AW: .... das Leben an mir vorbei???
liebe eberesche, danke,
liebe strandläuferin, :liebe1:
Strandläufer;215303 schrieb:
Ja das kann ich mir gut vorstellen, ich habe diese Gedanken nach 4 Jahren Krebserkrankung meines Vaters auch gehabt und bei mir war es so, dass ich mir vorgeworfen habe nicht genug da zu sein, ihn nicht lieben zu können. Ich hatte ein grausam schlechtes Gewissen und von dem, so glaubte ich, wäre ich mit seinem Tod erlöst.
wie ist es weiter gegangen? konntest du das schlechte gewissen verdrängen, oder es annehmen?
wenn du magst, erzähl mir davon.
meine kollegin sagte mir "wir stehen mitten im leben".
so als sollten wir JA sagen zu dem was ist, zu dem was ständig geschieht. wir sollten es = dieses was-ist
lieben, weil wir uns so spüren, weil wir leben.
ist es aber das leben, das man möchte? von solchen geschichten umgeben?
liebe strandläuferin, du kannst auch das positive sehen, trotz dem, dass auch du kein leichtes leben hast, sp nehme ich das an?........ wie kannst du dinge wegstecken? nimmst du dinge an, gehst voll rein, und bist dann wieder im "anderen" leben? gehst in die natur, fotografierst, triffst dich mit freunden, umgibst dich mit den guten dingen? wie machen es die anderen, wenn alles sch....
ist??
man erkennt immer mehr die sehnsucht nach guten dingen dann? ist es nicht so???
ich verschließe die augen oft vor dem was ist. ich bin manchmal so dermaßen unbeschwert im tagesgeschehen, dass es mich erschreckt. ich hab sehnsucht nach einem "von-dem-allem-nichts-wissen". ich genieße es, mal nur zu SEIN, und dabei bin ich im angesichts des todes meines partners. ich lasse nähe zu zu jemand anderen, spüre mich rein in das, was sein KANN, ich spüre, dass in mir so viel liebe ist und verbreite sie in die "falsche" richtung.
nein, ich mach nichts, ich betrüge ihn nicht, aber ich mach es in gedanken. ich bin in gedanken nicht wirklich bei ihm, ---- weil es zu sehr weh tut?????????
ich such mir meine rettungsanker. die sind in anderen menschen.
ich versuche mich distanziert zu halten von IHM.
und ich weiß, dass ich das mache, seit ich zum ersten mal gelesen hab, dass ich ihn nicht-mehr-lange-haben-werde.
mit diesem blöden internet-nachstöbern hab ich vielleicht unser leben zerstört. unsere tolle geschichte ist zerbrochen an dem, was ich in erfahrung gebracht habe.
das war vor ..... 10 jahren. da hat der anfang vom ende schon angefangen.
wir waren so..... anders als wir uns getroffen hatten. es war so eine tiefe geschichte zwischen uns. so eine mega-verbundenheit. ich war nicht verliebt in meinen mann, so mit allen gefühlen, die so dazu gehören. es war irgendwie von beginn an dieses andere tiefe verbundenheitsgefühl. so seelenverwandt-mäßig. er hat mich schon lange beobachtet, ich hab ihn nie bemerkt, erst als wir die ersten worte spreachen. die sexuelle ebene hat nie eine rolle gespielt für mich, es war er-der-mensch, er, der von vielen abgeurteilt wurde, weil er anders war, so lebensbejahend und alles-was-gut-tut-lebend. da gehörte das heroin dazu, die exzesse seines lebens. und er hat es geschafft, hat alles geschafft, hat es geschafft wegzukommen, und ich war so stolz auf ihn!!!!!!!!!
dann das haus, das wir gekauft haben, dann die freudige erkenntnis, ein kind zu erwarten. als er weggefahren ist für 20 tage während meiner ersten schwangerschaft hab ich geheult wie ein kleines mädchen und hab die tage mit strichen abgezählt, bis er wieder da ist.
eineinhalb jahre bin ich noch mit dem baby rumgerannt, meine tochter, voll in der eso-überzeugung "positiv denken". päng, wie ein keulenschlag hats mich dann getroffen, als ich gemerkt habe, mein leben ist eigentlich ein scherbenhaufen. er tut was er will, und ich habs nie wahrgenommen, und außerdem hab ich damals schon gelesen, 20 jahre nach virus-infektion ists vorbei. ich hab zählen angefangen,...... es ist bald vorbei, es ist bald vorbei, vorbei...... . das halt ich dann auch nicht aus. ich hab mich wieder besonnen auf das, was NICHT gut ist zwischen uns. beim zweiten mal wegfahren hab ich ihn nicht mehr wirklich vermisst, beim dritten mal wars mir völlig egal.
plötzlich waren mir seine geschichten ein geschenk, um mich abschotten zu können.
er-ist-nicht-gut-zu-mir, ihm-ist-egal-was-mit-mir-ist, mehr und mehr hab ich mir das alles angesehen, was er so anstellt. es war nicht so schlimm, ich hab ihn nicht mit anderen frauen erwischt, er war nicht kriminell, ..... aber er war nicht gut zu mir, er ist vorbeigerannt an mir wie mein vater es immer gemacht hat.
er sollte die rechnung bekommen, ihr wisst das.
und dennoch war da immer der gedanke, dass ich mich selber anlüge................ dass ich ihn ohne diese verdammte diagnose lieben könnte wie am ersten tag.
jetzt ist es eingetroffen, das, was ich so befürchtet habe. und ich merke, zwei tage nach meinem posting, lasse ich neuerlich liebe zu ihm nicht zu. ich habe vor zwei tagen bemerkt, es ist noch liebe da, und ich stecke sie weg, vernichte sie.
ich orientiere mich woanders, freue mich, wenn mein kollege bei der tür reinkommt........... und einfach da ist, und wenn er sich bei einem gemeinsamen ausflug neben mich setzt, sich anlehnt und mir sagt, dass es gut ist neben mir zu sein..............
ich betrüge meinen mann fast mit solchen ausflüchten
und ich hab nicht mal wirklich ein schlechtes gewissen, ich gestehe es mir zu. und ich komme zu ihm wie zu einem freund, den man sehr sehr gerne mag, aber mehr nicht.
einen augenblick lebt es sich auf diese weise gut, im anderen augenblick ....... kommt es einem tatsächlich vor wie eine riesen-riesen-große lüge.
ich kann einfach überhaupt nicht umgehen mit dieser situation, überhaupt nicht.
bin froh, dass ich euch meine gedanken erzählen kann. auch wenn sie verwirrend sind, ----- auch für mich selber.
maria ebner-eschenbach hat gesagt, wenn ein unglück eintritt bekommt man die kraft wieder, die man aus angst vor diesem unglück verloren hat.
ja, ich verliere voll viel kraft und irgendwie ist da die sehnsucht, diese kraft zurückzubekommen.
ich denke mir echt öfter, wär es vorbei, dann wäre ich ...... befreit.
aber dann könnte es so sein wie strandläuferin es beschrieben hat.
sollte ich die ruder umkehren?????? mich aufraffen, IHN anschauen, mich auf IHN einlassen????? nicht ständig woanders hinflüchten - so in gedanken und gefühlsmäßig.
?????????
ich weiß es nicht.
hier im internet ordne ich mich manchmal ein bisschen.
ich benütze das internet so als ausgleich zu dem, was es mir an "fluch" eingebracht hat.
wie gesagt, hätte ich diese diagnosen nicht gelesen, vor 10 jahren und JETZT in diesen tagen, wär mir vieles, vieles leichter gegangen.
danke fürs da sein.
bis .... morgen, in zwei wochen, zwei monaten?????????
abendsonne