Ich begreife jetzt, dass der Parameter für Deine Hoffnung das Loskommen vom Heroin ist.
Es ist tatsächlich eine Leistung, gerade diese Sucht zu überwinden.
Wie hat er es damals geschafft?
liebe lucille,
es war eine ganz schöne geschichte mit uns. mit ihm war alles so einfach. er stammte aus gutem haus, hatte dennoch so eine verwegene ader. ich war fasziniert. er hatte eine winzige wohnung mit clo im freien und einer stiege rauf, die todesgefahr barg, ein auto, bei dem dem er mit dem kopf am dach anstand und ein lächeln, das mich umwarf.
ich hab nie gewusst, ob ich so knalle verliebt bin, aber es war eine faszination da, die mich so vieles übersehen ließ. er war non-charmant von beginn an und doch so ... einnehmend. ich konnte von anfang an nicht einschätzen, wie ich zu ihm stehe. da war die seite derjenigen, die über ihn eher verwerflich sprachen, dann war meine faszination, die in verteidigung ging und durch die ich mir auch sagte: was für ein großartiger mensch wird da total oberflächlich abgewertet. am anfang kamen da und dort die hinweise.
er sagte mir nur: wenn du was über mich hörst, glaubs nicht.
und ich schaute schön weg von anfang an.
er hatte immer wieder die totalen schweißausbrüche wenn wir wo saßen, wurde von einer minute auf die andere so, als wäre er mit der stirn unter wasser getaucht. er fuhr regelmäßig weg, sagte mir, er müsse in die apotheke, für seinen vater was besorgen.
ich war blind, hab NICHTS mitbekommen.
ein ganzes halbes jahr lang.
er kommt aus tollem elternhaus, wie sollte da je was sein. so blind und verbohrt war ich.
als wir mal an der traun entlang spazierten und dann in ein total romantisches landgasthaus gingen, so eine urige spielunke, erzählte er mir die wahrheit. dass er 4 jahre krassest an der nadel gehangen ist, immer mit einem bein im grab. dass er durch seine ex-freundin dazu gekommen ist, sich alle von ihnen abgewandt haben, er stand aber total zu ihr und fing mit dem zeug halt selber an. immer auf besorgungstripp, fertig, alles mögliche angestellt, um zum gift zu kommen.
kurz bevor WIR uns kennengelernt haben, hat er mit ihr schluss gemacht.
hat sich auf methadon-therapie setzen lassen.
er wurde betreut in einer gruppe, die sich monatlich traf und musste sein methadon anfangs täglich von der apotheke holen. als er dann einer geregelten arbeit nachging (ich war so unberechnend damals, dass es mir auch nichts ausmachte, dass er keine fixe arbeit hatte, der mensch zählte - auf der anderen seite WAR ich berechnend, weil ich dachte, das elternhaus birgt für einen "einfachen" charakter, mit dem man keine schwierigkeiten hat)- also, als er einer fixen arbeit nachging, da bekam er seine ersatzdroge wöchentlich.
kleineweise begann er, sich selber herabzusetzen. die tägliche ration wurde reduziert eingenommen, er hat sich dann was aufgehoben, falls er mal mehr braucht. er hat dann bemerkt, dass es auf diese art und weise funktioniert, sich überhaupt runterzusetzen.
irgendwann wars dann - nach 2 jahren, soweit, dass er nichts mehr brauchte. er hat auch die verlockungen widerstanden, die sich ihm boten, wenn er auf monatlichem treffen war mit den anderen ex-junkies.
sein leben war neu eingestellt, die freunde wieder da, .... . wir kauften uns ein haus, wir bekamen ein baby, ich dachte, so ein happy - end, nachdem was ER alles vorher mitgemacht hat, nachdem was ICH vorher alles mitgemacht hab.
der aids - test war negativ, alles super-gut ausgegangen.
dann kam der große rückschlag. Hepatitis C.