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brauche euren rat

Dieses Thema im Forum "Beruf und Berufung, Schule und Studium" wurde erstellt von lindsey, 31 Juli 2005.

  1. lindsey

    lindsey Member

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    hallo,
    ich brauche dringend einen rat,
    da ich kaum mit jemanden drüber sprechen kann.
    meine situation ist etwas verzwickt,
    ich versuche mal kurz zusammenzufassen um was es geht.

    ich leide an einer art sozialen phobie, das ist zwar etwas allgemein formuliert aber im großen und ganzen geht es darum, das ich zwar keine angst vor menschen habe und auch kein problem habe unter menschen zu gehen,
    aber meine probleme beginnen dort wo zwischenmenschliche "beziehungen" beginnen. Also alles was über "Guten Tag" und oberflächlichen Small Talk hinaus geht.

    Solche Situationen kann ich zwar ganz gut überstehen, aber sie überfordern mich total.
    Wenn ich an einem Tag mit anderen Leuten zusammen gesessen habe, mich mit ihnen "näher" unterhalten habe und so, dann geht es mir am Ende des Tages körperlich total schlecht, ich habe gar keine Energie mehr, werde krank und bin einfach total fertig.
    Muß ich soetwas mehrere Tage hintereinander (wie es ja im normalen Leben ist), aushalten, werde ich so krank und "schlaff", das ich die Wohnung eigentlich gar nicht mehr verlasse.

    Jedenfalls bin ich jetzt 22 Jahre alt, und habe nach der 10. Klasse einfach gar nichts mehr auf die Reihe bekommen.
    Jede Berufsausbildung die ich angefangen habe (3, fast 4 am Stück) habe ich abgebrochen.

    Zwar habe ich schon mehrere Therapien gemacht, die mir auch sehr geholfen haben, aber praktisch habe ich leider nichts ändern können.

    Nun habe ich einen katastrophalen Lebenslauf, mit den ganzen abgebrochenen Ausbildungen und den großen Zwischenräumen.
    Mit diesem kann ich mich eigentlich sowieso schon nicht mehr bewerben.
    Oder höchstens auf einen Beruf, wo ich die einzigste bin die dran interessiert ist :)

    Ich hatte immer den Traum später Psychologie zu studieren, meine Alternative dazu war eine Ausbildung im gestalterisch-handwerklichem Bereich, da ich dort meine Begabungen habe.

    Leider fällt das mit dem Psychologie Studium flach, da braucht man erstens einen 1,x Durchschnitt (in Deutschland) und abgesehen davon habe ich ja auch kein Abitur, und um dieses auf dem 2. Bildungsweg in Deutschland nachzumachen (ich weiß in Österreich gibts da andere Möglichkeiten), braucht man eine abgeschlossene 3 Jährige Berufsausbildung.
    Alles zusammen, wäre ich dann in 6-7 Jahren soweit.

    Die andere Möglichkeit wäre eine Ausbildung in einem Betrieb,
    zB Goldschmied, Buchbinderin für Einzel- und Sonderanfertigung, Keramikerin etc..
    Leider sind solche Stellen sehr rar,
    und es bewerben sich viele Abiturienten, was es mir nicht leichter macht.

    Aber davon abgesehen,
    ich würde im Moment weder ein normales Studium, noch eine 3jährige betriebliche Ausbildung mit Berufsschule durchstehen.

    Nun ist mein Problem das ich eigentlich auch gerne von zuhause ausziehen würde,
    leider können mich meine Eltern nicht unterstützen, und ich habe auch kein Anrecht auf Geld vom Arbeitsamt (etc), weil ich noch nie Steuern gezahlt habe.
    Aber das Ausziehen wäre sehr wichtig für mich, das meinten auch meine Therapeuten immer.
    (Da meine Probleme unter anderem auch etwas mit der Bindung zu meinen Eltern zu tun haben).

    Nur dafür müßte ich Geld verdienen,
    und dafür fehlt mir die Ausbildung, und im Moment auch die Kraft und Fähigkeit.
    (psychisch gesehen).

    Evtl. hätte ich die Möglichkeit in einem Förderwerk mit Internat für Menschen mit Behinderung (u.a. auch psychischer Behinderung) eine Ausbildung zu machen und gleichzeitig dort zu wohnen.

    Ich müßte eine Reihe von Tests durchlaufen, Gutachten vorlegen, und am Ende müßte das dann von meinem Rententräger oder der Krankenkasse genehmigt werden.

    Mein Problem ist, das mein Arbeitsberater meinte ich würde nicht zu der Kategorie von Menschen geöhren die er dorthin vermittelt.

    Ich selbst hatte auch schon Bedenken, das es vielleicht zu starke "Behinderungen" sind.

    Eine andere Möglichkeit wäre, das ich mir einen "Minijob" (diese auf maximal 400 Eurobasis, Steuerfrei) suche, und erstmal (mit ein bisschen Unterstützung meiner Eltern) ausziehe.

    Evtl. könnte ich ein Fernstudium an der Open University in England machen das würde mich nicht so stark psychisch überfordern, aber ich könnte mich weiterbilden. Schließlich bin ich seit 5 Jahren nicht weitergekommen.

    Allerdings ist die Sache auch ziemlich unsicher, wenn ich zB keinen Job finde, oder ihn wieder nicht durchhalte.. dann würde wieder alles scheitern und das ist ein ziemlich großer Druck.

    Meine Idealsituation im Moment stelle ich mir so vor,
    ich kann kostenlos (oder sehr günstig) irgendwo wohnen,
    (dann wäre der Druck mit dem Geldverdienen weg),
    ich würde den halben Tag zu einer Art "Arbeitstherapie" gehen (AT ist eine Therapie bei der man langsam wieder lernt einer beruflichen Tätigkeit nachzugehen), könnte dort Mittags essen,
    und Nachmittags/Abends könnte ich mich auf das Fernstudium konzentrieren oder etwas anderes machen, was mich weiterbildet.

    Dadurch hätte ich einen geregelten Tag, was mir im Moment sehr fehlt.

    Aber leider weiß ich nicht wie ich mir das wohnen finanzieren soll,
    und eine Arbeitstherapie wird meistens nur im in Verbindung mit einem Klinikaufenthalt (oder für danach) genehmigt.

    Naja, es war auch nur eine Wunschvorstellung.

    Warum muß ich mich zwischen "sozial Fall" und "totale Überforderung" entscheiden ?

    Die vom Arbeitsamt sagen, entweder bin ich krank und komme in das Förderpromm, oder ich bin gesund und stehe dem Ausbildungs/Arbeitsmarkt zu verfügung.

    Dabei bräuchte ich doch nur ein kleines bisschen Hilfe, zumind. am Anfang.. das würde mich auch nicht für die Zukunft "brandmarken".

    Was meint ihr ? Ich bin so verzweifelt : /

    Langsam glaube ich schon selbst ein psychisch Behinderter Mensch zu sein,
    dabei fühle ich mich doch so gesund, es sind ja nur diese bestimmten sozialen Situationen.

    Es ist so schrecklich,
    ich weiß das viel mehr in mir steckt als ich zeigen kann.

    Bitte helft mir : /

    Fallen euch vielleicht noch andere Möglichkeiten ein, oder vielleicht Berufe in denen ich "einfacher" arbeiten könnte?

    Ich bin Euch für jeden Tipp dankbar,
    viele liebe Grüße und Danke schonmal,
    lindsey
     
  2. lindsey

    lindsey Member

    fällt niemandem etwas ein?

    fällt niemandem etwas ein? ich bräuchte so dringen einen rat was ich tun soll, mir ist den ganzen tag nur noch schlecht:/
     
  3. Raphael 0022

    Raphael 0022 Well-Known Member

    Hallo Lindsey,

    seit wann leidest du unter der "sozialen phobie". was macht dich "krank" mit menschen zu reden? Wie ist das gefühl? hast du angst was falsches zu sagen. angst du würdest nicht das sagen was die andern erwarten? schildere doch mal dieses gefühl, diese angst.
     
  4. lindsey

    lindsey Member

    danke für deine antwort, raphael

    hm, das ist nicht so leicht zu beantworten,
    angefangen bzw. erste zeichen der sozialen phobie gab es schon im kindergarten, da war mein verhalten aber noch relativ normal, allerdings hatte ich schon diese ängste.
    richtig gezeigt (an meinem vermeidungsverhalten dann), hat es sich so ab 14, 15, 16..

    ich glaube ich habe angst von anderen abgelehnt zu werden (hat etwas mit meinem Vater zu tun).
    solange der kontakt noch oberflächlich ist, oder mich die leute nicht mögen,
    ist alles in ordnung. da habe ich nichts zu verlieren.
    aber sobald ich leute näher kenne und feststelle das mich jemand mag,
    freue ich mich innerlich zwar, aber im gleichen moment bekomme ich irgendwie ein ganz komisches gefühl. das gefühl führt über kurz o lang dazu das ich mich von der person distanziere.

    Es ist die Angst, das man mich, wenn man mich näher kennt nicht mehr leiden könnte.
    Irgendwie habe ich eine so große Angst von anderen verletzt oder enttäuscht zu werden, das ich mir eine Art "Schutzhülle" zugelegt habe.
    Die Person die ich "spiele" (merke ich aber teilweise gar nicht mehr, und es ist auch ein fließender Übergang), ist super nett und versucht es allen recht zu machen, ja nirgends anecken.
    Kein Wunder das mich soviele Menschen auf den ersten Kontakt hin mögen,
    aber längfristig ist ein Mensch der es allen Recht machen will und keine eigene Meinung hat ja kein interessanter Gesprächspartner/Freund etc.
    Und das weiß ich auch, deshalb versuche ich die Kontakte gar nicht erst zu intensivieren.
    Diese "Scheinperson" aufrecht zu erhalten erfordert ziemlich viel Energie da man nie man selbst sein kann, und belastet mich psychisch sehr.

    Jetzt denkt sicher jeder, warum ist sie dann nicht einfach sie selbst.
    Das frage ich mich natürlich auch.

    Aber ich habe einfach so eine riesen Angst davor abgelehnt zu werden.
    Irgendwie ist das ein tief sitzendes Traumata.
    Wenn man sich normal verhält und seine eigene Meinung hat, (die ich ja auch habe), dann ist es natürlich klar das man nicht von allen Menschen gemocht wird.
    Ich weiß, das der Wunsch von allen gemocht zu werden total absurt ist,
    aber meine Angst treibt mich dorthin.

    Ich weiß auch nicht, aber die Vorstellung das jemand, der mich anfänglich mochte plötzlich zu mir sagt das er nicht meiner Meinung ist, oder enttäuscht von mir ist, sich ein anderes Bild gemacht hat etc.. ist für mich einfach unerträglich. Obwohl ich weiß, das es für die andere Person vielleicht kaum Bedeutung hat.

    Hmm..ich weiß einfach nicht wie ich da raus kommen soll.

    Ich habe ja schon einige Therapien gemacht, die eine Gesprächstherapie war fast 3 Jahre lang.
    Aber wenn ich ehrlich bin, dann war ich auch dort nicht ich selbst.
    Ich hatte auch immer das Gefühl das ich mir ein bisschen Würde bewahren müßte.

    Jetzt ist es schon wieder so, das der letzte "Ausbildungsversuch" schon 6 Monate zurück liegt. Genauso lange ist es ungefähr her, das ich etwas mit Freunden (habe sowieso nur 2, die mich trotz der langen Kontaktpausen ab und zu anrufen/mailen.) unternommen habe.

    Ich traue ich auch gar nicht mehr alleine etwas zu unternehmen (was ich von der Angst her könnte, da es ja nichts mit anderen zu tun hat), da ich immer Angst habe jemand bekanntes zu treffen, der mich dann fragt was ich eigentlich so mache... : /

    Ohman, ich weiß im Moment echt nicht wie es weitergehen soll.
    Ich habe wegen der Situation schon chronische Magenschmerzen : /
     
  5. Raphael 0022

    Raphael 0022 Well-Known Member

    Hallo Lindsey,

    das ist natürlich ein tiefes muster was du mit dir rumträgst. es war wohl auch nicht der richtige therapeut für dich, der in 3 jahren keine besserung erreicht hat. es gibt einige affirmationen für das mangelnde selbstvertrauen/selbstwertgefühl. des weiteren würde ich dir eine Rückführung empfehlen, wo du erkennen kannst warum diese blockade so gross ist und um sie aufzulösen.
     
  6. mitsy

    mitsy Active Member

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    hallo lindsey,

    wow, ich hab noch nie gehoert dass das noch jemand kennt !
    mir gings naemlich genauso. so persoenlich schreib ich nicht so gerne. aber ich weiss wies dir geht, glaub ich. und ich moecht dass du weisst, dass du nicht allein bist. deshalb: hier und heute meine geschichte.

    wo fang ich da an...hm
    mir wurde in der kindheit meine persoenlichkeit ausgetrieben. "du hast das nicht zu wollen !" war der standardsatz meiner mutter. im grossen und ganzen war da ein klima psychischer gewalt. schlaege gabs immer dann, wenn man sie ueberhaupt nicht erwartete und auch verstand ich nie wofuer. was zaehlte, war wie man sich benimmt und der eindruck den man hinterlaesst.

    es gab da ein phaenomen,an das ich mich mit schaudern zurueckerinnere. seit ich 8 war kannte ich das. wenn ich naemlich in einen spiegel schaute, sah ich zwar einen menschen, aber ich konnte ihn nicht als mich identifizieren. wenn der kopf mir nicht gesagt haette: das muss ich sein ! haette ich es nicht geglaubt.
    das ich also keine persoenlichkeit hatte wurde mir so mit 14 klar, auch weil ich es von aussen gespiegelt bekam und nicht ganz dumm bin. und da begann ich mich dafuer zu schaemen. die menschen begannen mich zu meiden, ich zu saufen. als ich mit 18 wegging zum studieren war das seit einem jahrezehnt mein traum gewesen (das wegsein von den eltern), dann wars aber ziemlich krass.
    irgendwas war mit mir los, dass ich es nicht mal schaffte,den menschen in die augen zu schauen. wenn ich mir zigaretten kaufen wollte, war das eine tortur. ein stammeln und im boden versinken wollen. da ging ich lieber zum automaten. oder ins geschaeft einkaufen. horror !
    so. dann sollt ich auch noch auf die uni. plichtbewusst wie ich war, tat ich das natuerlich ohne zu klagen. es war entsetzlich. ich hab keine ahnung wie ich es je geschafft hab auch nur einen schein zu machen. ich setzte mich in die vorlesung. ueberall diese gluecklichen menschen mit ziel und plan und sinn und freude. dazwischen ich. mit schweisssausbruechen und staendig kreisenden gedanken zwischen: "warum spricht nur keiner mit mir, bin ich wirklich so verabscheuenswuerdig ?" und "oh gott, hoffentlich spricht mich keiner an, dann wuerden sie erst sehen, wie schrecklich ich wirklich bin !" ist eh fast nie passiert, und wenn, dann bin ich zur salzsaeule erstarrt.

    mein anker war damals meine "beste" freundin, einer meiner liebsten menschen heute. da alleinsein ueberhaupt nicht drin war (da hatte ich dann panikattacken, wie ich sie heute identifizieren kann) klebte ich die meiste zeit bei ihr. seltsamerweise hielt sie mich nicht fuer so daneben, wie ich war. vielleicht war ich auch eine meisterin der tarnung.

    so verbrachte ich mehrere jahre. ich litt und litt, sah einfach keine zukunft. taeglich selbstmordgedanken, keine kraft zu nichts. keine ahnung was man will. eigentlich war ich ein roboter,der sich nicht sicher war, wie er programmiert ist. ich fragte mich immer, woher die menschen ihre anleitungen fuer ihr handeln nehmen. gefuehle kannte ich nicht. also handelte ich, wie es vorbilder taten oder aus rationalen erwaegungen. ach ja, eines konnte ich doch: mich regelmaessig in grund und boden schaemen, fuer die paar worte, die ich doch gesagt hatte.
    eines tages, keine ahnung warum, die idee: "mach doch therapie". gut ja. so einfach ist das nicht. ich, mit der allergroessten panik abgewiesen zu werden, soll mich vorstellen bei therapeuten. und prompt: (weiss der teufel warum !) die wollten mich nicht !!! anscheinend schien ihnen mein "leidensdruck" nicht gross genug.

    mann, was war ich fertig. zu irr um zu leben. aber zu normal, als dass mir jemand helfen haette wollen. mein logischer schluss: ich musste wirklich eine verabscheuenswuerdige kreatur sein, die sich nur in szene setzen will ! ich weiss bis heute nicht, wie sich das eigentlich nennt,was mit mir los war, meine therapeutin (bei der ich dann doch landete), traute ich mich bis zuletzt nicht zu fragen.
    ganz ehrlich: therapie hat schon was genuetzt. aber eben nicht auf den ersten blick. ich hab mich, wie ich es nenne, einmal "defragmentieren" lassen. das war so wie: in milliarden von teile zersetzt werden, und dann wieder neu zusammen. schrecklich. entsetzlich. (geht das eigentlich jedem so ?) danach hab ich das erste mal von herzen gelaechelt. bald darauf hab ich aufgehoert mit therapie.

    dann gings erstmal gleich weiter wie davor, 2 jahre mindestens. dachte noch immer, ich muesste so oder so sein, weil man das halt tut.
    der rest war einfach glueck oder zufall. oder die therapie hat mich doch in eine neue, hoffnungsvolle richtung gehen lassen, ohne das ich es zuerst gemerkt haette.

    (so, ich will dann noch was schreiben, brauch jetzt aber mal ne kleine paeuse. also bis gleich...)
     
  7. mitsy

    mitsy Active Member

    und weiter gehts...

    wie schon gesagt, gings bei mir nicht so schnell, dass sich die dinge aenderten. und es ist bis heute nicht alles eitel wonne. aber es geht mir richtig gut, wuerde ich sagen.

    aufwaerts gings von dem punkt an, als ich merkte, dass sich dinge aendern koennen. und dass man selber einfluss auf die dinge nehmen kann. zuvor hatte ich immer gedacht, ich sein ein pingpongball, dazu da, dass die welt mich durch die gegend schleudert, ohne, dass ich einfluss darauf haette.
    was mir total viel auftrieb gegeben hat, war dass ich in eine wg gezogen bin. zum ersten mal kam ich mir nicht mehr verstossen vor. und mit jedem kleinen schritt, der mich glauben machte nicht vollkommen alien zu sein, kam ich mir ein stueck naeher.

    irgendwann bin ich dann draufgekommen, dass es mir total gut tut, zu wissen, dass ich etwas kann. mein total theoretisches studium war mir immer sehr egal gewesen, zumal ich auch keine ahnung hatte, was ich damit jemals anfangen soll. also begann ich zu ueberlegen, was ich wirklich will. nicht einfach. aber es hat sich da was ergeben. am anfang hab ich das nur heimlich getan, weil ich mich geniert hab. heute kann ich dazu stehen, was ich gernen mache. warum auch nicht ?

    ich war es immer gewohnt hirn.ixerei zu betreiben. mir jede chance von vornherein zunichte zumachen, indem ich ideen fuer mein leben theoretisch durchspielte und gleich wieder verwarf oder sie in meinen traeumen einen schlechten ausgang nahmen, weil es immer wo hakte. meine riesenangst vorm leben hielt mich davon ab, die dinge zu probieren, die mir vorschwebten. eine spirale ins bodenlose.

    diese laehmungserscheinugen begannen zu schwinden, als ich bemerkte wie gut es fuer mich ist, ganz praktisch, dinge zu tun. ganz klein angefangen. und nicht solche dinge die man muss (weil muessen tut man in wirklichkeit gar nix), sondern solche, die man moechte. das ist am anfang auch nicht leicht, weil die dinge so verschwommen sind. aber mit der uebung verselbstaendigt sich das dann auch irgendwann.

    heute weiss ich bestimmt, dass ich eines tages das leben so wie es ist, ganz und gar in mir spueren werde, weil es jetzt phasenweise schon so ist. und ich sage dir: es ist wunderbar !!!


    inwieweit das jetzt mit dir zu tun haben koennte weiss ich nicht. ich vermute halt mal vor mich hin. aber ich kann mal versuchen dir ein paar ratschlaege mitzugeben.

    das allerwichtigste ist einmal, dass du die aufmerksamkeit nicht mehr nach aussen richtest, sondern in dich hinein. sicher, da sind viele, viele stimmen, die alles andere sind als deine eigenen, die dich dann verwirren wenn du ueber sie nachdenkst. wenn man es nur so kennt, dass die eigene aufmerksamkeit immer bei den gefuehlen der anderen liegt (so war das zumindest bei mir), man aber keine ahnung hat, was in einem selbst vorgeht, kann man gar nicht man selber sein. was in einem drinnen ist kann man aber nicht denken, dass muss man fuehlen.

    deswegen wured ich mal sagen: mach eine sache, die nur dir gehoert ! und am besten regelmaessig. du brauchst ja auch niemandem davon erzaehlen, das ist vielleicht sogar besser. irgendetwas, wo dein kopf mal abschaltet und ganz bei der einen sache ist. du schreibst ja selbst, dass deine begabung im gestalterischen bereich liegt. das ist doch perfekt ! gerade bei solchen dingen kommen die gefuehle ins fliessen und noch dazu kriegt man bodenhaftung. einfach drauflosmachen. ohne wertung. ohne dass es gut oder schlecht sein muesste. einfach nur so. da lernst du nur fuer dich zu sein. und je mehr raum du in dir selber einnimmst, desto weniger platz haben andere in dir. (dass das so ist, schliesse ich jetzt mal so, weil du schreibst du fuehlst dich abends ausgelaugt)

    dass sich die phantasien, die man von seiner zukunft hat so krass von dem machbaren unterscheiden, dass man sich zu nichts inder lage fuehlt, das kenne ich auch nur zu gut. aber mit gedanken kommt man dem nicht bei. da hilft nur handeln. und das tolle daran ist: je mehr du deiner natur entsprechend handelst, desto mehr bekommst du vom leben zurueck ! und ploetzlich versetzen sich berge !

    was auch immer du irgendwann einmal machen willst (weil du schreibst du willst psychologie studieren): keine angst, das kannst du immer noch, das laeuft nicht weg. aber bevor man huerdenlaeufer werden will, muss man zuerst mal gehen lernen !
    bevor du jetzt nach alle richtungen schaust und dich ueberall ueberfordert fuehlst: mach dinge, so unbedeutend sie auch sein moegen, nur fuer dich. komm zu dir. das macht dich stark. und so lernst du auch das zu moegen, was in dir steckt, einfach weil es sich so gut anfuehlt !

    ich bin dir sehr dankbar dass du dich hier mitgeteilt hast. hat mir selber wahrscheinlich am meisten geholfen, mal wieder ein stueckchen mehr vom wald und weniger von den baeumen zu sehen. und einfach mal revuepassieren lassen, sehen wo man so steht.
    mein thema heute heisst: loslassen und vertrauen...

    nicht verzweifeln ! in dir steckt ganz ganz viel, eine ganze welt. du musst sie nur mal entdecken !

    alles, alles liebe
    mitsy
     
  8. Reinfriede

    Reinfriede Well-Known Member

    Hallo Lindsey!

    Mich spricht dieses Thema insofern an, als ich in der Pubertät ähnliche Erfahrungen gemacht hatte.

    Die Menschen, die ich kennengelernt hatte, mochten mich auf Anhieb. Ich ging abends "glücklich" schlafen, weil ich mich so angenommen gefühlt hatte und wachte morgens immer tief verzweifelt auf, weil ich keinen Kontakt mehr zu ihnen haben wollte, es ekelte mich fast, anders konnte ich es gar nicht beschreiben.

    Später bin ich dann draufgekommen, warum das bei mir so läuft. Mein Erziehungsmuster war offensichtlich ähnlich wie bei Dir und Mitsy, die sicherste Methode, sich eine Ohrfeige einzufangen, war die Frage: "warum?"....

    Meine Überlebensstrategie war als Kind bereits, mich in die Gefühle des jeweiligen Gegenübers einzuklinken. Zu spüren, wie der andere denkt, fühlt, welche Emotionen gerade hochkommen, um schnellstens "richtig" darauf reagieren zu können, um z.B. den Zorn meines Vaters nicht zu schüren....

    Das hat dazu geführt, dass ich meinen (ich nenne es immer so) Schauspieler entwickelt habe, der in Gesprächen immer "hinspürt" und die meisten Gespräche dann harmonisch verlaufen.

    Das ist an sich ein Vorteil, doch Probleme gibt es dann, wenn man dabei sich selbst nicht mehr spürt bzw. ignoriert.

    Es gibt hier und im Esoterikforum verschiedene Threads, die sich mit "Empathie" befassen. Wäre vielleicht ganz interessant für Dich, diese Postings durchzulesen.

    (Ein weiterer Gedankenansatz wäre, nachzuforschen, ob Du Dich nicht vor Deinen Gefühlen versteckst. Bei Mißbrauch (egal ob körperlich, sexuell, geistig) kommt das als Reaktionsmuster oft vor. Hier wird auch gerne "der Schauspieler" geboren, um die wirklichen Gefühle nicht spüren zu müssen, weil sie zu schmerzhaft wären.)

    Ich kenne das sehr gut, diese Freude, einerseits bei den Menschen "gut angekommen" zu sein, andererseits so etwas ähnliches wie Schuldgefühle zu haben, oder die Angst, "hochgestapelt" zu haben.

    Es ist, glaube ich, wichtig zu differenzieren, WAS genau die Gefühle der anderen und WAS die Gefühle von Dir sind.

    Sich selbst wieder spüren zu lernen, wäre glaube ich, ein erster Schritt. Übungen, wie das bewusste Anfassen von Gegenständen, Tieren, Menschen etc., nachzuspüren, wie sich das anfühlt, im Badewasser zu liegen und SICH SELBST zu spüren, in den Spiegel gucken und das Bild, das Dir entgegensieht, anzulächeln, vielleicht solange, bis Du herzhaft lachen musst. DICH zu sehen, DICH zu spüren.

    In kleinen Schritten, in "sicherer" Umgebung, oder wahlweise in einer Umgebung, in der Du völlig fremd bist (und damit nichts zu verlieren hast....) probieren, Deine Meinung zu sagen und den Schauspieler stumm zu halten.

    Im Grunde genommen glaube ich, dass Dein Problem in Wahrheit eine Gabe ist. Wenn Du gelernt hast, die Prioritäten zu setzen, dass Dein ICH der Chef ist, dann könntest Du mithilfe dieser Empfindsamkeit z.B. sehr viel Erfolg in therapeutischen Berufen haben.

    Liebe Grüße
    Reinfriede
     
  9. lindsey

    lindsey Member

    vielen dank für eure ausführlichen antworten,
    es macht wirklich mut zu sehen das es noch andere gibt denen es mal ähnlich ging und die heute trotz dessen ein normales, schönes leben führen, Danke! :)

    ich habe eben mal drüber nachgedacht, und es ist tatsächlich so,
    das ich mich in Gedanken oder auch im Bewußtsein nie bei mir befinde, (nur wenn ich alleine bin, glaube ich), sondern immer bei anderen. Also bei Gesprächspartnern etc.. bei meinen Eltern ist es sogar am schlimmsten, weil sie sehr launisch sind (deshalb würde ich auch gerne ausziehen, weil ich hier zuhause irgendwie ein art dauerstress dadurch habe, aber dafür fehlt mir das geld).

    was mir auch aufgefallen ist.. in irgendwelchen "ausnahmesituationen" , wenn zB etwas passiert ist, oder ich krank bin, geht es mir irgendwie besser,
    vermutlich deshalb weil sich meine aufmerksamkeit dann nicht mehr so sehr auf andere bezieht.

    das mit der idee, das man etwas tun soll was einem liegt und was nur einem selbst gehört ist gut.
    ich male zB sehr gerne..leider ist es mir hier zuhause aber fast unmöglich etwas richtig alleine zu tun, irgendwie wird immer alles was ich tue bewertet, und das soll es ja grade nicht.

    Irgendwie merke ich auch das mir etwas eigenes fehlt. Ich habe gar keine richtige Identität. Alles was ich tue wird von anderen beeinflußt.

    Irgendwie habe ich das Gefühl das einfach alles zum scheiter verurteilt ist. Mich verlässt die Energie schon beim Gedanken daran etwas zu tun.

    Ich werde mir den Satz "je mehr raum du in dir selber einnimmst, desto weniger platz haben andere in dir" aufjedenfall mal zu herzen nehmen.

    vielen dank nochmal für eure beiträge!
     
  10. holyeagle

    holyeagle Member

    Lebensfragen ...

    ... die einen selbst betreffen - muss man auch mal selbst in die Hand nehmen können. Man kann sich nicht immer zurückziehen und andere um Rat fragen. Andere sind nämlich auch nicht viel besser dran. Es gibt soviel kaputte Existenzen ... einige davon geben sogar Ratschläge. Es ist sehr schwer den Rat eines anderen richtig einzuordnen. Die Meditation ist ein guter Versuch ... sich selbst zu erkennen. Üben hilft da am besten ... was ich hier alles schon gelesen habe ... da sträuben sich meine Nackenhaare. :autsch:
     
  11. Reinfriede

    Reinfriede Well-Known Member

    Hallo Holyeagle!

    Prinzipiell sehe ich das manchmal auch so, dass "Ratschläge" auch "Schläge" sein können....

    Doch wäre es nicht sinnvoller, im entsprechenden Thread seine Meinung zu dem einen oder anderen Ratschlag, den man selbst nicht befürworten kann, zu schreiben, und zwar postingbezogen?

    Pauschal zu sagen, Dir würden sich die Nackenhaare beim Durchlesen der Antworten sträuben, ohne konkret auf die Punkte einzugehen, hilft dem Ersteller des Threads nicht wirklich.....

    Alles Liebe Dir,
    Reinfriede
     
  12. holyeagle

    holyeagle Member

    Wo du Recht hast - hast du Recht !!!


    Asche auf mein greises Haupt ... aber ich bin eben nur :guru: ein emotionaler Mensch !!!
     
  13. mitsy

    mitsy Active Member

    bloederweise fuehl ich mich durch diesen hoechst unqualifizierten kommentar einigermassen unangenehm beruehrt. die nackenhaare sind da das kleinste problem. drum meine frage:

    was ist denn bitteschoen eine "kaputte existenz" ?

    was glaubst du macht dich weniger "kaputt", um nicht zu sagen "heiler" ? deine phantasielosigkeit ? deine ignoranz ?
     

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