Mutter-Tochter-Beziehung

dy81

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28 Juli 2004
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Hallo an alle,
also ich weiß nicht wie sich die Beziehung zu meiner Mutterin der Zukunft, den kommenden Jahren sich entwickeln wird. Das ganze ist auch recht komplex, aber mittlerweile bin ich mit meinem Latein echt am Ende.

Meine Mutter bekam mich als sie selbst gerade 18 Jahre alt war. Sie brach deswegen ihre Ausbildung ab und heiratete meinen Vater. Diese Ehe wurde dann geschieden als ich drei Jahre alt war. Ich denke meine Mutter und auch mein leiblicher Vater waren damals einfach zu jung und darum ging vieles schief. Mein leiblicher Vater und ich haben kaum Kontakt, er sagt, er habe wichtigeres zu tun, als mich zu fragen wie es mir geht. Seis drum.

Dann heiratet sie meinen Stiefvater, mit ihm war sie 16 Jahre verheiratet, aber nicht glücklich. Er war ein Alkoholiker, hat meine Mutter regelmäßig verprügelt usw. Lange konnte sie sich nicht dazu durchringen sich scheiden zu lassen, was natürlich zu einigen außerehelichen Beziehungen führte, von denen ich eigentlich immer Bescheid wußte.

Dann verliebte sich meine Mutter in einen Landwirt. Zu Anfang war sie sehr, sehr glücklich mit diesem Mann. Darüber war ich selbst natürlich auch sehr froh, ich dachte nun hat sie endlich jemanden gefunden, der sie auch liebt und heile Welt eben. Ohne diesen Mann hätte sie es ganz bestimmt nicht geschafft sich wirklich von meinem damaligen Stiefvater zu trennen. Sie hatte das zuvor schon mehrmals versucht, aber wenn er dann auf Mitleid machte, dann ging das ganze Drama wieder von vorne los.

Na ja, jetzt lebt sie seit drei Jahren mit dem Landwirt zusammen, er ist eigentlich ein guter Vater für meinen kleinen Bruder (12 Jahre/von meinem Stiefvater). Das ist eigentlich ganz gut, da mein Stiefvater keinerlei Interesse für meinen Bruder zeigt. Also null Kontakt.

Meine Mutter und der Landwirt haben vor zwei Jahren auch richtig groß geheiratet, womit für meine Mutter, denke ich, ein Traum in Erfüllung ging.

Der Landwirt war zuvor aber ebenfalls verheiratet, was zu vielen Problemem führte. Beide trennten sich von den Ehepartnern und kauften sich zusammen einen großen Bauernhof. Viele Pferde, Schweine, Hühner, Hunde, Katzen usw. Nun macht ein Bauernhof verdammt viel Arbeit und eben auch ihr jetziger Mann ist IMMER am arbeiten auf dem Hof.

Meine Mum hatte ihr KOMPLETTES Leben für diesen Mann umgestellt. Sie ist jetzt nur noch am arbeiten, von morgens um 05:30 bis mindestens 22Uhr. Früher war sie eine die gern in Discos ging, sehr viel Wert auf ihr Äußeres legte und war eigentlich echt cool. Wenn ich sie jetzt ankucke, habe ich fast das Gefühl, dass, wenn sie so weiter macht in zehn Jahren nicht mehr lebt, weil sie nen Herzinfarkt bekommt.

Sie liebt diesen Mann so sehr, man könnte auch abgöttisch sagen, dass sie alles für ihn tut. Sie macht ihm megateure Geschenke zu allen möglichen Anlässen, er schenkt jedoch meist gar nichts, er geht nicht mit ihr weg, hat keine Zeit für sie, wenn sie alleine sind abends pennt er ein. Und das ist nicht meistens so, nein immer. Ich habe mittlerweile das Gefühl dieser Mann beutet meine Mutter aus.

Benutzt sie als Vorzeigemodell, benutzt sie als "Geldautomat", er lässt sie alles alleine managen und macht nur das wozu ER Lust hat. Er schlägt sie zwar nicht, aber auch er trinkt für mein Gefühl verhältnismäßig viel. Oder ist das normal, wenn man Diabetis hat und am Tag locker 3-4l Bier trinkt?! Ich denke nicht. Er spielt oft mit seiner Gesundheit und ich glaube es ist ihm egal, was mit meiner Mutter und meinem Bruder passiert, wenn er mal nicht mehr arbeiten kann. Dann kommt ja noch ein riesiges finanzielles Schlammassel hinzu.

Mittlerweile bin ich oft richtig sauer auf den Typ! Ich finds echt ne Sauerei wie er sie behandelt. Na ja, meine Mutter merkt ja auch wie er ist und das führt dann zu sehr heftigen Streiterein. Teilweise geht das die ganze Nacht oder über Tage hinweg. Dann ist meine Mutter völlig groggy, aber ihn belastet das nicht weiter. Zumindest ist es noch nicht einmal vorgekommen, dass er sich einmal richtig entschuldigt hat bei ihr. Außerdem tuts mir leid, denn Bruder bekommt das ja auch mit. Und ich kann ihm das sehr gut nachfühlen durch meinen Stiefvater. Aber er sagt nicht viel und bleibt sozusagen tapfer, so ich damals wohl auch...

Und dann will meine Mutter mit ihm wegfahren, damit sie alleine mal wieder Zeit haben. Gut, dann verstehen sie sich wieder sehr gut, aber sind sie wieder zu Hause, geht das ganze Theater von vorne los.

Nun müssen aber auch die ganzen Tiere versorgt werden, wenn sie in Urlaub fahren.. Das machen dann mein Mann und ich. (sonst machts keiner) Angefangen hat das mit der viertägigen Hochzeitsreise. Das war ja auch ok, aber mittlerweile fahren sie drei-viermal im Jahr weg und mein Mann und ich machen den Hof. Nebenher, schließlich arbeiten mein Mann und ich auch Vollzeit.

Nur nimmt das ganze langsam überhand. Sie streiten öfter, fahren öfter weg. Mein Mann und ich haben das mit dem Hof seither immer gemacht, damit meine Mutter etwas Ruhe bekommt und nicht noch echt umkippt. Ihr geht es oft schlecht, aber ihren Mann juckt das nich besonders. Solange man Laufen kann, kann man auch noch arbeite - so die Devise...

Auch mein kleiner Bruder, was er mit zwölf Jahren alles leistet, ich habe echt Respekt vor ihm. Na ja, langsam hat mein Mann (und ich irgendwo auch) die "Schnauze voll" vom Stallknecht machen. Weder ich noch mein Mann sind auf nem Bauernhof aufgewachsen, als das ich mir vorstellen könnte den Rest meines Lebens so zu verbringen.

Einerseits sehe ich, dass das es nicht ewig so weitergehen kann und andererseits möchte ich natürlich das es meiner Mutter gut geht. Wenn ich jetzt sage, in Zukunft machen mein Mann und ich den Hof nicht mehr, dann habe ich irgendwo das Gefühl meine Mutter im Stich zu lassen, aber sage ich ok, dann macht mein Mann, verständlicherweise, auch Probleme.

Dazu kommt das meine Mutter und ich in der selben Firma arbeiten. Also sind wir sehr oft zusammen und durch den Bauernhof hat sie auch keine Freundinnen mehr, nur noch mich hat sie zum Reden. Ich finde das sehr schade für meine Mutter, aber ich weiß nicht was ich tun soll.

Dazu kommt, das meine Mutter mir und meinem Mann als "Entschädigung" für den Hof versorgen sehr teure Geschenke macht. Flugreisen, Kurztrips etc. Irgendwo ist mir das unangenehm, schließlich helfen wir ihr nicht wegen Geld, sondern, weil wir möchten, dass sie uns noch eine Weile erhalten bleibt. Ich weiß, das hört hart an, aber es ist echt die Wahrheit.

Ich weiß gar nicht wie sie das alles macht. Und dann braucht sie halt auch die Bestätigung, dass sie uns jetzt was ganz, ganz tolles geschenkt hat. Immer und immer wieder. Natürlich freu ich mich, wer geht nicht gern in Urlaub, aber irgendwo bekommt das ganze langsam einen seltsamen "Beigeschmack".

Mein Mann sagt, "er fühlt sich gekauft"... Was soll ich nur tun???? Im Herbst gehen sie auch zwei Wochen weg, und für den Sommer 2005 wird auch schon geplant. Weil sie zu Hause eben keine Ruhe haben... Und das wird dann das Geschenk für Ihren Mann zum Geburtstag. Eine richtig teure Angelegenheit in einem super-nobel-Hotel.

Ich weiß echt nicht wie das weitergehen soll, ob ich ihr klipp und klar sagen soll was ich denke, aber dann frage ich mich was das bringen sollte, außer das wir möglicherweise noch Streit kriegen.

Schließlich will ich sie nicht noch mehr stressen, ich möchte ja das sie mal glücklich ist und nicht nur Streß und Ärger hat. Und sie liebt diesen Mann ja so sehr... Wahrscheinlich wird sie mit ihm zusammen bleiben, oder?

Ich weiß echt nicht was ich machen soll. Das ganze hört sich bestimmt sehr verworren an, ich hab halt einfach mal geschrieben was ich denke, ich hoffe man mir wenigstens einigermaßen folgen.

Schreibt mir doch bitte, wenn ihr eine Idee oder Vorschlag habt, was ich machen soll.
 
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zu deiner mutter: im grunde ist das IHRE sache, denn es ist IHR leben. wenn du so hilfsbereit bist ist das ja wirklich toll, aber du lebst auch DEIN leben - und das solltest du nicht vergessen!

hier hilft wohl wirklich nur eine grosse aussprache! sag ihr doch in aller ruhe, was dir an der ganzen sache nicht gefällt. überleg dir in ruhe vorher genau was du alles sagen möchtest, sodass es möglichst sachlich rüber kommt.

ich glaube im grunde habt dein mann und du euch schon entschieden - nämlich da nicht länger mitzumachen. wenn dir die entschädigung deiner mutter für eure hilfe wirklich nichts bedeutet und ihr lieber einfach eure ruhe hättet, dann zieht das auch durch! denn sonst könnte ich mir vorstellen, dass die nächsten 2 personen die einen riesenkrach haben werden du und dein mann sein werden! und das ist es sicher nicht wert!
 
Vorschlag

Liebe dy :-)

Danke für Deine ausführliche Schilderung....ja, es ist verkorkst, nur für mich ( als Außenstehender sieht man oft andere Dinge) kam am meisten raus, daß Du Dich vorwiegend um Deine Mutter sorgst, was natürlich nichts Schlimmes ist, aber bedenke, sie ist eine erwachsene Frau, sie hat sich dieses Leben ausgesucht und sie muß entscheiden ob sie das weiter so führen möchte oder nicht. Natürlich verstehe ich Deine Sorgen, aber letzendlich vergesse dabei nicht auf Dich selber, d.h. gehe den Interessen nach die sich für Dich ( und Deinem Mann) richtig anfühlen. Wenn Ihr dort nicht mehr arbeiten möchtet als Urlaubsvertretung dann versucht doch mal nein zu sagen. Mir kommt vor Deine Mutter hat noch nicht die erste Trennung verarbeitet bzw. bekommt immer wieder dieselben Typen, doch bei all dem, auch wenn Du es erkannt hast, sie muß da selber durch. Du kannst für sie da sein indem Du ihr zuhörst und Rat erteilst, doch entscheiden muß sie und vor allem Du sollst Dich Deinem Leben widtmen ( deswegen mußt Du ja nicht Deine Mutter vernachlässigen), aber wenn Du glücklich bist, schlägt das vielleicht auch noch eher auf Deine Mutter um und sie erkennt ob sie vielleicht bei sich selber was ändern soll.
Vielleicht ist was dabei was Dir helfen kann, ich wünsche Dir einfach das sich alles so ergibt wie es Euch allen am besten tut:-))

Alles Liebe
Ninja
 
Hallo dy81,

laß' die Beiden in Ruhe, Du kannst da garnichts machen. Deine Mutter macht das, was sie will. Sollte ihr es eines Tages nicht mehr passen, wird sie es ändern.
Frag' Dich dagegen mal selbst, was Dein Engagement für Deine Mutter bedeuten kann.
Lieben Gruß...................Juppi :)
 
wie wäre es, wenn ihr den beide Hilfe organisiert ?! Ich weiß ja nicht, woher ihr kommt, aber hier in NÖ gibt es doch ziemlich viele landwirtschaftliche Schulen, wo die Schüler froh sind, sich ein bißchen was dazu zu verdienen und sich Praxis holen zu können !
 
hallo,
für mich hört es sich hier nicht vorwiegend nach einem problem in der mutter-tochter-beziehung an, sondern nach einem lebensproblem deiner mutter- ihrem ureigenen. dann kann ich noch das problem sehen, dass deine mutter u. dein stiefvater auf eine art leben (bauernhof, arbeit...), die sehr belastend ist u. woraus sie flüchten.
das belastet die gesamte familiensituation, vor allem, wenn du u. dein mann auch noch aushelfen, wenn sie gerade wieder flüchten.

ich finde, sowohl deine mutter als auch dein stiefvater haben bereits erkannt, dass sie dieses leben u. diese arbeit übermäßgi stressen u. belasten- sonst würden sie ja nicht so oft davon wegrennen. es liegt an ihnen, ihre situation zu erkennen u. zu verändern. nachdem sie teure geschenke machen können, entnehme ich, dass es ihnen finanziell nicht so schlecht gehen kann.

vielleicht ist deiner mutter nicht bewusst, dass sie dich damit belastet, da hilft sicher eine aussprache, um diesen teil, mit dem du direkt zu tun hast, verändern zu können (die aushilfe bzw. mitarbeit am hof). alles andere- ihre ehe, ihre lebensweise- ist denke ich in ihrer verantwortung, zu ändern, so schwierig es auch sicher ist, da zuzusehen, auch wegen deines kleinen bruders, der mit 12 jahren wahrscheinlich mehr verantwortung trägt im moment, als es für ein kind notwendig u. gesund ist. vielleicht könnte man hier vorschlagen, für den kleinen eine art aussprache bei einer kinderpsychologin in anspruch zu nehmen- wie geht es ihm damit ?

vielleicht war diese ganze bauernhof-geschichte ein lebenstraum von deinem stiefvater, oder er fühlt sich da auch irgendwie verpflichtet, weiterzumachen- und deine mutter fühlt sich ihm verpflichtet oder wie auch immer- ich weiss es ja nicht genau. ich weiss aus eigener erfahrung, wie stark das festhalten an sogenannten lebensträumen sein kann, auch wenn das leben dadurch belastend wird... und manchmal zum alptraum.

ich wünsche dir u. deiner familie, sich aus diesen verstrickungen lösen zu können,
alles gute wünscht dir u. euch
maktub :rolleyes:
 
Danke (Mutter-Tochter...)

Vielen lieben Dank für Eure Antworten. Ich denke das Ihr alle ziemlich recht habt, mit dem was ihr mir schreibt. Ich habe meiner Mutter schon mehrmals gesagt, dass dieser Mann sie kaputt macht.. Aber das muss sie ja wirklich erst mal selbst richtig erkennen.

Gerstern kamen Sie von ihrem Kurztrip, sie hatten Hochzeitstag und es war doch wieder irgendwie ein Reinfall für sie. Kein Geschenk von ihm, und als sie heimkamen, hat er gleich wieder angefangen nur von Arbeit zu reden. Ja, ja es wiederholt sich schon wieder...

Ich sage ihr immer wieder, dass sie etwas ändern muss, denn so kann es echt nicht weitergehen. Ich hoffe nur eben, dass sie den "Absprung" rechtzeitig von diesem Mann schafft.

Ich habe mir überlegt ihr einen Brief zu schreiben über das was ich denke, einfach damit ich, hoffentlich, die richtigen Worte finde und "ausreden" kann. Ich will ihr ja nicht ihr Leben vorschreiben, klar es ist ihre Sache, aber da sie doch sowieso nur mich zum Reden hat, vielleicht hilft ihr das irgendwie.

Es ist halt einfach nicht so einfach zuzusehen, wie die eigene Mutter im wahrsten Sinne des Wortes, kaputt geht. Ihre Gesundheit leidet sehr unter den Belastungen der letzten Jahre. Na ja, aber das muss sie wohl auch selbst erkennen, gell. Meint ihr es hilft mit ihr zu reden/schreiben oder sollte ich mich da ganz raushalten? Hm, aber es betrifft mich und meinen Mann ja auch... Irgendwas muss ich doch tun, oder?

Und für meinen Bruder wünsche ich mir das er nicht mehr soviel arbeiten muss. Ich meine, klar mithelfen im Haushalt sollte jedes Kind und regelmäßige Pflichten sind ja kein Fehler. Ich selbst musste recht früh selbstständig werden, da meine Mutter früh angefangen hat wieder zu arbeiten und im Prinzip ist das kein Fehler. Aber mein Bruder muss abends immer im Stall helfen, oft bis 9e, 10e oder noch später. Am Wochenende sowieso, er ist sozusagen der Handlanger für den Stiefvater. Und er ist selbst genervt davon, dass er am Tag 3-4 mal in den Keller geschickt wird um Bier zu holen. Und sein Stiefvater sagt dann zu ihm: es ist deine Aufgabe dafür zu sorgen, dass immer Getränke da sind. Und er sein Bier bekommt...

Wißt ihr wie zur Zeit ein ganz normaler Tag für meinen 12jährigen Bruder aussieht? Er steht um 06:30 auf, wird von mir und meiner Mutter um 07:30 in die Schule gebracht, dann geht er nach der Schule zu meiner Oma/Opa. Die Oma ist zz in Reha (hat neue Herzklappe bekommen) und mein kleiner Bruder(!) versorgt meinen Opa mittags mit Essen und kauft ein. Nicht alles und immer, aber wirklich häufig. Mit 78 kann mein Opa selbst auch nicht mehr so wie früher einmal. Meine Großeltern haben sich strikt geweigert eine Pflegekraft anzunehmen. Na ja, Dramen wo man in meiner Family hinkuckt...

Er macht das auch von sich aus mit dem Essen kochen, also keiner hat ihm gesagt, er MUSS das tun, aber da sieht man doch wieviel Verantwortung er mit seinen 12Jahren schon übernimmt, oder?

Dann macht er Hausaufgaben, lernt, dann gehts weiter zur Krankengymnasik (er hatte vor 1,5Jahren einen Autounfall und das Krankenhaus hat gepfuscht, jetzt ist sein rechter Fuß etwas behindert und man weiß nicht wie das später mal sein wird) Danach hat er vielleicht etwas Zeit sich mit seinen Freunden zu treffen um 18Uhr kommen meine Mum und/oder ich um ihn abzuholen.

Dann gehts nach Hause Stall machen, Bier holen, Handlanger sein... Das ist doch echt too much, oder übertreib ich da???

Viele liebe Grüße an alle und vielen Dank für Eure Antworten, es tut einfach gut zu hören was jemand außenstehendes sagt, das ist einfach objektiver, man selbst hängt da ja irgendwie in nem totalen Gefühlschaos fest.
 
hallo,

das, was du von dem leben deines kleinen bruders schreibst, gefällt mir gar nicht. er ist 12, er ist noch ein kind, und er hat auch das recht dazu, das leben eines kindes zu führen: spielen, toben (ist sicher auch mit seinem handicap möglich), ausgelassen sein, im jetzt-leben-dürfen, lachen...

ich denke, dass es schwierig ist, deine mutter dahingehend zu beeinflussen, ihrem eigenen leben eine positive richtung zu geben, das ist denke ich, nicht möglich, wenn sie nicht selbst das ruder in die hand nimmt bzw. an sich arbeitet. wenn von den auswirkungen ihres lebens andere personen betroffen sind- vor allem ein kind, das -wenn die eigene mutter nicht sieht, wie es ihm geht- einen fürsprecher braucht. kinderzeit kann nicht mehr aufgeholt werden, die kindheit ist unwiederbringlich.
abgesehen von der vielen arbeit, die der kleine leisten muss- was wird ihm vorgelebt ? warum sollte er bier holen ? warum darf er - abgesehen von kleineren festgelegten pflichten- nicht das leben eines kindes führen, warum sollte er das problem seiner eltern, an dem er nicht schuld ist u. wofür er nicht verantwortlich ist, unnötigerweise mittragen ?

ich denke, du kannst nur insofern versuchen, mit deiner mutter zu sprechen, als du von dir selbst und deinem mann, wie ihr eure mitarbeit seht, sowie von deinem kleinen bruder sprechen kannst und ihr die probleme, die du damit siehst, aufzeigst und ihr einfühlsam nahebringst. ihr seid ja ihre kinder, und auf wenn sie vor anderen dingen möglicherweise die augen verschließt oder angst davor hat, sie zu sehen- wenn es die eigenen kinder belastet, sieht es für die meisten mütter anders aus...

vielleicht wäre es für sie auch hilfreich, sich bei einem psychologen aussprechen zu können bzw. bei einem psychotherapeuten, und- wenn sie bereit dazu ist- an ihrem lebensproblem mit hilfe arbeiten zu können. für viele leute ist es eine hemmschwelle, in eine psychotherapie zu gehen, doch denke ich, es bedeutet nichts anderes, als mit geschulter hilfe lebensfragen oder lebensprobleme zu klären, in angriff zu nehmen...

ich hoffe, daß eine positive wendung dieser situtation möglich sein wird und wünsche allen bei euch dafür alles gute,

liebe grüsse von

:rolleyes:

maktub
 
An Maktub

Hallo Maktub,

also ich habe mir überlegt meine Mutter zu mir und zu meinem Mann zum Essen einzuladen (sobald sie Zeit hat). Vielleicht können wir dann miteinander reden und ich werde versuchen ihr meine Sicht der Dinge darzulegen.

Hoffe nur, dass sie das nicht in "den falschen Hals" bekommt und ich ihr verständlich machen kann worum es mir geht.

Drück mir die Daumen ;-).

Viele liebe Grüße!!!
 
An Maktub II.

Es ist trotzdem irgendwie seltsam, ich weiß vom Kopf her, dass ich nicht ewig so weitermachen kann, aber trotzdem habe ich das Gefühl egoistisch zu handeln, wenn ich ihr sage, dass das mit den Urlaubsvertretungen so nicht weitergeht.

Ich kenne sie und sie wird sich dann wohl auch noch von mir im Stich gelassen fühlen und mir ein schlechtes Gewissen machen. Bin ich echt egoistisch oder ist es ok da "nein" zu sagen?
 
Nein, Du bist nicht egoistisch, sondern gesund egoistisch. Versuche alles anzusprechen, doch wie ich schon oben geschrieben habe, die Entscheidung liegt bei Deiner Mutter. Du sollst ihr leben nicht leben, lebe Deines ( ist eh genug Herausforderung). Falls es Deinem Bruder nicht gut gehen sollte könntest Du Dir überlegen ob Du das Jugendamt benachrichtigen solltest oder ob Du ihn zu Dir nehmen würdest. Vielleicht passiert auch alles, damit Du was lernen sollst, z.B. "nein" zu sagen usw.
Ich drück Dir die Daumen:-)

Ninja
 
naja... ich denke mir, wenn man selbst das gefühl hat, sich für eine sache zu bemühen, die in ordnung ist, bei der man ein positives gefühl der stimmigkeit für alle und richtigkeit hat, kann es sein, dass es anstrengend ist und trotzdem ok.
im grunde geht es hier aber - meinem gefühl nach- darum, dass du dieses gefühl nicht hast und mit deiner/ eurer hilfe eine fortführung dieser situation ermöglicht, die irgendwie für niemanden so richtig gut ist.
ansetzen kann man aber, finde ich, aber nur darin, dass man von sich selbst spricht- eben, dass es EUCH zuviel wird, oder deinem bruder, und ihr nicht mehr darin eingespannt sein könnt oder wollt.
ihr eigenes lebensproblem- durch welches sie überhaupt in diese situtation gekommen ist bzw. die situtation selbst (bauernhof, viel arbeit, ehe mit eher lieblosem mann...) kann auch nur sie selbst klären, wie gesagt vielleicht mit psychologischer unterstützung. wenn die initiativen hier von aussen kommen- kann es sein, dass sie abblockt u. dies alles verteidigt - und eure beziehung darunter leidet.
schwierige situtation... und seiner eigenen mutter ein NEIN entgegenzustellen, ist auch nicht gerade leicht, versteh ich gut. wenn du es aber damit begründest, dass es EUCH zuviel wird, dass IHR belastet seid, dass EURE ehe darunter leidet, dass dein bruder darunter leidet u. wenig zeit dafür hat, ein kind zu sein... ist es doch sicher verständlich und leichter anzunehmen für sie, auch wenn sie vielleicht im ersten moment wie vor den kopf gestoßen reagiert (klar, bedeutet es doch, dass die unterstützung für eine eigentlich unhaltbare situation wegfällt u. sie nun handeln sollte...)..

alles gute...

liebe grüsse,

maktub :rolleyes:
 
Genau

Ja, da hast Du recht, ich weiß selbst dass das Fortführen der Situation hauptsächlich dadurch möglich wird, dass mein Mann und ich sie immer unterstützen.

Das ist schon auch ein Grund, warum mein Mann und ich nicht so weitermachen wollen. Vielleicht will ich mit einem "Nein" es zum Teil erzwingen, dass sie das alles ändert. Ich hoffe nur das es zu einer Änderung führt und nicht dazu, dass sie sich noch weiter kaputt schuftet. Davor hab ich halt irgendwo Angst. Vor der Reaktion was von ihr kommt.

Ich will sie nicht verletzen, aber vermutlich wird sie sich verletzt fühlen. Aber vielleicht kann sie es ja irgendwann verstehen.
 
Ich kenne das recht ähnlich von meiner Mutter. Sie hat mich mit 21 bekommen und mit meinem Vater hat es nicht so richtig geklappt. Wir habe dann 10 Jahre bei meinen Großeltern gelebt. Sie hat 1994 meinen Stiefvater geheiratet und seit sie ihn kennen gelernt hat ging alles Berg ab.

Sie hatte sich einiges zusammen gespart, aber sie hat dann alles für die Einrichtung unserer jetzigen (viel zu kleinen) Wohnung ausgegeben. Dann hat sie ihren Job verloren, weil die Firma aufgelöst worden ist und hat sich einen neuen Job gesucht, wo sie nur noch sehr wenig verdient. Als nächstes kamen dann meine (nicht geplanten) kleinen Geschwister, die inzwischen 4 und 3 Jahre alt sind. Ich war 15 als meine kleine Schwester zur Welt kam. Mein Stiefvater hat zu der Zeit dann auch noch angefangen sie zu betrügen und Geld rauszuschmeißen, wo es nicht notwendig wäre. Das Geld wurde immer weniger und die Probleme immer größer.

Ungefähr als mein kleiner Bruder zur Welt kam haben meine Eltern (meiner Mutter und mein Stiefvater) dann angefangen in der Nacht zusätzlich Zeitungen auszutragen von ca. 2 in der Früh bis 6. Da sie das aber zu zweit machen mussten wurde es dann zu meiner Aufgabe jede Nacht auf meine kleinen Geschwister aufzupassen, die natürlich in dem Alter in der Nacht noch aufwachen. Meine Mutter hat denke ich vor einem halben Jahr oder so die erste Nacht wieder durchgeschlafen nach der Geburt meiner Schwester vor 4,5 Jahren. Ich mache mir jeden Tag Sorgen, dass sie eines Tages einfach umkippt und nicht mehr weiter machen kann und helfe natürlich so gut ich kann (ich wohne ja mit 19 auch noch zu Hause, weil ich studiere) und es wird einfach erwartet.

Sie haben mir mit ihrem Zeitungen austragen meine Matura verhaut. Bin mir Müh und Not irgendwie durchgekommen. Aber kein Wunder, da ich von 8 Monaten, die die letzte Klasse ca dauert 5 oder 6 Monate einfach nicht anwesend war aufgerechnet, weil ich auch irgendwann schlafen musste. Ich habe schon oft mit meiner Mutter darüber geredet, dass es so nicht weiter gehen kann, aber sie macht weiter und weiter und ändert nichts. Ich will nicht wirklich ausziehen, weil ich sie nicht im Stich lassen will, aber auf der anderen Seite denke ich mir oft, dass es die einzige Möglichkeit wäre, dass sie einmal begreift, dass es so nicht weiter gehen kann.

Ich weiß auch nicht was du wegen deiner Mutter machen kannst. Ich weiß es ja bei meiner eigenen auch nicht! Aber vielleicht hilft es dir irgendwie zu wissen, dass es auch anderen so geht!
 
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hallo dw,
ich glaube nicht, das hier reden noch hilft, wenn deine mutter es nicht sieht, das man mit einen kind nicht so umgeht, muß von außen eingegriffen werden. du schreibst ja selbst, das es schon seit jahren so geht.
für die großeltern gäbe es die möglichkeit sich von einer pflegestation versorgen zu lassen, die bringen essen etc. aber das kann man nicht von einen 12jährigen auf dauer verlangen.
was das arbeiten nachts im stall betrifft, ist meiner meinung nach der gipfel. sowas ist eigentlich ein grund sich mal beim jugendamt zu erkundigen. es geht um das kind.
für mich hört sich das so an, als wenn deine mutter diesen mann hörig ist, welche frau würde sich auf jahre sowas bieten lassen. es ist ganz wichtig dsa endlich gehandelt wird und nicht endlos geredet. es hilft nichts, wenn du nur die arme frau siehst, sondern die situation muß baldmöglichst geändert werden. es kann nicht angehen, das jemand seinen traum von einen bauernhof auf kosten anderer leben kann.
ich wünsche dir viel erfolg und kraft.
rowena
 
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