Liebe Abendsonne!
naja, und jetzt würden wir wieder dort stehen wie am anfang, wo alles eher GUT ist, und jetzt ists vorbei. ihr habt schon recht, wenn ihr meint, es ist nicht so nachvollziehbar, dass wir in den urlaub zusammen fahren.
durch diese freudentendenz von meiner seite bin ich auch ihm gegenüber anders geworden, das reflektiert. wir haben gerade ein sehr gutes auskommen.
Du weisst, dass der Grund dafür, dass Du Dich ihm wieder normaler zuwenden kannst, darin liegt, dass Du nun eine eigene Wohnung hast. Du weisst, Du wirst ihm nicht mehr so ausgesetzt sein, das beflügelt Dich.
Solange Du Dir dieser Ursache bewusst bist, sehe ich keine große Gefahr, dass Du wieder voll reinschlitterst. Denn eines ist klar: Wenn Du wieder "umfällst", ist die Wohnung weg und damit das von Dir beschriebene gute Auskommen, das Ihr jetzt habt.
Und es ist auch gut, dass Du beide Seiten an ihm sehen kannst, die negativen und die positiven.
Weisst Du, als ich mich damals scheiden ließ, mochte ich meinen Mann auch noch sehr. Ich mag ihn heute noch - als Mensch.
Wir hatten immerhin sehr viel miteinander erlebt, sehr viel zusammen geschafft. Und rückblickend gesehen kann ich ihm nichts vorwerfen - er tat ja auch nur das, was er aufgrund seiner Erfahrungen tun musste.
Nur: Das bedeutet nicht, dass man deshalb zusammenbleiben muss. Mögen und Mitfühlen ist die eine Sache, der Alltag ist die andere. Wenn der nicht (mehr) funktioniert, wenn unterm Strich ständig ein negatives Gefühl bleibt, macht es einen kaputt.
Es war nicht fair, da noch zusammenzubleiben, weder für ihn noch für mich. So hatten wir beide wieder alle Chancen aufs Leben - und so fühlte sich der Zustand nachher auch an. Es war absolut befreiend für mich, auch wenns nicht einfach war.
Ich erinnere mich noch gut an die erste Nacht nach der Scheidung, ich hatte Tage vorher neue Bettwäsche gekauft, bezog nun das Bett neu, streckte mich befreit in dem großen Doppelbett aus und war total glücklich.
Ist keine große Aktion gewesen, hatte aber Symbolcharakter. Es war einfach ein Wahnsinnsgefühl, wieder voll ich selbst sein zu dürfen. Da war niemand mehr da, der mich bedrückte, der mir die Luft zum Atmen nahm, der mich dauerbeschäftigte mit seinen Launen.
Und erst in der Zeit danach wurde mir so richtig bewusst, wieviel Kraft mich diese Beziehung in den letzten Zeiten gekostet hatte - in der Situation hatte ich nur noch funktioniert und das nicht bemerkt. Nachher kam wieder eine Energie in mir zum Vorschein, die einfach sagenhaft war - da war niemand mehr da, der sie aufgebraucht hätte.
Liebe Grüße
Reinfriede