.... das Leben an mir vorbei???

Liebe Abendsonne!

Eine Klasse zu wiederholen ist überhaupt kein Beinbruch. Und es ist nicht gesagt, dass die Wiederholung dieselben Ergebnisse bringt wie jetzt.

Meine Älteste hat bis zur Matura gleich 2 x wiederholt. Einmal vom Wechsel vom Gymnasium in die HLA und das zweite Mal hatte sie in der Maturaklasse Liebeskummer und das monatelang. Das Jahr war gelaufen.:confused:

Aber irgendwann waren die Tränen getrocknet, die Nase geschnäuzt und mit frischer Energie die Klasse auch wiederholt. Hintnach fragt Dich doch eh kein Mensch, ob Du jemals wiederholt hattest oder nicht, der Abschluss zählt, mehr nicht.

Auch meine Jüngste hatte es in der 3. Gym mal "aufgeplattelt". Das war die Zeit, in der sie in eine Klasse kam (durch die Spezialisierung in den 3. Klassen wurden die Zweige neu aufgeteilt und die Kinder neu zusammengemischt, war eine tödliche Konstellation), in der sie völlig am Rand stand.

Keiner akzeptierte sie, die Pubertät kam dazu, es war schlimm. Ich hatte damals den Fehler gemacht und viel zu lange gewartet bzw. mich auf Gespräche mit den Lehrern und auch mit dem Direktor verlassen. Ich dachte damals, es würde besser werden, wenn sie sich in dieser neuen Klasse eingelebt hätte. Irrtum, es wurde immer schlimmer. Die (ausgesprochen reichen) Mitschülerinnen nannten sie nichtmal beim Namen, sondern riefen sie nur "Abschaum".

Die Katastrophe war unausweichlich, meine Kleine war völlig durch den Wind, meine Gespräche mit den Lehrern wurden noch ungemütlicher aber brachten nichts - bis mein Kind türmte und ich sie überall suchte. Verzweifelt, fertig und ich dachte, das ist jetzt das Ende.

Letztendlich fand ich sie doch - ich hab schon mal erwähnt, dass ich damals ziemlich durch die Hölle ging. Nicht nur ich, auch sie. Mein Fehler war, dass ich viel zu lange gewartet hatte.

Dann meldete ich sie kurzerhand in der Schule ab und sie ging in eine andere Schule, in einer anderen Stadt, weit weg von den alten Schul"kolleginnen".

Die neue Schule war die Rettung, auch wenn sie ein Jahr dadurch verloren hatte, denn sie musste dort wieder in der 3. anfangen. Das hatte sich hundertmal rentiert, sie war glücklich, dort gut akzeptiert, beliebt und das Leben bekam wieder Farbe und die richtigen Bahnen. Jetzt ist sie in derselben Schule in der Maturaklasse.

Ich schreib Dir das, weil ich weiss, dass das Schlimmste, was ich meinem Kind angetan habe, das Warten auf bessere Zeiten war. Sie hätte Hilfe gebraucht, tatkräftige Hilfe. Und ich habs nicht erkannt bzw. zu zaghaft reagiert.

Eine Klasse wiederholen zu können bedeutet eine Chance. Und wenns sein muss, dann ganz neu - in einer anderen Schule.

Noch etwas zum Thema Mutter: Wie hast Du da reagiert, als sie Dein Kind weggestossen hat? Hast Du sie angebrüllt, Dein Kind verteidigt? Warst Du stark für ihn, hast Du Dich vor ihn gestellt?

Liebe Grüße
Reinfriede
 
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liebe reinfriede,

und ich dachte, bei dir ist sooo viel gewesen, aber mit den kindern, das ging immer klar.:barefoot: ich dürfte es nicht so richtig und nachhaltig erfasst haben, dass auch ihr eure erfahrungen machen musstet auf diesem gebiet. danke vielmals für deinen erfahrungsbericht.

ich dachte bisher, eine neue schule wäre keine lösung, sie ist in unserer viel "aufgehobener", weil einfach diese überwachung voll da ist.
keine schlechte gesellschaft, wo sie auf die schiefe bahn geraten könnte, nirgendwo herumlungernde teenager, alles würdig und brav.

vielleicht setzt ihr aber gerade dieses netz an sozialer korrektheit so zu, dass sie auf die barrikaden geht.
kein stückchen freiheit für so ein freiheits-suchendes mädchen. bei dieser schule wird man vom schulausflug entsagt, wenn man das handy in der pause einschaltet, die dürfen da nicht mitfahren,
solche maßregelungen herrschen dort vor.
nur als beispiel.

sie wünscht sich sehr, an eine andre schule zu gehen. magnet-mann ist dagegen.
ich nicht.
vielleicht gehts uns dann ja tatsächlich so wie euch!! ich würds mir riesig wünschen.
es wird auch unser weg sein. wenn schon wiederholen, dann ihrem wunsch gemäß eine NEUE schule.

wir schauen uns aber noch die "mindest-anforderung" an, das ist so ein neues system, wo im mindestausmaß anforderungen gegeben sind, und wenn man die schafft, dann bekommt man als beste note ein genügend, aber kein nicht-genügend mehr. nur müssten die lehrer extra tests schreiben, das wird niemanden wirklich vergnügen bereiten. ist aber nicht mein problem. gibt einen geschmalzenen brief an den landesschulrat, wenn sie die tochter trotz befunde dermaßen durchrasseln lassen mit über-strenger benotung.

Und so kann auch nicht jemand anderer dafür sorgen, dass ein Lernstoff in den Kopf Deiner Tochter gelangt, SONDERN NUR SIE SELBST!
da hast du wohl recht, liebe sandy. ansatzweise hab ich mir das auch schon sehr oft gedacht, oder besser gesagt, nicht mal ansatzweise, sondern absolut!! aber, wenn dann nichts DA ist, dann bekomm ich so eine wut, wie das alles möglich ist, und ich sehe mich wieder verantwortlich, die zügel in die hand zu nehmen und etwas zu richten.
ich bin aber absolut macht-los, denn du hast recht, nur SIE kann den lernstoff in den kopf bekommen.
das bedeutet aber eigentlich, dass ich mich frei machen kann,
und der magnet auch.
denn ehrlich gesagt wars bisher immer so, das, was wir an stoff durchgenommen haben, hat sie auch geschafft, bei den letzten arbeiten war selbst das zwecklos, weil sie anscheinend nirgendwo mehr in der auffassung dabei war
es bei IHR zu lassen würde uns alle sehr befreien. ich glaub auch, dass wiederholen das einzige ist, was noch sinn macht. vielleicht hilfts ihr, wenn sie den stoff schon irgendwie mal gehört hat??

lg abendsonne
 
Noch etwas zum Thema Mutter: Wie hast Du da reagiert, als sie Dein Kind weggestossen hat? Hast Du sie angebrüllt, Dein Kind verteidigt? Warst Du stark für ihn, hast Du Dich vor ihn gestellt?

Liebe Grüße
Reinfriede
ich war fassungslos und hab sie so richtig in die zwänge genommen,wie sie dazu kommt, mein kind so wegzustoßen, dass es fast hinfällt. noch dazu wo er in DIESEM augenblick echt nichts getan hat.
mutter hat zuerst geleugnet, ich habs aber gesehen.

mein bruder hat sich gleich eingemischt, was das für einen unterschied macht, wenn ich grob zu ihm bin (hab ihn auch mal fester in den griff genommen, weil er sich so schlecht benahm), oder sie als großmutter.

ich hab dann gesagt, erstens bin ich die mutter und man geht mit meinem kind nicht so um, und zweitens erschreckt es mich, dass sie gleich solche aggressionen bekommt, obwohl sie fast nie konfrontiert ist mit diesen - möchte sagen - provokationen .

dann wurde natürlich gleich an mein verständnis appeliert, dass eben die emotionale anbindung so hoch ist, dass es der mutter dermaßen zusetzt und ihre reaktion nur zu verständlich ist. ja, sogesehen..... . sie macht sich halt auch sorgen. heute kann ich das tatsächlich anders betrachten. meine mutter hat wieder schlaflose nächte wegen uns, und das sei ihr dann auch mal als "ausrutscher" verbucht. ich hab sie noch niemals grob erlebt.

lg nochmals
 
ich bin aber absolut macht-los, denn du hast recht, nur SIE kann den lernstoff in den kopf bekommen.
das bedeutet aber eigentlich, dass ich mich frei machen kann,
und der magnet auch.

Liebe Abendsonne,

nur ganz kurz, weil mein Sofa ;--) nach mir verlangt ...

Ich sehe es absolut nicht so, dass Du Dich frei machen kannst.

Natürlich ist SIE es, die aufnahmefähig für den Lernstoff sein muss. Du kannst ihn ihr ja nicht reinprügeln, sinnbildlich.
Aber Du kannst mit ihr das Lernen lernen - was voraussetzt, dass Du Dich selbst mit Methodik, die DEINEM Kind gerecht wird,
befasst. Die Schule nimmt hier oft auf ihre schwächsten Glieder keine Rücksicht, und es bleibt niemand außer den Eltern,
die dieses Defizit zumindest teilweise auffangen können.

Ich bin nicht ganz Sandys Meinung.
Die Eigenverantwortung, die ein Kind in diesem Alter haben SOLLTE, ist eine Sache.
Viele Kinder haben sie auch.
Aber es gibt auch Kinder, die muss man sehr fest an der Hand nehmen, ihr ganzes Schulleben lang.
Sie brauchen diese intensive Zuwendung und Lernbegleitung, weil sie es alleine einfach nicht schaffen.
Aus Mangel an Einsicht, Mangel an Ehrgeiz, komplettem Desinteresse, Oberflächlichkeit, Konzentrationsschwierigkeiten ...

Überlässt man sie sich selbst, endet es tatsächlich meist in Chaos, das wiederum auf sie selbst zurückfällt.
Hat etwas von einem Teufelskreis. Du kannst Dich, als Eltern, also niemals zurücklehenen mit hypothetischen Anforderungen
im Hinterkopf. Willst Du, dass Dein Kind "über den Berg" kommt, dann bleibt Dir nicht anderes übrig, als gemeinsam mit
ihm da rauf zu klettern, immer dicht an seiner Seite. Das ist zäh, teilweise zermürbend.

Aber eine brauchbare Alternative sehe ich da nicht.

LG :sleep:
Lucille
 
Liebe Abendsonne!

Ich teile Lucilles Meinung voll.

Es ist ein Teufelskreis - Deine Kleine hat Probleme, die auch außerhalb der Schule liegen. Sich jetzt zurückzuziehen und die Verantwortung zwischen Euch beiden hin- und herzuschieben, wäre doppelt fatal.

Denn eine der Ursachen wird auch genau das sein. Wie kann ein Kind, dass sich innerhalb der Familie nicht sicher fühlt, tolle Lernerfolge bringen?

Du hast es ja auch schon plastisch beschrieben, dass die Kids durch den Wind sind. Sie nun alleine zu lassen, finde ich da ganz schlimm.

Wenn ein Kind sich sicher geborgen fühlt, sich akzeptiert und geliebt fühlt, dann hat es auch den Kopf dazu, sich mit Lernthemen zu befassen. Doch wenn sein Denken ständig damit beschäftigt ist, seinen Platz in der Familie suchen zu müssen, sich nicht auszukennen, hin- und hergerissen zu sein (was jetzt gar nicht mal mit der Trennung zu tun hat, ich vermute stark, dass das bereits vorher der Fall war), wie soll es da noch lernen können?

Ganz kurz gesagt: Fürs erfolgreiche Lernen braucht man einen freien Kopf.

Das ist ja auch mit ein Grund, warum gerade in der Pubertät die Noten sehr oft in den Keller fallen: Die hormonellen Umstellungen, die Identitätsfindung, alles beschäftigt die Kids in dieser Zeit so sehr, dass der Kopf eben nicht mehr frei ist.

Dass Du Dich für Deinen Jungen stark gemacht hast, finde ich super. Ich glaube, es ist total wichtig, dass die Kinder spüren, dass man hinter bzw. vor ihnen steht, mit jeder Konsequenz.

Liebe Grüße
Reinfriede
 
liebe reinfriede,

und ich dachte, bei dir ist sooo viel gewesen, aber mit den kindern, das ging immer klar.:barefoot: ich dürfte es nicht so richtig und nachhaltig erfasst haben, dass auch ihr eure erfahrungen machen musstet auf diesem gebiet. danke vielmals für deinen erfahrungsbericht.

Nein, mit den Kindern gings auch Achterbahn und retour.:cool:

Ich hatte nur einen langen Atem, Geduld und wahrscheinlich auch Glück, deswegen denke ich, dass es glimpflich ausgegangen ist. Und Abendsonne, ALLE kochen nur mit Wasser.

Ich glaube, dass es in jeder Familie Probleme gibt in der Pubertät, nur meistens hört man nix davon, weil das verschwiegen wird. Oder ok, manchmal sind die Kinder "pflegeleicht", aber dann kommen die Auseinandersetzungen halt später oder machen sich sonst wie bemerkbar.

Die Herzeigefamilie wird auch so ihre Sachen verstecken, ich glaube nicht, dass eine heile Welt ständig und überall vorhanden ist.

Das ist ja auch Dein Problem, Du vergleichst Dich immer und glaubst, dass es andere viel besser oder leichter haben - oder schöner. Andere haben auch ihre Probleme, Kinder sind nunmal keine Puppen, die man schön anziehen und in einer Ecke drapieren kann.

Wir hatten in der Nachbarschaft eine Bilderbuchfamilie, die Kinder Vorzugsschüler, immer folgsam, immer adrett, blieben brav daheim und lernten.

Meine Älteste war gleich alt wie die Tochter der Familie und hatte gerade die -Ich-pfeif-aufs-Lernen-Phase, sie ging lieber fort und chillen. Dementsprechend kämpften wir mit den Noten.

Manchmal ertappte ich mich dabei, wie ich rüberschielte auf die Superkinder der Nachbarn und fragte mich, was ich wohl verkehrt machen würde.

Eines Tages kam meine Älteste und erzählte, dass die Tochter in psychologischer Behandlung sei, weil die Eltern nicht mehr weiter wüssten. Sie hätte anfangs für einen Schauspieler geschwärmt, später wurde das zur Manie und nun wäre sie nicht mehr davon abzubringen, dass sie mit diesem Mann verheiratet sei. Sie hatte sich völlig in einen Wahn hineinphantasiert und würde den ganzen Tag nur noch davon sprechen.

Ich weiss noch, wie ich meine Tochter umarmt hatte und ihr sagte: "Mensch, bin ich froh, dass Du nicht so ein guter Schüler bist und wir Kämpfe wegen der Ausgehzeiten haben. Denn das Gegenteil hat auch seine Schattenseiten."

JEDER hat so seine Probleme.

Liebe Grüße
Reinfriede
 
Sehr treffender Beitrag, Reinfriede.
(ich meine jetzt den vorletzten - sehe gerade, dass Du weiter gepostet hast während ich schrieb)

Mir fällt noch etwas ein bzw. auf Euren Sohn betreffend, Abendsonne.
Er hat hier, im Verlauf dieses Threads, eher wenig Beachtung gefunden.
Vielleicht war das im realen Leben auch so?
Er wurde immer geschildert als still, angepasst und unproblematisch.
Die Tochter hat mit ihren sichtbaren Problemen stets die Aufmerksamkeit auf sich gelenkt, hat sie auch bekommen.

Ich glaube Dir auf's Wort, dass ihm seine ausufernde Sprache nicht von Euch vorgelebt wird.
Aber es ist wahrscheinlich so, dass die extreme Ausdrucksweise und sein gesamtes Verhalten nur darauf abzielen, endlich
AUCH Aufmerksamkeit zu bekommen. Dazu ist ihm jedes Mittel recht.
Die ständigen (berechtigten) Sorgen, die Du Dir um die Tochter machst, sogar die Auseinandersetzungen,
sind für ihn gleichbedeutend mit Zuwendung.
Und davon hätte er vermutlich auch gerne mehr.

abendsonne
dass eben die emotionale anbindung so hoch ist, dass es der mutter dermaßen zusetzt und ihre reaktion nur zu verständlich ist.

Wenn ich den Vorfall richtig verstanden habe, dann hat Dein Sohn ja nichts "verbrochen".
Ich hätte für die Reaktion Deiner Mutter mit Sicherheit kein Verständnis gehabt.
Sie hat sich falsch verhalten, hatte sich nicht im Griff. Punkt.
"Emotionale Verbundenheit" ist lediglich ein Rechtfertigungsversuch.
Ein "es tut mir Leid" wäre angebracht gewesen.
Christina .. wollte schon schreiben "eine Entschuldigung" ... ;--)

abendsonne
dann wurde natürlich gleich an mein verständnis appeliert

Du brauchst nicht für alles und jeden Verständnis haben.

Dass Deine Mutter sich "extreme Gedanken" macht über Deine Kinder hilft Dir nicht wirklich weiter, oder?
Bietet sie Dir eine Hilfestellung in Form von Gesprächen? Hast Du emotionale Rückendeckung?
Ich hoffe es für Dich, es zählt weit mehr.

abendsonne
wo kann ich mich da zurücklehnen? genau gar nicht.

Ist jetzt ein wenig aus dem Zusammenhang, aber dieser Wunsch, Dich "zurücklehnen" zu können, kommt bei Dir öfter zum
Ausdruck. Es ist Deine Art, von Deinem Mann versäumte Verantwortung einzufordern.

Aber DU bist niemals außen vor, von dem Gedanken darfst Du Dich getrost verabschieden.
Deine Kinder = Deine Lebensaufgabe.

Ich finde es übrigens super, dass Du so eine ehrliche Bestandaufnahme machst was die Kinder angeht.
Indem du Dich eben nicht "zurücklehnst", sondern (sinnbildlich) nach vorne beugst, Deinen Kindern zugewandt, kannst Du
Defizite aus der Vergangenheit ein gutes Stück weit kompensieren.

LG
Lucille
 
so- weils um die kinder geht- und die schule- muss ich auch noch mal was sagen.
meine tochter sitzt seit anfang volksschule täglich- oder fast- stundenlang- vor ihren heften.
mein vorschlag, die vorschule zu besuchen wurde abgelehnt.
und seit dieser zeit hat sie- bis auf wenige tage- ihre kindheit verloren.
und da tut mir das mädel einfach leid.
erstens- glaube ich- würde sie mit noch mehr zeiteinsatz überfordert sein, ausserdem meine ich, ob 6 oder 7 vierer im zeugniss stehen, ist für die arbeitsplatzsuche irrelevant.
sie hat zb beim letzten test im alten jahr am vortag alles gewusst, ist aber trotzdem mit ner schlechten vier nach haus gekommen.
bei der darauffolgenden mündlichen eine zwei.
es wurde auch eine lernstörung diagnostiziert, also soll ich nach den lernfächern noch 3 nachhilflehrer ins haus holen?
der kleine wurde sicher vernachlässigt, in dem sinn, dass durchs lernen mit der grossen einfach zu wenig zeit für ihn blieb.
die ausdrücke, die hier beschrieben werden, gebraucht er bei mir nicht.

m
 
Wir hatten in der Nachbarschaft eine Bilderbuchfamilie, die Kinder Vorzugsschüler, immer folgsam, immer adrett, blieben brav daheim und lernten.

hihi
Gestern hat mich meine Freundin besucht.
Sie, ihr Mann, die drei Kinder ... SIND eine Bilderbuchfamilie.
Kein Lug, Betrug, Fremdgehen.
Das familiäre Netzwerk funktioniert konfliktfrei. Finanzen wohl geordnet. Beide Elternteile in respektablen
Berufen, er Vollzeit, sie Teilzeit. Religiöse Verbundenheit, sonntäglicher Kirchenbesuch. Haus in Vorstadtlage, sauber und gepflegt, Garten
vorzeigbar, auch der hinter dem Haus.
Jeden Winter Skiurlaub mit der family, Badeurlaub im Sommer, im Herbst werden die höchsten Berge der Region bestiegen.
Tochter hat sich während der Schulzeit gelangweilt, da unterfordert. Matura mit 1,0, jetzt studiert sie
Medizin, hat einen Langzeit-Freund, selbstredend ebenfalls aus akademischen Kreisen.
Sohn 1 Klassenbester in der Gym-Oberstufe, dem anspruchsvollen Folgestudium steht nichts im Weg.
Sohn 2 ebenfalls fadisiert im Gym, könnte locker eine Klasse überspringen.
Nachhilfe?? Die geben sie höchstens, die kids ... ihren intelligenz-mäßig unterlegenen Klassenkameraden.
Das wohl-dosierte Taschengeld wird von allen vernünftig verwaltet und (wenn überhaupt) durchdacht ausgegeben.
Alle drei Kinder sind Sportskanonen - schwimmen, skaten, snowboarden, windsurfen .. you name it.
Jedes beherrscht ein musikalisches Instrument, annähernd perfekt.
Mit dem chillen haben es die Kids nicht so, die Zeit wird sinnvoller genutzt.
Es sind hübsche, höfliche, wohlerzogene Kinder ... what else.

uff.

Ich meine das alles keineswegs ironisch, denn ich mag meine Freundin wirklich.
Aber ICH, ich liege die ganze Zeit auf der Lauer, um wenigstens eine klitzekleine Schwachstelle entlarven zu können.
Ja, der eine oder andere Anflug von NEID auf dieses schnur-gerade Leben kommt da schon manchmal auf.

Und die Frage an mich selbst:
hätte ich es auch so haben können, so schön, so gelungen, so harmonisch ... wenn ich mich mehr angestrengt hätte??

Mist.

LG
Lucille
 
meine tochter sitzt seit anfang volksschule täglich- oder fast- stundenlang- vor ihren heften.
mein vorschlag, die vorschule zu besuchen wurde abgelehnt.
und seit dieser zeit hat sie- bis auf wenige tage- ihre kindheit verloren.
und da tut mir das mädel einfach leid.
erstens- glaube ich- würde sie mit noch mehr zeiteinsatz überfordert sein

Vorschule kann ein hilfreicher Übergang sein, das stimmt.
Aber daran alleine liegt es sicher nicht.

Ich glaube es Dir, dass Dir das Mädel leid tut.
Nur, magnet, indem Du sie einfach "lässt" ist ihr nicht wirklich geholfen.
Sie selbst kann es nicht erkennen - aber sie braucht eine Perspektive, die die Aussicht auf ein Erfolgserlebnis greifbar macht.
Im Moment hat sie die nicht, sie hat sich selbst aufgegeben, schulisch meine ich jetzt.

Daher wundert es mich, dass Du sowohl gegen ein Wiederholungsjahr als auch gegen einen Schulwechsel bist.
Eines von beidem oder beides in Kombination ist ihre einzige Möglichkeit, das Thema "Schule" für sich selbst mit einem guten
Gefühl (dem Gefühl, es "geschafft" zu haben) abzuschliessen und sich nicht wie eine Versagerin vorzukommen.

Es ist die berühmte zweite Chance.
.
 
Ich meine das alles keineswegs ironisch, denn ich mag meine Freundin wirklich.
Aber ICH, ich liege die ganze Zeit auf der Lauer, um wenigstens eine klitzekleine Schwachstelle entlarven zu können.
Ja, der eine oder andere Anflug von NEID auf dieses schnur-gerade Leben kommt da schon manchmal auf.

Und die Frage an mich selbst:
hätte ich es auch so haben können, so schön, so gelungen, so harmonisch ... wenn ich mich mehr angestrengt hätte??

Mist.

LG
Lucille

Liebe Lucille!

Ich verstehe, was Du meinst. Ich hatte vielleicht auch nur das Glück, hie und da mal von den Schwachstellen zu erfahren. Sonst würd ich mich auch so fühlen.:confused:

Aber ganz ehrlich: Hättest Du so ein schnur-gerades Leben wirklich gewollt?

Mal abgesehen von Problemen, langweilig wär das wahrscheinlich auch. Ich könnt mir vorstellen, dass ich als Mutter da vielleicht auch auszucken würde, wenn alles so geordnet verläuft. Oder innerlich vertrockne, weil ich so eingepresst bin in diese Rolle.

Ich würde sagen: Abwarten.:cool:

Und das jetzt nicht deshalb, weil man schadenfroh auf das Scheitern warten möchte, sondern weil sich manche Dinge einfach nicht zeigen oder nicht sofort zeigen.

Ich weiss gar nicht, ob ich Menschen lieben könnte, wenn sie perfekt sind. Am Gipfel ist es oft recht einsam - und solche Menschen sind am Gipfel.

Meine Schwester hat auch drei Superkinder, alle mit Vorzug maturiert, sind heute in tollen Positionen. Heile Welt, alles zum Neidischwerden.

Einmal hab ich sie angerufen und sie war ganz verweint und meinte, sie hätte keine Zeit, sie müsse ihrem Sohn einen Kakao ans Bett bringen. Kakao? Ans Bett bringen? Er ist 23....

Ja, meinte sie dann, er hätte Liebeskummer und würde die letzten Tage nur noch heulend im Bett liegen - und sie wär auch schon total fertig, weil er ihr so leid täte und sie könne ihm nicht helfen.

Jetzt ist er älter, hat eine Beziehung und alles ist vergessen.

Aber was ich damit sagen möchte: Die meisten Sachen erfährt man ja gar nicht, oder höchstens durch Zufall. Auf und Abs gibt es in jeder Familie.

Und auch perfekte Menschen haben Schattenseiten (und wenn sie nur darin bestehen sollten, dass ich perfekte Menschen nicht mag *grins*).

Liebe Grüße
Reinfriede
 
ein schulwechsel- oder wiederholungsjahr ergeben sich automatisch aus her heurigen situation.
und ich hätte auch nichts dagegen gehabt, sie voriges jahr wiederholen zu lassen, die lehrer meinten- auch das kind- keine gute idee.
und ausserdem- ich "lasse" sie nicht einfach, aber in dem alter muss sie mal etwas selbstständig werden.
ich geh ja in 2 jahren in die arbeit auch nicht mit.

und tee bring ich ihr rauf, wenn sie krank ist.

m
 
die lehrer meinten - keine gute idee.

hmm - ich kann mir auch vorstellen, warum.
Meine Freundin, von der ich oben in ganz anderem Zusammenhag schrieb, ist Lehrerin.
Vo daher weiß ich, wie viele Lehrer, vorallem Klassenvorstände, ticken.
Sie wollen nämlich die Kinder mit extremen Schwierigkeiten einfach "weiter haben".
Ein Kind, das wiederholt, könnte ja ein schlechtes Licht auf den/die Lehrer werfen ...
.
 
und ausserdem- ich "lasse" sie nicht einfach, aber in dem alter muss sie mal etwas selbstständig werden.
ich geh ja in 2 jahren in die arbeit auch nicht mit.

Harte Worte.

"Ich werd mein Baby nicht wickeln, weil in 2 Jahren muss es das schon alleine können."

Magnet, das Mädel ist ein KIND. Und in 2 Jahren verändert sich viel - aber Selbständigkeit mit Hängenlassen erzwingen zu wollen, ist verächtlich.

Verdammt, wofür hat man Eltern? Dass man so schnell wie möglich erwachsen werden muss, raus mit ihnen in die raue Wirklichkeit, ins harte Leben?

Damits der Papa schön bequem hat?

Weisst, wenn Du keine ZEIT hättest, wenn Du selbst so angehängt wärest, dass Du einfach keine Möglichkeit hast als zu erwarten, dass das Kind selbständig werden muss, tät ich ja nix sagen.

Aber Du bist einfach: zu bequem, um ein Vater zu sein.

Reinfriede
 
Werbung:
hihi
Gestern hat mich meine Freundin besucht.
Sie, ihr Mann, die drei Kinder ... SIND eine Bilderbuchfamilie.
Kein Lug, Betrug, Fremdgehen.
Das familiäre Netzwerk funktioniert konfliktfrei. Finanzen wohl geordnet. Beide Elternteile in respektablen
Berufen, er Vollzeit, sie Teilzeit. Religiöse Verbundenheit, sonntäglicher Kirchenbesuch. Haus in Vorstadtlage, sauber und gepflegt, Garten
vorzeigbar, auch der hinter dem Haus.
Jeden Winter Skiurlaub mit der family, Badeurlaub im Sommer, im Herbst werden die höchsten Berge der Region bestiegen.
Tochter hat sich während der Schulzeit gelangweilt, da unterfordert. Matura mit 1,0, jetzt studiert sie
Medizin, hat einen Langzeit-Freund, selbstredend ebenfalls aus akademischen Kreisen.
Sohn 1 Klassenbester in der Gym-Oberstufe, dem anspruchsvollen Folgestudium steht nichts im Weg.
Sohn 2 ebenfalls fadisiert im Gym, könnte locker eine Klasse überspringen.
Nachhilfe?? Die geben sie höchstens, die kids ... ihren intelligenz-mäßig unterlegenen Klassenkameraden.
Das wohl-dosierte Taschengeld wird von allen vernünftig verwaltet und (wenn überhaupt) durchdacht ausgegeben.
Alle drei Kinder sind Sportskanonen - schwimmen, skaten, snowboarden, windsurfen .. you name it.
Jedes beherrscht ein musikalisches Instrument, annähernd perfekt.
Mit dem chillen haben es die Kids nicht so, die Zeit wird sinnvoller genutzt.
Es sind hübsche, höfliche, wohlerzogene Kinder ... what else.

uff.

Ich meine das alles keineswegs ironisch, denn ich mag meine Freundin wirklich.
Aber ICH, ich liege die ganze Zeit auf der Lauer, um wenigstens eine klitzekleine Schwachstelle entlarven zu können.
Ja, der eine oder andere Anflug von NEID auf dieses schnur-gerade Leben kommt da schon manchmal auf.

Und die Frage an mich selbst:
hätte ich es auch so haben können, so schön, so gelungen, so harmonisch ... wenn ich mich mehr angestrengt hätte??

Mist.

LG
Lucille
ja, es gibt sie doch, die perfekte beziehung .wo die probleme höchstens bestand haben in belangen des kulinarischen verwöhngrades. "schatz, was kochen wir morgen: seelachsfilet oder belassens wirs eher doch beim vorgenommen beef??"

es gibt auch normalere familien, da brechen dann welten zusammen, wenns kind nicht in DAS gymnasium kommt sondern ins angrenzende. da wird dann zwei tage geweint deswegen. ich beneide diese familie, dass sie keine andren probleme hat. das mein ich ganz, ganz ehrlich. ich würde auch gerne heulen, weil mein kind nicht in genau DAS gymnasium kommt. ist nicht ironisch gemeint, ich meine es auch ernst. sehr viele probleme dürften die nicht haben, sonst würden sie nicht deshalb zwei tage heulen.


eine andere bekannte von mir - werde das nicht vergessen - sah ich mit einer zweiten gemeinsamen freundin nach einem jahr wieder mal zu tratschen. es ist soooo viel passiert bei mir. null interesse. sie, die eine bekannte erzählte von den massivsten schwierigkeiten, die sie hat, weil jeder ihre kinder anfordern möchte und sie sich vor hochbegabten-angeboten fast nicht da-retten können :). und das abendfüllend. natürlich sind die kinder auch die bestem im sport und sie spielen geige und was sonst noch alles.
ein haus haben sie hingestellt bekommen vom schwiegervater und der mann arbeitet brav und geregelt und ist immer für die familie da, jede freie minute. als er in fortbildung war zum leitenden bankmanager, war es ein drama. das ging gar nicht, dass er da so wenig zeit hatte. sonst gehörten "hamster-themen" zu ihren highlights . sie möchte sich wieder treffen mit uns, bin gespannt was sich bis jetzt = ein jahr später alles zugetragen hat. ..wahrschenlich komm ich nicht mal dazu, zu erzählen, dass ich ausgezogen bin.

auch nicht schlecht.

an lucilles geschichte kommt das aber noch lange nicht.
an stelle der frau von lucille hätte ich auch jeden tag angst, dass mal der ultimative crash kommt und alles an heiler welt zusammenbricht.. .

die meine bekannte hatte "wenigstens" einen sportunfall beim joggen am strand und konnte nur mit rollstuhl in den flieger am urlaubsort gehievt werden.
 
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