Liebe Lucille!
Ja, es IST anders, das stimmt. Wobei die Qualität der Freiheit jetzt auch anders ist - ich empfinde sie intensiver. Vor den Kindern war ich ich frei, aber auf der Suche nach dem nächsten Kapitel im Leben.
Nun habe ich schrittweise das Gefühl, dieses Kapitel abgeschlossen zu haben, erfolgreich abgeschlossen (ich trau mich das gar nicht zu schreiben, bin blöderweise abergläubisch

- noch sind ja nicht alle außer Haus).
Meine Kinder sind erwachsen, ich hab diesen Job geschafft. Ich hab, als Alleinerzieherin, alle (fast alle, eine ist derzeit noch dabei) bis zur Matura/zum Studium gebracht, alle sind gesund und können ihr Leben nun leben.
Natürlich werden sie immer meine Kinder sein und ich werde mich immer um sie sorgen, aber sie könnens jetzt schon alleine. Und das ist befreiend, finde ich. Es ginge
auch ohne mich.
Ich seh das mit meiner Ältesten, die bereits ausgezogen ist, trotzdem wir sehr intensiven Kontakt haben, sind wir frei, beide. Und ich genieße das total (und ich denke, sie auch).
Und die Unruhe, die ich vor den Kindern hatte, die ist jetzt nicht mehr da. Dieses Gefühl, noch etwas erledigen zu müssen, das ist verschwunden - ich habs erledigt - ist irgendwie blöde zu beschreiben.
Vor den Kindern hatte ich immer das Gefühl, noch nichts erlebt zu haben, bin in jede Erfahrung regelrecht hineingestürmt. Muss ich jetzt nicht mehr, ich fühl mich freier als zu dem Zeitpunkt, als ich noch keine Mutter war. Dieses Gefühl, WAS soll mir schon noch passieren - ich hab in meinem Leben alles getan, was ich je tun wollte. Und das macht mich frei, innerlich total frei. Ich muss keiner Erfahrung mehr nachlaufen, ich MUSS nicht mehr.
Ich hoffe, das klingt jetzt nicht zu wirr.
Liebe Grüße
Reinfriede