liebe lucille,
deine worte sind mir sehr nahe gegangen, ich sitze da und heule. auch wegen deines persönlichen feuerwerks, - das sich glaub ich ziemlich in meiner nähe zuträgt

. ich denke, so eine nachricht bringt einen durch die ganze nacht alleine, durch viele karge zeiten, mehr braucht man irgendwie nicht.
dennoch hast du da ganz recht:
Selbst wenn man tatsächlich keine Lust auf Geselligkeit hat, schwimmt man scheinbar just an diesem Abend gegen den Strom der
restlichen Menschheit.
ja, genau das ist es. ist es vielleicht auch eingeredet, "keine lust auf geselligkeit". wäre man nicht vielleicht lieber in einer lustigen runde intregriert?? so die letzte billa-werbung auf weihnachten, so eine runde der fröhlichen übereinstimmung, zusammengehörigkeit.
und man sagt sich aus selbstschutz, ich MÖCHTE ja gar nicht weg gehen??
aber ehrlich, es mutet seltsam an. bei mir wissen sehr viele, dass ich mich gerade getrennt hab, es kam keine einzige anfrage: sag, was machst du.
mein mann sagt, ich werde mal ganz alleine da stehen und auch meine tochter sagt mir das.
steh ich nicht schon alleine da? naja, er hätte mich jedenfalls eingeladen, mit zum vater zu fahren.
aber sonst???
also, ich würde jedenfalls schon anfragen bei jemanden, der sich gerade getrennt hat, ob er eh nicht alleine ist.... . ich bin aber generell anders, ich weiß.... . mach mir den kopf für andere.
die wissen sich eh selber zu helfen. ich bin da einfach zu sozial.
hab mir sogar gedanken gemacht um die freundin der schwägerin, ob sie eh die nacht nicht alleine ist, sonst könnte sie ja zu mir kommen
dann hab ich gestern nacht auch katastrophal ausgesehen, wie eine alte verhermte frau, es hat sich alles schon sehr an meinem aussehen niedergeschlagen. vielleicht hab ich schon eine destruktive grundausstrahlung.
kein wunder, dachte ich am morgen. schau dir dein leben an:
es ist alles andere als so, dass ich jetzt - getrennt - das absolut super-leben hab. ich hatte es vorher schon gar nicht, aber da konnte ich eben in diese ablenkung gehen.
jetzt muss ich krass sparen, so bleibt mir eigentlich mehr oder weniger nur die chance, daheim zu sitzen. oder um die häuser zu ziehen spaziergangmäßig.
ich weiß noch nicht, wie ich nachher kalkulieren kann, wenn kein zusatzgeld mehr reinkommt. MOMENTAN brauch ich noch das doppelte von dem, was ich nachher übrig hab.
und DAHER be
gann ich den neujahrs-morgen mit echt einem bösen erwachen, mit einer art panik.
dachte mir: schau dir an, was rundherum ist. ein kranker mann, dessen tochter ihn absolut vergöttert und die die sich verantwortlich sieht, für ihn da zu sein. ein sohn, der immer mehr entgleitet und dem lieben buben entweicht (hat schon knalle sprüche wie "verfickte alte"). ein mann, der mir silvester-sms schreibt und mich selbst DA erinnert, dass ich mit der tochter nicht kann. oder sie mit mir.
"ist momentan ne schlechte zeit für euch, wird schon wieder".
auf die idee, dass es mit seiner unzulänglichkeit zu tun hat, dass ich mit ihr schwierigkeiten hab, kommt er nicht. würde er das lernen bei sich lassen, hätten wir die schwierigkeiten nicht.
also, so hab ich mir gedacht am morgen:
vom mann bin ich räumlich getrennt, aber er ist noch in meinem leben, tagtäglich.
dass die tochter kein zimmer mehr hat, weil ich mir jetzt ein schlafzimmer mache, zeigt von einem absoluten schnitt in unserer beziehung.
die mutter, mit der ich seit einem jahr ein gutes verhältnis hab, werd ich nicht mehr lange in der art haben wie jetzt. sie ist alt und krank (den brustkrebs dürfte sie aber überstanden haben). endlich hab ich eine beziehung zu ihr, dann werd ich sie bald verlieren.
der vater ist bettlägrig. hat immer extremste nervenschmerzen.
die schwester ist obdachlos, lebt irgendwo auf der straße,
dagegen ist der bruder millionär, bekommt alles gratis und ist aber auch nicht glücklich. bei einer sekte dabei, traktiert er die ganze umgebung mit seiner herrlichkeit. fast tägliche dramen in seiner familie. schwägerin ist mit den nerven schon am ende. ihre mutter schwerst krank, vater krebs überstanden, zwei omas pflegefälle, selber eine sehr einschränkende krankheit. bruder durch einen unfall behindert.
vom bruder kann ich nichts haben. nachgefragt ob er mir eine kleinigkeit repariert, sagt er mir: unter 200 euro nehm ich keine aufträge an. das ist die hilfe von ihm.
der neffe von uns von der brücke runtergesprungen, fast 200 meter - ich habs schon öfter erwähnt
sein bruder, unser zweiter neffe, kämpft sich so durch. immer arbeitslos, hat einen vater mit 800 euro pension, der auch chronisch krank ist und dessen freundin schwerst krank ist. der opa von ihm gerade gestorben, die oma im pflegeheim.
in unserer familie ist es krass. wo man hinschaut.
es heißt, überall ist was. aber ich glaubs nicht. schau mir da eine weitschichtig verwandte familie an. haben einen sohn im alter meines buben. eltern, die immer da sind, voll die netten schwiegereltern, sie können sich sehr oft frei machen, fahren ins schi-wochenende, haben gerade haus gebaut, der mann vergöttert sie. sooo schlimm kanns da nicht sein. sicher wirds ab und zu was geben.
auch der bruder meines mannes hats ganz gut. sind 3 mal im jahr weg, dann immer mit freunden unterwegs, voll die harmonische beziehung. sie bekommt am hochzeitstag sektfrühstück an den strand serviert bei sonnenaufgang. daheim ist aber der vater im haus, um den sie sich kümmern. sie bekommen aber einen finanziellen ausgleich von 700 euro fürs wäschewaschen etc.. , sind immer irgendwie angehängt. DAs möcht ich auch nicht unbedingt.
dennoch frag ich mich:
was alles passiert da um mich herum, dieser mann, um dens da geht, ist ja auch wieder mit MIR irgendwie im zusamenhang.
wo bin ich da, in welchem leben, nur krankheit und schlimme sachen herum,
u
nd ich kann NICHT - so wie mein bruder - in die ablenkung gehen.
die fahren ständig auf urlaub oder in die berge, sind unterwegs am flanieren, als millionäre geht das ganz gut.
ich kann nichts tun außer daheim sitzen und schauen, dass ich über die runden komm.
DAS ist meine perspektive für 2012. WAR meine perspektive.
ich konnte nichts dafür:
so düster bin ich einfach aufgewacht.
schrecklich hat es sich angefühlt.