen PNs auf weiteres einzugehen.

    liebe Grüße
    Stephan
     
  6. SAMUZ

    SAMUZ Well-Known Member

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    Lieber Stephan
    Wolltest du nicht Abstand von PNs nehmen?

    Viele sind hartnäckig in Bezug auf den einmal eingeschlagenen Weg, wenige in Bezug auf das Ziel.
    (Friedrich Nietzsche)

    Ist das nicht ein Zitat von dir?
     
  7. Stephan

    Stephan Well-Known Member

    Hallo Samuz,

    ja und?? :rolleyes:

    ich habe dir in der PN am anfang geschrieben, daß ich mich umentschieden habe, weil ich dir doch noch was zum silent_wings-thread und ganz allegemein zu sagen hatte und zwar unter vier augen.

    liebe Grüße
    Stephan
     
  8. SAMUZ

    SAMUZ Well-Known Member

    Lieber Stephan
    Du zwingst mir somit dein Denk- und Verhaltensmuster auf, dass ich aus erklärten Gründen bei silent ablehne. Du kannst keinen anderen Standpunkt, Verhaltensmuster und Meinung akzeptieren, ausser deinen!
    Warum muss du dich dann hundertmal rechtfertigen?
    SAMUZ
     
  9. Stephan

    Stephan Well-Known Member

    hallo Samuz,

    es geht nicht ums Rechtfertigen.
    ich habe nichts zu rechtfertigen, jedenfalls nicht hier, nicht vor dir und nicht in Dingen, die wir je diskutiert hätten, im Forum oder per PN.

    und damit belass' ich's.

    liebe Grüße
    Stephan
     
  10. SAMUZ

    SAMUZ Well-Known Member

    Hellinger der Psychoguru

    Der Psychoguru

    Anton Johann Hellinger, genannt Bert Hellinger, hat eine angebliche Psychotherapie namens "Familienaufstellung" erfunden.
    Oder besser: Aus Elementen anderer Psychotherapien zusammengebaut.
    "Aufstellung" ist wörtlich gemeint: Den Teilnehmern wird gesagt, wo sie sich hinzustellen haben.
    Sie werden aufgestellt wie die Figuren eines Schachspieles.

    Danke, lieber Papi"
    Von BEATE LAKOTTA
    Mit einem Mix aus esoterischem Rollenspiel und reaktionärer Ideologie schart der selbst ernannte Therapeut Bert Hellinger weltweit eine wachsende Anhängerschar um sich. Auf großer Bühne demütigt der Ex-Missionar die Hilfesuchenden. Für die Folgen lehnt er jegliche Verantwortung ab.

    Im größten Saal des Tagungshotels im spanischen Toledo ist der Kampf um die ersten zwei Sitzreihen im Gange. So geschieht es immer, wenn Menschen auf Bert Hellinger, 76, warten. Alle wollen ihm nahe sein, wenn er die ersten Worte spricht. Doch die Plätze ganz vorn sind für die Vertrauten des alten Mannes reserviert. Und für die "Klienten": So nennt er diejenigen, die zu ihm kommen, weil sie in einer Lebenskrise sind, krank oder psychisch am Ende, und die von seiner Blitz-Therapie eine Lösung erwarten. Dafür sind sie bereit, auf einer Bühne ihr Innerstes vor 500 Zuschauern nach außen zu kehren.

    Milde lächelnd blickt Hellinger aus hellblauen Augen durch dickes Brillenglas auf sein wuselndes Publikum hinab. Die meisten sind älter als vierzig, Frauen sind in der Überzahl. Hellinger, das Mikrofon in der Rechten, wartet bis Heilpraktiker, Therapeuten, Hausfrauen, Ärzte, Sozialpädagogen, Unternehmensberaterinnen, Allergiker, Krebs-Kranke, Lebenshelfer und Lebensmüde einen Platz auf der nach oben ansteigenden Tribüne gefunden haben.

    "Zum Anfang mache ich mit euch eine kleine Übung", sagt dann der Mann mit dem mächtigen Kinn: "Schließt alle die Augen." Stille. "Stellt euch eure Eltern vor. Seht ihnen in die Augen. Geht vor ihnen in die Knie. Und sagt: Danke." Schon fließen im Publikum die ersten Tränen.

    Die Methode, der Helliger mittlerweile Tausende von Bewunderern und Nachahmern in aller Welt verdankt, verspricht schnelle Lösung aus Leid und generationenalter "Verstrickung". Dramatische Gefühlsausbrüche und scheinbar unerklärliche körperliche Reaktionen spielen sich ab, wenn der Therapeut öffentlich "in zehn Minuten erledigt, wofür die Psychoanalytiker Jahre brauchen".

    Und das geht so: Ein "Klient" schildert in wenigen Sätzen sein Anliegen. Dann wählt er aus dem Publikum "Stellvertreter", welche die Mitglieder seiner Familie und ihn selbst darstellen sollen, und stellt sie in Beziehung zueinander auf. Es können auch Darsteller für Krankheiten hinzukommen, für den Tod, für ein Land, einen Krieg oder gar Gott. Dann wird der Klient zum stummen Statisten. Der Therapeut rückt die Stellvertreter in verschiedene Positionen und fragt sie nach ihren Gefühlen.

    Nach Hellingers Lehre entsteht dabei ein "wissendes Feld", in dem die Stellvertreter angeblich genauso empfinden wie die echten Familienmitglieder. Mit Hilfe dieser "Energie" bringt der Therapeut "Verstrickungen" in der Familie ans Licht, die sehr oft mit früheren Partnern, jung verstorbenen Ahnen oder abgetriebenen Kindern zu tun haben.

    Die "Lösung" erscheint dem Therapeuten "blitzartig" und kommt zum Beispiel in einem Kniefall vor dem im Krieg gefallenen Urgroßonkel oder den Eltern zum Ausdruck. Verneige sich der Klient vor deren Stellvertretern, wirke das auf die wirkliche Familie zurück. Hellinger: "Das funktioniert auch, wenn die nichts davon wissen."

    Die Botschaft des Mannes, der als Anton Hellinger Weltkriegssoldat war, nach dem Krieg als Bruder Suitbert den Mariannhiller Missionaren beitrat und 1971 den katholischen Orden als "Bert" Hellinger verließ und heiratete, ist einfach: Jeder soziale Körper, ob Staat, Organisation oder Familie, sei in naturgegebenen, hierarchischen Ordnungen organisiert - bei Hellinger ein archaisch anmutendes Regelwerk: Kein Mensch löst sich ungestraft von seiner Sippe. Die Frau folgt dem Mann. Kinder haben keine Rechte gegenüber ihren Eltern. Der Erstgeborene hat Vorrang vor dem Zweitgeborenen. Begriffe wie Ehre, Demut, Sühne bestimmen das Weltbild des Ex-Geistlichen, der 13 Jahre als Schulleiter bei den Zulus im Apartheidsstaat Südafrika verbrachte.

    Verletzt ein Mitglied die Ordnung, verstrickt es sich in Schuld. Krankheit, Scheitern und Tod sind die Folge. Klienten, die die "Lösung" zur Wiederherstellung der Ordnung nicht akzeptieren, haben verspielt: "Er wird sterben. Er geht nicht raus aus der Verstrickung", sagt Hellinger über einen Patienten mit Knochenkrebs, der den Kniefall vor dem Vater verweigert. "Manche Krebskranke sterben lieber, als dass sie sich vor den Eltern tief verneigen."

    Es sind Urteile ohne Berufung. Ein Spanier, dem Hellinger nach zehn Minuten Aufstellungsarbeit bescheinigt, seine Ehe sei nicht zu retten, will eine Frage stellen. "Bitte ...", setzt der Mann dreimal an. "Wenn er das noch mal versucht, muss er den Saal verlassen", verfügt Hellinger. "Mit seiner Frage zerstört er die Kraft der Aufstellung." Danach fragt kaum noch jemand etwas. Dafür schreiben viele eifrig mit.

    Sie wollen selber als Therapeuten anwenden, was sie in drei Tagen von ihm gelernt haben. Schon am ersten Abend erhält jeder ein Zertifikat. Um die 2000 Psycho-Helfer, viele ohne fachliche Qualifikation, offerieren seine Methode mittlerweile allein in Deutschland, und jede Veranstaltung bringt neue Aufsteller hervor. Kaum ein Esoterik-Blatt, in dem sich nicht - zwischen Reiki, Rückführung und Heilsteinen - das Familienaufstellen nach Hellinger findet.

    Doch auch in psychosomatischen Kliniken, sozialpädagogischen Beratungsstellen oder in der kirchlichen Familienbildung stellen Hellinger-Adepten bereits die Familien von Hilfesuchenden auf. An der Katholischen Stiftungsfachhochschule München lehrt ein Psychologieprofessor gar Hellingers wissenschaftlich haltlose Theorien über Psychosen, Suizid oder Depressionen.

    Seit sich die große Nachfrage von Unternehmen für die lukrativen "Organisationsaufstellungen nach Hellinger" in der Psycho-Szene herumspricht, drängen noch mehr Profis in die Seminare. Kein Wunder, dass auch kassenzugelassene Psychotherapeuten in Wochenendseminaren Hellinger für Privatzahler veranstalten. Dem Therapeuten bietet sie ein Forum für beispiellose Machtentfaltung. Nach einer Viertelstunde ist der Fall erledigt. Nächster, bitte.

    Hellingers Workshops sind Monate im Voraus ausgebucht. Im letzten Jahr reiste er mit seiner Entourage zu Massenveranstaltungen unter anderem nach Russland, Südkorea, Japan und Israel. In diesem Jahr stehen Kalifornien, China, Taiwan und Mallorca auf dem Reiseplan.

    In Toledo zahlen die gut 500 Teilnehmer aus ganz Südeuropa, Lateinamerika und Deutschland 310 Euro Tagungsgebühr, in der Pause drängeln sich alle um die Verkaufstische mit seinen Schriften.

    Eine halbe Million Hellinger-Bücher und Videos sind bereits in Deutschland verkauft, etliche sind ins Englische, Spanische, Russische übersetzt. Im Psychologie-Regal der Buchläden nimmt der Prediger erzkonservativer Werte schon ein Extrafach ein - neben anderen Säulenheiligen: Freud. Jung. Fromm. Hellinger.

    Auch in den Medien kommt der Erfolgreiche ausgiebig zu Wort. Die "Süddeutsche Zeitung" etwa widmete seiner Methode eine ganze Reihe naiv-lobender Darstellungen, würdigte ihn hymnisch als einen der "großen Psychotherapeuten heute". Dass der Autor zu den Mitreisenden in Hellingers Wanderzirkus gehört und der Internationalen Hellinger-Arbeitsgemeinschaft in München vorsteht, erfährt der Leser nicht.

    Tatsächlich darf sich Hellinger nicht einmal als "Psychotherapeut" bezeichnen. Zwar schaute er sich in den siebziger Jahren allerhand von den Primär- und Urschreitherapeuten aus den USA ab. Eine anerkannte Ausbildung schloss er aber niemals ab. Auch die Technik der Familienaufstellung hat er nicht erfunden. In ihrer ursprünglichen Form - der Patient kann dabei im therapeutischen Gespräch Zugang zu seinen Gefühlen finden - gehört sie zu den Instrumenten der seriösen Familientherapie.

    Für seine Instant-Version hat Hellinger die Methode verzerrt: "Eindeutig esoterisch-magisches Denken" sei bei der autoritären Aufstellungsarbeit mit Toten im Spiel, sagt Michael Utsch von der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen in Berlin. "Es geht in Richtung Ideologiegemeinschaft", diagnostiziert Wolfgang Senf, Präsident der Internationalen Gesellschaft für Psychotherapie: "Ich würde nie daran denken, einen kranken Patienten hinzuschicken."

    Kenner der Szene attestieren dem Autodidakten eine Art Cäsarenwahn. Auch Sektenbeobachter haben das "Familienstellen nach Hellinger" seit einiger Zeit im Blick. Bei Gregor Müller vom Sekten-Info Essen rufen Angehörige an, weil Familienmitglieder Aufstellungen gemacht haben und jetzt sehr verändert sind. "Die fühlen sich erleuchtet und kehren ihren Freunden und Familien den Rücken, weil die nicht folgen können. Das führt manchmal zum totalen persönlichen Desaster", sagt Müller. "Wir empfinden das als kriminell, aber es ist juristisch nicht festzuklopfen."

    Doch während Fachleute warnen, lassen sich Laien in Massen von der autoritären Methode in Bann schlagen: Auf einem Lehrvideo exerziert Hellinger die Behandlung einer Schmerzpatientin mit einem Bandscheibenvorfall. "Rückenschmerzen entstehen oft durch eine verweigerte Verneigung", will er herausgefunden haben. Als "Lösung" muss die Klientin vor dem Darsteller ihres Vaters auf die Knie. Die Patientin weint. "Den Kopf runter", sagt Hellinger. "Bis auf den Boden; Arme nach vorn; Handflächen nach oben; und jetzt sag: ,Lieber Papi, ich gebe dir die Ehre.'"

    Fast nie geschieht es, dass irgendjemand im Saal gegen diese Formen der Nötigung aufbegehrt. Wer erlebt, wie Hellinger seine Aufstellungs-Kandidaten mürbe macht, begreift, warum: Minutenlang seziert Hellinger eine Mittdreißigerin mit seinem Blick, bevor er sie stockend erzählen lässt: Noch nie hatte sie einen Partner. "So lange du noch lächelst, kann ich mit dir nicht arbeiten", fertigt er sie zunächst ab. "Wer lächelt, ist mit der schlimmen Sache einverstanden, die er schildert", erklärt Hellinger den beifällig nickenden Zuschauern. Die Klientin bekommt einen roten Kopf. Keine Chance für eine Erwiderung. Erst als sie anfängt zu weinen, wird er gnädig: "Na gut, ich versuch mal was für dich."

    Die Frau ist gebrochen, wehrlos und mit den Nerven am Ende, bevor die Sache überhaupt angefangen hat. In ihrem inneren Aufruhr würde sie nach jedem rettenden Strohhalm greifen. Also folgt sie dem Therapeuten. Willenlos. Auch die "Stellvertreter" agieren unter Gefühlsdruck.

    "Wenn Teilnehmer in so einer Situation auf der Bühne schreien, Bauchschmerzen oder Atemnot bekommen, dann ist diese Wirkung absolut echt", sagt der Aachener Psychoanalytiker Micha Hilgers. "Die Leute verstehen das dann als Beweis für den Wahrheitsgehalt der Methode. Dabei sind das ganz normale Reaktionen auf derartige psychische Gewalt."

    In solchen seelischen Ausnahmesituationen findet Hellingers Ideologie widerstandslos den Weg selbst in aufgeklärte Köpfe. Besonders schlimm trifft es in der Regel die Frauen. "In sehr vielen Inzestfällen", doziert Hellinger etwa gern, sei "die Mutter die graue Eminenz des Inzest." Sie verweigere sich dem Vater körperlich und schiebe dem Vater stattdessen die Tochter zu. Der Mann könne dieser Versuchung schwer widerstehen.

    Um die Ordnung wiederherzustellen, müsse sich das Opfer vor dem Täter verneigen. Dann lässt Hellinger die rituellen Sätze sprechen: "Die Lösung für das Kind ist, dass das Kind der Mutter sagt: ,Mama, für dich tue ich es gern', und dem Vater: ,Papa, für die Mama tue ich es gern'." Oder auch: ,Papa, ich habe es gern für dich gemacht.'"

    Wer eine stabile Psyche hat, schafft es vielleicht, solche Erlebnisse zu verarbeiten. Bei Hellinger aber kann es ohne weiteres passieren, dass ein Suizidgefährdeter in einer Aufstellung einen Toten spielen muss. In solchen Fällen ist der Effekt kaum vorherzusehen. Untersuchungen darüber lehnt Hellinger ab.

    Normalerweise erfährt deshalb kaum ein Mensch, wie sich Hellingers Interventionen ausgewirkt haben. Im Fall einer Ärztin aus Norddeutschland machten Angehörige die tödlichen Folgen öffentlich: Die Frau war zusammen mit ihrem Mann, mit dem sie in Trennung lebte, zu einem Seminar in Leipzig angereist. Die gemeinsamen Kinder seien bei ihr nicht sicher, behauptete Hellinger und attestierte der Frau ein "kaltes Herz". Zum Publikum sagte er: "Die Frau geht, die kann keiner mehr aufhalten. Das kann auch sterben bedeuten." Einen Tag nach dem Seminar nahm sich die Frau das Leben.

    "Ich habe nicht erkennen können, dass sie selbstmordgefährdet war", wies Hellinger später jegliche Verantwortung zurück. "Ich kannte sie ja nur drei Minuten." Jedem, der an seinen Workshops teilnehme, sei "klar, was auf ihn zukommt", so Hellinger zum SPIEGEL. "Soll ich Mutter spielen für all diese armen Würstchen?"

    Im Saal in Toledo gibt der alte Mann seiner Gemeinde noch ein Lehrstück mit. Die Luft ist zum Schneiden dick. Zehn Minuten für die letzte Aufstellung vor dem Mittagessen.

    Die Klientin hat einen geschiedenen Mann, zwei Kinder und leidet an Krebs. Hellinger holt einen großen Holländer auf die Bühne. Der dünne, grauhaarige Mann spielt schon zum dritten Mal den Tod. Er trägt einen schwarzen Anzug. "Die Kinder sind bei deinem Mann richtig", sagt Hellinger zu der Kranken. Sie selbst stellt er neben den Tod: "Dein Platz ist hier." Sie starrt den Holländer an. Sie hat Angst. Sie weint laut, sie kann nicht mehr aufhören. "Sag: Mein Platz ist hier." Die Frau wimmert. Sie schüttelt den Kopf. "Das ist die Wahrheit. Sag es ganz klar." - "Mein Platz ist hier", flüstert sie mit niedergeschlagenen Augen. Hellinger: "Lauter! Schau ihn an!"

    Dann baut er die Stellvertreter für Sohn und Tochter auf. Hellinger verkündet, was sich ihm zeigt: "Die Tochter wird dir nachfolgen in den Tod. Sie ist nicht zu retten." Die Krebskranke weint noch lauter.

    "Aber es gibt eine Lösung", wendet sich Hellinger ans Publikum: "Wenn kein Geheimnis daraus gemacht wird, dass die Mutter sterben will, kann die Tochter leben."

    Dann lächelt er seine Klientin an: "Der Tod ist wunderschön. Weißt du das? Die Engel stehen ums Grab." Die Frau wimmert noch. Sie zittert. Sie schluckt. Dann nickt sie und versucht ein Lächeln. Hellinger schaut ihr lange mit einem hypnotisierenden Blick in die Augen, der entfernt an den eines schläfrigen Katers erinnert.

    "Sieht sie nicht glücklich aus?", fragt Hellinger dann ins Publikum. "Danke, das war's dann."
    BEATE LAKOTTA
    @Spiegel


    Stephan Je mehr ich über DEINEN Hellinger recherchiere desto suspekter wird mir deine Methode.
     
  11. Stephan

    Stephan Well-Known Member

    Hallo Samuz,

    es geht nicht um hellinger!
    es geht und ging mir um die "Ordnungen des Helfens"
    nicht um Familienaufstellungen als solche.

    Aber das ist ein altbewährter rhetorischer Trick, den du als Schriftsteller natürlich kennst: wenn man keine Argumente hat, bringt man was gegen den Autor ins Feld. das heißt, man sucht sich das erst beste.
    Recherchieren geht anders, Samuz... :eek:

    Das, was du da "recherchiert" hast, ist nichts anderes, als die unkritische Übernahme eine Drittmeinung, in dem Falle von Frau Lakotta ausm Spiegel.
    Ich hätte eigentlich erwartet, daß du als Schriftsteller weißt, was recherchieren ist. :rolleyes:

    jake hat's im esoterikforum wunderbar analysiert, jene "beobachtungen" von Frau Lakotta.
    jake schreibt dazu:

    wirklich ein schönes beispiel. ich lade ein, es mal punkt für punkt durchzugehen und unter die oberfläche zu schauen.

    "Fast nie geschieht es, dass irgendjemand im Saal gegen diese Formen der Nötigung aufbegehrt."

    fast nie heißt, dass es schon hier und da geschieht. dass es sich um "formen der nötigung" handelt, ist ein urteil der journalistin. offenbar empfindet sie kommunikation ab einer gewissen intensität als nötigung - was vermutlich eher mit ihr zu tun hat als mit der situation, die sie beurteilt.

    "Wer erlebt, wie Hellinger seine Aufstellungs-Kandidaten mürbe macht, begreift, warum: "

    auch das ist ein weiteres abwertendes urteil, bevor überhaupt geschildert wird, was sache ist. der leser soll schon in die richtige stimmung gebracht werden, um das folgende auch mit der brille der journalistin zu lesen. was hier als "mürbe machen" denunziert wird und suggeriert, dass hier mit taschenspielertricks leute gefügig gemacht werden, zeigt sich zum glück in der beschreibung der folgenden interaktion zwischen hellinger und klientin:

    "Minutenlang seziert Hellinger eine Mittdreißigerin mit seinem Blick, bevor er sie stockend erzählen lässt: Noch nie hatte sie einen Partner."

    da bekommt eine frau aufmerksamkeit, die es sonst nicht gewohnt ist. mit dem blick "sezieren"? nein, einfach genau hinschauen, nicht in journalistischer oberflächlichkeit rasch mal einen überblick verschaffen. es ist schwer, den wahrnehmenden blick eines anderen auszuhalten, klar. es tut aber auch gut, gesehen zu werden. wer "minutenlang" aufmerksam wahrgenommen wird, spürt: ich habe gewicht. ich werde nicht übersehen. es geht mir nahe ... vielleicht sogar sehr nahe im augenblick, und ich würde mich lieber verstecken, aber ... ich bin ja hier, um weiterzukommen ... und wenn der mich so genau anschaut, wenn der meint, dass ich wichtig genug bin, dann erzähle ich halt mal...

    "So lange du noch lächelst, kann ich mit dir nicht arbeiten", fertigt er sie zunächst ab. "Wer lächelt, ist mit der schlimmen Sache einverstanden, die er schildert", erklärt Hellinger den beifällig nickenden Zuschauern.

    so ist es. das verlegene lächeln ist verständlich, aber es signalisiert auch: ich bin noch auf distanz zu dem, was mich bewegt. ich lasse mich noch nicht auf die tiefe ein. und wenn die begegnung mit der tiefe verweigert wird, wie sollte an einer tiefgreifenden lösung gearbeitet werden? und: hellinger fertigt sie ab? er sagt: so kann ich - ich! - nicht mit dir arbeiten. er sagt nicht: du bist schuld daran, dass ich nicht mit dir arbeite. was er hier klar, ehrlich und direkt auf den punkt bringt ist: "für meine art zu arbeiten ist es erforderlich, dass du das risiko eingehst, dich dem zu stellen, was dich aus der tiefe heraus bewegt. wenn du das nicht möchtest, sondern es vorziehst, dein schicksal als eine belanglosigkeit zu betrachten, über die du lieber lächelst, dann kann ich dir nicht helfen." damit ist der klient auch in seine eigene verantwortung gestellt (ohne die ihm niemand helfen kann).

    "Die Klientin bekommt einen roten Kopf. Keine Chance für eine Erwiderung. Erst als sie anfängt zu weinen, wird er gnädig: "Na gut, ich versuch mal was für dich."

    der rote kopf signalisiert, dass hier nicht nur das gehirn erreicht wurde, sondern tieferes - der körper reagiert. die arbeit hat schon längst begonnen... und selbstverständlcih hätte sie die chance zu einer erwiderung. sie zieht es aber offensichtlich vor, sich auf die begegnung mit den tieferen bewegungen ihres lebens einzulassen. sie ist über eine hohe hürde geklettert, aber darum ist sie schließlich gekommen... warum sollte sie jetzt opponieren? und was hier als "gnädig werden" denunziert wird, ist der einstieg in die nächste stufe - die tränen signalisieren: es kommt in fluss. es kann sich wirklich bewegen. und auch da sagt er nicht: ich tu etwas für dich - sondern: ich versuche. denn das wär die große versuchung: etwas für die weinende zu tun, sie in den arm zu nehmen und zu trösten, "ist doch nicht so schlimm..." ... und alles bleibt wie gehabt. nein, "ich versuche" bedeutet: die klientin bleibt weiterhin in ihrer verantwortung, es liegt auch an ihr, am ergebnis dieses versuchens mitzuwirken.

    "Die Frau ist gebrochen, wehrlos und mit den Nerven am Ende, bevor die Sache überhaupt angefangen hat. In ihrem inneren Aufruhr würde sie nach jedem rettenden Strohhalm greifen. Also folgt sie dem Therapeuten. Willenlos. Auch die "Stellvertreter" agieren unter Gefühlsdruck."

    einmal mehr ein urteil der journalistin. sie erträgt es schwer, eine weinende, mit den geschicken ihres lebens konfrontierte frau zu sehen. zu oft hat sie vermutlich selber schon mit den emotionen ihrer leser/innen gespielt und die verbale und bildliche darstellung fremden leidens für ihre stories genutzt... damit kann man spielen und auflage machen, aber sich dem wirklich stellen? wer ist hier mit den nerven am ende? der innere aufruhr, der griff nach dem rettenden strohhalm ... nun, hier gibt es nicht jeden strohhalm, hierher ist diese frau gekommen, um eine ganz konkrete, spezifische hilfe in anspruch zu nehmen. ist es nicht journalistische entmündigung, wenn nun dieser frau unterstellt wird, sie wäre quasi zu dumm, sich um sich selbst zu kümmern? und die stellvertreter agieren unter gefühlsdruck ... wie denn sonst? es ist die aufgabe der stellvertreter, das auszudrücken, was sie im feld empfinden - sie haben keine interpretationen, keine bewertungen der situation abzuliefern, sondern durchaus den mehr oder weniger starken druck der situation wiederzugeben. dieser letzte satz zeigt überdeutlich, was die journalistin von der methode des familienstellens begriffen hat: nichts. sie sieht nur eine oberfläche. und die hält sie für die wirklichkeit. davon lebt der intellektuellen-boulevard des "spiegel". sich an der entrüstung über fremde schicksale aufgeilen. emotionalen mehrwert aus der ausbeutung des schicksals dritter lukrieren.

    nochmals danke für das zitat, zauberin. es hat vieles deutlich gemacht!

    alles liebe, jake

    *****

    ich hab's dehalb hier mit hinein gestellt; ich könnt's sowieso nicht halb so gut schreiben wie er.

    weitere Debatten zum Thema Familenstellen bitte im Eso-Forum im entsprechenden unterforum; aber ich schlage vor, du liest und recherchierst dort erst mal ein bißchen; das eine oder andere dürfte sich dann schon bei der Lektüre der einschlägigen threads erledigen.

    liebe Grüße
    Stephan
     
  12. SAMUZ

    SAMUZ Well-Known Member

    Ich sage dazu nichts mehr. Spiel dein Guru-Psycho-Spiel woanders
    SAMUZ
     
  13. Stephan

    Stephan Well-Known Member

    du willst mir doch sicherlich nicht erzählen, Samuz, du hättest dir jetzt in gerade mal drei(!) Minuten durchgelesen, was jake dazu als seine sicht dargestellt hat. :eek:

    du und vorurteilslos - nu ja... :eek:

    wie wär's mal mit ein bißchen selbstreflexion?

    von dem kaum verdeckten Haß und Wut mir gegenüber in deinen Worten ganz zu schweigen... :rolleyes:

    liebe Grüße
    Stephan

    P.S. nachtrag: für diejenigen, die auch noch andere Meinungen, z.T. von Psychotherapeuten zu dem oben zitierten spiegel-artikel interessieren:

    http://www.hellinger.com/deutsch/oeffentlich/medienecho/spiegel_feb_maerz_2002_leserbriefe.shtml
     
  14. SAMUZ

    SAMUZ Well-Known Member

    Dies ist wierder ein link zu deinem Ober-Guru, der sicher nicht schlecht über sich spricht oder der was an sich herankommen lässt. Dies ist eine subjektive Meinung über diesen Guru. Du bist ein naiver Typ, wenn du glaubst, dass jemand sich auf die üBerzeugungen stürzt die der Guru selbst von sich gibt!
     
  15. SAMUZ

    SAMUZ Well-Known Member

    Lenz Rossbach

    Die unheilige Vorrsehung

    Bert Hellinger, dem Therapeuten, bedeutet ein Menschenleben herzlich wenig. Ein individuelles Leben, kommentierte er die Kaprun-Toten in der ZEIT, sei nur eine "Zwischenstation" und der Glaube an seine Unersetzlichkeit "philosophisch absurd". Er hat sein "Todesbild" wenig später sogar TV-öffentlich gepredigt: Da wir beim Sterben eh alle in irgendeinen "Urgrund zurücksinken", könne er den einzelnen Menschen nicht so ernst und wichtig nehmen.
    Da wird es fast nachvollziehbar, wie ungerührt er über den Selbstmord einer "Klientin" hinwegsieht ("Ja, ich bin hart mit ihr umgegangen": Die Gazette, März 2001).
    Der Einzelne interessiert ihn überhaupt nicht. Was Petrarca auf dem Mont Ventoux wiederentdeckte, das Individuum, den Menschen als Träger unveräußerlicher Rechte, dieses kostbare Erbe aus Christentum, Renaissance und Aufklärung - all das wischt Hellinger mit einer Handbewegung vom Tisch. Bei ihm hat ein Mensch nicht einmal eine Seele, die gibt es nur eine Etage drüber, in der nächsthöheren Einheit der Familie, wobei der Einzelne an dieser Gruppenseele lediglich "teilhat" - und nicht nur er, sondern auch "die Toten". Hier der wie immer bei Hellinger verschwommene, aber noch aussagefähige Originalton:

    "Und dahinter ist also ein Bild, das sich dann geformt hat im Lauf der Zeit, daß die Familie eine gemeinsame Seele hat und daß diese Seele sowohl die Lebenden wie die Toten miteinander verbindet ..."

    Mit diesem Gedanken findet Hellinger Anschluß an die gängige Vulgäresoterik. Der dazugehörige Begriff der "Gruppenseele" findet sich bei Anthroposophen, die damit gern die niedere Seinsstufe von Tieren bezeichnen (Hunde haben demgemäß eine "Gruppenseele"), gelegentlich aber auch ganze Ethnien, wenn etwa die Juden ("Goetheanum", Mai 1998) als unbelehrbares und geistig zurückgebliebenes "Gruppenseelentum" dargestellt werden. Auch in anderen Esoterik-Zweigen spielt der Begriff eine fatale Rolle, in Tantra-Seminaren zum Beispiel oder der sogenannten "Reinkarnationstherapie". Bei ihnen, ebenso wie bei Hellinger, gibt es kein Individuum mehr, sondern nur den umfassenden Gruppenverband. Erst hier kann sich bilden, was Hellinger so am Herzen liegt: "die Ordnung". Und der Einzelne ist immer nur ein Element dieser höheren "Ordnung".
    Daß dies beileibe keine bloß abstrakte Spielerei ist, sagt Hellinger selbst bei seinen Auftritten. Das Gedankenmuster schlägt überall bei ihm durch, hier in einem Vortrag über "Schuld-Unschuld-Muster" (ein Mogel-Thema, denn es geht, wie man sieht, um etwas ganz anderes):

    "Da, wo wir herkommen, lieben wir auch am meisten. Und daher richtet sich die Urliebe in erster Linie auf die eigenen Eltern und die eigene Sippe, dann aber auch auf die eigene Heimat und das eigene Volk. Aus dieser Liebe heraus ist ein Kind bereit, alles dranzugeben, selbst das eigene Leben und Glück, wenn es nur den Eltern und der Sippe dadurch besser geht. Diese Liebe ist bei denen am stärksten, die auch am meisten abhängig sind. In der Familie sind es die Kinder, in einem Betrieb die Arbeitnehmer, in einer Armee die gemeinen Soldaten und in einer Kirche das einfache Volk. Bei ihnen sehen wir deshalb auch die größte Treue und den selbstlosesten Einsatz."

    Hier, in seiner Sprache, fängt Hellinger an, sich zu verraten: Ein Weltbild, das die "Abhängigkeit" von Kindern und Arbeitnehmern, "gemeinen Soldaten" und einem "einfachen Kirchenvolk" feiert und deren Liebe (samt "Treue und Einsatz") verlangt, ist nicht bloß gesetzwidrig, sondern schlechthin totalitär. Hatten wir das nicht alles vor kurzem schon einmal: "Du bist nichts, dein Volk ist alles"?
    Verfälschen wir damit Hellingers Gedankengänge? Aber keineswegs. Denn, so der Redner selbst, "von mir etwas verfälschen kann man nur, was ich selbst für wahr halte. Aber ich halte nichts in diesem Sinne für wahr." Hellinger ist ein Meister der intellektuellen Schlüpfrigkeit: Er gibt sich als einer, der nicht zu fassen ist. Er hinterlasse doch, sagt der selbsternannte "Phänomenologe" gern, keinerlei System, keine Lehre, keine Dogmen (und sowieso nichts Schriftliches; Kommentar der ergriffenen Anhänger dazu: genau wie Sokrates und Christus).
    Und doch lassen sich bestimmte Gedankenlinien erkennen. Das Dumme ist nämlich: Hellinger redet und redet und redet. Und redet am Ende doch immer wieder dasselbe, keine Lehre hin oder her. Er beschweigt sogar immer dasselbe: Nie redet er beispielsweise vom Wert, der Größe, der Unvergleichlichkeit eines Menschen. Sondern immer nur - siehe "Gruppenseele" - von der Unterordnung, jetzt sogar unter den "Führer", als den er sich selbst sieht:

    "Bei der Psychotherapie ist die Vorgehensweise ganz einfach. Es geht einem da wie einem guten Führer. Ein guter Führer sieht, was die Leute wollen, und das befiehlt er, ein guter Therapeut sieht, was die Leute wollen, und das rät er."

    Offenbar hatten wir, "die Leute", 1938 einen vielleicht nicht ganz so "guten Führer", aber jenes ekstatische "Führer befiehl, wir folgen!" war, Hellinger zufolge, prinzipiell in Ordnung. Pardon: in "der Ordnung". Was Hellinger hier verspricht, sind die Wonnen der Regression: nichts mehr entscheiden müssen, nur noch gedankenlos nachlaufen. Die politische Wellness.
    Der Führer-Therapeut und seine hingerissene Gefolgschaft halten sich viel darauf zugute, daß er sich bei seinen "Aufstellungen" auch mit den "Nachkommen von Tätern und Opfern" des Nationalsozialismus beschäftigt (hemmungslos protokolliert in seinem Buch "Der Abschied"). Auch hier wieder dasselbe: Jeder Mensch entscheidet nicht selbst sein Leben, sondern er wird von etwas Unerklärtem "in Dienst genommen". Und das ist durchaus dogmatisch zu verstehen: Wer diese Tatsache nicht anerkennt, ist nicht "ganz". Und ausdrücklich ernsthaft fügt der Therapeut noch dies hinzu: "Auch Hitler war in den [sic] Dienst genommen. Jedes andere Denken führt schnell ins Absurde. Das ist für mich die einzig gemäße, also denkerisch vertretbare und philosophisch begründbare Haltung." Täter und Opfer im harmonischen Gruppenbild, beide unschuldig, da beide in denselben geheimnisvollen "Dienst" genommen.
    Und noch einmal kommt dabei "die Ordnung" ins Spiel:

    "Was [der Vater bei der Gestapo] aber gemacht hat, geht die Kinder nichts an. Kinder dürfen sich in diese Dinge nicht einmischen. Sonst werden sie zu heimlichen Richtern über ihre Eltern ... Das ist gegen alle Ordnung. Das geht Kinder nichts an. Die Schuld der Eltern geht die Kinder nichts an. ... Das ist die Anmaßung des Geringeren, der meint, er könne etwas Gutes bewirken, auch wenn es gegen die Ordnung ist."

    Die Aufklärung der verbrecherischen Väter-Vergangenheit ist in Hellingers verschobenem Denken schon deshalb falsch, weil sie "eine Art Fortpflanzung des Bösen" ist. Und wieso das? "Weil [damit] Vergangenes nicht vergangen sein darf." Genau so schlußstrichmäßig und wörtlich beinahe gleich klang auch der Titel der Nolte-Rede, die in den achtziger Jahren den Historiker-Streit auslöste.
    "In der Ordnung", "im Einklang sein" ist also die condition sine qua non allen Handelns. Nur: im Einklang womit? Die Antwort gibt Hellinger nicht immer so klar wie im Juni 1995, in einem Interview mit "Psychologie heute". Auf die Frage, ob er "den Widerstand" gegen den Nationalsozialismus als "zwecklos" ansehe, da doch alles "von etwas Größerem gesteuert" sei, antwortet der Ordnungsfanatiker treu- und offenherzig:

    "Genau, das ist, was ich meine. Wir müssen das Ergebnis sehen. Was war das Ergebnis des Widerstandes? Es war gleich Null. Das zeigt, daß die Widerstandskämpfer nicht im Einklang waren. Das waren Leute, die gemeint haben, sie könnten das Rad der Geschichte aufhalten. Das geht nicht."

    Sophie Scholl und Stauffenberg hätten es also ohne weiteres besser haben können: Sie hätten nur mit dem rollenden Rad der Geschichte, in diesem Fall mit Hitler und seiner nun mal etablierten Macht, in Einklang kommen müssen. Im Reinen mit einem namenlosen Verbrechen an der Menschlichkeit. Denn angesichts einer "schicksalhaften Ohnmacht" bleibt "als einziger Ausweg dann nur die Unterwerfung, das willige Sich-Einfügen in einen undurchschaubaren, übermächtigen Zusammenhang." So einfach, so vergewaltigend ist das bei Hellinger.
    Da klingt es dann nur konsequent, daß der Nationalsozialismus für ihn überhaupt nichts Negatives ist, da er ja von einer höheren Weisheit ins Werk gesetzt wurde, wie andere schöne "Bewegungen" der Weltgeschichte auch:

    "Ich denke, daß in der Welt Kräfte am Werk sind, die lassen sich nicht steuern. Deswegen tun mir Weltverbesserer leid. Die großen geschichtlichen Bewegungen, der Nationalsozialismus, der Humanismus, die Wende, all das sehe ich als Teil eines gesteuerten Prozesses, bei dem die Opfer sowohl wie die Täter in Dienst genommen sind, für etwas, das wir nicht begreifen."

    Hier wird Hellinger historisch unanständig. Humanismus und Nationalsozialismus in einem Atemzug als "große geschichtliche Bewegungen" zu feiern, verlangt einen bis heute für unmöglich gehaltenen politischen Wahnsinn.
    Nicht daß Hellinger kein "Negatives" kennte. Er liebt es sogar. Er findet es ausgesprochen produktiv. Denn genau darin (Vorsicht: ab hier ist der Gedankengang unzurechnungsfähig), liegt die weltbewegende "Kraft": im "Bösen", das er auch "das Kämpferische" nennt. Ich muß also dieses "Negative" in mich aufnehmen, dann werde ich zu einer Art Übermensch, expressis verbis jenseits von Gut und Böse. So geheimnisvoll kommt also das Gute aus dem Bösen (und womöglich, why ever not, der Nationalsozialismus aus dem Humanismus). Hier die entlarvenden Auszüge aus einem Vortrag des Allmachtsphantasten:

    "Die Kraft, die die Welt voranbringt, gründet in dem, was schwer ist oder was wir böse nennen oder schlimm. Die Herausforderung, die zu Neuem zwingt, kommt aus dem Negativen, aus dem, was ich lieber weghaben oder ausklammern möchte. Wenn ich mich daher vor dem Negativen oder dem Sündigen oder dem Kämpferischen drücke, verliere ich vielleicht gerade das, was ich behalten will, nämlich mein Leben, meine Freiheit, meine Größe, meine Würde. Nur wer sich auch mit den dunklen Kräften verbündet und sich ihnen stellt und ihnen zustimmt, der ist verbunden mit den Wurzeln und den Quellen seiner Kraft. Solche Menschen sind mehr als gut oder böse. Sie sind im Einklang mit dem Kosmos und dem Ganzen. Sie wissen, daß das Schlimme mehr ist als nur zum Licht der Schatten. Es ist der Grund, aus dem das Große wächst. Das Gute ist erst seine Frucht."

    Man würde diese Suada gern als massiven Unfug abtun. Aber Hellingers Predigten sind weltweit ausverkauft, und ungehemmt liefert er sein Eso-Raunen, seine Menschenverachtung, seine politischen Obszönitäten an Tausende von Gläubigen. Widersprochen wird allenfalls dem Therapeuten, und das nur selten. Und ungestört in diesem Helfer-Gewand geht ein politischer Giftmischer um.

    11. April 2001 @Gazette
     
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