und noch eine frage an dich lucille. Und bitte diese wenn du kannst zu beantworten: was ist nachher??
wärst du eine von den frauen, die alles daran setzen, dass die kinder nicht mal mehr bei ihm übernachten dürfen? wärst du eine mutter, die dem kind den vater nimmt??
Liebe Abendsonne,
NEIN, ich wäre mit Sicherheit keine Mutter, die dem Kind den Vater "nehmen" wollte. Wie kommst Du darauf? Ich habe hier auch schon öfter geschrieben, für wie wichtig ich (im Falle einer Trennung) eine ausgewogene Beziehung zu beiden Elternteilen halte. Um keine Defizite aufkommen zu lassen, brauchen Kinder Vater und Mutter.
abendsonne
liebe lucille, du warst echt schon mal anders drauf. hast die situaiton ganzheitlicher gesehen bis vor einigen monaten. ... irgendwas ist passiert. du hast ja auch noch erkannt, dass dieses "den-vater-im-stich-lassen" gefühl auch ganz schön wirken kann an einem kind
Ich sehe es nach wie vor - ganz allgemein gesprochen - so, dass Kinder beide Elternteile lieben und sich emotional oft mal auf die Seite des Verlassenen (in ihren Augen Schwächeren) stellen. Kinder tun das meist, ohne weder Vernunft noch Pragmatismus einzuschalten, weil es einem inneren Bedürfnis entspricht. Auch wenn es sich pathetisch anhört - Kinder wollen eigentlich immer nur die Harmonie.
Bei einer Trennung gerät diese Hoffnung auf den Idealzustand aus den Fugen.
Und hier ist es vordringlichste Aufgabe der Eltern, die Kinder dahingehend zu beruhigen, dass sie keinen von beiden "verlieren" werden, und dass beide Elternteile ehrlich bestrebt sind, Lösungen anzustreben, die das Verlust-Gefühl in Grenzen halten.
Deiner Beschreibung nach ist das bei Euch nicht gegeben.
Kinder leiden sowieso, wenn die Familie zerbricht.
Aber Eure leiden in gesteigertem Maße, weil Ihr es nicht auf die Reihe kriegt, verantwortungsvoll mit diesem sensiblen Thema umzugehen.
Was Dein Mann mit dem Mädel macht (Manipulation über Androhung vom Hausverkauf) ist tatsächlich unter aller Kanone und beschwört Schuldgefühle geradezu herauf. Wenn er sie liebt, dann ist das eine eigenartige Weise, das auszudrücken.
Wenn Du sie, zwecks "austesten", alleine lässt mit ihren Ängsten, dann fühlt sie sich zusätzlich im Stich gelassen. Sie selbst wird das vielleicht gar nicht so eindeutig benennen können, aber es würde mich wundern, wenn es anders wäre.
Nochmal - die Alpträume und Bauchschmerzen hat sie ja nicht grundlos.
Du hingegen willst Deinen Mann "auf Tauglichkeit" kontrollieren.
Deinen Denkansatz verstehe ich durchaus.
Was ich nicht verstehe, ist, dass er Dir ja klipp und klar sagt, dass er nicht anders "kann", als sich selbst auszuschalten, sei es durch ein paar Bier zuviel oder durch Tabletten.
Deinem Mann wird nichts anderes übrig bleiben, als sich das Vertrauen, das Du Dir von ihm verständlicherweise wünschst, redlich zu verdienen. Und zwar durch tadelloses Verhalten = Verantwortung. Ich bin sicher, die Jugendwohlfahrt würde das genau so sehen ...
Das Mädchen ist 13 und wird schon mitbekommen, was da läuft. An Deiner Stelle würde ich in die Offensive gehen und ein offenes Gespräch mit ihr suchen und auch mal ihre ganz eigene Einschätzung anhören. Ich halte es für denkbar, dass sie sich im Moment von sich aus nicht traut, weder Dir noch dem Vater gegenüber ihre ehrlichen Gedanken zu äußern - weil sie Angst hat. Es gilt, ihr diese Angst zu nehmen.
Was ich - insgesamt, Eure Situation betreffend - nicht verstehe (ich habe es ja schon geschrieben) ist die Tatsache, dass die alleinige und einzige Entscheidungsgrundlage für oder gegen eine Trennung diese Wohnung ist.
Sollte es wider Erwarten nicht funktionieren mit der Wohnung, so bleibt Ihr weiterhin zusammen.
Ihr habt beide die Kinder schon Monate vorher in Alarmbereitschaft gesetzt.
Das grenzt an seelische Grausamkeit, sorry.
Kinder wollen/brauchen KLARHEIT und kein Leben im Konjunktiv.
Diese Optionsvarianten (was-wäre-wenn) sind unter Erwachsenen legitim, aber Kinder sind damit eindeutig überfordert.
Der Film, den Du gestern mit Deiner Tochter angeschaut hast, hat bei ihr, auf dem Umweg der Fiktion, sicher nichts anderes als Traurigkeit und Schuldgefühle (wieder mal im Vorfeld) ausgelöst, und das verstärkt durch Deine eigene Reaktion auf den Film (Projektion, ebenfalls im Vorfeld).
Versuche doch mal, Dich in das Kind hinein zu versetzen - wie ginge es Dir damit?
Wenn Dein Mann dann wieder, wie heute, eine Runde mit dem Kleinen spazieren geht ohne Einkehrschwung ins Wettbüro oder in die nächste Kneipe, dann bist Du innerlich bereits wieder besänftigt - und tendierst dazu, den Blick von der Gesamtsituation wegzunehmen.
Auch das kann ich gefühlsmäßig nachvollziehen, aber Du zermürbst Dich damit selbst.
Ich will hier nicht auf Dir rumhaken, liebe Abendsonne. Ich will Dir weder Illusionen machen, geschweige denn, welche nehmen. Nur - der Punkt, der mich so triggert an Deiner Geschichte, sind Eure Kinder. Weil ich leider aus eigener Erfahrung weiß, was man mit eigenem Fehlverhalten alles anrichten kann.
LG
Lucille