Beratung und Meinung - WIE ist es richtig?

Schönen Guten Morgen! :kiss3:

Ich denke, hier gibt es unterschiedliche Meinungen darüber, was "Hilfe" eigentlich ist. Stephan, Penelope, Searcher, Jovannah und Ibdin haben ja bereits dargelegt, wie sie sich Hilfe vorstellen und was für sie dabei wichtig ist (Wenn ich jetzt jemanden vergessen habe, bitte verzeiht mir das, der Alzheimer hat seinen Meldezettel bereits bei mir ausgefüllt...)

Nun würde mich interessieren, nun mal an @Samusz, wie Du Dir das vorstellst.

Was ist für Dich Hilfe, wie interpretierst Du das?
Was für Punkte erscheinen Dir dabei wichtig?
Was für Vorteile bringt es Dir, zu "helfen"?
Das ist ein wichtiger Punkt, ich möcht mal ein Beispiel bringen:

Bei der Rettung (in Österreich besteht sie zu 99% aus unbezahlten Freiwilligen) gibt es - wenn man ehrlich darüber nachdenkt, verschiedene Motivationen, um zur Rettung zu gehen.

Da gibts viele Argumente: In ländlichen Gegenden hebt es das Image (wenn man mit der Uniform mal schnell eine Wurstsemmel holen geht, wird man an der Kasse immer vorgelassen, so wichtig ist man plötzlich....), man ist bei Unfällen immer an "vorderster Front", dort, wo alle "anderen" nicht hindürfen; es gibt "Action" wie in einem Film; man kann sein Helfersyndrom ausleben; man hat das Gefühl, dem Tod gegenüber nicht mehr ganz so "ohnmächtig" gegenüber zu stehen etc....

Kurz: auch als "selbstloser Helfer", wie es oft dargestellt wird, hat man persönlich einen Vorteil davon, und wenn es nur ein Bedürfnis befriedigen sollte.
Damit will ich die Dienste hier nicht schmälern, ganz im Gegenteil, es ist im Prinzip das ERGEBNIS (nämlich die Hilfe) wichtig, nicht die Motive.

an @Alle:

Darum wäre es interessant, auch die Motive zu hinterfragen und damit zu den Vorteilen zu kommen, die das "Helfen" bietet.

Ich mach mal den ersten Schritt und fang mit mir an....

Ich spür bei vielen Postings eine Resonanz, so oder so ähnlich ist es mir vielleicht auch mal ergangen. Ich weiß, dass ich damals in dieser Situation nicht "aussteigen" konnte, um die ganze Sache vielleicht von außen zu betrachten. Dazu hörte ich gerne Meinungen von nicht-Betroffenen, eben Menschen, die außerhalb meiner Situation standen, um nicht wegen meiner "Betriebsblindheit" eine Lösungsmöglichkeit zu übersehen....

Nun denke ich, dass es darum wichtig ist, möglichst viele Meinungen zu einem Thema zu bekommen, je weniger der Antworter persönlich involviert ist, desto besser.

Und wenn ich eine Situation bei einem Schreiber sehe, die ich selbst kenne, so gebe ich meine Meinung ab. Meine Motivation ist das Gespräch, ich wälze gerne Probleme und lese auch gerne verschiedene Meinungen darüber. Bin immer wieder erstaunt, wie "anders" man ein Problem auch lösen kann....

Damit lerne ich dazu, bin sozusagen in gewisser Weise ein Parasit *zugeb*

So, ist wieder mal lang geworden (bin ein alter Tratscher...), ich hoffe, es war Euch nicht zu lang zum Lesen....

Liebe Grüße
Reinfriede
 
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Liebe Reinfriede
Ich denke, das man Hilfe vielleicht sogar unterscheiden kann.
Da ist einmal, sagen wir, die NOTWENDIGE Hilfe.
Diese Betrifft die Lebenlagen, wo es ohne Hilfe nicht geht.
Zum Beispiel, weil eine Tasche zu schwer für eine Person ist, jemanden in den Bus helfen, einem Kranken das Essen ans Bett bringen, weil er nicht aufstehen kann usw.
Diese Hilfe wird, glaube ich, von dem zu Helfenden ohne Widerspruch angenommen.

Dann halt die andere Hilfe, ich nenn sie jetzt mal NICHTNOTWENDIGE Hilfe.
Darunter würde ich viele Themen des Forums zählen und es gibt sie natürlich auch in der Realität.
Man wird um Hilfe gebeten, es ist aber nicht garantiert, das die Hilfe angenommen wird. Manchmal kann sie auch ins Gegenteil umschlagen.

Ich gebe lieber, als zu nehmen (muß ich noch lernen:rolleyes: ).
Ein Bekannter von uns sagte mal zu mir : " ...Mensch, Alex, leg bloß deine soziale Ader ab..."
Das werde ich nicht tun, aber ich habe gelern zu unterscheiden, was "noch" Hilfe ist und, wo das Ausnutzen anfängt.

liebe Grüße an alle
Alex
 
Ulla405 schrieb:
Dann halt die andere Hilfe, ich nenn sie jetzt mal NICHTNOTWENDIGE Hilfe.
Darunter würde ich viele Themen des Forums zählen und es gibt sie natürlich auch in der Realität.
Man wird um Hilfe gebeten, es ist aber nicht garantiert, das die Hilfe angenommen wird. Manchmal kann sie auch ins Gegenteil umschlagen.

Liebe Alex!

Wenn die "Hilfe ins Gegenteil" umschlägt, sprich: der Hilfesuchende bedrängt wird, was für Motive dafür könntest Du Dir vorstellen?

(Diese Frage ist eigentlich jetzt an alle gerichtet...)

Liebe Grüße
Reinfriede
 
Reinfriede schrieb:
Liebe Alex!

Wenn die "Hilfe ins Gegenteil" umschlägt, sprich: der Hilfesuchende bedrängt wird, was für Motive dafür könntest Du Dir vorstellen?

(Diese Frage ist eigentlich jetzt an alle gerichtet...)

Liebe Grüße
Reinfriede

Bei Suchenden oder bei mir?

Ich bin bei meiner Äußerung von einem eigen erlebten Beispiel ausgegangen.
Ein guter Freund hatte Beziehungsproblem und kam "damit" viel zu mir und anderen Freunden.
Wir haben dann geredet und geredet und geredet.
Es war bei ihm immer ein Hin und Her und Her und Hin.
Nachdem sie zum ixigsten Mal Schluß gemacht haben und wieder zusammenkamen und wieder Schluß gemacht haben, hatten wir das Gefühl, das es keinen Sinn mehr macht, darüber zu reden.
Wir machten uns einen Spaß und wetteten, wie lange es wohl NUN wieder dauern würde.
Daraufhin hat uns der "Suchende" die Freundschaft gekündigt.
Das hatte ich ursprünglich mit ins Gegenteil umschlagen gemeint.

Aber, wie auch nicht anders zu erwarten war*g*, ist deine Fragestellung sehr interessant:kiss3:

Ich denke darüber nach.
Muß aber jetzt erstmal fort.
Bis später.
Alex
 
Ulla405 schrieb:
Bei Suchenden oder bei mir?

Ich bin bei meiner Äußerung von einem eigen erlebten Beispiel ausgegangen.
Ein guter Freund hatte Beziehungsproblem und kam "damit" viel zu mir und anderen Freunden.
Wir haben dann geredet und geredet und geredet.
Es war bei ihm immer ein Hin und Her und Her und Hin.
Nachdem sie zum ixigsten Mal Schluß gemacht haben und wieder zusammenkamen und wieder Schluß gemacht haben, hatten wir das Gefühl, das es keinen Sinn mehr macht, darüber zu reden.
Wir machten uns einen Spaß und wetteten, wie lange es wohl NUN wieder dauern würde.
Daraufhin hat uns der "Suchende" die Freundschaft gekündigt.
Das hatte ich ursprünglich mit ins Gegenteil umschlagen gemeint.

Aber, wie auch nicht anders zu erwarten war*g*, ist deine Fragestellung sehr interessant:kiss3:

Ich denke darüber nach.
Muß aber jetzt erstmal fort.
Bis später.
Alex

Liebe Alex!

Dieses Phänomen, dass ein Mensch "nur" Aufmerksamkeit möchte und nicht "Hilfe" im eigentlichen Sinne (wobei wie gesagt zu klären wäre, WAS jeder als Hilfe empfindet, dieser Mensch empfindet das Zuhören als Hilfe) kenn ich auch ;)

Du hast recht, ich hatte etwas anderes gemeint: Das sagen wir mal "Überschütten" mit Hilfe, das Aufdrängen von "Hilfe"....

Hier würde mich die Motivation interessieren, die Eurer Meinung nach dahinter steht....

Liebe Grüße
Reinfriede
 
Man wird auch bei diesem Gespräch hier nie auf einen Nenner kommen. Für jeden ist helfen was anderes.
Viele tun es auch aus reiner Nächstenliebe, völlig selbstlos. Ja, sowas gibt es noch. Durfte es selbst kennenlernen.

Was das überschütten mit Hilfe betrifft, sieht es meist so aus, daß der Überschüttende mit diesen oft ungebetenen *Wohltaten* Gegenleistung erwartet.
Dankbarkeit o.ä.
Dafür hast Du dieses oder jenes für mich zu tun, mir auch zu helfen usw., wie hier im Forum ganz gut zu erkennen- mir zu schreiben usw. undsofort.

ibdib
 
das buch "der hilflose helfer" gehört nicht zufällig zur "pflichtlektüre" in vielen helfenden berufen. die auseinandersetzung mit eigenen motiven ist da sehr wichtig.
selbst und gerade privat halte ich es nicht für "schlimm", auch eigene motive zu haben. doch wichtig finde ich, sich derer bewusst zu sein.

auch beratungssituationen sind für mich keine "gurusituationen" , sondern haben eine ebene.
der "profi" der beratung und div. methoden und der profi für sich, seine gedanken und gefühle,...arbeiten zusammen.
wer das potential der rat/input-suchenden ausser acht lässt, entmündigt und schwächt möglicherweise....missbraucht möglicherweise andere, um sich selbst kompetenter und stärker zu fühlen.
mit respekt vor diesem vielfältigen potential können gemeinsam interessante kreative prozesse entstehen...und daraus lösungen, lösungsansätze. :)

und manchmal sind es auch nur "kleine" inputs, die gerade passen, damit die kugel wieder läuft...
 
Jovannah schrieb:
das buch "der hilflose helfer" gehört nicht zufällig zur "pflichtlektüre" in vielen helfenden berufen. die auseinandersetzung mit eigenen motiven ist da sehr wichtig.
selbst und gerade privat halte ich es nicht für "schlimm", auch eigene motive zu haben. doch wichtig finde ich, sich derer bewusst zu sein.

auch beratungssituationen sind für mich keine "gurusituationen" , sondern haben eine ebene.
der "profi" der beratung und div. methoden und der profi für sich, seine gedanken und gefühle,...arbeiten zusammen.
wer das potential der rat/input-suchenden ausser acht lässt, entmündigt und schwächt möglicherweise....missbraucht möglicherweise andere, um sich selbst kompetenter und stärker zu fühlen.
mit respekt vor diesem vielfältigen potential können gemeinsam interessante kreative prozesse entstehen...und daraus lösungen, lösungsansätze. :)

und manchmal sind es auch nur "kleine" inputs, die gerade passen, damit die kugel wieder läuft...

:maus:
 
Reinfriede schrieb:
Liebe Alex!

Dieses Phänomen, dass ein Mensch "nur" Aufmerksamkeit möchte und nicht "Hilfe" im eigentlichen Sinne (wobei wie gesagt zu klären wäre, WAS jeder als Hilfe empfindet, dieser Mensch empfindet das Zuhören als Hilfe) kenn ich auch ;)

Du hast recht, ich hatte etwas anderes gemeint: Das sagen wir mal "Überschütten" mit Hilfe, das Aufdrängen von "Hilfe"....

Hier würde mich die Motivation interessieren, die Eurer Meinung nach dahinter steht....

Liebe Grüße
Reinfriede

für mich hat das etwas mit aggression und macht zu tun. der 'helfende' lässt die entfaltung des 'hilfsbddürftigen' verkümmern, die allzu massive und überschüttende hilfe lässt letzteren klein erscheinen und verleiht dem 'helfer' den anschein eines gutmenschen.

dabei
- manipuliert er den hilfsbedürftigen, der zum hilflosen wird
- nimmt ihm die selbständigkeit
- wertet sich selbst auf.

das beispiel von alex kann ich allerdings auch nachvollziehen, wenn ich als 'helfender' merke, dass meine hilfe nicht fruchtet und immer und immer wieder derselbe weg beschritten wird, ziehe ich mich zurück.

lg
pisces

ich selbst komme aus einem elternhaus, in dem
 
Liebe Reinfriede
Du fragtest nach meiner Einstellung der Hilfe:

Für mich bedeutet die eigene Entscheidung des Menschen sehr viel. Er soll die Möglichkeit haben sich zu entfalten und eigene Bedürfnisse und Haltungen bewahren können. Für mich kommt deshalb in Frage, dass ich einem Menschen dem ich helfen will, nicht in eine Ideologie oder in eine Sekte drücken will. Er soll selbst entscheiden können, was er macht und wofür er steht
SAMUZ
 
SAMUZ schrieb:
Liebe Reinfriede
Du fragtest nach meiner Einstellung der Hilfe:

Für mich bedeutet die eigene Entscheidung des Menschen sehr viel. Er soll die Möglichkeit haben sich zu entfalten und eigene Bedürfnisse und Haltungen bewahren können. Für mich kommt deshalb in Frage, dass ich einem Menschen dem ich helfen will, nicht in eine Ideologie oder in eine Sekte drücken will. Er soll selbst entscheiden können, was er macht und wofür er steht
SAMUZ

Zum auf die Schenkel klatschen. Das sagt gerade der richtige. :roll: :roll:
 
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Okay ich oute mich: ich hatte vor ein paar Jahren auch das "Helfersyndrom"! Im nachhinein habe ich erkannt, dass ich mich von meinen Problemen ablenken wollte. Allerdings habe ich meine Hilfe (hoffe ich zumindest) nie aufgedrängt - ich habe immer gefragt. Ich bin jedoch auch oft ausgenutzt worden, weil ich nie nein sagen konnte. Ich helfe zwar immer noch gerne, oft auch spontan...doch ich ertappe mich immer wieder dabei, dass ich es bei einigen Leuten hinterfrage. Hier im Forum sprechen mich manche Postings an, manche nicht. Bei einigen habe ich einen enormen Drang zu antworten. Ich möchte versuchen durch meine Erfahrung anderen zu helfen. Ich bin oft (das nervt mich selber schon :rolleyes: ) versucht zu sagen: ....ja, das ist mir auch schon passiert, so und so..... ich weiß nicht, ob die Leute das überhaupt hören wollen....wie ich schon sagte, selbst wenn die Situationen gleich erscheinen, sind sie doch alle anders - weil jeder anders fühlt und andere Erfahrungen hinter sich hat. Ich kann also nur schildern wie es mir ergangen ist, was ich fühle und hoffe, dass der andere (oder Mitleser) sich etwas aus meinem Geschreibsel ziehen kann.
Ich hatte eine Freundin, die stand mir in meiner Trennungsphase bei - nahm mich mit in die Disco, damit ich zu Hause nicht alleine versauere. Sie hat mir viel geholfen. Später, als es mir wieder gut ging, ging es ihr schlecht. Ich stand ihr immer bei, habe oft alles stehen und liegengelassen....irgendwann war der Punkt erreicht....da funktionierte es nicht mehr. Es war irgendwie kein Ausgleich mehr da. Ihr ging es immer schlechter, sie zog mich mit runter....der Kontakt brach so nach und nach ab. Wenn sie ganz selten mal anruft, helfe ich noch gerne, aber es kommt nicht mehr so oft vor. Ich denke es hat nicht mehr geklappt, weil...ich hatte keine Lust mehr....und sie hat gesehen, sie kann nicht nur nehmen....
Vor ein paar Jahren ist ein Mann auf einem Flohmarkt, der an einem Kanal stattfindet ins Wasser gefallen, wenn nicht ein anderer, der näher dran war reingesprungen wäre um ihn zu retten, hätte ich es gemacht - ohne nachzudenken. Da bin ich spontan....wie es bei einem Brand wäre, weiß ich nicht. Ich habe vor kurzem einen Erste Hilfe Kurs besucht - ich würde vielleicht abwägen, wie es um meine Sicherheit steht...
Heutzutage habe ich nicht mehr dieses absolute Helfersyndrom. Persönlich geht es mir besser - ich stehe mehr zu mir als früher. Ich habe wahrscheinlich Anerkennung und Aufmerksamkeit gesucht, die ich in meiner Ehe (vielleicht auch bei meinen Eltern) nicht bekommen habe. Ich habe den anderen nicht zugetraut, dass sie sich selber helfen können. Aus dem Grund habe ich heutzutage kein Mitleid mehr - nur Mitgefühl. Mitleid bedeutet ja dem anderen nichts zuzutrauen.
LG Penelope
 
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