Mir tun prinzipiell alle Kinder leid, besonders natürlich meine eigenen, die mit den Konsequenzen von Fehlverhalten
und Fehlentscheidungen der Eltern leben müssen. Letztendlich müssen sie alles ausbaden, sich arrangieren, Resilienz
entwickeln, wenn sie gut überleben wollen.
liebe lucille,
muss ja manchmal googeln bei euch

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Resilienz (von
lateinisch resilire = „zurückspringen, abprallen“, deutsch etwa
Widerstandsfähigkeit) beschreibt die Toleranz eines
Systems gegenüber Störungen.
meine tochter kann das glaub ich ganz gut: widerstandsfähigkeit zeigen gegenüber allem, was einfach nicht abänderbar ist.
ich hab z.b. nur so geschaut, sie und eine klassenkameradin waren bei einer art exkursion teilnehmend, da wurden im angesicht der kinder ziegen zur schlachtung bestimmt. das passierte zwar nicht vor augen der kinder, aber sie wurden sehr wohl zeugen, als die ziegen zur schlachtung gebracht wurden. es war auch eine hoch-schwangere dabei. war aus platzmangel so. für mich nicht begreiflich, dass selbst eine schwangere ziege geschlachtet werden muss.
mir wurde generell irgendwie ganz anders, weil ich dachte, muss das passieren, wo die kinder da sind.???
das zweite mädchen hat voll das weinen angefangen, meine tochter hat das alles sachlich gesehen.
"gehört einfach dazu".
sie hats auch voll weggesteckt.
so geht sie mit vielem um, und auch daheim will sie nicht genau hinschauen und verleugnet, was negativ ist. also ists klar, wenn ich was sage, dann wird das einfach negiert, weil es ist ja alles in ordnung. und das aber mit großem einsatz.
ich glaube tatsächlich und mit vollster überzeugung, dass meine tochter gar nicht so weit hinten ist,
sie ist vielleicht sogar weiter als viele andere, die sich dem system gegenüber einfach fügen, die sich nicht auflehnen.
kinder, die rebellieren, finde ich stark.
wie lucille auch ihren sohn beschreibt:
er war eine einzige Rebellion gegen alles
und jeden.
das, was unabänderbar ist, akzeptieren, und dort wo man was machen kann, auflehnen.
schule ist für sie nicht wichtig, also tut sie nicht mit.
ich hab in gewisser weise hochachtung vor ihr, dass es sie einfach nicht interessiert, ob der napoleon ein feldherr war oder ein
schriftsteller

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obs den gegeben hat oder nicht ist ja für das JETZT nicht wichtig,
auch wenn durch geschichte das JETZT mit bestimmt wurde. aber jetzt ist jetzt und es ist so. wozu ists wichtig, das alles zu wissen, wenn wir sowieso nur begrenzte lebenszeit haben? ists nicht sinnlos, sich die schöne kindheit zu vertun mit all dem schrott.
unsere kinder haben nur EINE kindheit, und die macht man sich kaputt durch die schule.
würden mehr sich auflehnen, müsste das system mal geändert werden. mehr in richtung soziale kompetenz und menschlichkeit geschult werden, aber nicht in DIESE richtung.
meine tochter schwimmt also einfach nicht mit der masse mit, ihr ists im grunde wurscht, was andere von ihr halten,
sie bemüht sich nicht um anerkennung.
finde ich irgendwie auch groß.
würde die menschheit nicht so angetrieben sein, immer irgendwie gscheiter und besser sein zu wollen als der nächste, dann hätten wir zwar nicht diesen wohlstand, es gäbe aber auch mehr orientierung.
in afrika, wo die menschen in bescheidensten verhältnissen leben, gibts eine depressionsrate gleich null. dort ist ein miteinander angesagt. bei uns erhöhen sich die meisten menschen irgenwie auf kosten der anderen. geht schon in der schule an. ich muss besser sein als der andre. ich muss weiter springen. ich muss schneller fertig sein als der nächste. später: ich muss das bessere auto haben. ich muss mehr geld machen als der andere. es ist natürlich das geld andrer leute, das ich dann hab

:
meine tochter klinkt sich aus diesem wettbewerb aus.
hoffe, sie kann später auch so bescheiden leben...... und zufrieden sein mit WENIG.
momentan reichts ihr, ständig mit den gleichen zottelfellschuhen rumzulatschen. sie braucht keine schminke, wie all die andren, ihr ists wurscht, ob sie frisiert ist oder nicht. in der gesellschaft werden solche menschen schnell ausgegrenzt, aber im grunde hat sie ja RECHT. es ist ja doch wirklich alles nicht wichtig.
ich liebe mein mädchen, gerade auch weil sie so eine kleine trotzige ist und den mut hat, sich aufzulehnen. gleichzeitig hab ich aber angst, dass sie es im leben mal nicht schafft, fuß zu fassen. wenn man nicht mit dem strom schwimmt, geht man oft unter.
mein mann hat ihr aber denke ich diese gene mitgegeben, sich auch mit geringstem aufwand durchsetzen zu können wenns drauf ankommt. er schaffts ja auch immer und überall

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