Liebe Abendsonne,
Du magst Erfahrungsberichte ... ich übrigens auch ;-). Obwohl, ganz ehrlich, weiterhelfen tun sie einem im Vorfeld nicht wirklich. So individuell, wie Du bist, so individuell werden auch Deine Erfahrungen sein. Aber es geht wohl darum, die ganze Palette an Möglichkeiten innerlich abzuscannen.
Reinfriede
es gibt absolut nichts im Leben, das nur Nachteile hätte. Jede Medaille hat zwei Seiten, es kommt immer nur drauf an, auf welche man vorwiegend guckt.
Genau so ist es.
Die Trennungsgeschichten zB von Reinfriede und mir sind zwei Extreme, wie Tag und Nacht, so verschieden. Die Hauptunterschiede liegen in signifikanten Merkmalen:
zB hat Reinfriede selbst die Trennung veranlasst, war dadurch in der Position, selbstwirksam zu sein. Und hat entsprechend wenig bis gar nicht gelitten, weil die neue Lebensform eine von ihr selbst angestrebte war (oder, Reinfriede??)
Ich hingegen wurde verlassen (ich kann's nicht anders formulieren, obwohl es sehr nach Opferhaltung klingt). Ich wollte zu keiner Zeit geschieden werden, konnte damit überhaupt nicht umgehen. Inzwischen kann ich es natürlich, was aber hauptsächlich damit zu tun hat, dass die Kinder wieder viel Raum in meinem Leben einnehmen. Wie Du ja weißt, hatte ich über Jahre keinen Kontakt zu ihnen. Ich musste aus dem Haus ausziehen, habe meine Arbeit in dem bis dahin gemeinsamen Unternehmen verloren, damit auch mein sehr gutes Einkommen, mein Firmenauto ... mein Mann hat sich finanziell sehr unfair verhalten, was ich ihm nie so zugetraut hätte. Seine Integrität mir gegenüber erwies sich als Trugschluß.
Nach dem Scheidungstermin (er gab mir die Hand und sagte "Auf Wiederschaun") haben wir nie wieder miteinander gesprochen.
Letztes Jahr hat er mir einmal eine verzweifelt klingende sms geschrieben, wie schlecht es ihm gehe. Konnte ich aber nicht einordnen, kann es immer noch nicht.
Auch die Kinder sind für ihn kein Grund, einander auf der Eltern-Ebene zu begegnen. Dieser Punkt schmerzt mich am meisten, die Kinder übrigens auch. Sie verstehen es genau so wenig wie ich.
Wenn wir uns mal sehen in der Stadt, dann grüßen wir einander, und nichts lässt darauf schließen, dass wir
20 Jahre miteinander verbracht haben, geschweige denn, dass wir 3 gemeinsame Kinder haben.
Ja, mir tut das extrem weh.
Mit seiner Frau zusammen habe ich ihn ein einziges Mal gesehen. Mein Puls stieg in's Unermessliche, und um meine innere Contenance war's geschehen. Das lag aber an der speziellen Vorgeschichte. Wäre es eine andere Frau gewesen (eine, die er nach der Trennung kennengelernt hätte), dann hätte mich das kaum tangiert.
Mein Mann wollte mich auch Mutter-mäßig regelrecht austauschen, es hat sich aber mit der Zeit gezeigt, dass diese Rechnung nicht aufgeht. Lange glaubte ich aber genau das, und es hat mich fast umgebracht, ich habe wirklich gelitten.
Liebe Abendsonne, wie ich Dir schon mal sagte, einen derartigen Super-Gau wirst DU nicht erleben, meines ist ein extremes Beispiel. Ich persönlich glaube überhaupt nicht, dass Du einen Gau erleben wirst. Worst-case Szenarien (wie Du sie Dir manchmal ausmalst) haben die Tendenz, sich nicht zu verwirklichen.
Obwohl ich weiß, was Du mit Deinem Badewannen-Beispiel oder der Terrassen-Idylle sagen willst, es sind und bleiben vergleichsweise Peanuts! Glaub mir, man ist sehr anpassungsfähig, flexibel und kreativ, wenn es darauf ankommt, und das ist ein tolles Gefühl.
Das Nexten-Thema ... vergiss es einfach.
Sowohl was eine eventuelle Zukünftige Deines Mannes betrifft als auch auf Dich selbst bezogen. Gib dem Lauf des Lebens einfach eine Chance.
abendsonne
er kam gerade bei der tür rein, um die gelegenheit zu ergreifen, wieder männer-mäßig unterwegs zu sein. "wird eine zeit dauern"
Dein Mann ist ja oft "männer-mäßig" unterwegs (au weia, alleine schon da - und im Hinblick dessen, dass er wahrscheinlich in's Wirtshaus geht und ebenso wahrscheinlich kein Mineralwasser konsumiert - würde ich austicken).
Aber es ist Sonntag, Du arbeitest heute nicht, bist zuhause, die Kinder wahrscheinlich auch. Warum unternehmt Ihr denn familien-mäßig nichts zusammen? Hat nichts mit Freiraum beschränken zu tun, aber ich sehe nicht wirklich einen Schritt in eine gemeinsame Richtung.
Wie siehst Du das denn?
Anders gesagt - fühlt sich die Vorstellung, dass alles so bleibt, wie es ist, für Dich gut an?
Herrlich gemütlicher Tag heute, ich Sonnenanbeterin mag dieses Wetter trotzdem auch recht gerne.
LG
Lucille
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