AW: .... das Leben an mir vorbei???
Was für mich allerdings nicht klar ist - vermutlich deswegen, weil ich zu wenig Überblick habe - warum du (und die Kinder) nicht dabei sein dürfen. Es ist schwer über etwas oder über Menschen zu schreiben, die einen unbekannt sind. Vielleicht ist es einfach als Schutz zu dem Wohl deiner Kinder und zu deinem Wohl gedacht, jetzt nicht dabei zu sein. Vielleicht aber auch ist das jetzt das Ausschlaggebende, um dir etwas bewusst zu machen, worüber du dich sowieso kränkst.
mir fällt da, - jetzt wo es angesprochen wird -schon etwas krass auf: ich habe mich immer distanziert halten wollen vom sterben, hatte fast panische angst davor, zusehen zu müssen, und jetzt wo es mir auferlegt wird, mich fern zu halten (das, was ich eigentlich immer wollte :clown

tut es plötzlich weh, nicht HINschauen zu dürfen. so als würde ich "sterben" plötzlich als teil des lebens annehmen wollen. mich unmittelbar reinbewegen wollen ins annehmen..... .
leider kommt etwas dazu, das mir nicht so gut tut, was mich meine einschätzung widerrufen lässt: "sterben" hab ich mir angesichts der geschichte meiner schwiegermutter in der letzten zeit plötzlich "einfach" vorgestellt,........ viel einfacher, als ich immer dachte. man weiß es ja nicht, wie es wirklich ist, wenn man selber nie dabei war und es redet niemand davon..... . man konnte sich nur ein BILD machen. ich hatte es jetzt.
dadurch verlor ich auch die angst bezüglich der krankheit meines mannes.
fluggs, dachte ich, man lebt nach der diagnose krebs z.b. einige jahre, wo man nicht viel merkt davon (meine schwiegermutter war immer sehr tuff, sah gut aus, versorgte alle wie eh und je, war ende februar noch voll fit bei der geburtstagsfeier meines buben,
sie jammerte jedenfalls niemals...... ) ------- dabei könnte es aber sein, dass die schwiegermutter auch HIER so tapfer war wie immer - alles geschluckt hat, alles mit sich ausgemacht hat..... und einfach niemanden belasten wollte - und wir dadurch also ein anderes bild von der krankheit bekamen),.... ich dachte mir also es geht von heute auf morgen :clown:. heute fit, dann das wasser, das kommt, von einem tag auf den anderen, dann die gelbsucht am nächsten tag schon, und
.....dann "noch ein paar tage" - so wie gesagt wurde.
so schlimm es klingt, weil man konfrontiert werden würde mit einem DOCH schnellen abschied, aber es hat mir das anschauen der krankheit meines mannes, dem ev. auch leberkrebs mal anstehen wird, doch sehr erleichtert. es wurde mir gezeigt, wie es IST. ich dachte, wie gesagt, er lebt also gut, noch viele jahre, falls es ihn auch mal richtig erwischt (mit hepatitis c gute "chancen") und dann gehts einfach schnell - ohne schmerzen, ohne siechtum. er muss nicht leiden, ich muss nicht zuschauen.
nun ja, wie gesagt, meiner schwiegermama wurde also vor 3einhalb wochen gesagt, ein paar tage hätte sie noch, gestern war sterben für mich also noch in einem anderen bild. . ich war sooo erleichtert darüber.
sie konnte gut schmerzfrei gehalten werden.
jetzt beginnen die schmerzen aber, es ist leider, leider, leider nicht so, wie ich mir vorstellte. das morphium verliert seine wirkung. und damit beginnt die phase, die ich mir ganz, ganz schrecklich vorstelle. die ich auslöschen möchte, nicht verstehen will, nicht begreifen will, wenn ich so weit weg bin.
ich bin angesichts dieser vorstellung, jemanden elend krepieren zu sehen, sehr sehr erschüttert. es tut so tausendmal weh, jemanden so leiden zu wissen und nicht helfen zu können. wie muss es da all denjenigen gehen, die damit unmittelbar umgehen müssen.
wie gehts dem schwiegervater, dem bruder, der im haus wohnt,wie kann es ihm/uns/mir mal gehen.????
oder wie geht es einem, wenn man selber in die sitation kommt, solche schmerzen zu haben und nicht zu wissen, was NOCH kommt..... . wie geht es der schwiegermutter?
also, ich habe echt ängste vor all dem, und mir ist bewusst, dass das riesig schlecht ist.
mir ist bewusst, dass ich vor all diesen empfindungen immer flüchten wollte die letzten monate, fast jahre, als mir so klar wurde, dass ich umgeben bin von viel krankheit, von alten menschen etc. . ich bin so viel von selbstmord umgehen, von negativität und frage mich warum, möchte ständig flüchten.... .
:clown::clown:
ab in die freiheit, ab ins kino, ins konzert, ins wellnessparadies, ablenkung von diesem leben, gesunde anstatt kranke menschen um mich..... - und die erkenntnis, dass es mir finanziell nicht möglich war, mir ein leben in ablenkung zu gewähren, wurde ich selber fast krank oder bin es schon. ich hoffe bei gott, nur psychisch.
manchmal hat mich regelrechte panik ergriffen. früher.
die hat sich wieder zunehmend verstärkt dieser tage, weils mir ja zwischendurch absolut gut ging mit dem geld, ich das sooo genossen habe,
und ich die zuversicht hatte, mich doch in die befreiung retten zu können. ausflüge etc, ev. mal eine neue wohnung. jetzt hab ich eine ähnliche situation wie vorher. minus und er auch noch immer. wieder jedes stück schokolade auf schulden.... .
dass ich mir mit diesem autokauf die hände selber wieder gebunden habe, ist klar. selber schuld. kein mitgefühl.
und doch:
anlass, mich wieder mehr gebunden zu haben, war dieses zwischendurch-befreiende gefühl "du brauchst keine angst zu haben vor der krankheit deines mannes" -
kann man das verstehen?
mir wird jede facette meiner emotionen immer klarer.
ich konnte zwischendurch also ein wenig zu ihm, zu meinem mann, finden - musste mich nicht davon flüchten, weil wie gesagt, das was mir ev. bevorsteht, empfand ich nicht mehr als so schrecklich.
somit hab ich es gewagt, dieses neue projekt "auto" mit ihm einzugehen.
das bild ist jetzt ein völlig anderes.
gestern bekam ich dann neuerlich dieses gefühl, einen riesenfehler gemacht zu haben.
wieder abgeschnitten vom leben, wieder mitten drinnen im eingesperrtsein, umgeben von dieser dürsternis. ablenken GEHT nicht, und ich hab angst.
heute sieht es anders aus, gott sei dank.
und:
sonderbarerweise, wenn ich dann direkt dort bin = absolut konfrontiert mit dem sterbenden, lieben menschen,
dann ist da so ein frieden, so eine stille, es ist fast irgendwie auch schön... - so voller gefühle.
.
vielleicht muss ich jetzt so durch, vielleicht wird mir doch die angst genommen vor all dem, und ich finde dann endlich meinen frieden,
es zieht mich ja irgendwie magisch hin.
vielleicht muss ich dann nicht dauernd dem geld hinter her laufen, das für mich freiheit, ablenkung bedeutet.... .
ja, mir soll ev. tatsächlich etwas bewusst werden.
ich soll aufhören, angst vor dem zu haben, das so absolut zum leben gehört!!!
vielleicht finde ich dann die liebe zu meinem mann DOCH wieder....
lg abendsonne