Ich rede zuviel - Strategien dagegen

Dieses Thema im Forum 'Sinnsuche' wurde von Gwendi gestartet, 20 August 2009.

  1. Gwendi New Member

    Liebe Community,

    ich habe ein im Vergleich zu vielen hier sicherlich nicht besonders großes Problem, aber komme doch fast täglich in irgendwelche Schwierigkeiten: Weil ich zu viel rede ... ich hab ein großes Mitteilungsbedürfnis und bin ein allgemein sehr gesprächiger Typ,

    allerdings bin ich keine "Tratsche" im eigentlichen Sinn (also ich erzähle nicht irgendwelche Privatangelegenheiten anderer Personen in der Nachbarschaft herum usw.); aber ich rede in allen möglichen alltäglichen Situationen einfach viel zu viel,

    sei es, dass ich dazu neige, überlange Emails an Freunde oder Verwandte zu für diese Personen völlig belanglosen Themen zu schreiben (die dann genervt darauf reagieren bzw. die jeweilige Email auch schon mal gänzlich ignorieren), sei es, dass ich am Telefon Leute zutexte und 80 Prozent der Gesprächszeit in Anspruch nehme, und ich bin auch schon hier und da mal innerhalb der Verwandtschaft angeeckt, dazu ein allgemeines Beispiel:
    Ich habe mich tierisch über die Verwandte XY geärgert, erzähle das dann in meiner Aufregung der Verwandten YZ, die dies aber wiederum an die Verwandte XY weitergibt, was zur Folge hat, dass sich Verwandte XY wiederum über mich ärgert. Da kommt also das, was ich ausgekotzt habe, nur zu gern und allzu oft als Bumerang wieder auf mich zurück ...

    Ich hab das Problem auch, was positive, schöne Erlebnisse angeht, mit denen ich Leute gern zutexte ... Erlebnisse, die für mich halt wichtig und interessant sind, aber doch nicht für andere, die ich dann damit langweile.

    Auch neige ich dazu, zu Gesprächen/Diskussionen anderer immer unbedingt meinen Senf dazugeben zu "müssen", weil ich denke, dieses und jenes kann bzw. muss ich jetzt unbedingt zum Gespräch beitragen. Im Nachhinein merke ich dann erst, dass es nicht nötig gewesen wäre, dass ich andere damit gelangweilt habe, oder einfach Energie verschwendet habe, indem ich zu viel geredet habe. Bei allem neige ich oft dazu, anderen Leuten ins Wort zu fallen und diese zu unterbrechen. Oft denke ich, es fehlt etwas oder ich platze sogar gleich, wenn ich nicht dieses oder jenes, zu welchem Thema und in welcher Situation auch immer, sage.

    Gibt es Strategien, sich da besser in den Griff zu bekommen?
    Schöne oder ärgerliche Geschichten aufzuschreiben, eine Art Tagebuchführen, hab ich schon öfters probiert, hilft mir nicht wirklich.

    Zum Meditieren bin ich zu hibbelig und zu ungeduldig.

    Ich hab auch schon versucht, mir eine imaginäre Kiste vorzustellen, in die ich die Sachen stopfe, die mich gerade bewegen, sei es Ärger oder auch etwas Tolles, um die Kiste dann in meiner Vorstellung zu verschließen und die jeweilige Sache damit ad acta zu legen; auch das macht mich nicht ruhiger und schweigsamer.

    Oft hab ich das Problem, dass ich bestimmte (positive wie negative oder neutrale) Sachen unbedingt _jetzt_ sofort im Moment erzählen muss, ich kann dann nicht abwarten, bzw. kriege den Redeflash dann, wenn ich es vorerst schaffe, etwas damit abzuwarten, kurze Zeit später erst recht.
    Und ich habe bisher keine Methode, mich da besser im Griff zu haben.

    Wer hat noch eine Idee?
    Ich kann und will mich nicht um 180 Grad verbiegen, aber manchmal denke ich, es wäre besser, wenn ich etwas weniger quasselig wäre.
    Ich bewundere die Leute, die manchmal stundenlang kein einziges Wort sagen, alles für sich behalten und ihre persönlichen Erlebnisse, ob positiv oder negativ, niemandem erzählen (oder nur ab und zu ganz kurz die wichtigsten Sachen in wenigen Sätzen) , eben das, was sie bewegt, ganz für sich leben und behalten. So kann ich nicht werden, das ist klar, aber
    vielleicht gibt es jemanden hier, der mir da Tips geben kann, wenigstens etwas ruhiger und besonnener zu werden.

    Mir haben andere Leute auch schon öfters mal gesagt, dass ich zu viel rede, es fällt nicht nur mir selbst auf ...

    Ich danke Euch im voraus!
    Gwendi
    Edit: Ich sehe gerade, dass ich hier den Status "Zuhörer" habe *g* Schön wär's :))))
  2. Handwerkprofis New Member

    AW: Ich rede zuviel - Strategien dagegen

    Hallo Gwendi,

    nur weil XY an YZ weitererzählt, was nicht weiter zu erzählen ist, mußt du dich nicht verbiegen.

    Überdenke deine Freunde und Bekannten.

    Ich kenne genug Leute, die unterm Reden eigentlich keine Zeit haben Luft zu holen.

    Beschweren tun sich nur Leute, die selbst gerne so viel reden würden, wie du tust, aber nicht dazu kommen ;)

    Ich glaube, die Vortragende von "Pragmatische Esoterik" auf youtube hat das sehr anschaulich beschrieben - sie redet auch ohne Luft zu holen. Trotzdem war jede Minute der 10 Teile des Vortrages ein Genuß.

    Wenn du wirklich Schweigen lernen willst, dann nimm an Exerzitien teil :)
  3. Gwendi New Member

    AW: Ich rede zuviel - Strategien dagegen

    Hallo Handwerksprofis,
    vielen Dank für Deine (Eure ;-) Antwort,
    das mit den Exerzitien klingt sehr gut und sinnvoll, daran hab ich sogar selbst schon mal gedacht, konnte mich bisher aber noch nicht dazu durchringen. Vielleicht sollte ich das wirklich mal tun, auch wenn ich zusätzlich noch nach einfachen Strategien für den Alltag suche, die meinem Rededrang etwas Einhalt gebieten könnten.

    Ja, den Bekanntenkreis überdenken ... da ist was Wahres dran. Leute, denen ich zu gesprächig bin und die sich nicht für meine Belange interessieren, und hab ich sie noch so ausführlich dargestellt, sind nicht die richtigen Freunde für mich usw., da ist was Wahres dran, da stimme ich Dir auch zu.
    Allerdings sind es schon recht viele, die mir in der einen oder anderen Form signalisiert haben, dass ich zu viel rede. Es ist wie mit dem Geisterfahrer, dem lauter Autos entgegenkommen; er selbst ist auf der falschen Spur, und nicht die anderen...

    Da denke ich dann schon, dass ich schon echt an mir selbst etwas ändern müsste, wenigstens teilweise ...

    Zu dem Vortrag auf Youtube: Die Videos werde ich mir ansehen, bzw. mir einige der Teile ansehen. Vera Birkenbihl ist mir ein Begriff, die Frau hat es echt drauf, ich finde sie auch toll! Aber sie hat auch wirklich viel zu sagen, und die Leute kommen freiwillig in ihre Vorträge, sie bezahlen Geld dafür, ihr zu lauschen oder ihre Bücher zu lesen :)

    Im Unterschied dazu ist mein Gerede völlig kostenlos, und auch wenn ich denke, dass ich nicht doof bin und einiges zu vielen Themen beizutragen hätte, denke ich doch, dass ein Großteil von dem eben, was mir im Kopf schwirrt, nicht der Weisheit letzter Schluss ist.

    Sprich: Autoren oder Vortragende haben in der Tat etwas zu sagen, das andere Menschen, mitunter ein breites Publikum, wirklich interessiert, die Leute kommen freiwillig; Das ist bei mir aber nicht der Fall :zauberer1
  4. Handwerkprofis New Member

    AW: Ich rede zuviel - Strategien dagegen

    Du wirst doch bitte irgendeine Stärke haben, die du mit deinem Rededrang umsetzen kannst!
  5. Gwendi New Member

    AW: Ich rede zuviel - Strategien dagegen

    Ja, das ist mein Problem, ich hab eigentlich zu ALLEM etwas zu sagen und kenn mich auch mit vielem gut aus, kann mich auch recht gut ausdrücken, aber es reicht nicht aus, um andere damit so zu begeistern, dass sie freiwillig zuhören möchten :stickout2 (danke übrigens Dir an dieser Stelle fürs Zuhören bzw. Lesen und Antworten!) :)

    Zudem: Du hast schon recht, dass ich meinem Reden freien Lauf lassen sollte und mich nicht so um die anderen scheren sollte, diese sogar überdenken sollte (zumal sie im Grunde ja nicht "besser" sind als ich :) ABER:

    Es gibt ein paar Redensarten und Weisheiten, wie z. B.
    Reden ist Silber, Schweigen ist Gold -oder-
    Ein Mensch braucht zwei Jahre, um sprechen zu lernen, und 50 Jahre, um schweigen zu lernen.

    Jaja!

    Das heißt doch, dass es manchmal wirklich besser sein kann und auch vorteilhafter für einen selbst, einfach die Klappe zu halten (ich sags jetzt mal so :) anstatt sich hier und da in blöde Situationen hineinzumanövrieren, aus denen man vielleicht nicht mehr so leicht rauskommt bzw. im Nachhinein sich ärgert, andere Leute genervt, belästigt oder einfach seine eigene Energie verschwendet zu haben ...

    Darum denke ich, ich würde mir manchmal mehr Gutes tun, indem ich ruhiger werden würde. Natürlich wäre es ein guter Weg, das eigene Redepotential noch zu fördern und sich vielleicht auf ein oder wenige Gebiete, in denen man sehr "fit" ist, zu "spezialisieren", ABER wenn man damit jahrelang immer wieder gegen die Wand läuft,
    und dann z. B. zufriedene buddhistische Mönche sieht, oder entspannte Schweiger, die gelernt haben, zu beobachten und zuzuhören, denkt man, denke ich mitunter, dass das auch ein gangbarer Weg sein könnte.

    Dazu suchte ich nach "Strategien", und ja, ob es noch welche gibt (außer jetzt ein Kloster zu besuchen, was ja schon ein Weg wäre),
    Danke!
    Gwendi
  6. Jamal New Member

    AW: Ich rede zuviel - Strategien dagegen

    na ja da hast du die antwort schon selber gegeben.
    viele reden um sich nicht mit dem ausernanderzusetzen was tiefer in ihnen vorgeht (mehr oder weniger ein weglaufen vor den eigenen gefühlen).
    was passiert denn wenn du mal bewusst nichts sagst auch wenn es dir auf den nägel brennt???

    alles liebe
    Innere_Freiheit gefällt dies.
  7. Handwerkprofis New Member

    AW: Ich rede zuviel - Strategien dagegen

    Die Strategie sollte meiner bescheidenen Meinung nach nicht auf Reden versus Schweigen ausgerichtet sein, sondern die Wortwahl - wie du schreibst:
    Man kann sich auch mit wenigen Worten in unglückliche Situationen reinreiten.
  8. Gwendi New Member

    AW: Ich rede zuviel - Strategien dagegen

    Danke Jamal auch für Deine Antwort!
    Naja, um auf Deine Frage zu antworten: Wenn ich mich tatsächlich in seltenen Fällen mal bewusst zum Nichtreden anhalten kann, was nicht lange funktioniert: Also ich platze dann doch noch, wenig später, mit dem raus, was ich unbedingt sagen wollte, es gelingt mir also nur ein kurzfristiger Aufschub, aber kein "Aufhub" :stickout2
    Ich würde gern mal ausprobieren, was passiert, wenn ich länger warte bzw. gar nichts sage; aber ich hab es bisher noch nie geschafft!

    Ich kann mich da nur sehr eingeschränkt (im Grunde also gar nicht) kontrollieren...

    @handwerksprofis: Ja auch mit wenigen Worten kann man sich reinreiten, aber klar ... mmh ... ich weiß (auch das ist mir schon passiert, wenn ich mal zu wenig Zeit hatte um so viel am Stück zu reden wie sonst üblich ;-)
    darum: Wie schaffen es die buddhistischen Mönche und zufriedenen Schweiger, wirklich Themen ad acta zu legen und sich innerlich zu sagen: "Gut ist, Schluss mit dem Thema. Darüber reden in irgendeiner Form, egal ob kurz oder lang, bringt nur Ärger" . Mit der Wortwahl ist eine ganz schwierige Sache. Ich glaube nicht, dass ich das hinkriege, egal wie gut ich mich ansonsten auch ausdrücken kann. Ich denke, dass eine geeignete, richtige, weise Wortwahl zu finden noch schwieriger ist, als gar nichts zu sagen! Darum fragte ich nach "Reden vs. Schweigen".

    Meditation wäre schon eine gute Methode, wenn ich denn nicht so ein unruhiger Geist wäre :schnl:
  9. Handwerkprofis New Member

    AW: Ich rede zuviel - Strategien dagegen

    Man kann es natürlich auch psychologisch aufarbeiten ;)
    Warum hast du den Drang überall deinen Senf dazuzugeben?

    Oder homöopathisch:
    Zinkum metallicum
  10. Handwerkprofis New Member

    AW: Ich rede zuviel - Strategien dagegen

    Indem sie diese Themen für sich bearbeitet und abgeschlossen haben.
    Man reagiert nur auf Themen (gereizt), wo man innerlich noch etwas zu lösen hat.
  11. Gwendi New Member

    AW: Ich rede zuviel - Strategien dagegen

    Das Zinkum metallicum werde ich ehrlich mal ausprobieren, Danke!
    Ja, mit dem Aufarbeiten, da ist wohl auch auch was Wahres dran. Ich weiß nicht, was da alles im "Argen" liegt ... sicher wäre es klug, lieber mal einen (oder ein paar) Psychologen zuzutexten,
    anstatt immer und immer wieder andere :escape:

    Als Kind wurde ich oft dazu angehalten, "ruhig zu sein, wenn die Erwachsenen reden", aber das kann es auch nicht gewesen sein (vielleicht ein Mitgrund, aber war damals ja eine sehr verbreitete Erziehungsmethode, die ja anderen Leuten auch nicht dahingehend geschadet hat, dass sie als Erwachsene dann zu Labertaschen wurden :)

    Aber jedenfalls ist es ein guter Ansatz, mal mehr in der eigenen Vergangenheit herumzukramen, obwohl ich viel über mich nachdenke, bin ich im Zusammenhang mit dem "Redeproblem" bisher noch nicht auf die Idee gekommen, nach einem Zusammenhang mit der Vergangenheit zu fragen,
    Danke wieder!
  12. Jamal New Member

    AW: Ich rede zuviel - Strategien dagegen

    hi gwendi !
    wenn es dir wircklich so schwer fällt zu schweigen, wär es schon ganz gut mal mit nem arzt drüber zu reden. könnte ja echt auch ein körperliches problem geben das dir bis dato nicht aufgefallen ist. schaden kann es auf keinen fall. und zu den mönchen, die brauchen auch einige jahre bis sie gelernt haben ihr denken so zu beruhigen, das sie nicht mehr reden brauchen ohne es auch wirklich zu wollen. dazu kommt noch das sie in einem anderen umfeld leben als wir das gewöhnlich tun.

    alles liebe
  13. Johanne Active Member

    AW: Ich rede zuviel - Strategien dagegen

    Hallo.

    Die Mönche leben nach den "vier Weisheiten" und dem "achtfachen Pfad".

    Die "vier Weisheiten" sind:

    Leben bedeutet Leiden.
    Leiden wird verursacht durch Begehren, Anhaftung und Verblendung.
    Es gibt einen Weg aus dem Leiden heraus.
    Dieser Weg ist der "Achtfache Pfad":


    Der "Achtfache Pfad" bedeutet:

    1. Die rechte Erkenntnis.
    Rechte Sicht oder rechte Erkenntnis bedeutet über die eigene Nasenspitze schauen zu können und über die eigenen Konzepte die der Geist baut und aufbläst, Dinge so zu erkennen wie sie sind.

    Ein Freund erzählte mir er hat mal einen Mönch gefragt, was der tiefe Sinn der Zen-Meditation ist. Und er sagte, der Mönch hat ihn nur lang angeschaut und ihm dann gesagt: "Der Sinn ist, dass wir erkennen, dass wir so wie wir sind, ganz in Ordnung sind."

    2. Die rechte Gesinnung: eine Haltung die frei von schädigenden, Leid schaffenden Emotionen ist, wie Hass, Verblendung oder Gier, welche mir und den anderen Leid zufügt.

    3. Die rechte Sprache: Lügen, Verleumden, Geschwätz zu vermeiden. Seinen Mund zu beherrschen und auch hier kein Leid durch Sprache sich und anderen zufügen, zwischen nützlich und unnützlich unterscheiden können.

    4. Das rechte Handeln: nicht töten, nicht stehlen, keine sinnliche Ausschweifungen (den Weg der Mitte wählen), nicht lügen, keine Rauschmittel konsumieren, alles vermeiden, was mich und andere Lebewesen in jeder Hinsicht schädigt.

    5. Der rechte Lebenserwerb: kein Waffenhandel, kein Tierhandel, kein Drogenhandel. Ein Lebenserwerb der anderen Lebewesen nicht schadet.

    6. Das rechte Streben: das ist der Wille die Affekte, Gier, Hass, Zorn, Anhaftung zu kontrollieren, seine Emotionen im Zaun halten zu können und sich nicht von ihnen beherrschen zu lassen. Es ist die unaufhörliche Prüfung seiner Gedanken und Emotionen.

    7. Die rechte Achtsamkeit: das bedeutet, seinen Körper wahr zu nehmen, seine Gedanken wahr zu nehmen, seine Emotionen wahrzunehmen. Es ist ein ständiger Zustand der absoluten Bewusstheit und Konzentration im Alltag, indem man nicht in der Zukunft schwelgt und auch nicht in der Vergangenheit und indem man die Erregungen des Geistes kontrolliert.

    8. Die rechte Versenkung: das ist die Vertiefung der rechten Achtsamkeit. Es bedeutet, mit sich und seiner wahren Natur eins zu sein, ohne die Störfaktoren von Gedanken, Emotionen, Konzepten.

    Die Wurzel ist die Meditation, im Zen - Buddhismus nennt es sich Zazen. Zazen bedeutet wörtlich: einfach nur sitzen.

    Ein Buchtipp:

    Zen im Alltag von Joko Beck:


    Hier sind Zitate von Joko Beck: http://www.psp-tao.de/zitate/autor/Charlotte_Joko_Beck/68
  14. Gwendi New Member

    AW: Ich rede zuviel - Strategien dagegen

    Vielen Dank, Johanne für Deinen Beitrag; das mit dem "achtfachen Pfad" hab ich zwar auch schon mal gehört, und irgendwann mal etwas darüber gelesen, aber nicht in so einer schönen, kurzen und übersichtlichen Zusammenfassung :) und Du hast mir somit einen super Anstoß gegeben, mich jetzt mal wieder und diesmal ernsthafter damit zu befassen.

    Was mein Zuvielreden-Problem angeht, wären wahrscheinlich in meinem Fall die Punkte 6 und 7 am relevantesten. Denn was mich dazu bringt, unüberlegt und übermäßig viel zu quasseln, ist ja sowas wie Gier ("Das muss ich jetzt unbedingt erzählen") oder Anhaftung (Ärger über eine Situation, die ich nicht loslassen kann und immer wieder "Darüber-Lamentieren-Müssen", was den Ärger ja eher verstärkt ... Sich Ausquatschen kann zwar eine Erleichterung sein, aber oft erleichtert es mich nicht, sondern ich steigere mich dann eher in was hinein ...);

    ja und die Beobachtung der eigenen Emotionen... Das ist leicht gesagt, wenn man in einem relativ "gefühlsneutralen" Zustand ist. Da fallen einem die guten Vorsätze nicht schwer, so ein Vorsatz wäre zum Beispiel: "Wenn ich das nächste Mal ärgerlich über irgendetwas oder irgendjemanden bin, werde ich diese Emotion ganz bewußt wahrnehmen und beobachten, anstatt sie sofort unüberlegt auszuagieren, indem ich z. B. jemanden anrufe und zur Sau mache oder mich bei einer dritten Person ausheule."

    Aber wenn dann besagte Situation kommt, und man IST wütend, dann hat man den schönen Vorsatz schnell vergessen :stickout2

    Ja, Jamal, auch der achtsamste Mensch hat mitunter Jahre gebraucht, um über solche Schwierigkeiten einigermaßen hinwegzukommen, das hatte ich in der Tat noch gar nicht bedacht :)

    Zum Arzt werd ich deswegen jetzt nicht gleich gehn :) aber mich vielleicht doch mal mit einem Psychologen drüber unterhalten, oder wenigstens zunächst mal ein gutes Buch (oder mehrere) dazu lesen, aus dem Bereich Psychotherapie oder auch dem spirituellen (Buddhismus - Danke für die Buchtips, Johanne! - Advaita usw.) Bereich. Vielleicht gibt es ja sogar Ratgeber-Literatur für Quasselfreudige, die sich da etwas besser in den Griff bekommen möchten? Da muss ich gleich mal schauen!

    Immerhin hatte ich inzwischen einen kleinen (bisherigen Teil-)Erfolg; ich hätte wegen einer kleinen Geschichte, über die ich mich schon seit mehreren Tagen ärgere, am liebsten einen (unbeteiligten) Kumpel angerufen und dem das erzählt, einfach um mich bei ihm mal auszuquatschen (mit der anderen Person, über die ich mich geärgert hatte und die die Geschichte direkt betrifft, habe ich schon gesprochen, es hat nichts gebracht).

    Normalerweise hätte ich meinen Kumpel P. längst angerufen und ihm ausführlich davon erzählt, aber gestern habe ich gedacht: "NEIN, das machst du jetzt nicht. P. hat damit nichts zu tun, und sicher möchte er auch nicht unbedingt diese Geschichte hören."

    Aber natürlich bin ich damit noch nicht übern Berg. Ich hoffe nicht, dass ich besagten Kumpel heute oder morgen nachmittag doch noch anrufe und es dann doch erzähle, was mich gerade so geärgert hat :stickout2

    Es kann natürlich auch gut sein, dass der Kumpel mich bald mal wieder von sich aus anruft und einfach fragt: "Und was gibts bei dir so Neues?" und ich dann doch nicht anders kann als loszulabern :)

    Wenn ich es aber schaffe, einfach nur über nette Dinge zu sprechen oder es wenigstens hinkriege, nur zu sagen: "Ich hatte bißchen Ärger letzte Woche, aber ach, war nur ne Kleinigkeit, möchte es nicht mehr erzählen, wirklich nicht. Erzähl lieber mal du: Was gibts denn bei dir so Neues?" wäre ja schon mal prima.

    Danke Euch schon mal für alle Eure Antworten, wem noch was einfällt, ich freue mich darüber! Entschuldigt bitte meine langen Texte :)
  15. Jamal New Member

    AW: Ich rede zuviel - Strategien dagegen

    früher habe ich mich oft geärgert:nudelwalk
    seit ich umgedacht habe u. versuche den leuten (oft gerade dann wenn ich finde das sie sich falsch verhalten) alles gute zu wünschen, mir zu denken sie sollen glücklich sein, so wie ich glücklich sein möchte, hat sich ärger bei mir massiv verringert:zauberer1.
  16. Gwendi New Member

    AW: Ich rede zuviel - Strategien dagegen

    Jamal, so wie Du es handhabst würde ich es auch nur zu gern hinbekommen.
    Doch das Problem, das ich dabei habe, wenn ich mich über jemanden ärgere, ist ja eben, dass ich mich nicht grundlos ärgere.

    Wenn mich z. B. jemand gekränkt hat oder unfair (auch objektiv gesehen unfair) behandelt hat, verursacht das in mir einen Groll, den ich auch durch positive Konditionierung wie genau diese, die Du beschreibst
    ["Der- oder diejenige hat das nicht so gemeint; sie/er hat mich zwar beleidigt oder gekränkt, weil er/sie selbst gerade mit einigen Unannehmlichkeiten zu kämpfen hat. Also sehe ich darüber hinweg und wünsche ihm das Allerbeste" (>> also genau das, was Du praktizierst, habe ich schon oft - vergeblich! - versucht)]
    nicht wegbekomme.

    Allerdings habe ich zuweilen schon festgestellt, dass sich Ärger über eine Begebenheit mit der Zeit etwas legt, die Zeit heilt ja bekanntlich viele Wunden. Andererseits kommt in mir aber auch manchmal alter Ärger über eine lange zurückliegende Geschichte, die quasi vergessen schien, von Zeit zu Zeit wieder hoch, und alter Groll, der sich eigentlich im Laufe der Monate oder Jahre gelegt hatte, kann dann schon mal wieder ganz schön schnell nach oben kommen.

    Ich hätte auch noch eine Strategie, die mir helfen könnte, mit Ärger konstruktiv umgehen zu können, ohne dass die "Notwendigkeit" für mich besteht, mit anderen Leuten darüber zu reden.

    Wieder das Beispiel von oben: Ich habe mich über die Verwandte XY geärgert; mich bei einer anderen Person YZ darüber ausgelassen, die es wiederum der Verwandten XY aufs Brot geschmiert hat. Das Ergebnis ist wie "gegen den Wind kotzen".

    Mein Fehler bei dieser Geschichte wäre: Mich bei einer dritten (unbeteiligten) Person ausgekotzt zu haben.

    Richtig bei dieser Geschichte wäre durchaus: Person XY hat mich unfair behandelt, das ärgert mich zunächst einmal zu recht, und zwar auf der ganz normalen Ebene zwischenmenschlichen Mit- (oder Gegen-)einanders.

    Wenn ich jedoch jetzt einen Schritt weitergehe und die ganze Geschichte als "Lehrstunde" betrachte, und zwar dahingehend, dass sie nur dazu diente, mir vor Augen zu führen, was passieren kann, wenn ich mit Ärger oder Wut nicht konstruktiv umgehe und dass da Konsequenzen auf mich zukommen können, die den Ärger verstärken, kann ich sogar Person XY noch etwas Positives abgewinnen und ihr ja sogar dankbar (!) sein, dass sie mir - wenn auch unbeabsichtigt - so eine wunderbare Gelegenheit über das Leben zu lernen auf dem Silbertablett serviert hat.

    Nach diesem Gedankengang könnte ich mich damit anfreunden, der Person XY gegenüber tatsächlich eine gewisse Dankbarkeit zu empfinden, indem ich sie als (wenn auch unfreiwillige) Lehrmeisterin betrachte und nicht als alte Schabracke.

    Somit: "Danke liebe XY, dass du mir aufgezeigt hast, dass ich selbst nicht frei von Fehlern bin und was passieren kann, wenn ich mich über dich ärgere und das weitererzähle, anstatt dir dankbar zu sein, dass du mich so super auf die Probe gestellt hast" :zauberer1 Haha :liebe1:

    Mit dieser Methode könnte ich mich echt anfreunden, wenn ich sie in der Theorie durchspiele, aber ich schätze, in der Praxis ist es dann doch nicht so einfach. Gerade wenn man ein eher impulsiver und spontaner Mensch ist (wie ich) und sich wirklich richtig über jemanden aufregt, denkt man zuallerletzt daran, die jeweilige Person bzw. Situation als Lerngelegenheit zu betrachten ...

    Im Nachhinein würde es das Problem aber auf eine andere Ebene bringen;

    - die "normale Ebene": Person XY sie hat sich mir gegenüber nicht fair verhalten, ist undankbar/ignorant/beleidigend etc. pp.. Person XY ist blöd, sie hat einen Fehler gemacht, über den ich mich sehr ärgere.

    - die "spirituelle Ebene": Person XY hat sich mir gegenüber nicht fair verhalten, sie hat einen Fehler gemacht, was mich dazu bewogen hat, selbst auch einen Fehler zu machen. Wir beide sind in eine Wechselwirkung miteinander getreten, die sehr lehrreich war und mir geholfen hat, eine andere Sicht auf die Dinge zu entwickeln. Ich sollte dankbar sein für die ganze Geschichte und das nicht so eng sehen mit Person XY. Ohne sie hätte ich ja gar nichts gelernt :danke:

    So aber nun bin ich ganz vom usprünglichen Thema weg. Ich schaff es vielleicht, mit Hilfe Eurer Tips und Methoden und der von mir durchdachten etwas ruhiger zu werden und überlegter zu sein, was Gerede und Quasselei betrifft, auch wenn das von heute auf morgen wohl nicht zu schaffen ist, doch -hihi- Ich rede jetzt umso mehr hier :)

    Naja, aber ich komm jetzt mal zum Ende, antworte aber bestimmt noch mal, falls nochmal wieder neue Aspekte von Euch dazukommen,
    vielen Dank!
    Gwendi
  17. Junggesellin New Member

    AW: Ich rede zuviel - Strategien dagegen

    Hallo, Gwendi!

    Ich finde es total schön, das du so hemmungslos 'drauflosquatschen kannst :kuss1:.

    Ich kann das überhaupt nicht. Meistens denke ich stunden- oder sogar tagelang darüber nach, ob ich das sagen will, ob ich das sagen darf und wenn ja, wie ich das am besten sage, ohne das nachher irgendjemand weint oder böse ist oder was auch immer :schaukel:

    Dein nettes Gequassel zeugt für mich von einer gesunden Portion Vertrauen in Gott und die Welt und einen natürlichen Drang, Stress, ob positiv oder negativ, loszulassen.

    Ich kann zum Beispiel den ganzen Stress noch nicht so gut loslassen, mein Verhalten potenziert das ganze eher noch :wut2:

    Zu der Situation mit Frau XY und Frau YZ: es war noch nie gut, Konflikte über dritte lösen zu wollen. Und was hat Frau YZ damit zu tun, das du dich über Frau XY geärgert hast.

    Ich finde, man sollte in solchen Situationen ersteinmal schauen, was einen selbst gerade ärgert.

    Fällt mir auch nicht immer leicht, aber wenn es Situationen sind, die sich immer wieder gleichen, dann muss man sich selbst ins Zentrum rücken und nicht die anderen, die sich aufregen oder einen ignorieren oder was auch immer tun, aber nicht das, was man sich wünscht.

    Und damit bin ich beim Kern dessen, was ich sagen will: wenn du dir darüber klar wirst, welchen Wunsch, welches Bedürfnis du durch dein "Gequassel" (wie du selbst es ja darstellst) erfüllen oder befriedigen willst, dann können sich diese "Probleme" auflösen und weggehen und in deinem Leben gibt es Platz für neue Erfahrungen.

    Viel Freude beim üben, ausprobieren und lernen!

    Wie heißt es doch so schön: Jedes Problem trägt ein Geschenk in der Hand!

    In diesem Sinne:blume:
    Junggesellin
  18. Junggesellin New Member

    AW: Ich rede zuviel - Strategien dagegen

    Kleiner Nachtrag: Manchmal ist es ganz gut, die Dinge, die man für sich gelernt hat auch für sich zu behalten. Nicht jeder interessiert sich für deine spirituelle Ebene, denn das ist ganz alleine dein Bereich - es sei denn, du triffst einen spirituellen Lehrer. Oder wie auch immer die heißen.

    Ich mein, es gibt eine innere Realität - das, was man glaubt,was man fühlt und wie es einem geht, welches Bild man von sich selber hat. Diese Realität hat jeder Mensch und sie ist geheim und privat, denn man kann anderen Menschen nunmal nur vor den Kopf gucken.

    Und es gibt eine äußere Realität - nämlich all' die physikalischen, chemischen und sonstigen Prozesse, die unser Dasein überhaupt erst ermöglichen und alle Lebewesen beeinflussen, jedes individuell und die anderen Menschen, die von einem selbst unter Umständen ein ganz anderes Bild haben, als du von dir oder ich von mir oder alle anderen von sich selbst.

    Manchmal verschwimmt diese Grenze und man kann sich grade nicht so gut in ein Regelsystem einfügen. Aber auch das führt nur dazu, dass man lernt und sich entwickelt.

    Ok, das ist meine Sicht der Dinge, stark vereinfacht, man kann das ganze bestimmt noch viel komplizierter formulieren, aber dann verstehts ja keiner mehr ohne studiert zu haben. Das kanns ja auch nicht sein.

    Liebe Grüße
  19. Gwendi New Member

    AW: Ich rede zuviel - Strategien dagegen

    Hallo liebe Junggesellin,
    auch Deine Beiträge jetzt haben mich sehr gefreut, Danke Dir!

    Jaa, da wo Du bist, wäre ich gern :tongue:
    und Du würdest also gern öfter mal spontan drauflosquatschen :D

    Problematisch bei vielen schweigsameren, zurückhaltenden Menschen mag ja wirklich sein, dass sie zuweilen Schwierigkeiten haben, Stress abzubauen, weil sie Hemmungen haben, sich in stressigen Situationen einfach bei jemandem auszuquatschen bzw. spontan zu sagen, was sie denken und drauflos zu reden, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist.

    Ich verwende das Wort "Hemmungen", das ist ja ein eher negativ besetztes Wort. Menschen gehen oft zum Psychologen oder Psychiater, um Hemmungen abzubauen. Aber das Gegenteil, "Hemmungslosigkeit" ist auch negativ besetzt, und hat noch einen viel schlechteren Beigeschmack. Menschen werden hemmungslos, zum Beispiel wenn sie sich keine Apfelschorle bestellt haben. Bezogen auf die Sprache: "redselig", auch das ist ein negativ besetztes Wort.
    Es gibt noch viel mehr negativ besetzte Vokabeln oder Redewendungen in Bezug auf Hemmungslosigkeit was die Kommunikation betrifft, z. B. "aus dem Nähkästchen plaudern". Undsoweiter.

    Da wären wir beim Privaten. Ich kann Dir ja auch zustimmen, dass das Spirituelle im Grunde was Privates sein sollte und eigentlich nicht an die Öffentlichkeit gehört und es gerade in diesem Bereich - ja - oftmals besser wäre, Schweigen darüber zu bewahren. Andererseits schreiben viele Leute Bücher über spirituelle Themen, ja sogar ihren spirituellen Werdegang. Aber das sind dann auch meistens Menschen, die in gewissem Sinne dazu "qualifiziert" sind (also bereits eine Menge im Leben gelernt haben) >> also wenn ein ansonsten schweigender Zen-Meister ein tolles Buch schreibt, warum nicht :clown: aber das ist dann eben ein Zen-Meister und keine Quasselbacke :) Und wenn Leute gewisse Erfahrungen gemacht haben, die sie gern weitergeben möchten, finde ich das auch gut, wenn es anderen Menschen nützt. Allerdings, ja, sollte man als Anfänger keine Weisheiten von sich geben, die man selbst noch nicht geübt hat :) stimmt :)

    Der Ursache, warum ich so viel rede und schreibe, will ich auf jeden Fall mal auf den Grund gehen (es zumindest versuchen) und schauen, dass ich ein anderes Ventil finde, Stress abzubauen ohne andere vollzuquatschen oder selbst Folgefehler zu machen bzw. Wege zu finden, dass Stress gar nicht erst in allzu großem Umfang entsteht. Dass das nicht einfach sein wird und ein sehr langer Prozess, ist mir klar, und ich weiß auch nicht, ob ich es schaffe, dass es wenigstens ein bisschen besser wird. Aber einen Anfang will ich jetzt mal versuchen, und darum genug geredet jetzt :)

    Ich lass es jetzt von meiner Seite mal bei dem Thema bewenden; das heißt aber nicht, dass ich den Thread jetzt schließen lassen möchte. Sehr gern lese ich weiter mit, wenn noch weitere von Euch hier ihre Gedanken zum Thema posten, und gern auch lang und spirituell ;-)

    Vielen Dank an alle!
    Gwendi
  20. Jamal New Member

    AW: Ich rede zuviel - Strategien dagegen

    so gesehen ist dann jedes gespräch das sich über gefühle, erlebtes oder gedachtes dreht schon bedenklich ?

    alles liebe

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