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Hat der Tod denn was verändert...???

Dieses Thema im Forum "Eltern und Kinder" wurde erstellt von abendsonne, 5 Juli 2005.

  1. abendsonne

    abendsonne Well-Known Member

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    vor 45 jahren wurde ein kleines mädchen geboren. sie ist (war???) meine schwester, hatte aber keinen platz bei ihren eltern, weil diese mit dem aufbau eines betriebes beschäftigt waren. also wuchs das kleine blonde mädchen die ersten sechs jahre bei der oma auf. meine mutter musste die sehnsucht nach ihrem kind unterdrücken, denn selbst besuche am wochenende ließ mein vater oftmals nicht gewähren. er hatte „besseres“ vor. als dann sechs jahre später ich geboren wurde und auch der schulbeginn anstand, wurde meine schwester zurück geholt. ihre einzige wirkliche bezugsperson vermissend gab es immer wieder tränen, die wurden beantwortet mit unverständnis und schlägen von seiten des vaters.
    in der pubertät schon begann meine schwester immer wieder auszubüchsen. sie wurde aufgefunden in den untergründigsten ecken der stadt. die stimmung im elternhaus war für sie unerträglich, sie zog es auch vor, im wald in einer verfallenen hütte zu hausen. meine mutter ließ es wieder mal gewähren, nicht tätig werden zu dürfen. sie DURFTE ihre tochter nicht suchen gehen und ließ sich das gefallen.
    die sexuelle neigung meines vaters blieb nicht unübersehen, nichtmal vor den verwandten pupertierenden mädchen machte er halt, sie anzumachen.. MICH selber hat er nie angefasst, aber es wurden gerüchte immer lauter, dass es etwas gab im zusammenhang meiner schwester. meine oma sagte meiner mutter auch mal, bevor sie stirbt würde sie ihr erzählen, WIE grausam väter sein können. dieses geheimnis hat sie mit ins grab genommen. aber andeutungen meiner schwester gingen absolut in diese richtung.
    nun ging es mit meiner schwester weiter, sie wurde in drogengeschichten verwickelt. sie war so gut wie nicht mehr daheim anzutreffen, hing immer irgendwo herum... mein vater hatte bedenken um sein ansehen und hegte offensichtlich nicht gerade positive gefühle meiner schwester gegenüber. über meinen 3 jahre jüngeren bruder und mich sah er einfach hinweg.
    meine schwester. bekam dann einen mann, der ihr die welt offenbarte und ihre abhängigkeit wurde unterdrückt durch die erlebnisse der urlaubstrips. sie bekam zwei liebe söhne, den einen in australien, den anderen gebar sie im elternhaus, ich konnte den ersten schrei miterleben. diese süßen, strohblonden jungen waren ein großer teil meiner jugend, nachdem die schulpflicht einsetzte, und sie gezwungen waren, in österreich zu bleiben.
    meine schwester konnte der kälte in ihrem umfeld nicht gerecht werden. wohnen mussten sie in einem der schlimmsten viertel in der stadt, nur sozialer untergrund im umfeld. es bewog sie, kontinuierlich wieder abzufallen, und dann – die jungs waren gerade 8 und 6 jahre – ihre familie vollständig zu verlassen. sie sprach von hassgefühlen ihren eltern gegenüber, der mutter grollte sie noch mehr, da diese einfach nur zusah.
    keiner weiß, wo sich meine schwester aufhält.
    die jungs wurden größer, sie übersiedelten in die nähe der anderen oma und hatten die tante als bezugsperson. die starb an einem tumor, die kinder waren dabei, als sie schon nur mehr wirr dahinsiechte. immer wieder waren wir froh, dass wenigstens die jungs sich gegenseitig hatten. der eine geriet ein wenig in die fußstapfen des vaters, gemütlich dem leben verharren, der andere war der ehrgeizige, wollte alles schaffen, machte einige ausbildungen. er war der hoffnungsvollste, stand mitten im leben mit beiden beinen.
    dachten wir.......
    ich hatte keinen wirklichen kontakt mehr zu meinen neffen, schließlich waren sie schon an die zwanzig, und da haben kinder nicht unbedingt wirklich viel am hut mit verwandten. aber sie waren in meinem herzen wie meine eigenen kinder.
    fronleichnam vor zwei jahren aß der eine bub, der brave, ehrgeizige, ganz normal mit seinem vater, seiner oma und dem bruder zu mittag, verabschiedete sich normal, nahm sich noch ein eis mit..... mit dem bus fuhr er zu einer autoverleihfirma, wo er schon vor tagen einen bestimmten wagen geordert hatte, raste nach tirol, stellte den wagen versteckt ab, an einer stelle, wo man – man muss über genaue ortskenntnisse verfügen – auf die 196 meter hohe europabrücke kommt. er wurde auf seinem weg nicht von den patroullierenden streifenwagen entdeckt. normalerweise kann man es nicht schaffen, einfach so zu dieser stelle zu kommen. ER hat es geschafft. sprang ab, 200 meter in den tod......

    seine mama weiß nichts davon.....

    ich erwarte nicht, dass irgendjemand etwas dazu sagt, ich bin es gewöhnt, dass die leute nichts sagen.
    ich muss wohl mal so einiges niederschreiben, und ich lasse es vorerst mal so stehen.
    liebe grüße
    chira.
     
  2. Raphael 0022

    Raphael 0022 Well-Known Member

    o h n e w o r t e

    liebe chira,

    ich kann jetzt wirklich noch nichts dazu sagen. fühl dich vorerst mal in den arm genommen.
     
  3. abendsonne

    abendsonne Well-Known Member

    lieber raphael0022
    vielen dank für deine worte. ich hab mich in den arm genommen gefühlt, und es war, als hätte das zum ersten mal in meinem leben jemand gemacht...
    es tat soo gut! danke und
    liebe grüße
    chira
     
  4. abendsonne

    abendsonne Well-Known Member

    todesnachricht...

    .... ausgelöst dadurch bekam meine mutter einen vorderwandinfarkt. gottseidank wurde alles gleich unter kontrolle gebracht. sie lag im krankenhaus und konnte nicht am begräbnis teilhaben.

    zwei stunden nach der todesnachricht waren wir bei meinem vater daheim. nach einigen wochen zum ersten mal, ich hatte mich vorher wieder distanziert gehabt, er hatte mich zu oft verletzt.....
    der tisch war reichlich gedeckt, die freundin des vaters wollte nur darüber reden, wie denn ihre gerichte zustande gekommen sind. ich brachte kaum einen bissen runter. wie denn auch in so einer situation. mein vater zog es vor, auf seiner coutch im anderen zimmer liegen zu bleiben. macht er immer, wenn wir auf besuch da sind. mit keinem wort ging irgend jemand darauf ein, wenn ich etwas von meinem neffen sagen wollte. mein vater lachte höhnisch, wenn meine kleine tochter in seine nähe kam. er lachte und lachte und lachte wie ein verrückter. mein mädchen fürchtete sich und fing zu weinen an. mein vater lachte weiter, als ich ihm sagte, er solle aufhören. wie verrückt.... wo andere familien sich gegenseitig halt geben, läuft es bei uns auf dieser schiene ab. wie hätte ich denn erwarten können, dass ich in diesem haus trost finde??
    am nächsten tag in der firma schrie mein vater mit seinen bediensteten ungehindert weiter, wie eh und je. mit dem lehrmädchen..... als hätte er nicht gesehen, was geschehen kann mit jungen menschen, wenn sie verletzt sind. einigen menschen hat er das leben schon zur hölle gemacht. der vorfall mit seinem enkel hat ihn keinen deut verändert.

    .....als meine mutter wieder auf den beinen war, wollte sie sehen, wie es denn sei, von hoch oben in die tiefe zu sehen. sie schleppte sich treppe für treppe die krankenhausstockwerke hoch, bis sie ganz oben war. als hätten wir nicht schon genug sorgen, hatte sie dadurch einen neuerlichen (leichten) infarkt hervorgerufen. eine halbe stunde vor dem begräbnis, als ich bei ihr im krankenzimmer vorbeischaute, fragte sie, ob denn der vater des jungen nicht auch da sei... . ich konnte nicht fassen, wie man sein leid immer so in den mittelpunkt stellen kann....
    an jenem tag des begräbnisses war die stimmung am himmel phänomenal. ein friede erfüllte mich, ich wusste, es ist gut so wie es ist. meinem neffen geht es gut.
    ich bekam ein geschenk dieses himmels. am tag des begräbnisses durfte ich ziemlich sicher sein, ein baby zu erwarten. was für ein riesentrost!!! ein baby gerade jetzt, wo ich nie damit gerechnet hätte!

    mein Vater: er ist die härte in person. er zeigt sich zumindest immer so.
    doch beim begräbnis schien er ein gebrochener mann zu sein. er saß da, geknickt, so hab ich ihn noch nie gesehen. hat er sich doch bisher keinen deut um seinen enkel gekümmert, saß er jetzt da und heulte!! der enkel musste doch wie ein fremder sein, hat er ihn schließlich immer mit der gleichen ignoranz behandelt wie viele rundherum, mit denen er nicht gerade schrie!! und dann sitzt er da und weint....
    ich bin hin und hergerissen. mein vater, der a.... weint. hat er hinter dem panzer doch so etwas wie ein herz verborgen?? mein bruder sagt, es wäre schauspielerei gewesen.
    für mich macht das alles die sache nicht leichter.
    wo kamen diese tränen her??
    liebe grüße
    chira
     
  5. pisces

    pisces Well-Known Member

    Das ist eine erschütternde Story. Und ein gutes Beispiel: Solange Du erwartest, dass jemand sich ändert, solange bist Du auf ihn fixiert. Wenn Du ihm aber seine Schuld zurückgibst, indem Du Deine Erwartung an ihn einstellst, die ZWANGSLÄUFIG immer wieder enttäuscht wird, dann ist das ein Schritt in die Richtung Deiner eigenen Freiheit, weil Du den Teufelskreis durchbrichtst.

    Man kann nicht ungeschehen machen. Man kann nur anders damit umgehen.

    LG
    Pisces
     
    Hortensie und abendsonne gefällt das.
  6. abendsonne

    abendsonne Well-Known Member

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    lieber raphael0022,
    vielen dank für deine berührende PN, ich hab mir sehr viele gedanken gemacht.
    liebe picses,
    du hast recht, ich MUSS den teufelskreis durchbrechen.
    es ist momentan eine zeit des aufarbeitens, mehr denn je.....
    meine erste, ein mädchen, ist jetzt sieben jahre und in einem alter, wo ich die wertigkeit des vaters ganz stark miterlebe. ich erfahre jetzt sozusagen, wie wichtig die gegengeschlechtliche elternrolle für ein kind ist und klinke mich unwillkürlich ein in der vergangenheit:
    - welchen schmerz muss meine schwester für sich gespürt haben, wenn sie ihre jungs in einem alter, in dem die kinder so an der mutter hängen, verlassen kann? nicht von heute auf morgen, es war ein längerer prozess, aber letzlich für immer...... keine karte, kein brief, kein anruf, nicht zu weihnachten, nicht zum geburtstag, nichts.....
    - welchen schmerz muss ein vater erlebt haben, der von seinen kindern innerlich dermaßen unberührt bleibt?? wie kann ein vater mit einer dermaßen krassen härte um sich schlagen?? wie kann das sein??
    - und die frage daraus: müsste man aus dem schmerz heraus nicht über alles hinwegsehen, ihn mit mitgefühl betrachten und ihm einfach die liebe geben, die er vielleicht brauchen würde??
    so wie du, picses sagst:
    ich denke, ich bin auf dem weg, ihm seine schuld zurückzugeben. daran arbeite ich. ich bin auch dabei, keinerlei erwartungen mehr an ihn zu stellen.
    er soll mich einfach ganz normal behandeln, wie man einen menschen eben behandelt. es ist sogar so, dass ich eine liebevolle beziehung gar nicht mehr möchte. ich hatte nie einen vater (außer dem, was ich im anderen tread beschrieben habe). mein vater ist über siebzig. es würde mir zu sehr weh tun, plötzlich einen vater zu haben, und ihn dann schon bald wieder gehen lassen zu müssen......so sehe ich mich vielleicht sogar einmal von einer last befreit. dieser gedanke hat mich erschreckt. ich sehe mich vielleicht insofern von einer last befreit, als ich mich jetzt SEINEN erwartungen gemäß verpflichtet fühle, auf meinen vater zuzukommen.
    wenn ich nur seiner erwartung gemäß angekrochen kommen soll, dann verletzt das meine würde.
    mich einfach so zurückzuziehen, ohne worte, auf immer und ewig, das ist jedoch gegen mein prinzip. ich mag das nicht bei anderen leuten. jetzt würd ich das, was ich an anderen nicht gut finde, plötzlich selber tun.
    ich hab aber in einem anderen tread gelernt, dass durch offenheit der schuss nach hinten los gehn kann.
    eine schwierige situation.
    es tut gut, hier zu schreiben.
    liebe grüße
    chira
     
  7. abendsonne

    abendsonne Well-Known Member

    Vater, der kleine Junge

    .... es gibt wieder mal einen kleinen jungen....
    70 jahre zurück. ich sehe ihn auf einer saftigen wiese im schönen mühlviertel,
    ein schmuckes bauernhaus herum... der kleine junge spielt mit den steinen im wasser des kleinen bächleins, das unten an der wiese vorbei fließt. weiß nicht, dass hier etwas schlimmes passiert ist.
    der kleine große bruder ist hier ertrunken. in diesem bach.

    ....die mama ging weg. sie ging weg und ließ ihre fünf kinder zurück. es wird gesagt, sie wurde weggejagt.
    der vater sagt, sie hat die kinder verlassen.
    so oder so.
    es kam eine andere frau. der vater war viel unterwegs während der woche. am ende der arbeitstage wurden die "schandtaten" der kinder gesühnt. es gab schläge. schläge für eine ganze wochen. die narben sind heute noch sichtbar. die narben von der gürtelschnalle, die immer verwendet wurde.... .
    eine kleine schwester starb....

    ....der kleine junge blieb stark. so stark, dass er acht jahre später herankommende soldaten auf ihren panzern mit maiskolben bewarf.
    .....
    der junge ist jetzt schon lange groß. alles reingefressen.
    ....nichts erzählt.
    hat auf seine art und weise gezeigt, dass er verletzt wurde...

    verlassen werden und verlassen

    chira
     
  8. Raphael 0022

    Raphael 0022 Well-Known Member

    chira,
    sprichst du hier von deinem vater?
     
  9. pisces

    pisces Well-Known Member

    Ich schliesse mich Raphael an, kann im Moment die Bezüge zu den einzelnen Personen nicht herstellen und vermute nur mal, dass es sich um Deinen Vater handelt.

    Wenn der Weg, den Du beschreitest, indem Du dich sehr tief in die Familiengeschichteintauchst, dazu dient, zu vergeben und anzunehmen, wird es Dir sicherlich helfen.

    Gefährlich ist nur, sich weiter zu verstricken.

    LG
    Pisces
     
  10. abendsonne

    abendsonne Well-Known Member

    hallo,
    tut mir leid, wenn ich mich missverständlich ausdrücke. wenn ich in meiner überschrift einen bezug auf meinen vater nehme, dann muss das nicht heißen, dass er es im text ist.
    er ist es aber leider. wenn ich ihn verstehen will, muss ich auch auf seine kindheit bezug nehmen.
    und DIESE seine kindheit macht es mir so schwer, ihn einfach aus meinem leben zu streichen.
    liebe grüße
    chira
     
  11. pisces

    pisces Well-Known Member

    Streichen wirst Du ihn auch nicht können, er ist und bleibt Dein Vater. Du kannst ihm nur vergeben. Auch er hat eine Verantwortung, Dir gegenüber, trotz oder gerade aufgrund seines schweren Schicksals. Und wenn er diese nicht wahr nimmt, ist es nicht an Dir, ihn dorthin zu bringen, denn, das kann er nur alleine.
     
  12. Raphael 0022

    Raphael 0022 Well-Known Member

    hallo Chira,

    jetzt bist du am punkt angekommen, da wo sich alles aufgebaut hat bei dem kleinen jungen, der gelitten hat seelisch und körperlich. der sich jeglichen gefühlen verschlossen hatte und noch verschlossen ist.

    liebe Chira, nun solltest du verstehen, warum dein vater keine gefühle zeigen kann. seine seele ist sehr krank und er leidet sehr darunter. wie sehr das hat er dir auf der beerdigung gezeigt. dieser starke mann hatte da keine kraft mehr k e i n e gefühle zu zeigen.

    seh ihn jetzt als den kleinen jungen. was würdest du tun, wenn dieser junge vor dir stehen würde? du würdest ihn in den arm nehmen, würdest seine tränen wegwischen und ihm ganz viel liebe geben.
    auch wenn du das körperlich noch nicht kannst, mental kannst du es sicher. so oft du kannst schicke ihm liebe - jedoch ohne erwartungshaltungen. glaube mir, er wird deine gedanken, deine liebe spüren. gib ihm die chance, ein grossvater bei seinem neuen enkel zu sein. gib ihm die chance sein karma abzubauen so lange er noch hier weilt.
    du bist die einzige die er hat, die das alles versteht.

    ich wünsche dir viel kraft und fühle dich gedrückt.
     
  13. abendsonne

    abendsonne Well-Known Member

    hallo,
    ja, wirklich, man kann seinen vater nicht so einfach aus seinem leben streichen.
    lieber raphael,
    als ich deine zeilen las, musste ich ziemlich mit den tränen kämpfen. du siehst, du triffst es auf den punkt.
    das problem ist, ich kann diesen kleinen jungen umarmen, aber nicht meinen vater. ich kann direkt spüren, wie es MIR als kind ergangen ist. das beklemmende gefühl hab ich heute noch in mir. wenn er weggefahren ist, dann atmete ich auf, wenn er kam, dann war die stimmung am schneiden. es fand gefallen daran, seine macht auszuspielen. so verletzte er mich als ganz kleines mädchen dort, wo ich am meisten verletzlich war. solche beispiele hören sich lächerlich an, aber als kind waren sie ungemein bedeutend. ich bekam eine kleine katze, er setze sie eine woche später im wald aus. an diesen meinen schmerz kann ich mich soo gut erinnern. ich könnte das nie, nie tun bei meinem kind!! den pferden wurden die nüstern umgedreht, die kanarienvögel in die hitze gestellt, dass sie umkippten (ansonsten tat er nichts mit ihnen). dann gab er mir einen schein, ich soll mir einen neuen kaufen. ich kann mich nicht erinnern, dass er normal mit uns gesprochen hätte. wenn dann nur immer einen bestimmten satz, jahreinjahraus. auf den namen bezogen. wenn wir weggefahren sind, dann atmete ich auf, kamen wir zu einem bestimmten haus: dort sagte er dann jedesmal, „schaut, da haben sie mir mein geld abgeknöpft“. ich spüre jetzt noch, wie erleichtert ich war, dass er noch mit uns redet. später kamen dann schimpftirraden dazu: nichtsnutz, taugenichts, trampel, vollidiot, blödmann, trottel....so kann ich mich an kein einziges liebes wort erinnern, aber an unmengen schimpfwörter. es ist schlimm: aber ich weiß wirklich nicht, ob mein vater jemals lieb zu mir war..... ich kenn ihn nur anders. man mag denken, ich soll doch froh sein, ICH (im gegensatz zu meiner schwester) wurde wenigstens nicht geschlagen. aber die ignoranz tat noch mehr weg. ich erinnere mich, als ich zum ersten mal zwei wochen nach griechenland flog, beneidete ich alle mädchen, die von ihrem vater vom flughafen wieder abgeholt wurden. meiner hätte bestenfalls seinen arbeiter gesandt oder mir geld für ein taxi gegeben. ich kam dann heim, schleppte meine koffer in den hof. mein vater schlenderte vorbei, sah mich von der entfernung und grüßte mir zu. ohne lächeln, ohne irgendwas. er ging weiter. nie eine frage, wie war der urlaub...... es ist ein beispiel von tausenden. seine ignoranz war. bezeichnend. meine erste lebensgemeinschaft war so, dass ich regelmäßig aus eifersucht viel abbekam. ich lag z.b. am boden und wurde mit füßen getreten. aber ich konnte wenigstens jemand berühren!!! es war mir lieber, geschlagen zu werden als NICHT GESEHEN.
    mein vater geht auch heute noch an mir vorbei. das einzige, was er tut (im anderen tread beschrieben), ist mir ab und zu einen geldschein zu stecken. aber heute kann ich alles anders sehen. ich bin nicht mehr abhängig von ihm. aber was ich als mädchen empfunden habe, vergesse ich nicht.
    heute bin ich erwachsen und hab mich daran gewöhnt. es ist mir nicht so wichtig, wenn er von meiner hochzeit nach 3 stunden einfach heimfährt, wenn er weihnachten seine badesachen packt bei unserem eintreffen und in die sauna fährt, wenn er bei der taufe meines jungen einfach mitten unter der feier nach hause fährt ohne ein wort zu sagen (bezahlt aber vorher "heimlich" die rechnung beim wirt - so "kauft" er mich immer wieder!), wenn er 3 monate braucht, bis er gnädigerweise unser haus ansieht, das wir uns gekauft haben....., wenn er mir zum geburtstag nicht gratuliert, aber statt dessen drei wochen später einen geldschein vorbeischicken lässt....
    wenn es um kinder geht, bin ich heute noch sehr empfindlich. er scheut sich nicht, vor meiner siebenjährigen tochter aufs tiefste niveau im wortschatz runterzufallen. er reduziert frauen auf ihre sexualität. das vor meiner tochter. er behandelt leute wie dreck.
    er kann ja generell machen was er will, er ist erwachsen..

    und dennoch spielt alles in mein leben. es ist das dumpfe gefühl in meinem herzen, das so oft da ist.

    das größte problem: es ist so, wie du es ausdrückst, raphael:
    im zusammenhang erscheint mir das verhalten meines vaters wie ein hilfeschrei..

    und gerade dieser spirituelle aspekt, den du beschreibst, raphael, ist es, den auch ich spüre. mein vater hat bestimmt nicht mehr so viel zeit, sich, ein wenig zumindest, von seinem karma zu befreien. ich sehe irgendwie einen auftrag, ihm zu helfen. ich kann es nicht direkt, er hat mich zu sehr verletzt.

    glaubst du, raphael, es reicht, wenn ich mir den kleinen jungen vorstelle und ihn in den arm nehme?
    DAS kann ich für ihn tun, mehr nicht.
    liebe grüße
    chira
     
  14. Raphael 0022

    Raphael 0022 Well-Known Member

    ja chira,
    das reicht wenn du dir den kleinen jungen vorstellst. nimm ihn immer wieder in den arm und gibt ihm liebe, was er niemal in seiner kindheit hatte, was er heute noch nicht hat, weil er es nicht leben kann. genau so wie du keine liebe hattest.

    du bist deinem vater nicht gleichgültig. das beweist, dass er dir zwar nicht zum geburtstag gratuliert, aber ein paar tage später geld gibt. es ist seine art seine liebe zu zeigen. er kann es auch nicht am gleichen tag, weil das wäre ja zu offensichtlich. also wartet er ein paar tage und schenkt dann.
    oder an deiner hochzeit. er ging zwar früh, aber nicht ohne vorher die rechnung zu zahlen. ein vater dem sein kind egal ist, dem ist alles egal. ein vater der keine gefühle leben kann, weil mam sie ihm als kind kaputt gemacht hat, zeigt sie halt auf diese weise.

    glaube mit wohl dass ihm bewusst ist wie er mit euch umgeht und glaube mir wohl, dass er sehr leidet.
    mal eine kleine geschichte:
    ein mensch kommt in gefangenschaft, er ist stumm. er wird verhört. er sagt nichts. er wird gefoltert er sagt nichts. er würde so gerne etwas sagen, schon alleine dass die schmerzen aufhören. aber er kann nicht.

    seine seele ist sehr krank.
    aber du liebe chira, hast das wissen, sie wieder heil zu machen.

    je öfter du den kleinen jungen in den arm nimmst und je öfter du ihm liebe schickst und keine erwartungshaltungen gegenüber dem erwachsenen kind hast, um so eher wirst du eine resonanz merken. hilf ihm, du bist stark, du schaffst das.

    nochmals ganz fest gedrückt
     
  15. Raphael 0022

    Raphael 0022 Well-Known Member

    chira,

    ps. ja, das hat er. vielleicht ist er gerade aus dem grund gestorben.
     

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