Angst vor dem Tod und dem Leben danach

Dieses Thema im Forum 'Angst, Panikattacken - was tun?' wurde von Athene gestartet, 31 Dezember 2011.

  1. Reinfriede Well-Known Member

    Liebe Athene!

    Gerne, bitte berichte! :)

    Liebe Grüße
    Reinfriede
  2. emmelinda Member

    Hallo Leute,

    das Thema ruht ja jetzt schon eine ganze Weile. Ich dachte, ich gebe "meinen Senf" aber trotzdem noch dazu. Ich habe hier nicht alles gesamthaft gelesen, mir aber einen gewissen Überblick verschafft.

    Ich hatte noch keine Nahtoderfahrungen, wohl aber schon Panikattacken, die jedoch nicht unbedingt Leben und / oder Tod betrafen.
    Wie athene hatte ich, vorwiegend als Kind, Angstzustände, was den Tod betraf, habe auch jetzt noch kein gutes Gefühl bei diesem Thema und bin mit ihm, obwohl ich schon an so vielen Gräbern von Eltern und Geschwistern gestanden bin, damit noch immer nicht im Reinen. Diese Angst ist mir allerdings damals von Erwachsenen eingeflößt worden, aber sicher nicht in böser Absicht. Ich war Zeuge, wie sich meine Oma einmal mit einer Freundin über deren Erfahrungen mit dem Sterben bzw. Beinahsterben unterhalten hat. Jene Freundin lag wohl schon im Sterbezimmer im Krankenhaus, als irgendjemand irgendwann bemerkte, dass sie gar nicht sterben wollte und würde und sie wurde über kurz oder lang wieder in ein normales Krankenzimmer gekarrt.
    Das hat bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen bzw. einen regelrechten Schock ausgelöst. Der Gedanke, dass man diese Freundin, sie war eine liebe Frau, die schon fast zur Familie gehörte, in diesem Zustand beinahe begraben hätte, lies mich nicht mehr los. So stellte es sich mir auf jeden Fall damals als Kind dar und meine Nächte waren fortan von Gedanken an einen engen Sarg und von "Scheintod" begleitet, so dass ich damals schon beschloss, man solle mich, wenn es dann so weit wäre, verbrennen.

    Was athenes Wahrnehmungen betrifft, dass sie Schatten sieht oder spürt, wie sie jemand berührt, das mag vielleicht ab und zu dieser Wachschlaf sein, dem man gerne in Zeiten der Erschöpfung oder Anspannung ausgeliefert ist. Ich hatte das bis heute ungefähr vier Mal in meinem Leben. Bei mir war das keine angenehme Erfahrung, weil ich mich hilflos und ausgeliefert fühlte. Ich war voller Angst und allein der Gedanke, dass mein Mann neben mir in tiefem Schlaf lag - aber ich konnte ihn nicht verständigen, weil ich wie gelähmt war - , ließ mich diese Attacken wohl überwinden. Wie ich jedoch schon sagte: Es könnte sein, dass athene ähnliches erfahren hat...

    Ich bin gewiss eine der Ältesten hier und man sollte meinen - so hat es ja, glaube ich, auch jemand beschrieben - , dass man dann abgeklärter und ruhiger wird. Aber das ist bei mir ganz und gar nicht so. Ich denke, es hängt damit zusammen, wie gerne man lebt oder ob man stets auf der Suche ist oder ob man angekommen ist oder was man noch alles vor hat usw. usf. Nun bin ich gewiss kein Mensch stetiger Aktivitäten, nein, aber auch kein lahmer, passiver oder gar phlegmatischer Geist. Ich lebe halt gerne, trotz allem, was im Alter vermehrt auftritt, vorwiegend in gesundheitlicher Hinsicht.
    Ich bepflanze und pflege das Grab, das meine Eltern und Geschwister aufgenommen hat, zu jeder Jahreszeit, ich halte Zwiesprache mit ihnen, wenn mir danach ist, aber - nein, ich bin noch nicht so weit...

    Ich habe schon von anderen - dazu gehören jedoch auch Menschen mit einem weitaus höheren Horizont, als es der meine ist - gehört, dass man sich nicht zwanghaft mit dem Thema Tod auseinandersetzen soll und muss. Er kommt - ganz klar - und er lässt keinen aus, wie man jeden Tag immer wieder hört. Berühmtheiten und vermögende Leut', keiner kommt ihm aus. Keiner weiß, oder besser, weiß genau, wie seine letzte Stunde sein mag. Es wird auf nichts Rücksicht genommen, der Tod fragt nicht, ob du bei Bewusstsein oder lieber umnebelt sein magst, wenn es so weit ist, er kommt.
    Ich denke oft an meine Mutter, die sich stets wünschte, sie möge ihren Verstand bis zur letzten Stunde behalten und nicht vielleicht schon vorher dement sein oder siech dahinvegetieren. Ihr Wunsch ist in Erfüllung gegangen, aber ich frage mich zur heutigen Stunde, wenn ich daran zurück denke, wie schwer und wie langsam sie gestorben ist, was wohl besser ist...

    Interessant finde ich, wie heutzutage bei den Kleinen in den unteren Schulklassen mit diesem Thema teilweise im Unterricht umgegangen wird. Sie halten regelrechte workshops ab, besuchen Friedhöfe und schreiben Referate. Ist das gut? Was bewirkt es? Hilft es die Angst in Grenzen zu halten?
    Ich weiß es schlichtweg nicht.

    Viele Grüße -
    emmelinda

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  3. Reinfriede Well-Known Member

    Liebe Emmalinda!

    Ich kann das gut verstehen. Ich möchte, genau aus diesem Grund, auch später mal verbrannt werden, sicher ist sicher.:cool: Mir schwirren heute noch die Geschichten im Kopf herum (ich hab das mal in einem Buch gelesen) über Klopfzeichen aus dem Sarg beim Begräbnis. DAS ist für mich auch ein Gespenst, das mich begleitet, obwohl das logisch gesehen heutzutage sehr schwer möglich ist. Stirbt man im Spital, was heute eher üblich ist, wird man meistens obduziert, damit ist man sicher tot. Aber ich möchte da auch eher auf Nummer sicher gehen.

    Ich weiss nicht, vielleicht habe ich eine zu romantische Vorstellung davon. Abgesehen von den Fällen, wo man wirklich einfach zu früh aus dem Leben gerissen wird, stelle ich mir das so vor, dass man - wenn es soweit ist - auch gehen möchte.

    Ich habe das bei einigen Verwandten erlebt, die eines natürlichen Todes gestorben sind. Die Vorzeichen waren oft schon Monate vorher da, besonders wenn man sich mit ihnen unterhalten hat. Da hatte ich so oft das Gefühl, dass sie mit einem Bein nicht mehr da sind. Sie waren oft so abwesend, haben durch mich durchgeschaut, interessierten sich nicht mehr so für die Vorgänge um sie herum.

    Und ich glaube, unter den Umständen, dass man relativ alt stirbt, spürt man das auch schon vorher, dass man sich nun auf die letzte Reise begeben wird. Und man will das, weil man müde ist, weil man keine Kraft mehr hat zu leben und weil man spürt, dass man jetzt schlafen möchte.

    Ich möchte später, wenn mir das vergönnt ist, alt zu sterben, so sterben, dass ich das Gefühl habe, wie ein Kind den ganzen Tag draußen herumgetollt zu haben und nun so richtig müde zu sein. Das Gefühl, alles, was mir wichtig war, habe ich erlebt und nun bin ich rechtschaffen müde und es ist gut so.

    Wenn die Kraft und die Lebensfreude weniger wird, wenn es anstregend wird, dass man lebt, dann kann ich mir gut vorstellen, dass man auch irgendwann genug hat vom Leben.

    Immer unter der Voraussetzung, dass man vorher lange genug und ausgiebig leben durfte.



    Ich kenne das so nicht, keines meiner Kinder hatte das im Unterricht. Allerdings sind wir daheim eben aufgrund damaliger Todesfälle offen mit dem Thema umgegangen, wir hatten auch kindgerechte Bücher zu dem Thema.

    Angst zu sterben hätte ich nur, wenn ich hier noch unerledigte Dinge hätte, ungelöste Knöpfe, mit Dingen nicht im Reinen wäre. Ich hatte früher immer Angst davor, dass ich sterbe, bevor meine Kinder erwachsen wären, das war mein dunkler Geist, der mich oft beschattete. Aber wahrscheinlich deshalb, weil genau das bei meinen Vorfahren passiert ist und diese tragische Erinnerung doch oft lange weiterlebt.

    Ich hatte aus diesem Grund alle möglichen Versicherungen abgeschlossen, meinen letzten Willen früh verfasst nur um sicherzustellen, dass meine Kinder ganz sicher und ganz gut und doppelt versorgt sein würden, falls ich früher gehen muss.

    Es ist sicher ein Glück, wenn man alt werden darf und dann gehen darf, wenn man selbst möchte.

    Liebe Grüße
    Reinfriede

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