.... das Leben an mir vorbei???

AW: .... das Leben an mir vorbei???

Aber wenn Du zum Thema sterben bzw. Sterbebegleitung eine Frage hast, beantworte ich sie Dir sehr gerne.
ja eine frage hab ich gerade:
war dieses sterben in 3-tagen absolut ersichtlich in bezug auf den zeitpunkt, habt ihr gewusst, JETZT ist es tatsächlich soweit, der übergang ist da? kann man den zeitpunkt definitiv erkennen?
 
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AW: .... das Leben an mir vorbei???

liebe elladana,
vielen dank für deinen wunderbaren und sehr nahe gehenden beitrag. fühl mich mit dir sehr verbunden auch angesichts deiner ganz persönlichen geschichte, denn so ich hast auch du einen nicht wirklich definierten platz in der familie (dein thread "familienlüge-lebenslüge"). bei mir ist die thematik zwar eine ganz andere, aber "dabei" bin ich auch nicht wirklich wo.... . ich denke, wenn man die wertigkeit, die sich für die menschen in bezug auf familie immer darstellt, betrachtet, dann weiß man, welches manko = in welchem ausmaß!! so ein entwurzelt-sein mit sich bringt.

Liebe Abendsonne!
Das ist schön - ich danke Dir auch!
Ja, all diese Mankos haben ihre Ursachen - und irgendwie gehören all diese Unebenheiten zu einem mit dazu.

ich denke bei meiner geschichte, dass ich sowieso immer auf die "heile-welt" bei der familie meines mannes geschielt habe... - und ihn irgendwie all die jahre be-neid-et habe. er hatte etwas, was ich nirgendwo hatte. . ich hab dadurch auch sehr viel erwartet von ihm, und auf ihn herabgeschaut: "bei so einem fundament hättest du ganz andere wege gehen müssen".

dann ist mir immer mehr bewusst geworden, dass die heile-welt bei seiner familie NUR fassade ist, schließlich mussten sie damit fertig werden, dass der sohn eben auf solchen abwegen (heroin) gelandet ist.... - und keiner hat je ein wort darüber verloren., das hab ich lange nicht gesehen.
auch bei all dem nachher nicht (alkohol, spielsucht.....) .

Was diese heile Scheinwelt anlangt, da kann ich mich sehr gut in die Lage Deines Mannes hinein versetzen. Es ist für das eigene Innenleben erst mal sehr verwirrend den für sich richtigen Weg zu finden, weil durch diese vielen Schleier (Verschreierung) mehr Unisicherheit entsteht als eine klare Linie.
Das ständige aufrecht erhalten dieser Scheinwelt erfordert ein mit-lügen, ein mit-schwindeln, oft auch in Bereichen wo man erst mal gar nicht merkt dass man schwindet - man ist es einfach so gewohnt und/oder man hat es gelernt so zu glauben. Für einen feinfühligen Menschen (das ist Dein Mann offenbar auch, sonst würde er nicht Suchtmittel nehmen) ist das der reine Horror. Es spielt in der Gefühlswelt rampa zampa und Du weißt erst nicht warum, wenn Du es dann weißt, weißt Du erst mal nicht mehr was wahr ist und was nicht. Es ist wie irre werden ... Bis dann langsam Licht ins Dunkel kommt, bis man langsam seine eigenen Schritte macht, Schritte, die andere als Jugendliche machen, macht man als Erwachsener an diesem Punkt und viele kommen gar nie an diesen Punkt.

Es ist ein ständiges erwachen und erwachen tut weh. Weiter den Teppich darüber legen tut irgendwann mal auch nur mehr weh. Irgendwann tut das eine gleich weh wie das andere und auf Grund der Scheinwelt liegt einem auch noch der Anspruch anderer, ein Famiiendruck, der Ruf der Familie uvm auf dem Buckel. Diese Ansprüche versucht man zu erfüllen, man versteht nicht warum es einem nicht gelingt, denn als der erwachsene mensch der man ist, weiß man dass man es könnte, es geht aber irgendwie nicht und man fühlt sein eigenes versagen - kann es sich nicht erklären, man weiß dass man in Ordnung ist, aber es passieren einem diese Nichterfüllungen. Dann glaubt man irgendwann nicht mehr daran dass man so wie man ist in Ordnung ist. Ich kann Deinen Mann gut verstehen auch wenn ich selbst nie Drogen genommen habe.

das wurde alles niemals angesehen, zumindest nicht angesprochen. ich hatte immer hochachtung vor so viel besonnenheit in der familie, dabei war es ja doch nur ein unter-den-teppich-kehren von problemen.

so wie in deiner familie nicht wahrheit geredet werden durfte, passierte es auch dort. auch ich musste völlig alleine fertig werden mit allem, weil man nur eitel-sonnenschein reden durfte.

Ja genau - wie auch in meiner Familie.
Da gibt es keinen Familienzusammenhalt. Da lässt man sich alleine. Da gibt es nur ein Mitspielen oder nicht. Ein für den anderen da sein gibt es nicht, es gibt nur das Tauschgeschäft und das beinhaltet ganz klare Regeln. Eine davon heisst schweigen.

ich denke, die krankheit (auch lebermetastasen) ist das ventil nach außen, die entsprechung im außen, das indiz für all die eingehaltenen "emotional-verträge" (=ungeschriebene gesetze, nach denen sich viele richten, der schonung des anderen willens). die mutter meines mannes wollte ihrem mann ständig den rücken frei halten, und hat ihn, der so mitten in der öffentlichkeit stand, ständig geschont und ihm "jeden wunsch von den augen abgelesen". er hat bestimmt, und sie fügte sich "ihm zuliebe", fast immer zumindest. nicht aus unterwerfung, sondern aus liebe. damit hat sie sich selber aber vielleicht nicht gerade immer gutes getan.
mein mann sagt, die ehe seine eltern wäre für ihn vorbildhaft, sehr achtenswert, aber warum.....ist dann das alles passiert, was mit ihm passiert ist?? kann man überhaupt vom elternhaus ableiten?
...........
auf das muss ich echt irgendwann noch mal genauer eingehen.

BOOOAAAA voll ins Schwarze. Ich sags ja, Du trifft es immer wieder voll auf den Punkt. Das find ich echt klasse wie Du das machst. Du hast recht, Du hast ja so recht !!!!

Das hat mein Vater auch getan. Ganz genauso.

ich denke, mir hat es sehr wehgetan, die schwiegermutter vor dem sterben nicht mehr sehen zu können, weil ich ihr gerade in ihrer jetzigen lage sehr zugetan bin und sehr sehr bewundere, mit welcher tapferkeit sie alles auf sich nimmt und wie sie das alles trägt.
wie bei dir elladana in bezug auf deinen papa :clown:

.....und was dazu kommt: ich bin wütend gewesen (ich kann die emotion jetzt definieren!!!) auf den schwiegervater, weil ja ER wieder einmal mehr bestimmt hat über die anderen leute. es ist von ihm ausgegangen, "ohne kinder" war sein wunsch.

Ach so, dann ging es gar nicht um die Entscheidung wer sterbebegleitend anwesend sein darf !? Du wolltest sie schlicht weg nur ein letztes mal besuchen gehen? Da hatte ich etwas missverstanden. Sicher ist das dann kränkend für Dich wenn nochdazu ein anderer diese Entscheidung trifft. Das würde ich mir noch mal überlegen an Deiner Stelle...
Denn Dir fehlt da etwas und Deiner Schwiegermutter auch - das ist zu tief greifend - das sollte man sich nicht mehr diktieren lassen.
Ja gell? Diese menschen sind zu bewundern ...

ich denke, ich rebelliere jetzt einfach gegen diesen unangefochtenen autoritätsstatus, mit dem der vater beehrt wurde. ich bin nicht die jenige, so wie all die anderen, die ihn mit uneingeschränkter akzeptanz alles leiten lässt. er ist ein guter mensch, aber dass GAR NICHTS angefochten wurde all die jahre, das hab ich nicht wirklich verstanden, dass man seine gefühle ihm zugunsten immer untermauern musste. wenn MICH etwas verletzt hat, dann musste ich es wegstecken, weil "er will ja niemanden was schlechtes". ich musste also ständig schlechte gefühle haben, weil ich anders als all die anderen schlechte gefühle gegen ihn hatte .

und so konnte es ev. der schwiegermutter auch manches mal ergangen sein, ich weiß es nicht.

Dieser Mann scheint einen Bereich von Stärke in seinem Gegenüber zu fordern, das Dir Schwierigkeiten bereitet. Würde wahrscheinlich vielen (wenn nicht den meisten Menschen) Schwierigkeiten bereiten. Nutzt aber nix. Wenn Du ihm die Stirn bieten könntest, hättest Du wohl kein Problem.

Ist schon eigenartig - auch ich fühlte mich oft in die Rolle der anderen "reinversetzt" - als sich unsere Familienstruktur verschoben hat. Dabei habe ich oft gedacht - ahhh so ist dem immer geangen ...

heute nacht ging es ihr gottseidank besser...
ganz genau dasselbe hab ich meinem mann gestern auch gesagt, ja ich hatte genau den selben gedanken. vielleicht braucht sie die schmerzen, um gehen zu können, um sich zuzugestehen, gehen zu DÜRFEN,..... weil wie ich sie kenne, nimmt sie noch immer rücksicht auf ihren mann, der dann ohne sie zurückbleibt und das seiner ansicht nach nicht verkraftet.

Schön dass es ihr besser ging.

Also bei meinem Vater war das ganz bestimmt so. Der wäre ohne diese Schmerzen nicht gegangen. Der hat sein OK erst gegeben, als es sowieso nicht mehr anders ging. Alles andere hätte er als "sich aufgeben" empfunden.

ja eine frage hab ich gerade:
war dieses sterben in 3-tagen absolut ersichtlich in bezug auf den zeitpunkt, habt ihr gewusst, JETZT ist es tatsächlich soweit, der übergang ist da? kann man den zeitpunkt definitiv erkennen?

Es gibt da mehrere Abschnitte - ja so könnte man das sagen. Also ich habe da auch noch nie darüber gesprochen, werde es sehr gerne versuchen und darauf achten, dass ich mich verständlich auszudrücke.

Also: Der erste Abschnitt war der, als Vater noch völlig bei sich war, vom Bewusstsein her, allerdings beschlossen hatte - nun zu sterben. Er war so weit, es war so weit, er hatte seine Entscheidung getroffen und ab da hat er nicht mehr gegessen - ich glaube, dass dieses nichts mehr essen wollen seine Entscheidung untermauern sollte.

Dann begannen diese 3 Tage. Anfangs war es so, als wechselte er hin und her zwischen zwei Welten. Einmal war er da, schaute einen an, konnte etwas sagen, dann fiel er wieder ins "hinüber", war weg, war wie bewusstlos und doch nicht bewusstlos. Er konnte nicht mehr aufstehen, nur noch liegen und war bereits damit beschäftigt zu gehen.

Die Hier-Zeiten wurden kürzen, die "Abwesenheitsphasen" länger. Sprechen konnte er nicht mehr. Das Aufschauen wurde weniger und der Wunsch dort drüben zu bleiben konnte ganz klar aus seinem Verhalten heraus gelesen werden. Er konnte nun nicht mehr sprechen, aber ich wusste was er wollte, er konnte den Kopf schütteln und die Hände bewegen. Er teilte sich auf diese Weise mit und er sagte mir auf diese Weise ganz klar, dass er nicht mehr hier sein möchte. Hinüber wollte er, dort ist es besser ...

Ich hätte den von Dir hier angesprochenen Zeitpunkt wohl nicht erkennen können, dazu fehlt(e) mir die Erfahung und sie fehlt mir wohl nach wie vor. Mei Vater war im Krankenhaus und die Schwestern dort wissen um diesen Zeitpunkt. Sie sagten die Todesstunde fast exakt voraus.

Am dritten Tag war er nicht mehr da, er atmete nur noch, schaute starr mit leeren Augen an die Decke. Ich weiß wie viel er von dieser Welt an diesem Tag noch mitbekommen hat, es ist mir nicht nachvollziehbar ob er mich noch gehört hat, ob er es noch gespürt hat wenn wir ihm seine Hand gehalten haben. Er atmete, bis er eben einmal noch ausatmete. Ein letztes mal...


LG Elladana
 
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wenn du nicht anfängst...etwas zu ändern...dann wird auch nichts passieren.
ein bißchen mut gehört dazu...und danach geht eigentlich alles wie von selbst.
lg
laurena
 
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...
heute, an meinem geburtstag, ist meine schwiegermama gestorben.
sie hat es geschafft, :liebe1:
ich wusste nach elladanas geschichte, dass es heute sein wird.

danke euch allen von herzen.

lg abendsonne
 
AW: .... das Leben an mir vorbei???

:liebe1:Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag liebe abendsonne.
 
AW: .... das Leben an mir vorbei???

Liebe abendsonne,

ganz herzliche Geburtstags-Glückwünsche

:blume::blume::blume:

Karin
 
AW: .... das Leben an mir vorbei???

Liebe abendsonne,

ich wünsche dir nachträglich alles Gute zum Geburtstag :party02: und für deine Schwiegermama eine schöne Reise.

Alles Liebe.
 
AW: .... das Leben an mir vorbei???

Liebe Abendsonne...

herzlichen Glückwünsch zu deinem Geburtstag (im Nachhinein...)...

...und gleichzeitig...

....mein tief empfundenes Beileid zum Tod deiner Schwiegermutter.....




Irgendwie sonderbar, dass diese Tage zusammengefallen sind....
vielleicht möchte sie dir an deinem Geburtstag damit etwas schenken....???
(ich denke, du selbst findest heraus, welches Geschenk dies in diesem Moment ist....)


herzlichst
Niki
 
AW: .... das Leben an mir vorbei???

Auch wenn ich hier oft nur still mitlese schließe auch ich mich den guten und mitfühlenden Wünschen an liebe Abendsonne!

:liebe1:
 
AW: .... das Leben an mir vorbei???

vielen lieben dank für eure geburtstagswünsche
es war ein sehr trauriger geburtstag und gleichzeitig war es wunderschön.
mehr dazu nächstes mal

:liebe1:abendsonne
 
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hallo,

allen mamis einen schönen muttertag heute!
genießt den wunderbaren tag, ihr seid mit die wichtigsten menschen auf der welt!
 
Ego

ich werde den muttertag auch genießen, und ich werde diesesmal MICH für MICH in den mittelpunkt stellen. mir-zuliebe.:clown:
........

........


dass die schwiegermutter gestorben ist an meinem geburtstag, ja, das war.... eine erlösung. ich hab es ihr absolut vergönnt, gehen zu können, ich hab mich gefreut für sie.

und es war ehrlich gesagt naheliegend, denn auch sie hatte bereits drei tage nicht gegessen und getrunken gehabt.

.......aber ich habs tatsächlich genau gewusst, dass sie am geburtstag stirbt. vorher schon.
: - nicht weil ich mich selber in den vordergrund rücken möchte (was ist schon ein geburtstag dagegen wenn ein lieber mensch geht.), sondern:
weil bei mir einfach nichts einfach ist. es ist, als würde ich ständig geprüft werden. ich denke, viele von euch kennen so etwas.

ich hab leider das gefühl, geprüft zu sein, und die meisten prüfungen NICHT bestanden zu haben.

wenn jamand, die schwiegermutter, ....., stirbt, dann rückt der eigene geburtstag so dermaßen in den hintergrund (bzw. er wurde absolut ignoriert), und ich habe mich dennoch kurz gefragt,
......ob ich jemals vor seiner familie meinen geburtstag noch in fröhlichkeit feiern darf, weil es ja dann auch der todestag der schwiegermutter ist..... . natürlich kommt das ego hier durch, für das innere kind ist der geburtstag dennoch ein besonderer tag.
ich habe mich aber schon berechtigt !! gefragt, ob ich solche gefühle haben darf, überhaupt NACHZUDENKEN über soetwas, und zack, schon war dieses gefühl, PRÜFUNG abermals nicht bestanden, wieder da.


manchmal denke ich, ich bin schon ein dermaßen harter, ich-bezogener mensch geworden, weil dieses ICH immer und absolut mitgeht mit mir, es lässt mich nicht los, und ich gestehe mir das auch zu.

wie hat es jemand beschrieben: es ist die sehnsucht nach liebe, --- tja, wenn sonst niemand da ist, dann bekomme ich die liebe durch MICH, und alle anderen rücken in den hintergrund. :clown:
 
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ich KONNTE an diesem todestag der schwiegermutter auch nich wirklich in das gehen, was andere empfanden, was ihr mann empfand,.... sicher, er tat mir leid, jetzt ohne sie sein zu müssen, ......aber das bewusst nachzuempfinden hätte sehr weh getan, und so hab ich es ausgeschalten, und hab wieder mal mehr absolut wirken lassen, was empfinde ICH in diesem moment,

und dieses empfinden hat alles negative ausgelöscht, was den tod betroffen hat.

ich wusste, es ist gut, als ich sie sah.

im zimmer, wo die mutter alleine lag (sie ist ja daheim gestorben) war alles dermaßen erfüllt von ihrer aura,
und der anblick war......
tiefgreifend ergreifend.

das ganze sterbens-geprägte gesicht war nicht mehr da, es war das absolute gelöst-sein in ihrem ausdruck, das befreit-sein, das glück (die mundwinkel, die immer nach unten waren die letzten wochen ('"sie hat ihr lächeln verloren" hat es meine tochter genannt)), waren zu einem lächeln gebildet.

in emanuels buch wird das sterben - wie in vielen anderen büchern - so beschrieben:

"der prozess des sterbens ist immer fröhlich, sobald der mensch seine angst überwunden hat. wenn die seele wie in einer tiefen meditation den physischen körper verlässt, ist da ein licht, ein gefühl des wohlbefindens, des friedens und das wissen, dass man auf eine andere ebene, auf eine INTENSIVERE ebene gegangen ist. und....
... wenn der tod als ein wunderschöner, klarer, erfrischender und lebendiger see betrachten werden könnte, könnte man sich vorstellen, dass das bewusstsein vergnügt in ihn hineinspringt und einfach davon schwimmt....."


das war das wunderbare an diesen tagen,
 
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