Ich rede zuviel - Strategien dagegen

Dieses Thema im Forum 'Sinnsuche' wurde von Gwendi gestartet, 20 August 2009.

  1. Strandläufer Active Member

    AW: Ich rede zuviel - Strategien dagegen

    Hi Gwendi,
    also ehrlich gesagt, die langen Texte von dir sind mir auch zu lang um sie alle zu lesen. Es ist doch nicht schlimm, wenn das so ist.
    Du redest und jeder hat doch die Wahl dich zu unterbrechen oder das Geschriebene nicht zu lesen.

    Mein Sohn gehört auch zu den Menschen, die ununterbrochen schnäbbeln und es fertig bringen in einem Telefonat das ganze Seelenleben offen zu legen, ohne eine einzige Frage nach dem Gesprächspartner. Ich selber kann das auch sehr gut, wenn man mich lässt.

    Andererseits besteht aber auch die Möglichkeit sich zu ändern.
    Richte deine Aufmerksamkeit mal auf dein Gegenüber, frage wie es ihm geht, interessiere dich für seine Belange und schiebe deine eigenen mal in den Hintergrund.

    Als Alternative für das öffentlich machen deiner Gedanken, könntest du Tagebuch schreiben oder einen Blog. Mach hier einen Thread auf, schreibe deine Gedanken nieder. Alles das hilft den inneren Raum zu leeren.

    Und wenn du dich über jemanden ärgerst, dann sage ihm das persönlich und kotz dich nicht bei anderen aus. Das ist Arbeit an dir selber, aber sie lohnt sich.
    LG
    Elke
    Innere_Freiheit gefällt dies.
  2. Handwerkprofis New Member

    AW: Ich rede zuviel - Strategien dagegen

    Bitte nicht in Eigenregie - sollte nur ein Beispiel sein, dass dein Redeschwall auch in homöopathischen Mitteln beschrieben ist - eine Möglichkeit.

    Weil die Erwachsenen dauernd selber reden wollten?
    Als würde man so jemanden, der gerne redet, stoppen können :clown:
  3. Wirbelwind Member

    AW: Ich rede zuviel - Strategien dagegen

    komm wir reichen uns die hand. ich dachte jetzt schon du redest von mir.


    ja, auch ich schreibe sehr lange mails, auch lange briefe ....

    als belanglos empfinde ich es nicht, wenn ich lang und viel schreibe. für andere ist es nur belanglos, wenn sie nicht mehr begreifen, bzw. nicht mehr der masse folgen können. weil die meisten menschen können nur kurze sachverhalte erfassen.

    dies ist bei mir eher weniger der fall. wenn andere menschen reden, dann lasse ich diese . weil ich rede meistens wenns langweilig ist, bzw. wenn keine unterhaltung zustande kommt.



    ich denke es wird schon möglichkeiten geben sich da zu ändern. die meisten würden eine psychotherapie machen.

    ich für meine person will mich nicht ändern. ich will so bleiben, weil es macht mich als persönlichkeit aus.

    dieses art sich mitzuteilen ist auch sehr gesund. weil so redet man sich alles von der seele, gutes , wie schlechtes. ich habe natürlich auch schon tagebuch geschrieben und ich schreibe auch anderes( gedichte, texte...)

    ich trage hin und wieder mein geschriebes auch vor.

    ich wohne in berlin , habe daher auch viele möglichkeiten wo ich gezielt reden kann. z.B. gibt es bei uns hier treffen, wo man richtig zu diskussionen hin gehen kann (alle möglichen und unmöglichen themen ) wo dann auch eine rege diskussion gewünscht ist.

    auch arbeite ich zur zeit in einem job wo ich viel reden muss.

    jaaaa und super gern schreibe ich auch in foren. (obwohl ich das aus zeitgründen grad nicht sooooo oft möglich ist. vor jahren war es mehr.



    haaaa, ich auch !

    und ich wette mit dir, diese menschen möchten so sein wie du und ich. sie wünschen sich kommunikativer zu sein. weil nicht reden können/wollen, ist genau so schlimmm (noch schlimmer) als wenn man sich mitteilen kann und tut.


    ich habe von anderen menschen auch schon öfters (besinders auch in einem forum , gesagt bekommen, dass ich mich mit meinem vielen geschreibe selbst dastellen will... immer in den mittelpunkt stelle.... auf andere keine rücksicht nehme....

    ich finde, menschen die mir sowas sagen/schreiben haben selber nur das problem, dass sie gern so sein möchten wie ich. also selber gern viel reden /schreiben würden. es aber aus welchen grund auch immer, nicht so hinbekommen. daher ist es auch oft ein neid gegen mich, meine art.

    neid wird dann meist in beleidigungen, oder einem was schlecht machen angehangen.

    daher, wenn du reden/schreiben willst, dann tue es, lass dich nicht verunsichern. wenn du dir selber auf den geist gehst, dann wirst du automatisch ruhiger werden.

    ach ja und ein guter tipp. suche dir z.B. für mails oder briefe die richtigen leute. ich habe brieffreunde, wo von beiden parteien ,ungefähr 20 A4 seiten (hinten und vorn bedruckt) per Brief geschrieben werden.

    wer selber so drauf ist, ist auch von anderen nicht genervt.

    na und ich glaube hier fürs forum bist du total richtig, wenn du viel schreibst.
  4. Elladana New Member

    AW: Ich rede zuviel - Strategien dagegen

    Hallo Gwendi!

    Also ich finde nichts unsympatisches an Deiner Art und auch nichts negatives an Redseligkeit usw. Aber wenn Du meinst, dass Dich das selber stört, dann ist das natürlich zu respektieren.

    Alleine schon die Trennung - normaler Mensch und spirituelle Sichtweise, spricht ja für sich finde ich. An erster Stelle steht mal die Ehrlichkeit finde ich. Wenn ich mich ärgere, dann ärgere ich mich - da hüft nix !!!!

    Am besten ist, sich das zu erlauben - es sich zu gestatten so zu sein wie man ist. Meine Erfahrung damit ist die, dass sich interessanter Weise das Verhalten mit der Zeit - also wenn man sich mehr und mehr so annimmt wie man eben ist, dass sich das Ganze dann irgendwie in eine angemessene Form bringt. Aber das geht automatisch nebenher. Und Du brauchst Dich nicht zu belügen - von wegen Dankbarkeit gegenüber einer Schbrake die Dich unfair behandelt hat :) Wenn ich so einen Blödsinn schon höre ... da musst Du Dich ja wieder verbiegen - oder nicht?

    Ganz herzliche Grüße!
    Elladana
  5. flying dreams New Member

    AW: Ich rede zuviel - Strategien dagegen

    Hallo Gwendi,

    viel zu reden ist erstmal nicht schlimm - nicht oder nur selten zum reden zu kommen ist viel schlimmer.
    Aber wenn sich so viele Leute darüber beschweren wäre es vllt gut, das etwas einzudämmen.

    Ich selber bin eher schweigsam - rede aber trotzdem gerne, wenn mich das Thema interessiert.

    Im übrigen habe ich die Angewohnheit, quasi nonstop zu denken. Ich kriege es nur äußerst selten hin, gedanklich still zu sein. Dabei geht es nicht um abstraktes Denken, sondern um das Vorstellen von allem Möglichen, Alltäglichem, Ungewöhnlichem.
    Ging ich von der Schule heim, stellte ich mir vor, wie ich meiner Mutter von dem Schultag erzählte.
    Habe ich Mist gebaut, überlege ich in zahllosen Varianten, wie ich das einem anderen erklären könnte.
    Bin ich auf jemanden wütend stelle ich mir vor, wie ich mich bei einem anderen über diesen aufrege, wie ich mich bei dieser Person selber darüber beschwere, und, in schlimmen Fällen, wie ich mich bei dieser Person räche.
    Bin ich traurig stelle ich mir gleich darauf vor, wie ich einer Freundin von meinem Leid berichte.
    Und, und, und...

    Die Folge: Bin ich dann endlich bei besagten Personen angekommen, ist für mich eigentlich schon alles geklärt, insbesondere wenn ich traurig oder wütend war. Die Wut bzw. Trauer ist innerhalb von Minuten einfach verraucht ^^
    Aus diesem Grund bekommen andere das Gefühl, ich würde mich nie ärgern und so... Das kann natürlich auch leicht zum Problem werden.

    Was ich dir in dieser langen Rede sagen möchte:
    1. Schweigende Personen müssen nicht bei weitem nicht so ruhig sein wie sie erscheinen :)
    2. Wenn einem etwas "auf den Nägeln brennt" kann man auch gedanklich Leute zutexten und sie dabei NICHT nerven
    3. Möchtest du dich über andere Leute beschweren ohne den "Bumerang" abzubekommen, tut es bei Kleinigkeiten auch der Kopf. Du musst es nicht einmal in dich hineinfressen ;-)

    Wie gut solche Strategien bei anderen funktionieren, weiß ich natürlich nicht. Dass sie bei mir schon fast "zu gut" funktioniert, ist mir bewusst, aber ich mache es automatisch... Manchmal denke ich, es wäre gut mir das abzugewöhnen... und während ich das denke stelle ich mir vor, wie ich jemand anderen von dem Plan erzähle... :-D

    Zumindest ist es eine Möglichkeit, sich alle möglichen Dinge von der Seele zu reden.
  6. bschmiddi75 Active Member

    AW: Ich rede zuviel - Strategien dagegen

    Hallo!

    Ja flying dreams so ähnlich geht es mir eigentlich auch,
    aber ich ärgere mich oft darüber daß ich dann zu betreffenden Personen letztendlich gar nichts mehr sage.

    Leider fehlt mir meistens noch immer der Mut mir bei betreffenden Personen mal richtig Luft zu machen,bzw. ich denke zuviel über die Reaktionen nach.

    Klar,Nettigkeiten gehen sehr leicht über die Lippen,Menschen die mir nicht nahe stehen,da kann ich gut Kritik aussprechen,

    aber bei Menschen die mir nahe stehen und mich verletzt haben fällt es mir unheimlich schwer einfach mal darüber zu meckern zumal ich dann das Gefühl habe ich bin dann eh die Böse.

    Aber es ist tatsächlich leider so daß die wenigsten Kritik vertragen können,welche ja nicht unbedingt böse gemeint ist sondern zum Nachdenken anregen soll und um klarzumachen verletzt worden zu sein.

    Ich suche meistens die Schuld zuerst bei mir selbst,schön blöd manchmal!

    Jedenfalls bin ich auch eher ein Denker statt ein großer Redner.

    Menschen die unentwegt reden,sich sozusagen selbst gern reden hören aber auch nicht bereit sind auch mal zuzuhören,von denen distanziere ich mich!

    Gwendi,wie siehts bei Dir aus?
    Schon Fortschritte machen können?
    LG
  7. Gwendi New Member

    AW: Ich rede zuviel - Strategien dagegen

    Ihr Lieben,

    vielen Dank für die zahlreichen Beiträge, die in den letzten Wochen noch zu diesem Thema hier von Euch gekommen sind! Ich würde soo soo gerne zu einem jeden Beitrag von Euch ausführlichst etwas schreiben - aber dann würde es letzten Endes viel zu lang werden ... Ihr habt mir sehr viele Denkanstöße und Tipps gegeben, und ich hab mich sehr gefreut, zu lesen, dass es dem einen oder anderen hier ganz genauso oder so ähnlich geht wie mir, und ebenso interessant fand ich die Beiträge der Leute, die eher das gegenteilige Problem haben: zuwenig zu reden. Beides hat Vor- und Nachteile, Redefreudigkeit an sich ist keine Schwäche, Schweigsamkeit an sich ist nicht immer nur vorteilhaft - ja - es kommt halt auf das Maß drauf
    an ...

    Also, alles in allem konnte ich sehr viel aus all dem ziehen, was Ihr geschrieben habt - ich will all Eure Beiträge eigentlich nicht gern in einen Topf werfen, aber ich fass' es mal ganz ganz grob zusammen:

    Man sollte sich nicht verbiegen, redefreudig zu sein ist an sich erstmal gar keine so schlechte Eigenschaft, wenn man daneben auch in der Lage ist zuzuhören - und - ja, wenigstens etwas darüber nachzudenken, was man sagen möchte, bevor man etwas sagt und nicht erst, wenn es schon zu spät ist, kann nicht schaden.

    Allerdings kann man auch Probleme damit bekommen, wenn man zuwenig redet und sich gar nicht mehr traut, einmal auf den Tisch zu hauen, wenn man sich geärgert hat - Aggressionen können sich aufstauen, aber andererseits kann spontaner Ärger auch abflauen, wenn man wenigstens mal eine Nacht drüber geschlafen hat.

    Ich hoffe, ich komme irgendwann auf einen guten Mittelweg: etwas mehr denken, etwas weniger reden, aber das, was gesagt werden muss, dann ruhig auch mal sagen, bevor man Geschichten in sich reinfrisst ...

    (es ausschließlich in Gedanken durchzuspielen, flying dreams, schaffe ich, glaub ich, niemals :)) Aber ich wäre happy, das so hinzukriegen wie Du :))

    Jedenfalls, ich könnte versuchen, mich etwas zu ändern, aber dies, ohne mich total zu verbiegen bzw. selbst zu verleugnen -

    Den letzten Beitrag möchte ich doch noch kurz zitieren (wenn ich auch, wie gesagt, am liebsten fast alles von Euch einzeln zitieren und nochmal ausführlich besprechen und/oder kommentieren würde):

    bschmiddi, ich würde sagen Jein ;)
    Es gab ein paar Situationen in der letzten Zeit, in denen ich es tatsächlich geschafft habe, mich für kurze Zeit ein klein wenig zurückzuhalten. Dafür war ich dann in der folgenden Situation oder am nächsten Tag wieder genauso quasselig wie vorher, bzw. noch quasseliger :reden:

    Immerhin reflektiere ich aber wesentlich häufiger "Hätte ich das eben/vorhin/gestern wirklich sagen müssen?" [Die drei Siebe :] - "Habe ich eben mehr zugehört oder mehr selbst geredet?" - "Bin ich wirklich auf die/den anderen eingegegangen, oder habe ich nur von mir erzählt?" - "Eben habe ich geredet ohne zu denken! " usw.

    Viele liebe Grüße und nochmals ein dickes Dankeschön an alle!
    Gwendi
  8. Johanne Active Member

    AW: Ich rede zuviel - Strategien dagegen

    Liebe Gwendi.

    Super, du hast MICH soeben mit diesen 2 Sätzen vortrefflich beschrieben. :banane:

    Schau, wir versuchen es alle irgendwie besser zu machen, aber im Grunde sind wir eigentlich ganz ok.


    Aber wir reflektieren und werden Schritt für Schritt, immer etwas mehr bewusster.

    Das ist schon etwas mehr als nur, ok, es ist das Gewahrwerden des Augenblicks.

    Ganz herzlich,

    Hanne
  9. Reinfriede Well-Known Member

    AW: Ich rede zuviel - Strategien dagegen

    Liebe Gwendi!

    Was mir beim Durchlesen Deiner Beiträge eingefallen ist:

    Hast Du das Gefühl, für die Kommunikation, die läuft, allein verantwortlich zu sein?

    Es sieht so aus, als würdest Du irgendwie das Gefühl haben, den anderen unterhalten zu müssen, verantwortlich zu sein, dass die Kommunikation aufrecht bleibt.

    Ich meine, ich kenne ähnliche Situationen von mir, wenn ich Gesprächspartner habe, die eher schweigsam sind. Da hab ich dann das Gefühl, etwas sagen zu müssen, damit diese peinlichen Pausen vermieden werden. Aber damit übenimmt man Verantwortung, die man eigentlich nicht tragen bräuchte.

    Und noch eine andere Frage, die mich interessieren würde: WAS möchtest Du dem anderen *eigentlich* mitteilen?

    Gibt es etwas, das dahinterliegt?

    z.B. Ich möchte anerkannt werden, ich möchte gehört werden, ich möchte gesehen werden, ich möchte gute Stimmung verbreiten (das gehört dann wieder zum Thema Verantwortung für den anderen tragen) etc.

    Liebe Grüße
    Reinfriede
  10. Gwendi New Member

    AW: Ich rede zuviel - Strategien dagegen

    Liebe Hanne,

    ich hab Dir heute früh eine PN zurückgeschickt - beim Abschicken hat der Computer gehakt, und ich kann sie in meinem Postausgang nicht sehen. Falls sie nicht bei Dir angekommen ist - ganz lieben Dank für Deinen Beitrag! Dir geht es also genauso wie mir :) Das ist ja witzig :D

    Liebe Reinfriede,

    ganz lieben Dank auch für Deine Antwort! Wenn ich das so lese, was Du schreibst, muss ich sagen, dass GENAU das so bei mir zutrifft!! Es ist exakt das!!

    Diese Situation, wenn man jemandem gegenübersitzt und eine Gesprächspause droht oder ist bereits eingetreten - da meine ich immer das Gespräch weiterführen zu müssen! Genau! Ja, und dann passiert es oft, sehr oft, dass ich aus Verlegenheit, oder auch aus reinem Mitteilungsdrang, anfange wie ein Buch zu reden - und manchmal merke ich (an der Körpersprache, an bestimmten Reaktionen), dass das den Gegenüber dann eher langweilt als unterhält - und er/sie eigentlich lieber geschwiegen hätte oder allenfalls ein bisschen Smalltalk in Ordnung gewesen wäre.

    Die Gründe, was dahinterliegt, sind bei mir exakt die, die Du aufzählst:
    Es geht - ja! - um Anerkennung, gehört und gesehen werden, ja und auch darum, gute Stimmung verbreiten zu wollen.
    Ich kann noch nicht einmal sagen, dass ich mich immer und überall in den Mittelpunkt rücken muss, auch geht es mir nicht um reine Selbstdarstellung, aber einfach finde ich es toll, Anteilnahme zu bekommen (ja es ist schon ein Bekommen-Wollen ... auf jeden Fall) aber gleichzeitig auch, den Gegenüber teilhaben zu lassen an meinem eigenen Leben.

    Natürlich interessiert mich auch, was bei dem Gegenüber so los ist! Und kann da schon zuhören, und gehe darauf auch ein, stelle weitergehende Fragen, gebe Feedback usw. Aber danach geht's meist noch weiter: "Das was du jetzt erzählt hast, lieber XY, ist ja spannend! Ich habe vor xx Jahren etwas Ähnliches erlebt - und zwar dieses ... und jenes ... und *blablaba*:reden:

    Am Ende (bzw. bereits während) des Gesprächs merke ich dann oftmals, dass der andere eigentlich nur ein bisschen von sich erzählen wollte (also dasselbe Bedürfnis hatte wie ich, anerkannt und gehört zu werden), aber dabei nicht gleich meine eigene Lebensgeschichte oder jede Menge Anekdoten daraus hören wollte :D

    Manchmal ist es halt so, dass ich mein Leben ganz spannend finde, aber andere Leute (auch gute Freunde, die eigentlich für Vieles ein offenes Ohr haben) verständlicherweise nicht unbedingt immer im Detail hören wollen, was ich gestern gemacht habe, was ich morgen vorhabe, wo ich letztens in Urlaub war, was für tolle Fotos ich dort gemacht habe, wie ich über dieses und jenes Thema denke, seien es ganz persönliche Themen, oder Alltägliches, oder Politik etc..
    Daran muss ich noch arbeiten.

    Wie ist es bei Dir, Reinfriede, wenn Du Dich anderen Leuten mitteilen möchtest, Anteilnahme suchst. Passiert es Dir oft, dass Du anschließend auch denkst, dass das eigentlich zu viel/zu lang war, was Du geplaudert hast?
    Oder ist es eher so, dass Deine Bekannten oder Verwandten (je nachdem, wer Dir gerade gegenübersitzt) noch mehr von Dir hören wollen?

    Vielleicht stimmt auch einfach was nicht mit meiner Redetechnik :)
    Da sollte ich Vera Birkenbihl nochmal lesen ;-) :D

    Viele liebe Grüße wieder!
    Gwendi
  11. Reinfriede Well-Known Member

    AW: Ich rede zuviel - Strategien dagegen

    Bei mir ist es eher das lange Schreiben :)

    Das Plaudern geht gut, das ist ein Geben und Nehmen. Wobei ich draufgekommen bin, dass der normale Smalltalk diesen Effekt, dass jemand "genug" hat und sich zurückzieht, das hervorruft.

    Das ist heute nicht mehr so, denn das vermeide ich. Im Gegenteil, heute passiert es meistens, dass ich auch mit Fremden binnen kürzester Zeit in Themenbereiche reinkomme, die sehr tiefgehend sind - und das erreiche ich durch Fragen.

    Wenn es von seiten des Gesprächspartners Anzeichen für Desinteresse oder Abschweifen der Gedanken gibt, stelle ich eine Frage. Und zwar Fragen, die zum Gespräch einladen, z.B. wie er/sie zu diesem Punkt denkt, fühlt, was für/ob er/sie dazu Erfahrungen hat....dann sprinkt der Gesprächsfunke meistens gleich über.

    Inzwischen schon, aber wie gesagt, das war nicht immer so. Bis ich draufgekommen bin, dass es die Themenbehandlung an sich ist, die langweilt, nicht die Art zu sprechen. Denn das Geben und Nehmen in der Kommunikation funktionierte ja.

    Du kannst aus einem Alltagsthema immer ein interessantes machen, es kommt nur darauf an, die persönliche Meinung des anderen zu ergründen und zwar auch genau auf der persönlichen Ebene. Fragen nach dem subjektiven Empfinden zu diesem oder jenem Thema z.B.

    Das muss gar nicht sein. Ich denke eher, wenn es sich so wie bei mir verhält, dass es die Ebene ist, auf der gesprochen wird.

    Ich habe z.B. eine Bekannte, da fang ich zum Gähnen an *grins* - da gehts nur um Friseur, Schönheitsfarm, tolle Reiseziele etc. Da gibts bei mir wenig Resonanz. Würde sie mich jedoch fragen, was ich davon halte und warum, dann gäbe es eine interessante Gespsrächsbasis. Weisst Du, was ich meine? Halte Dich an das Thema, das DAHINTER liegt, dann kannst Du wirklich gute Konversation erwarten.

    Frag die Leute nicht, wie es ihnen geht, sondern frag sie nach ihrer Meinung zu den Dingen...Wenn Du ihnen erzählst, was heute passiert ist, setz die Frage nach, ob sie schon ähnliches erlebt haben und welche Konsequenzen sie persönlich daraus gezogen haben...

    Probiers einfach mal aus...:winken5:

    Liebe Grüße
    Reinfriede
  12. Gwendi New Member

    AW: Ich rede zuviel - Strategien dagegen

    Jepp das ist es bei mir auch noch ... das Problem, dass ich gern überlange Emails schreibe, da komm ich schon öfter mal an den Umfang von "Krieg und Frieden" ran ;-)

    Das tu ich auch - und irgendwie krieg ich's nur selten hin, dass da ein Gesprächsfunke wirklich überspringt ...da endet das Gespräch zwischen mir und dem Gegenüber eher noch schneller in einer Sackgasse ...

    Danke das klingt nach einer guten Idee! Nur braucht man da wohl etwas Übung und Erfahrung, um genau die persönliche Ebene zu treffen, sozusagen eine gleiche Wellenlänge zu finden?

    Also mit diesen oberflächlichen "Frauenzeitschriften-Themen", also Frisuren, Kosmetik usw. kann ich auch rein gar nix anfangen :) Habe aber das Gefühl, dass sich sehr viele Leute darüber lieber mit mir unterhalten würden, als z. B. über spirituelle Themen (was freilich etwas sehr Persönliches darstellt und andere Leute schnell abschrecken kann) oder auch über andere Sachen aus den Bereichen Wissenschaft oder Philosophie. Damit lande ich immer wieder schnell in einer Sackgasse, bzw. Leute schalten ihre Ohren auf Durchzug.
    Rede ich über ganz normale Themen (z. B. "wie findest du das Buch soundso" oder "gestern hab ich dieses und jenes erlebt, stell dir vor") passiert es mir ganz oft, dass ich merke, dass ich damit den Gesprächspartner ganz schön langweilen kann ...
    Reiseziele ist in der Tat ein Thema, über das ich unwahrscheinlich gerne rede. Und wenn andere von ihren Reisen erzählen, höre ich da auch total gern zu (allerdings mache ich dabei den Fehler, dass ich zwischendurch zu oft das Gespräch unterbreche, z. B. "echt du warst in der Stadt XY? Eine Freundin war da auch schon, das muss ganz toll sein! Sie hat dort dieses und jenes erlebt! Stell dir vor *blabla* (natürlich fordere ich den Gesprächspartner dann auch noch auf, weiterzuerzählen, aber insgesamt rede ich oft mehr, als mir im Augenblick "zustünde" ...
    Dann hab ich ein Lieblingsland, über das ich unwahrscheinlich gern erzähle (und über meine Reisen dorthin) aber da merke ich, dass andere Leute aus meinem Umfeld davon schnell das Gähnen kriegen :)

    Das ist eben die Schwierigkeit, überhaupt das Thema dahinter zu finden :) Manchmal hab ich aber auch das Gefühl, dass ich schon von mir aus "hinter" ein Thema steige, aber der Gegenüber will das gar nicht unbedingt (bzw. dann hab ich wohl nicht die richtige Ebene erwischt ;))

    Das werde ich in nächster Zeit mal wirklich bewusster ausprobieren. So regelrecht bewusst habe ich das bisher ja noch nicht praktiziert ... Danke für Deine guten Tipps!!!

    :winken5:

    Liebe Grüße zurück!
    Gwendi
  13. Gwendi New Member

    AW: Ich rede zuviel - Strategien dagegen

    Das wollte ich noch in meinen eigenen Beitrag von eben mit einschieben:

    Das tu ich sogar auch zuweilen, ja! (Allerdings mach' ich oftmals den Fehler, dass ich dazu tendiere, das Gespräch dann auch schnell wieder an mich zu reißen ... bzw. irgendwie nicht die richtigen Fragen stelle :)) - und irgendwie krieg ich's nur selten hin, dass da ein Gesprächsfunke wirklich überspringt ...da endet das Gespräch zwischen mir und dem Gegenüber eher noch schneller in einer Sackgasse ...
  14. Reinfriede Well-Known Member

    AW: Ich rede zuviel - Strategien dagegen

    Liebe Gwendi!

    Du hast offensichtlich nur das Problem, dass Du die Kontrolle über das Gespräch behalten möchtest. Das ist der Knackpunkt, denke ich. Lass dem Gesprächspartner die Wahl der Ebenen.

    Spirituell muss ein Gespräch nicht werden, nur persönlich, damit der andere das Gefühl entwickeln kann, "gehört" zu werden.

    Lass es fließen - es ist nicht wichtig, ALLES beim ersten Mal zu erzählen, nimm Dir selbst die Zeit dazu, es häppchenweise zu servieren.

    Vielleicht überlegst Du Dir mal folgenden Gedankengang:

    Wenn Du fein essen gehst, dann möchtest Du auch nicht gleich soviel Suppe, dass Du den 2. und 3. Gang nicht mehr runterkriegst.

    Genauso geht es dem Gegenüber. Interessant bleibt man als Gesprächspartner dann, wenn der andere auch an weiteren Gesprächen interessiert ist. Wenn Du alles beim ersten Mal servierst, dann schöpfst Du solange Suppe nach, bis er nicht mehr kann.

    Mach ihn neugierig auf Dich - gib nicht soviel her von Dir, nur immer Kleinigkeiten. Vielleicht wäre es eine gute Strategie von Dir, Dir zu überlegen, wie Du nur Häppchen aus Deinen Schilderungen machen könntest. Konzentrier Dich auf das Wesentliche, es gibt Dinge, die sind bei einem Thema wichtig, und welche die sind Nebenschauplätze.

    Versuch mal, aus einem Gedankenschwall nur die Essenzen herauszufiltern, die das Thema tatsächlich berühren.

    Damit lässt Du dem anderen Raum und die Gelegenheit, selbst die Ebenen zu bestimmen oder auch zu wechseln.

    Liebe Grüße
    Reinfriede
  15. Gwendi New Member

    AW: Ich rede zuviel - Strategien dagegen

    Liebe Reinfriede,

    eine Story immer gleich komplett erzählen zu wollen, bzw. ein bestimmtes Thema am liebsten sofort bis ins allerkleinste Detail abhandeln zu wollen - das ist bei mir so - daran kann es tatsächlich liegen - ich denk nämlich immer, sonst fehlt etwas :eek:
    Darauf sollte ich tatsächlich mal etwas achtgeben :) Der Vergleich mit dem Menü ist sehr einleuchtend! Danke!

    Ich muss dazu - ja - noch lernen, Wesentliches von Unwesentlichem zu unterscheiden :)
    Ich verzettel mich immer so gern :)

    Liebe Grüße,
    Gwendi
  16. Bara New Member

    AW: Ich rede zuviel - Strategien dagegen

    Liebe Gwendi,

    uf, du hast schon viel probiert! Und was ich gut dabei fühle, dass du immer noch den Willen hast dir zu helfen!

    So, hier kann ich dir einen Ratschlag geben - einen sehr einfachen:

    Spiel eine Woche die Beobachterrolle:

    • beobachte dich
    • beobachte deine Gedanken, Atmung, Bewegung...
    • beobachte deine Freunde, die dir etwas erzhälen
    • nimm dir den Platz und die Zeit ein Beobachter zu sein

    Nur eine Woche.
    Das kostet ja nichts :)

    Du könntest überrascht sein.

    Liebe Grüße, Bara
  17. Gwendi New Member

    AW: Ich rede zuviel - Strategien dagegen

    Hallo Bara,
    das klingt auch wieder total interessant! Na dann bin ich ja mal gespannt was passiert :move1: Wenn ich denn nicht ständig wieder aus der Beobachterrolle in meine althergebrachten Denk-/Verhaltensmuster zurückfalle ;)

    Liebe Grüße!
    Gwendi
  18. inschi666 New Member

    AW: Ich rede zuviel - Strategien dagegen

    hierzu möchte ich dir sagen, ich fasenweise ebenfalls darunter gelieten habe. seit ich hier eingetragen bin hat es sich um vieles verbessert. ich schreibe zuerst darüber, danach sieht die geschichte schon anders aus. und schon kann man weitergeben was man wirklich weitergeben will. geht nicht immer. . besonders wenn einem betimmte sachen unter die haut gehen.
    da denke ich oft an den spruch "versuche darüber zu stehen. erst dann ist man objektiv. dann kann man handeln." sollange man dem anderen beweisen will das man mehr hat, kränker ist, schlechter geht, wird man dem anderen ständig etwas mitteilen wollen. erst wenn man das im griff hat, wird der redeschwall weniger!
  19. Mahal New Member

    Hallo,
    dieser Thread liegt ja nun schon 2 Jahre zurück. Ich hatte damals alles mitgelesen, weil ich das Problem von Gwendi 100% nachempfinden kann und hier tatsächlich viele hilfreiche Ansätze fand.

    Folgendes hatte ich für mich verändert und sehe heute (nach 2 Jahren) eine Besserung:
    • Der Achtfache Pfad der Mönche, insbesondere "die unaufhörliche Prüfung seiner Gedanken und Emotionen". Dank an Johanne.
    • Ich anerkenne, dass es ein langer Weg ist.
    • Meditation ist nicht so sehr meine Sache, aber ich nutze die vielen kleinen Momente des "Innehaltens", z.B. wenn ich in der Schlange an der Kasse stehe. Dann erlebe ich den Moment und schaue mich einfach um. Der Effekt: ich selbst stehe nicht im Fokus.
    • Ich habe verstanden, dass bestimme Überlegungen, Gefühle, Selbstreflektionen privat sind und nicht mitgeteilt werden sollten.
    • Meine Strategie bei E-Mails: Nach dem Schreiben versuche ich den Inhalt auf 50% herunterzukürzen. Oft schaffe ich sogar mehr. Inzwischen habe ich ein gutes Gespür dafür, wieviele Worte unnötig sind. Den überflüssigen Teil hatte ich oft als Laberei empfunden und mich hinterher dann jedesmal dafür geschämt. Das Gleiche natürlich nach Gesprächen.
    • Ja, natürlich soll man sich selbst so akzeptieren, wie man ist. Aber: wir leben, um uns zu verbessern. Die Meinung einiger Members konnte ich nicht teilen: "Der eine redet halt mehr, der andere weniger". Stimmt zwar prinzipiell, ist dann aber bedenklich, wenn es die Kommunikation zu anderen belastet.
    • Freunden hatte ich gesagt: Wenn ihr mir helfen wollt, dann stoppt mich bitte, wenn's zuviel wird. Ich bin nie beleidigt gewesen, sondern eher dankbar, denn das erfordert von denen ja Überwindung.
    • Offenbar sind einige Menschen gesprächs- und gedankenarm - mit denen haben es die Labertaschen wohl deutlich schwerer, sich zu kontrollieren. Ich selbst habe eine Bekannte, die sehr viel redet - in deren Gegenwart fühle ich mich gut. Hier merke ich, dass ich KEIN Problem mit dem Zuhören habe. Es liegt also sicherlich auch am Gegenüber, aber trotzdem ist jeder für ich allein verantwortlich. Dass Gwendi dieses Problem für sich lösen will, finde ich höchst anerkennungswert. "Bleib wie du bist", ist für mich keine optimale Antwort. Aber: Liebe dich, wie du bist.

    Meine persönliche Erklärung für meine Laberei: Ich will andere Menschen von Denk-Anstrengung befreien, indem ich jeden Gedanken in 10 Varianten und aus 10 Blickwinkeln servieren möchte, sodass die nur noch A, B oder C sagen müssen. Meine Mutter war oft ausgetickt, wenn ich durch eine (dumme) Frage ihr Gehirn beansprucht hatte.
    Inzwischen kann ich es ertragen, wenn mein Gegenüber nach Antworten sucht, keine findet und deshalb still wird. Ich versuche, dieses Vakuum NICHT mehr mit meinen Antworten zu füllen. Ich kann zwar einen kurzen Rat zu geben, der natürlich auf meinen persönlichen Geschichten beruht, aber ich muss die Geschichte dahinter nicht in epischer Breite dazugeben.

    Wie gesagt: es ist ein langer Weg.
    Gruß an all die liebenswerten Labertaschen und die Tippgeber
    Innere_Freiheit gefällt dies.

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