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authentisch sein

Dieses Thema im Forum "Selbstvertrauen, Selbstwert, Selbstachtung" wurde erstellt von Asirik, 13 Juni 2018.

  1. Asirik

    Asirik Well-Known Member

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    Hallo an Euch, die ihr Euch auch viele Gedanken macht über Zusammenhänge: wie sind wir geworden und warum sind wir geworden, wer wir sind.

    Ein trauriger Anlass hat mich wieder mit dem Thema authentisch sein konfrontiert. In unserem Bekanntenkreis wurde ein 17 jähriges Mädchen in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen, sozusagen als letzte Lösung für ihr beängstigendes Verhalten, das sich ständig verschlimmerte. Sie fühlt sich gemobbt in ihrer Klasse, hat schon mehrmals die Schule gewechselt, durfte reiten lernen, doch dort überwarf sie sich mit allen Reiterhöfen wegen aggressiven Verhaltens. Jetzt hat sie sich dem Satan verschrieben, liest nur noch Bücher über schwarze Magie und hat wohl auch schon an Selbstmord gedacht.

    Ich frage mich, welchen Einfluss die Mutter auf die Entwicklung des Mädchens hatte. Mir scheint, sie fühlte sich vernachlässigt, ihr jüngerer Bruder wurde wohl bevorzugt. Äußerlich ist sie auch nicht attraktiv, daher auch wenig Selbstvertrauen.

    Wie kann ein Mensch authentisch werden, wenn er sich ablehnt? Wo beginnt die Fehlentwicklung, und wie kann sie erfolgreich therapiert werden? Ich kenne einige Erwachsene, die in einer Rolle gefangen sind und es nicht schaffen, zu ihrer eigenen Identität zu gelangen. Einigen "hässlichen Entlein" aus meiner Schulzeit ist es gelungen, im späteren Leben erfolgreich zu sein. Bei einem Klassentreffen nach 50 Jahren war ich erstaunt, was aus den Mauerblümchen geworden war. Gut, bei uns damals gab es noch kein Mobbing, kein Internet und keinen Handy-Terror. Heute haben es die Teenager wesentlich schwieriger, und wer nicht gut aussieht, hat von vorne herein schlechtere Karten.

    Leider sind die Aussichten gering, dass dem Mädchen in der Psychiatrie geholfen wird. Mir scheint, es bedarf einer lang andauernden Psychotherapie, um noch zu retten, was in den frühen Jahren versäumt wurde.
     
  2. Clara Clayton

    Clara Clayton Well-Known Member

    Hallo Asirik,

    das Verhalten des Mädchens und die Konsequenzen daraus, kann sehr viele Gründe haben. Sich auf scheinbare Ursachen zu begrenzen, wie z. B. ihr wenig gutes Aussehen und die mögliche Bevorzugung des Bruders durch die Mutter, halte ich für zu kurz gegriffen. Wenn das Mädchen schon Suizidgedanken hatte oder gar einen Selbstmordversuch unternommen hat, dann können auch genetische Faktoren einen nicht unerhebliche Rolle spielen. Es gibt mannigfaltige Gründe. Junge, noch nicht in ihrem sozialen Umfeld gefestigte Menschen, laufen außerdem oft Gefahr, sich irgendwelchen Gruppen anzuschließen, die ihnen scheinbar Schutz und Unterstützung in ihrer Lebenssituation bieten. Das kann gefährlich sein. Nicht alle "Cliquen" sind harmlos. Aber der Wunsch nicht mehr alleine dastehen zu müssen, ist sehr groß. Jeder möchte doch Menschen um sich haben, die zu einen gehören. Jeder braucht Freunde.

    Ich hoffe, dem Mädchen kann in der Psychiatrie geholfen werden. Das sehe ich nicht als 'letzte Lösung', sondern als einen guten Ansatz einem jungen Menschen, in einer seelischen Notsituation zu helfen. Die moderne Jugendpsychiatrie bietet da viele gute Möglichkeiten und kann mit weiteren Hilfsangeboten (Jugendwohngruppen, Psychotherapien u. V. m.) sehr viel zur Stabilität eines gefährdeten Menschen beitragen.

    Ganz bestimmt werden heute sehr viele Anforderungen an junge Menschen, nicht nur an Mädchen, gestellt. Und bestimmt geht es nicht alleine "nur" um das gute Aussehen. Die schulischen Herausforderungen, die Ansprüche der Eltern, all das kann einen jungen Menschen sehr unter Druck setzen. Selbst in der (vermeintlichen) Freizeit sind sie nicht immer frei in ihren Entscheidungen. Da kann sich sehr schnell eine allgemeine Überforderung einstellen.

    Du hast recht. Den Mobbern wird es heute durch das Internet leichter gemacht. Zu meiner Zeit, ich bin Mitte fünfzig, gab es kein Internet, doch Mobbing gab es schon. Es hieß nur anders. Und es wurden und werden beileibe nicht nur "hässliche Entlein" gemobbt. Mobbing bedeutet jemanden zu isolieren und ständig fertigzumachen. Ich wurde in der Schule gemobbt, als mein Vater plötzlich gestorben war. Ich war nicht hässlich, ich war kein "Mauerblümchen", ich war einfach in einer schlechten, seelischen Verfassung und konnte mich nicht wehren. Ich war in einer schwachen Position. Das nutzen manche Leute gerne aus.

    Sicher hast du auch recht, dass es nicht einfach ist zu seiner Persönlichkeit zu stehen- oder erst einmal eine zu entwickeln, wenn genau so eine eigenständige Persönlichkeit heutzutage gar nicht mehr gefragt zu sein scheint. Eine junge Frau muss ja nur mal abends den Fernseher einschalten, da kann sie z. B. bei einer überdrehten Tussi mit Kreischstimme "lernen", wie sie auszusehen und sich zu benehmen hat, damit sie "Germanys next Topmodell" werden kann:mad:.

    Das ist ein wirklich sehr großes Thema, das mich sehr beschäftigt, besonders auch als Mutter einer Tochter.

    Ich wünsche der jungen Frau aus deinem Bekanntenkreis viel Hilfe und Unterstützung und hoffe, es geht ihr bald besser.

    Liebe Grüße
    Clara
     
    Zuletzt bearbeitet: 13 Juni 2018
    Rudyline und Walter gefällt das.
  3. Asirik

    Asirik Well-Known Member

    Hallo Clara,
    für das Mädchen können wir momentan nichts tun und nur hoffen, dass die Psychiater zu ihr durchdringen werden.

    Ich habe den Eltern geraten, die Bücher zu lesen, die sie über Satanismus angeschafft hat, damit sie besser verstehen, in welcher (Schein) Welt sie sich bewegt, und wie sie da wieder raus kommt.

    Mir war dieses Thema bisher auch völlig fremd. Jetzt bekomme ich einen ersten Eindruck, was da so alles abläuft im Internet. Da ich selbst auch 6 Enkel habe - gottlob noch nicht im schwierigen Alter - halte ich es für notwendig, Bescheid zu wissen, was alles an dunklen Mächten durch das Internet tobt. Meine Tochter ist auch sehr bedacht, ihre 3 Kids vor dem Netz zu schützen. Ihre Familie ist intakt, keine Tendenz, in irgendwelche dunklen Welten zu fliehen.

    Meine Überlegungen nach dieser Nachricht aus dem Bekanntenkreis waren eben, wie schaffen es manche Menschen trotz problematischer Bedingungen in ihrer Kind-und Jugendzeit zu einer stabilen authentischen Persönlichkeit zu werden, und andere wiederum nicht. Mir scheint, dass dies heutzutage noch viel schwieriger ist als früher, z.T. durch die Einflüsse des Internets bedingt. Also ganz neue Aufgaben für die Eltern.

    Lieben Gruß,
    Asirik.
     
  4. Clara Clayton

    Clara Clayton Well-Known Member

    Hallo Asirik,

    wenn die Eltern des Mädchens mehr über die Beweggründe ihrer Tochter sich den sogenannten Satanisten zuzuwenden, erfahren möchten, können sie sich auch einem Sektenbeauftragten zuwenden. Es gibt sie in jeder größerer Stadt.

    Ich denke die Gefahren des Internets liegen nicht unbedingt bei irgendwelchen 'dunklen Mächten'. Was ist das überhaupt? Meinst du damit das sogenannte "Dark Net"?

    Das Internet birgt sicherlich viele Gefahren (Pornographie, Spielsucht, Betrügereien, Cybermobbing usw.). Die Kontrolle der Eltern, wo, wann und wie oft Kinder im Net surfen, halte ich daher für unerlässlich. Ebenso finde ich die schulische Aufklärung immens wichtig. Gefahren im Internet lassen sich zwar nicht ausschalten, doch durch vernünftige Aufklärung minimieren.

    Ich denke ein junger Mensch, der das nötige 'Rüstzeug' von zu Hause mitbekommen hat, läuft nicht so leicht Gefahr leichtgläubig auf jeden Mist hereinzufallen. Die Eltern leben den Kindern vor wie diese sich später im Leben verhalten. Wenn ich als Mutter ständig vor allem Angst habe, kann ich meinem Kind nicht vermitteln furchtlos durchs Leben zu gehen. Das ist der Punkt.

    Überhaupt finde ich es sehr schlimm wie ängstlich viele Menschen heute sind. Sie haben Angst vor Flüchtlingen,vor allem was fremd ist und ungewohnt, vor Andersgläubigen, vor Katastrophen u. V. m. Wer heute Angst schüren will, trifft schnell auf fruchtbaren Boden. Da ist es für einen jungen Menschen gar nicht so leicht seinen Weg zu finden.

    Ich bin mir gar nicht so sicher, ob ich es heute schaffen würde ein Kind adäquat durch seine ersten Kinder- und Jugendjahre zu begleiten. Das scheint viel schwerer zu sein heutzutage. Da gebe ich dir vollkommen recht.

    Aber es gibt auch viele Menschen, die eine schwierige Kindheit hatten und es trotzdem geschafft haben, sich ein gutes und gefestigtes Leben aufzubauen. Einfach deswegen, weil sie aus ihren Erfahrungen gelernt haben. Das kann stark machen. Und unabhängig.

    Die Geschichte der Tochter deiner Bekannten, ist natürlich außergewöhnlich. So wie du es beschreibst, scheint sie psychisch erkrankt zu sein. Ich wünsche der jungen Frau, dass sie gute Ärzte hat, die ihr bald helfen können.

    Ich sende dir viele Grüße und wünsche dir alles Liebe!

    Clara
     
    Rudyline gefällt das.
  5. Rudyline

    Rudyline Well-Known Member

    Hallo @Asirik,

    im Moment beschäftige ich mich viel mit generationsübergreifenden Traumata, Verletzungen, Problemen (s. z.B. Kriegsenkel).
    Es muss natürlich nicht sein - wir sind vielen Einflüssen ausgesetzt und das Internet ist nur ein Bruchteil davon -
    aber vllt. gibt es in der Familiengeschichte des Mädchens etwas verheimlichtes, ungelöstes (das muss gar nicht bei der Mutter liegen die den Bruder bevorzugt) was sie lebt?
    Wenn vorangegangene Generationen etwas nicht lösen oder heilen kommt es in nachfolgenden manchmal wieder zum Vorschein, diese leben vollkommen irrationale Verhaltensweisen und kein Mensch versteht warum. Das kann auch 2 oder 3 Generationen zurück liegen.
    Gerade gestern Abend las ich von einem Mann der psychotisch wurde, in die Psychiatrie eingeliefert wurde und dort immer herum lief und brüllte: es brennt, es brennt, wir müssen die Leute retten, holt sie aus dem Feuer. Er hatte nie etwas vergleichbares erlebt. Irgendwie kam dann heraus, dass sein Vater im Krieg in einem KZ die vergasten Leichen verbrennen musste, dort die Öfen bediente.
    Der Vater hatte sich nie mit diesem Thema auseinandergesetzt, seine Schuld angeschaut um es zu heilen. Stattdessen hat der Sohn das übernommen (der übrigens nichts davon wusste!).
    Als diese Zusammenhänge in der Therapie klar wurde verschwanden seine Halluzinationen nach und nach.
    Das ist nur ein (extremes) Beispiel, es gibt noch zig andere.
    Es kann also gut sein, dass dieses Mädchen etwas seiner Vorfahren "lebt" wenn sonst keine Zusammenhänge offensichtlich sind.
     
    Zuletzt bearbeitet: 15 Juni 2018
  6. pisces

    pisces Well-Known Member

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    Hallo Rudyline,

    ein derartiges Verhalten hat ggf. nicht viel damit zu tun, sich selbst abzulehnen bzw. mit der Einflussnahme der Eltern. Das klingt eher wahnhaft und somit nach einer massiven psychischen Erkrankung, also einer Psychose oder klinischer Schizophrenie.

    Sollte das der Fall sein, wird niemand zu ihr durchdringen, sie ist schwer krank, wird sich ihr Leben lang in psychiatrischer Behandlung befinden und dauerhaft entsprechende Antipsychotika nehmen müssen.

    VLG
    P.
     
  7. pisces

    pisces Well-Known Member

    Sorry Rudyline,

    ich habe mich natürlich auf den Eingangspost von Asirik bezogen.

    Noch ein Nachsatz an @Asirik - mit Psychotherapie kommt man in so einem Fall nicht weiter.

    VLG
    P.
     
  8. Rudyline

    Rudyline Well-Known Member

    ok.....:)


    Manchmal gibt es auch Fälle wo eine Psychose nur einmal im Leben auftritt (wenn auch selten), danach nie wieder und auch Medikamente nicht dauerhaft nötig sind.
    Ich wünsche dem Mädchen wirklich dass sie so eine Ausnahme ist und nicht in diese "Mühlen der Psychiatrie" gerät.
     

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